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Rheinisches Wörterbuch 
 
Flick(en) bis Flicker (Bd. 2, Sp. 600 bis 603)
 
  NRhWB  PfWB  ElsWB Flick(en) Rhfrk -igə Sg. u. Pl.; Mosfrk -ek u. -gən, Pl. -gən, meist aber Steck Stück (Birkf, Trier-Stdt hat Fl. nicht, aber flegən, –ø- flicken); sonst -ek, Pl. -kə(n) neben Sg. u. Pl. -kə(n); Demin. -kχə(n), –əlχə(n), Nfrk -kskə m.: 1. wie nhd.; ene Fl. in e Bocks sette Nfrk, Allg. — 2. übertr. a. vlekə Pl. Kaldaunen Aach-Stdt. — b. vlek Ohrfeige Aach-Eilend OForstb.

flicken schw.: 1. etwas fl., ausbessern. a. Kleidungsstücke, Schuhe. RA.: Nähjen, stoppen, fl., dat sall sek woll schicken Gummb. We net zo rechter Zick (Zeit) fleck, moss neu kofe Rip. Korte Röck send gau (schnell) gefleckt kleine Schulden schnell bezahlt Kemp-SPeter. Kättchen setzt am (im) Kellerloch on fleckt de grenen Innerrock Fastnachtsld. Bitb-Feilsd. Mattes, du Labbes, du liderlicher Hond, we wösch der, we fleck der, we get der en al Lomp? Aden-Wershf. — Wer sin Schoh selver ka fl., brukt nit tom Schuster te schecken Sol, Kreuzn-Boos. Wen emol op em Stuhl gesess hot, wo e Schuster drop setzt, de muss Schuh fl. kenne Trier-Kenn. Schuster,

[Bd. 2, Sp. 601]
Sch., pick, p., p., hascht mer bald de Schuh geflickt? Saarbr-Auersmacher. — Me schnid de Sack bowen af un flickt em unnen neue Schulden machen, um alte zu bezahlen Ess. — Enem am Tüg fl. an einem auszusetzen haben NBerg, n. Ruhr, — am Keddel fl. Sieg. — b. andere Dinge fl. RA.: An en au (alte) Schottel es nicks miəh ze fl. an alten Menschen Aach-Merkst. De Pann fl. bezahlen müssen, bes. beim Kartensp. Wend-Berglangenb, Malm-Weywertz. De hat näs (beinahe) en Teller gefleckt zerbrochen Saarbg. E gefleck Hus hält döcks (oft) länger als e neu Kemp. An al (alten) Hüser un al Wiver es luter jet ze fl. Köln. Et Dach fl., de Mur fl. Rip, Allg. Du kris de Kart gefleckt! du wirst schon deine Schelte bekommen NBerg (o. O.). — Knochen fl., gebrochene Kn. zusammensetzen Allg. — Enem de Uhre fl. um die Ohren hauen Sieg-ODollend. — Spetz genast en dönn geleppt (von einer Frau), dat hat der Düvel gefleckt Aach. — c. Bäume, Hecken fl., unnütze Triebe aushauen Rip, Berg, Geilk. — d. einen fl , an einem fl., herumdoktern, –kurieren wollen, bes. an alten Menschen; auch an enem herömfl; an mir es nüs mih ze fl. ich sterbe doch bald Rip, Allg.; den Dokter hät öhm wer (wieder) so eflkes (eben) anengefleckt (aneinander-) Geld, Allg.; do helft all Fl. neist meh; vor 'sch (vor sie) erauszefl., sin zwen Däkter iwig se gang Simm. RA.: An alde Möhles (Mühlen) (Hüs) on alde Wiwer es ömmer wat te fl. Mörs-Rheinbg, Rees. Met er gefleckte Frau un em gefleckten Hus küt mer all si Leven met us Köln, Aach. — 2. übertr. a. sich de Kez (Ranze, Bauch) fl. tüchtig den Bauch voll schlagen Hunsr, Düss; sech de Rebbe (Rippen) fl. Neuw. — Auch sich fl.; ich hon mich geflickt.b. et fl es toll treiben; do hammer et äver es schro (gehüreg, mächteg, örndlech, wös, schün, arg) gefleck; de hät et sing Dag bongkteg gefleck; du flecks et su lang, bes se dech beim Kribs han; die Affekate han et met dem dove Bur gefleck, bes gene Stetz mih seng wor; de hat et ens seng jong Johre ze ärg gefleckt Rip, Berg, Selfk, WEif; dat höbbs de fin geflickt einen feinen Streich gespielt Selfk, Rees. RA.: Do welle mer et noch emol fl., sat der Schnider va Durwittgen, de op der Hochzeit den Brockschoh stellen sollt (o. O.). — c. enem dra fl. ihn ordentlich hernehmen, schelten, prügeln Rip. — d. sich fl., sich schmücken, zieren uWupp, Neuss. RA.: Men mott (muss) sik op den olden Dag noch mor (nur) en betje herutfl., anders es men gar necks mehr Rees. Sech op die Mau (Ärmel) fl. dass; sich sehr anstrengen ebd., Gummb. E hat sich arg en den Schelm

[Bd. 2, Sp. 602]
geflickt man hatte mehr von ihm erwartet, als er nun zeigt Gummb; er flickt sek in en Esel wird grob Lennep-Radevormwald. — e. einen Stein fl., mit einem St. fl., werfen; ich fleck em ene Sten an der Kopp; etwas hinfl. mit Gewalt zu Boden werfen Aach, Jül. — f. einem eine fl., hinter die Ohren hauen; ich fleck dich gelich eng, datste de Tummelöət schleəhs! Aach; doə höbbste em en gouw (gute) geflickt; flick em ein an en Ohr! Selfk; enen fl Düss, Westerw. — Fl. mit Messer stechen MGladb-Rheind. — g. dat sich's flickt dass es nur so schlimm ist; dem stehn (nach harter Arbeit) die Finger grad det Oweds, dat ... Simm (bei Rottmann). — Abl.: die Flickerei, dat Geflicks, sich zerfl.

ab- flicken: die Äste eines gefällten Baumes abhauen Sieg-Neuenhsn; sonst en Bom opfl., usbotzen. PfWB an -flicken: etwas a., Getrenntes zusammenfügen, zunächst bei Webstoffen durch Nähen; dann auch bei Hölzern durch Nägeln, bei Papier durch Kleben Allg.auf -flicken: 1. einen Baum a., aufästen, an ihm die untern Äste abhauen; eine Stange a., die kleinen Zweige sämtlich entfernen Rip. — 2. etwas a., aufbessern Köln. — 3. sich a., sich putzen, schön ankleiden NEif, Rip, Berg; me moss sich en os Johre (im Alter) noch at e bes-che opfl., wenn me net ganz wellt överig werde Aach.  PfWB  ElsWB aus -flicken: 1.a. ausbessern; de Zong, et Dach usfl. (sonst das Simpl.) Rip, Allg. — Se Gewesse usfl. beichten MüEif. — b. ausbleibende u. wegfallende Weinstöcke ergänzen (auch absol.); en de Wingert a. gihn; sen Stäck (Stöcke) ausbliwen, da gen se ausgefleckt met Reflik (Wurzelreben) Mos. — 2. Bäume, Stangen, eine Hecke a., die Äste daran abhauen Rip, Nfrk. bei -flicken: 1. etwas b., alles ausbessern Aach. — 2. etwas nebenher mitmachen Sieg-ODollend. ein -flicken: mit e., zugleich mit angeben, nach dem Nhd. Allg.nach -flicken: wie nhd.zu -flicken: einen Riss im Kleide z., wie nhd.

Flick f.: 1. Pl. -gən eine ausgebesserte Stelle, die trotz aller Müheaufwendung doch nichts Rechtes ergibt Bitb-Betting NWeis Wettl. — 2. in dem Spr.: Gott trist (tröste) mein Fleck (Frau, die flickte), hätt ech mein Rompel widder (wenn sie auch es oberflächlich machte) von einem Manne gesagt, der zum zweitenmal eine wenig haushälterische Frau heiratete May-Trimbs. — 3. Name einer Kuh Geilk-Honsd; N. eines Hundes Wippf-Thier.

 PfWB Flick-arbeit,  PfWB Flickfrau,  PfWB Flicklappen,  PfWB Flicknadel , Flickschneider, Flickschuster, Flickwerk wie nhd.; dazu: Flickaules -ū:ləs Kemp-Dornbusch m.: scherzh. Beichtstuhl. Flick-beil n.: B. zum Flicken der Bäume Bo; Handbeil Mettm-Cronenbg. RA.: De es mem Fl. usgehaue plump, grob Bo. Flick-bock -u- Simm m.: Schimpfw. für

[Bd. 2, Sp. 603]
den Schneider. Flick-schneider (s. S.) Allg. m.: wie nhd. Flick-schröder -rȳ·ə.r Kemp (veralt.) m.: -schneider, der früher ins Haus kam. NRhWB Flick-schulden Sieg-Elthsn, Dinsl-Hiesf Pl.: kleine Sch., Placksch. Flick-stücker -øg- Trier-Stdt Pl.: die beim Kauf beigegebenen Fl.lappen.

 PfWB Flicker m.: 1. Pl. Gesindel Altk-Helmenzen. — 2. s. Düppen-, Knochen-, Schinkenfl.