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Rheinisches Wörterbuch 
 
Filz bis Fimelfutte (Bd. 2, Sp. 451 bis 454)
 
  NRhWB Filz -e-; Nfrk auch -ē-; Sol, Mettm, Lennep bis ö. zur Ürd.-L. -e-; Heinsb-Millen viltj m.: 1. wie nhd.; nur feltə ‘Einlagesohlen für die Schuhe’ zeigt unverschobenen Laut MGladb-Rheind, Erk-Bellinghv. — 2. die übertr. Bed. ‘Geizhals’ kaum in Gebrauch.

Filz-deckel (alter Hut Bitb-Betting), Filzhut, Filzpantuffel, Filzschlappen, Filzschlubben , Filzschuh, Filzstiefel wie nhd. PfWB  ElsWB Filz-laus felts- [felt- Rees] f.: 1. wie nhd. RA.: Kriddelig wie en F. Bitb; so krimpig wie en F. Simm-Laub; en as wie en F. empfindlich, nervös Mosfrk. Bei Apen, Papen on Affekaten, bei Flermüs on Feltschlüsen es schlecht husen Rees. — 2. übertr. a. persönl. α. empfindlicher, schnell beleidigter Mensch, auch schnell erkälteter M. Bernk-Neumag, Wittl-Ürzig Cröv, Trier-Trittenh. — β. geiziger M. Trier. — b. sachl. α. Holzkeilchen zum Verblenden, wenn die Einblattung zwischen Türstock u. Klappe nicht passt Bergmspr. Saarbr. — β. -ly:sχə, –kə das kleine, silberne 6-Pfennigstück, dann das silberne 20-Pfg.stück bis 1880 Rip, Nfrk verbr. — γ. -lȳskəs Pl. scherzh. Linsen Ess. Filz-mäus-chen -ȳ:- Gummb-Derschlag n.: das silberne 20-Pfg.stück.

filzen viltən Heinsb-Millen Adj.: aus Filz bestehend; enen f. Hout (Hut); f. Sohle udgl.

[Bd. 2, Sp. 452]

 NRhWB filzig Adj.: 1. im eigentl. Sinne. — 2. übertr. a. von Sachen; de Röb es f. hart, pelzig, ungeniessbar Kreuzn, May, MülhRh, MGladb; zäh, vom Fleisch Gummb; nicht aufgehend, vom Teig Wittl-Muhlb; ineinanderhängend, von Wurzeln, Gras, Pflanzen, dass dadurch das Mähen, Eggen, Pflügen gehindert wird Gummb; hart, krustig, vom Acker Grevbr-Wickr, MGladb-Hockst; widerlich, vom Speck MülhRh-BGladb; aufgedunsen Sieg-Fussh. — b. vom Menschen, geizig Verbr.
 
 
 NRhWB filzen schw.: 1. einen f., necken May-Kettig (-e-), Ahrw-Königsf (-ī-); schelten, Verweise geben Prüm-Mürlenb (-- 1860); einen peinigen, schlagen Neuw-Datzeroth (-i-); mit der Rute schlagen Saarbr-Dudw (-i-).2. stibitzen Sieg-Fussh.

Fimel I = zimperliches Mädchen s. fimeln II.
 
 
 NRhWB Fimel II -ī- Trier-Ld, Wittl, Bitb, SPrüm, Simm, Birkf, Waldbr-Denkl Wildbg, Siegld; sonst -i- Sg. t. m.: 1.a. die männliche Hanfpflanze, während die weibliche Sämer Saarbr, Mäsch Bitb, Bock Bitb-Dudeld, Haf Ottw heisst; sie ist kurz u. trägt keinen Samen u. wird eher als die weibl. Pflanze ausgezogen; jetzt nur noch Saar, WEif Hunsr, aber schon selten. Die Reife des F. erkennt man daran, dass er stöppt, also den männlichen Blütenstaub verstreut; der dann ausgerupfte F. wird auf einer Wiese dünn ausgespreitet; nach 4—6 Wochen Tauröste wird die Spreite mit einer Sichel aufgehoben u. in Bündel (Binsel) gebunden; entweder wird der F. nun im Backofen getrocknet oder auf der Brechkaul, auch Rücksk. genannt, unter schwachem Feuer geröstet; dann schreitet man zum Brechen, wobei die Töllen, die holzigen Teile, sich absondern u. die Fasern, Schleissen genannt, übrig bleiben; diese F.schleissen werden bei allen Verarbeitungen streng gesondert gehalten, denn sie liefern die feinste u. zarteste Ware (die Weiterverarbeitung s. bei Flachs); die nach dem Fimeln noch auf dem Felde verbleibenden Stengel, Mäsch, tragen die Samenkörner; bei der Reife der Körner werden sie ausgerupft u. mit dem Samen auf Haufen, Mölzen, gestellt; sie bleiben lange auf dem Felde stehen, bis zuletzt die Körner leicht mit der Hand abgestreift werden können; der Mäsch wird seltener im selben Herbst, meist erst im nächsten Frühjahr gespreitet, weil er sich dann leichter u. schöner bleichen lässt (s. Flachs) Bitb-Dahlem. RA.: Dau mei liewer Gott em Hiəmel, itz hon eich Hanf gesät, jetz es et lauder F.! Bernk-Stipshsn. Feərne, f. am Himmel stohn de Steərne; stohn de St. am H., em Garde wiəss (wächst) de F., wiəss de F. em G., de Bure welle mer schwarde (prügeln) usf. Ahr, Verbr. — b. feinste Hanffaser Saar, WEif;

[Bd. 2, Sp. 453]
man unterscheidet Oseken, Groft, Reisten, F. Prüm-Mürlenb, daraus f.hänfe Duch feinstes Tuch Saarbr-Sulzb. — 2.a. männliche Samenstaude beim Spinat Dür-Winden. — b. Kraft Heinsb-Karken.

Fimel-har -:- SWBitb n.: erste Qualität Hanf. Fimel-hemd -ələ- Birkf n.: H. vom Fimel. fimel-weise Siegld 1839 Adv.: den Ginster f., nur teilweise aus dem jungen Anschlage aushauen.

 NRhWB fimeln I schw.: 1. den Fimel ausrupfen; der Hanf get gefim(m)elt Allg.; et Werg f. Bitb. — 2. aus einer Lohhecke die besten Stangen herausnehmen u. schälen Prüm-Kl-Langenf Burb, Ahrw-Bengen; leicht durchforsten, den Besch as orentlich gefimelt gen gelichtet Bitb-Geichl. — 3.a. etwas f., aussuchen, herausfingern Simm-Laub. — b. Obst oder andere Früchte zwischenheraus nehmen, namentl. stehlen; mer hon em de Biren gefimelt Bitb-Dudeld. — c. einen f. α. prügeln, gegen einen scharf vorgehen Prüm-KlLangenf Mürlenb, Simm-Schlierschd. — β. den es gefimelt wuərden man hat ihm die Taschen geleert Prüm-Mürlenb 1860.

ab- fimeln: die Beeren a., einzeln abpflücken Mörs-Veen.ein -fimeln: einfädeln Wesel.
 
 
fimeln II -ī-, –īə- Aach, Jül, Geilk, Erk, MGladb, Grevbr-Allr, Heinsb-Myhl Erpen Karken, Kemp-Lobberich; -i·m.-, –im- Kref, Mörs, Geld, Klevld, Ruhr, Düss, Mettm, Elbf schw.: 1.a. ängstlich tun Aach. — b. zaudern, bes. nicht durchessen, wenig trinken, nippen Aach, Jül, Geilk, MGladb, Erk, Heinsb, Kref, Geld, Mörs, Klevld, Düss, Ruhr. — 2. tändeln, zimperlich umgehen mit etwas; langsam sein; mit der Arbeit nicht von der Stelle kommen; mit den Fingerspitzen an etwas arbeiten, ohne etwas zustande zu bringen; mit kleinen Mitteln etwas zu erreichen suchen; zarte, tüftelige, kleinliche Arbeit verrichten; arbeiten, ohne Verständnis zu der Arbeit zu haben = bosseln Elbf, Sol, Mettm, Ruhr, Rees, Mörs, Klev, Geld, Düss, Heinsb-Myhl, Eup; de fimmelt sek wat terechte (binen) Ess, Allg.; he fimmelt dran eröm on krit doch nicks te stang Mettm, Allg. — Kleinigkeiten entfernen, z. B. Fasern, Fettstückchen vom Fleisch Klev; auch sexuell = fummeln (s. d.) Sol. — Fimeles net! Zuruf beim Klickersp., wenn ein Kind beim Rollen der Kl. in die Kul ein zögerndes, unentschlossenes Spiel zeigt, lange überlegt, den Kl. in den Fingern herumdrehend, häufig den Platz wechselt, ehe es die richtige Stellung hat Kemp-Lobberich; fimmele mit Klickern ganz langsam spielen Aach-Richterich. — 3. -ī- schmeicheln Viersen. — 4. -i·m.- tuscheln, etwas zu vertuschen suchen Heinsb-Myhl. — 5. et fimmelt es regnet leise, es fiselt Rees-Stdt Wesel. — Abl.: die Fim(m)el(er)ei (mak mar net lang F.! keine

[Bd. 2, Sp. 454]
Ausflüchte Kref-Strümp), dat Gefim(m)els, der Fi(m)meler (Betbruder Klev).

Fimel I -ī- Geilk-Hünshv; -i- Kemp-SPeter, Rees Sg. t. m.: de (ene) F. in't Eəte häbbe zimperlich im Essen sein.

Fimel II -ī-, –īə-, –i·m., –im-, Pl. -ələ, gern -əlχə, –ələ Verbr. wie fimeln f.: 1. zartes, stilles, zaghaftes, langsames, verzärteltes, verweichlichtes Frauenzimmer; Zimperliese; m. vom männl. Geschlecht. — 2. eine Person (auch Kind), die nicht durchisst, tändelt Allg.

Fimel-dreher -drī·ə.r Heinsb-Karken m.: sehr langsamer Arbeiter. Fimel-futte -fot Mörs-Repelen, MülhRuhr f.: Zimperliese.