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Rheinisches Wörterbuch 
 
Ehre bis Ehres-hoven (Bd. 2, Sp. 22 bis 27)
 
  NRhWB Ehre ēă, ēr, ī:r [Prüm-Mürlenb daneben i·r.], ī·ă., ī·ă.r, ē·ă.r, ī·ə.r (s. ehe), Pl. -re(n) f.: 1. die eigne E. a. guter Name, guter Ruf, gutes Gewissen; er hot mir die E. gehol abgeschnitten Saarbr, Allg.; enem de I. afschniə Eup, Allg.; es hat die E. verlor das

[Bd. 2, Sp. 23]
Mädchen die Jungfrauschaft Saarbr, Allg. RA.: Beəter et Geld gestoəhle as de I. verloəre Kemp-SPeter; Gut verloren, neist v., Mut v., half v., E. v , alles v. Trier. Wer den Fasel (Saatfrucht) frisst, der die E. vergisst Saarl-Hüttersd. De I. am Nal (Nagel) hange losse ehrlos handeln Dür-Gürzenich. Im Umgang mit gewissenlosen Menschen hot mer singer I. ze winnig Prüm-Mürlenb. En hät seiner E. begess ist ehrlos geworden Merz-Bergen. Dat wär doch seiner E. nit ze viel Simm; dat eas deiner I. e kla Dalche (Teilchen) May-Trimbs. We sich der I. getruəs, geht der Schangde frei von einem öffentlichen Sünder Schleid-Reifferschd; der sich der E. getrus hät, der es der Sorgen ohn wer sich von andern unterhalten lässt Köln, Sieg. Et bes (beste) es, I. verwahrt on Köste gespart sagt der, der ungern eine Gefälligkeit anbietet, die schliesslich gar nicht angenommen wird, oder wer des Gegenbesuches nicht gewürdigt wurde Kemp, Geld, Rees. Wenn zwei sich freie onger eə Dach, dat brengt kleng I. en gruəss Gemach Aach. We seng Sach verwahrt, v. ander Löcks I. er führt sie nicht in Versuchung zu stehlen Eusk. Völ Kinder, völ E., mor se holden en de Noppen van de Kler (Kleider) Emmerich. — Sich a (in) senger I. gekrinkt (gekränkt) fihlen Bitb. Op I. on Gewesse! Beteuerung, auch allein op I.! Rip, Allg.; op E. un Seligkeit! Saarbr; op I.ə net! Verstärkung der Verneinung Rip. Reine Mungk un reine Hand küt met E. durch et ganze Land Köln. Beter met E.ən ondergohn as met Schemp on Schand bestohn Mörs. Met gode E.ə dovan afkomme Elbf, Allg ; met (gode) I.ə bestohn könne Allg. Met guger I. mit gutem Grunde; wenn ek bes 12 Uhr gewart häbb, konn ek met g. I. goəhn Kemp. Lever ärm en I.ən as rich en Schang Rip, Nfrk. Em (einem) an (in) I. a Glanz reden jmd. gehörig zurecht weisen Bitb-Geichl. He ös usər Hongsiəhr konn zum ersten Male Pate geworden Rip. Zor I. gehört sich mih we zor Nutdorf Köln. — b. Ehrgefühl; de hät ken I. en (em Lif, Balg) Rip, Allg.; du häs ken I. on ken Schömde (Scham) Eusk, Rheinb. Dür. — 2. die einem andern oder mir zustehende E., erwiesene E., Dienst; ech dank für de I.; enem alle I. andohn Rip, Allg.; enem de letzte E. erweisen (gen) nach dem Nhd.; ich duhn em die letzte E. an Simm-Schlierschd; en dicke E. hohe E. Elbf. RA.: Da's aller I. wert deine Aufwartung ehrt mich, das ist dankenswert Rip, Nfrk; eng I. ös de onger weərt Kemp, Allg. Zuvill I. es en half Schann Prüm-Mürlenb. Wässt (wächst) die E. spannenlang, wässt de »Torheit« ellenlang Mos (o. O.). Je grösser de I., je mih Beschwer Mos (o. O.); vill E.

[Bd. 2, Sp. 24]
es vill Beschwer Köln. Dat brengk vill E. un winnig Gewenn Köln. De Ähr brengt Brot, de E. de Dot Bernk-Wolf. De Friəme gebihrt de I. Bitb I., dem I. gebührt, seit der Düwel, do kreg he den Paffen am irschten am Kragen Sol. Ich gef em de I. devan er soll meinethalben der Nobele bleiben, mich aber befriedigen Dür-Langerwehe. Dem Bur gefällt de I. er ist feinfühliger, als man meint Dür; de Bur sät, de I. gefällt mir Aach. Wer I. versät (versagt), hät Schand ze erwarde Dür-Gürzenich. Den hescht (heisst) Goust (August), hen os aller I.ə getroust muss auf alle E. verzichten, sich über Zurücksetzung u. Leid zufrieden geben Prüm-Ihren. Met en Gaffel ös en I., met de Lepel krig me mihr Mörs. Kref, Klev; en Forschett os en I., mot dem Leffel geht et məih səihr (schneller) Prüm-Ihren. Alles usem Gott te I.ən, wat de net kanns. dat mosste lihren Wermelsk; alles der I.ə Goddes, äver nicks ömesös MGladb. He hat se nit all beimE.ə sei dem Vater’ er ist närrisch MülhRh-BGladb. Öch zer I. on mir zum Notzen moss ech öch de Schohn ens botzen Spruch, welchen Arbeiter sagen, wenn sie zur E. besuchender Herrn u. Damen bei der Arbeit diesen mit einem Tuch udgl. über die Schuhe putzen Bergh-Hüchelv, Prüm-Burb. Ek häff en E.ən te bestellen zur Hochzeit zu laden Elbf. — Einen u. etwas en E.ən hale wie nhd., Allg., z. B. halt ding Motter en E.ə Allg.; halt ding Kleier jet en I.ə in Ordnung MGladb; so sagt man auch do es de I. dervan, z. B. von einem Kleide, wenn es gewaschen ist Eusk. RA.: Grusse Here on klen Wonder moss me en I.ə hale Dür-Gürzenich. — Mit besonderer Betonung der Empfindung der Ehrung durch andere; wa's dat en I. för de ganze Familig! Kemp, Allg.: wat en E., min Dochter sett bei de Vedder in de Köts! Rees; de mät sech do en I. drut Nfrk, Allg.; I. met jet enlege Rip, Allg. — 3. ons E. die hl. Kommunion; de Kender kriegen ons E. (veralt.) Geld-Schravelen.

Un- ehre: wie nhd. Prüm-Mürlenb. 1860.

ehr-bar i·r.bər Prüm-Mürlenb 1860; ęrbər, –wər Siegld Adj.: 1. rechtschaffen, sittlich, eingezogen, artig, höflich, gefällig, gastfreundlich; der höher Gestellte wor meididig i. Prüm-Mürlenb. — 2. einfach; erbəre Klerer Siegld. Ehr-barkeit f.: wie nhd.; alles gung en der schinster Irberket Prüm-Mürlenb. Ehr-furcht f.: nach dem Nhd.; I. für enen han. ehr-lich Allg. Adj.: 1. wie nhd.; bes. aber das Eigentum des Nächsten achtend, nicht diebisch, reell. RA.: Wie Brut su i. Prüm. I. durt (dauert) ivig Dür, — hält de Strech (Streich), — de Buicht Bitb, — währt am längsten, wel et am winnigste gebrocht get Prüm-Ihren, Köln, — sat der Wingwert (Weinwirt),

[Bd. 2, Sp. 25]
do schnette se im de Wasserleidung af Köln. De es so e., dat ek en över Gold kann gohn loten Gummb, Rees. De ös blutärm. mar bös op de Penning e. Mörs. De es net schleit (schlecht), äver knapp i. um nicht zu sagen, er stiehlt MGladb, Jül. Mer kann och e bes-che ze i. sen Altk. Hen hat en i. Gesicht Allg. En i. Hangk (Hand) geht durch et ganze Langk Jül-Linnich, Daun-Neroth. Ener macht den angeren i. der eine ist wie der andere Sieg, Waldbr, Mettm; enen i. machen den Schaden für jmd. ersetzen, damit der Diebstahl unterdrückt wird Merz-Saarhölzb; N. os wider i. gemät wuəde etwa aus der zweiten Klasse des Soldatenstandes rehabilitiert Rip, Allg. I.ə Löck die sich recht u. schlecht durchs Leben schlagen Rip. Wann Spetzbove sich schänge (schimpfen), da kret der Önschöldege senge i.ə Name wedder Schleid-Reifferschd; wenn Schelm en Deif sich kive (schänge, zänke, Strit han), dann krit en i. Mann si Perd wiər Aach, Rip, Nfrk, — dann hürt I.monn, wo he si P. ka fenge Kemp-Grefr, — da kimmt en i.ə Mann zu singer Sach Prüm-Mürlenb. Wer sich will e. ernähre, muss vill schaffe, wenig zehre Simm-Horn; wer sech well e. on redlich ernähren, mott völl flecken on winnig vertehren Sol, Köln. En e ledige Stuf es et got i. sen Rip, Nfrk; dat es ene i.ə Mann em ledege Hus Dür-Gürzenich; in jerer Hand e lebendig Meck halle, is gut e. sen Birkf-Oberst. Dat os ene i.ə Mensch, de lät Amböss on glöhnig Iser leie Schleid-Reifferschd. Ken Angst, sot der Räwer, dau has et mot em i.ə Mensche ze dohn Koch-Urschmitt. Wonn en i.ə M. iwer de Breck geht, kan der Deiwel doch noch drenner setzen Prüm-Ihren. Jo, der E. hat de Geiss gestohl! wenn man die Ehrlichkeit jmdes. anzweifelt Saarbr. We as en e. Mensche stehlt, mott as en Deif hangen Ess. De macht den Düwel noch i. Altk-NFischb. De hät ken i. Hor om Kopp ist ein Erzgauner Rip, NBerg. — Nau so mer mol a i.ə Mensch, wot eich lo mache sall! stehende Wend Westerw, Allg Ich gef et dich i. (hengereə) wiər sagt man, um der Bitte Nachdruck zu geben Aach, Allg. — Net i. unehelich; dat Kend es net i. Bergh. — Dieb u. Ehrlich ein Kindersp.; auf je 7 Zetteln steht 1. Dieb, 2. Ehrlich, 3. Kläger, 4. Richter, 5. Amtmann, 6. Schandarm, 7. Hämmerer; diese Zettel werden nun hochgeworfen, u. jeder Spieler fängt sich je einen Zettel; was auf dem Z. steht, stellt er dar; der Dieb geht nun fort u. ruft: Wer geht met mer in de Fremd? Der E. geht mit, der Schandarm folgt u. fängt sie; sie werden vor Richter, Amtmann u. Kläger geführt; der Kläger muss nun sagen, wer von beiden der Dieb ist; nennt er den E., dann bekommt er vom Hämmerer Schläge; rät

[Bd. 2, Sp. 26]
er den Dieb, dann bringt er irgendeine Klage vor; Richter u. Amtmann bestimmen dann die Strafe, die der Hämmerer dann vollzieht Kreuzn-Bretzenh. — 2. gebührend, zustehend, ordentlich, wie es sich gehört, den Anforderungen entsprechend; he hät seng i. Del krig; en i. Stöck Flesch Rip, Allg.; dat Kled häste äwer i. verschlesse lang genug getragen, bis es endlich verschlissen ist; du häs i. gearbet tüchtig, so wie du konntest; ech han i. genog gewart so lange, wie man es nur von mir verlangen konnte; de hät seng Geld i. drop gemach auf eine bessere, tollere Weise konnte er es nicht; de hät mech i. beloge on betroge Rip, Allg.; ech hon noch ke i. Gebot gedoh krigt kein Gebot, wie es mir zusteht Daun, Allg.; et as ken e.ən Drauf (Traube) om ganze Wangert wie sie sein sollte Trier-Fell; er hot sich wie nit e. ufgefohrt ganz unbändig Simm. — 3. ērləks Adv. wirklich; es dat e. wohr? ek kreg e. en Flatsch an de Kopp Rees. un -ehrlich wie nhd. PfWB Ehr-lich-keit Allg. f.: wie nhd. RA.: I. geht derlängst Prüm-Leidenborn; I. hält am längste, sät der Bor, se wed äver och nit vill strapezert Köln. Dem sing I. un dem Düvel sing Barmherzigkeit gelden en Geld Köln. De I. mosste met der Lanter (Laterne) söke Jül-Limmich. Bedde (betteln) on Bescheisse (betrügen) helfe mih wie I. MüEif.

 PfWB  PfWB Ehren-amt,  PfWB  PfWB Ehrenbürger,  PfWB  PfWB Ehrensache,  NRhWB  PfWB  PfWB Ehrenwort nach dem Nhd. Ehren-breitstein m.: Feste bei Kobl. RA.: De hät de E. om Herz leie es ist ihm beengt Kobl-Lützel. Ehren-förster fētər Wittl-Osann m.: ehrenamtlicher Traubenhüter. Ehren-geldchen -gęlχən Bitb-Geichl n.: -zeichen, Orden. Ehren-hüter -he·i.dər Bernk-Cues m.: -förster. PfWB Ehren-mann Wend-Merzw m.: nach dem Nhd. in dem Wortsp. mit Ähre: De bischt e E., wammer dich in e Bosse (Bausch) Stroh steckt. PfWB  ElsWB  LothWB Ehren-preis Allg. m.: veronica offic. RA.: Flierenbluəmen (Schanickel, Balderjan) on I. hät de Düvel den Buren gewist (gezeigt) Sieg, uWupp, — hät dem Düvel de Höll gewis Sieg ODollend. E. mächt Lung un Lever weuss Zell-Briedel. Bernk-Lieser. ehren-reich ī·ə.rəntrīk Eup; -əntriχ Bergh, Bo Adj.: 1. –wert, –haft Eup. — 2. gastfreundlich Bergh, Bo. Ehren-schütz -e- Zell, Goar m.: -förster. Ehren-tag Verbr. m.: wie nhd., etwa der Tag der ersten Kommunion. Ehren-zeichen -teikə Eup, Sol, Mörs n.: Orden. Ehren-zipfel -tsibel Saarbr-Sulzb m.: in der Wend.: Enen am E. hole auf Ehre fragen.

 PfWB  ElsWB ehren schw.: wie nhd. 1. Ehre einbringen, dat ihrt mech Allg. — 2. einen, etwas e., verehren, schätzen, sorglich wahren Allg. RA.: We si Motter net iəhrt, kömmt net wit Nfrk.; we seng Eldere net iəhrt, de wür beəter om Kerkhof MGladb. De Alden moss mer i., den Jongen de Bockel kihren

[Bd. 2, Sp. 27]
(schmiere) Saarl-Fremersd, Aach; det Älter soll mer i. Eif (s. alt). De mosste i. för de Ondüəch für seine Untugend, Schlechtigkeit, sonst würde er einem Schaden zufügen, wenn man ihn behandelte, wie er es verdiente Kemp-Grefr. Wer dat Klein nit ihrt, es dat Grute nit wert Sol, Kref. Wej de Stüver nit ehrt, is den Daler nit wert Klev. De ihrt ne Plock (Wollpflock), es wert ne Rock Eup Ehrt de Kler, dann e. sej ow wer! Klev, Geld.

be- ehren einen b., nach dem Nhd. wohl in Gebrauch.
 
 
Ehres-hoven: Dorf im Kr. Wippf. RA.: Et ushalle esu got wie de Grof von Ihrigshoven Wippf-Lindlar.