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Rheinisches Wörterbuch 
 
Fise II bis Fisel II (Bd. 2, Sp. 492 bis 494)
 
  NRhWB  PfWB Fise II f.: 1.a. fī(ə)s, Pl. -zə Bohnenseitenfaser Wittl-Monzel, Wippf, Gummb, Waldbr; s. Fese. — b. fīs, Pl. -zə Kobl-Güls; vis Monsch-Rötgen; fiskū·ə.rt Prüm-NPrüm: die am Lederseil (Läufer) der Peitsche vorn befestigte aus Zwirn geflochtene Schlagkordel, die Firschmick (Vorschmicke). — 2. übertr. Sg. t. fis Daun-Strohn; -ī- Trier-Ld, Wittl, Bitb (-i- WBitb), SPrüm, gern -sχən; fīsχə Wippf-Frielingsd; -i- Waldbr-OElling, in der Wend.: (en) klen F. ein wenig; ke F. rein nichts.

fisen -i- Simm-Schlierschd, Bernk-Longkamp Cues Lösnich Maring (-ī-), Neuw (-ī-); -ī(ə)- Wippf, Gummb, Waldbr; fizələ uWupp 1870 schw.: Bohnen f., abziehen.

Fisel -iz- Rip, Berg, Nfrk; -ez- Eup; -es- Siegld; -is- Zell-Trarb, Daun-OEhe; -īs- Zell-Blankenr, Birkf-Idar; Pl. -ələ [Klevld -əlts], Demin. -əlχə, –kə; fisən (Pl.) Altk-Betzd m. [f. Siegld, Eup]: 1. durch eine Spaltung Abgetrenntes, Fädchen, Fäserchen; kurzer, dünner Faden, Kleiderfetzen; ganz kleine Stückchen; F.ə machen Allg. — F.ə Zahnreste im Munde Grevbr, Kref; Hautstreifen, losgelöst an den Seitenrändern der Fingernägel Geilk-Gangelt; Bartflaum Kemp-Dülken; Abfall des Flachses beim Brechen Birkf-Idar. — 2. en F., meist -əlχə (-kə) ein Weniges, ein kleiner Rest Allg.; nur noch en F.(che) Heu, Botter udgl.; en klitz F.che; kene F. krigste rein gar nichts; ech froge kene F. nom N. Rip, Allg.; et es en dönn F.chen eine dünne Schnitte Brot Gummb. — 3. feiner Regen oder Schnee Eup, Kobl-Bend, Wesel.

[Bd. 2, Sp. 493]
4. schmächtiges Kind; met sin F.ə mit seinen Kumpanen Eup.

Ge-fisel(s) Sg. t n.: 1. viele, lästige Fiseln; schlechter Stoff; kleine Reste, Abfall; ein Durcheinander von allerhand (bes. Gummb) Allg.; he het G. onger der Nasen nur Bartflaum Sol-Langenf; dat es äve och jet G. Bergh-Elsd. — Sehr kleine Kartoffeln Westerw, Wittl-Muhlb. — Jet G. Zahnreste Bo-Walberbg. — 2. feiner Regen Allg.

Fisels-härchen -h:- Erk-Körrenz n.: kleines H. Fisels-kerl Köln m.: schwächlicher Mensch. Fisels-regen Rip, Nfrk m.: feiner Sprühregen. Fisels-schuld -o- Dür f.: Plackschuld. Fisels-tusch -əl- Köln m.: Hohntusch mit Musik.

fiseln schw.: 1. -iz- trans. a. etwas f., zerzupfen, zerfasern; in dünne Scheiben schneiden, kleine Stücke machen Siegld, Sieg-Fussh, Sol, Mettm, Düss, Aach, Eup. RA.: Jet gefiselt (ein wenig Gras abgeschnitten), geziselt (lose gehäuft), heim gekiselt, es de Koh on de Mähr bedroge Sol. — Im bes. Bohnen f., in dünne Scheiben schneiden Sol, uWupp; B. abziehen Kobl-Bend, Sieg-Felderhoferbrück (-ez-), MülhRh-BGladb, Mettm-Neviges, Remschd, Lennep, Ruhr, Gummb-Dieringhsn (-īə-).b. einen f., mit der Rute schlagen Sieg-Mond. — 2. intrans. a. -iz- ausfasern; et Doch fiselt Mosfrk (-ī-), Rip, SNfrk verbr. [fisən Altk-Betzd]; et Holz fiselt splittert Goar-Osterspay; die Kalkschicht fiselt Altk-NFischb; die Grane (Holzteile des Flachses) f. schleissen, gehen beim Brechen ab Birkf-Idar; dem fiselt de Mull er hat entzündete Mundecken MGladb. — b. -iz-, seltener -e- Allg.; -ĩz- Simm, Goar, Mosfrk n. Mos, Wesel; et fiselt ein feiner Staubregen fällt; ein leichter Nebel fällt als Regen herunter; auch vom Fallen kleiner Schneeflöckchen; et fiselt us der Luəch, me wess noch net, of et rent (regnet) oder schneit MüEif; et es am f.; et fiselt heraf. — Ein oft nur stricknadelstarker, feiner Wasserstrahl fiselt aus der Felsspalte Neuw-Datzeroth. — c. et fiselt mir fir den Auen es flimmert Koch-Clotten. — S. auch fuseln. — d. fein sein uWupp 1870; sparsam sein Grevbr-Wickr. — Abl.: die Fisel(er)ei, dat Gefisel(s). sich zerf.

ab- fiseln: 1. trans. etwas a. a. abzupfen Bo-Beuel, Kemp-Süchteln; abkratzen, abschaben Gummb-Berghsn. — b. ungeschickt abschneiden, dass es in zerbröckelten Stücken abfällt Eusk-Lechenich. — c. einen Knochen a., abnagen Saarbr-Sulzb. — d. Bohnen a., abziehen Altk-Wissen. — 2. intrans. abfasern Mörs-Orsoy. aus -fiseln: ausfasern Nfrk, Trier.zer -fiseln: etwas z., zerschnippeln Kobl-Vallendar, Wippf.

fiselig Adj.: 1. fasericht, zerrissen Verbr. — 2. klein, zart, dünn, von Dingen u. Menschen; en f. Mädchen klein mit zarten Fliedern

[Bd. 2, Sp. 494]
Neuw, Sieg, MülhRh, Gummb, Dür. — 3. rieselnd, fein regnend; en f. Wedder; et rent su f. Verbr.

Fisem -is- Saarbr, Ottw, Saarl, Simm, Kobl, Westerw, Aden bis uAhr, Prüm-Ihren; -īz- uSaar, Trier, Bitb, Wittl, Bernk, Goar; Pl. -əmə(n). Demin. -mχə(n) f.: 1. Faserteilchen, zerzauste Fäden, Stücke Stoff oder Papier, Wolle, Werg, Holz. De hat nore en paar F.cher Bartflaum. — 2. Faser an der Bohne Simm-Schlierschd. — 3. kaine F. rein gar nichts Kobl. S. Pisem, Pidem, Fasem, Fusem. — Abl.: dat Gefisems.

fisemen schw.: 1. trans. Bohnen f., entfädemen Kobl, Neuw. — 2. intrans. a. ausfasern; der Stoff fisemt ger Allg. — b. et fisemt es fällt Staubregen Kobl, Neuw. — Abl.: dat Gefisems.

aus- fisemen: ausfasern Ahrw-Remag.

 PfWB fisemig Adj.: gerne fasernd, von Stoffen.

Fiser -i- Pl- -ərə m.: Faser an der Bohne Simm-Schlierschd; Fisercher kleine Fädchenteile, wie sie etwa von einem Verband in der Wunde zurückbleiben können Wend-Dörrenb.

fisern Saarbr schw.: fasern.
 
 
fise-brimen fizəbrīəmə schw.: 1. an etwas herumarbeiten, eine Arbeit schlecht u. unordentlich verrichten, unnütze Arbeiten tun, fisternöllen Erk, Heinsb-Tüddern Lümb (-zəl-); fezəbremə(lə) Heinsb-Millen; da hät er sich get biei (beieinander) gefisebremt.2. einen f., prügeln Geilk-Bauchen, Heinsb-Erpen. — Abl.: die Fisebrimerei, der F.brimeler.
 
 
Fisek fīsek , Pl. -kən m.: 1. scherzh. Flinte Prüm-Mürlenb 1860. — 2. Schlaufuchs, geriebener Mensch Prüm-Ihren Waxw. RA.: Su monter wie e F. — Happer F.! Fluch Prüm-Ihren; zacker Fusik! Bitb-Wiersd.
 
 
Fise-katnöff fizəkatnøf  Elbf f.: verächtl. Nase, Gesicht.
 
 
Fise-kontes fizəkontəs  Grevbr, Neuss, Düss, Kref, Kemp; -kōŋkəs, Pl. -əsə Mörs-Neuk; fizəlkont Duisb-Beeck, Rees-Elten; fistkont Emmerich; fizikont Geld-Straelen; Pl. -tə m.: empfindlicher Mensch, Nörgler, der bes. am Essen immer etwas auszusetzen hat; kleinlicher, unangenehmer Mensch [streitsüchtig, egoistisch, falsch Kref-Fischeln Willich]. — Ein Pfiffikus, der still an Verbesserungen oder Erfindungen arbeitet und mit seinem Erfolg nicht prahlt; ein Tüftelhans, der alles ausklügelt; einer, der zu langsam an etwas herumarbeitet Kemp, Mörs, Geld-Straelen. — Frz. visconte?

Fisel I = Fäserchen s. Fise II.
 
 
Fisel II fīzəl, Geld, Klev (u. -zər), Rees; -zər n. Ruhr, Mörs-Friemersh; Pl. -zəlts (-ərs) m.: Mörser zum Zerstossen von Gewürzen, ndl. vijzel.