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Rheinisches Wörterbuch 
 
Grutz bis zergrutzen (Bd. 2, Sp. 1472 bis 1476)
 
  NRhWB Grutz, Grutzen je nach Geb. mit verschiedener Bed. u. Form: 1. Rhfrk uNahe, ö. u. südl. Kreuzn-Monzing Langenth, Soonw, Simm-Ellern Rheinböllen Erb -ǫtsə Sg. u. Pl.; sonst Kreuzn, Meis, Birkf -u-, –o-; sonst Rhfrk, Mosfrk (s. die Begrenzung bei den einzelnen Bed.) -uts, Pl. -tsə ode -its; Sg. -o-, Pl. -tsə(n) u. -ets [an der Saar von Merz an -ǫts, Pl. selten -ę-, meist -ǫtsən; Sg. -ǫts(ə) begegnet auch in Goar, Koch, Kobl]; -a- Saarbg Portz-Sinz Tetting Wochern; --, –:- Merz-Saarhölzb Haustdt, Saarbg-Greimerath Tavern, Trier-Filzen Orenhf, Bitb-Speicher; -ō- Goar-Preischd Dillhf, Zell-Enkirch, May-SJohann; -ǫu- Wittl-Bengel,

[Bd. 2, Sp. 1473]
Bernk-Lückenbg Malborn, Neuw-Heddesd; vielfach begegnet hier u. da auch der Sg. -ets, –i-, Pl. -tsən, z. B. Bernk-Neumag m., die Formen auf -ts auch f. a. der innere Teil des Kernobstes, der herausgeschnitten wird, Kerngehäuse, Appe-, Birengr. Rhfrk, Mosfrk bis n. einschl. Saarbg-Eft Burg Tetting Kirf Kastel OZerf, Trier-Lampaden OEmmel Krettnach Pluwig Raschd Beuren nach N. zur Mosel bei Leiwen, die Moseldörfer bis Wittl-Cröv, u. dann n. der uMosel (Bernk, Zell, Koch, Kobl einschliessend) bis Wittl-Hetzerath Honth, Koch-Bertrich Urschmitt Gillenbeuren Auderath Ulmen Müllenb Laub Masbg Hauroth Urmersb, May-Monreal Kürrenbg Bell Wassenach Namedy, Neuw-Irlich Rengsd NHonnef, Altk-Horhsn Peterslahr Seelb Altenk Michelb Sörth Friedewald Daaden Biersd, im Siegld in NDrosselnd Holzhsn Lützeln Würgend; n. dieser L. vereinzelt Bitb-Speicher Preist (u. bats), Daun-Stdt, Aden-Virnebg, Ahrw-Brohl Rheineck [innerhalb des Grutz-Geb. steht hier u. da Gr. nur für 1 b, u. das Kerngehäuse heisst hier Ker(ə), Geker, Kerenheis-chen, –geheis, –kämmerchen, Heis-chen, Geheis, Meddel, Herz(chen), Schnitz, Schnotz, Beiz (s. d. W.); im Kr. Bernk in Berglicht Bischofsdhron Braunshsn Gräfendhron Gonzerath Gutenth Haag Heinzerath Hundh Hunolst Monzelf Morb Morschd Merschd Wederath bruts, –o-, –e-, Pl. -tsən (eine Mischform zwischen dem n. beginnenden Bitz (s. d.) u. Gr.; Bernk-Andel rots; n. der Grutz-L. lrhn. Bitz (-a-, –ǫ-) u. dann Rip ket (Schleid, Malm bet); das rrhn. Westerw-Geb. ist sehr zerrissen; in Neuw südl. OHonnef Himmerich Dernb Dierd (usf.) grints, –e-, –ę-, –o- (s. Grinz), in NWNeuw Bitz (am Rhein), Kitsch, Pick, in OAltk Keren, Meissel, Sprie, Scheben, WAltk Pick, Bäks, Bäkster; im Siegld Mass(el), –-, Marzel, Mängsel, Nösel, –øy-, Heewe]. RA.: Wann der nor e Gr. im Hals stecke blieb! Verwünschung; e Gr. soll dein Dot sen! Birkf. — b. der innere Überrest des Kernobstes, der nach dem Verspeisen übrig bleibt Allg. in den Geb. von 1 a; doch reicht Gr. 1 b über die bei Gr. 1 a angegebene Linie hinaus, so in NWSaarbg, wo bats gilt; grāts Portz; -a-, Pl. -tsən Sinz; -ots, Pl. -e- Trier-Ld fast allg.; -- Bitb-Speicher Preist; -ots, –e-, Pl. -ets(ən) Bitb-Bickend Fliessem Nattenh Rittersd (sonst Bitb bats), Wittl-Bausend Dierschd Hetzhf Kinderbeuren (sonst bats, -ǫ-), Koch-Lutzerath Driesch Calenborn (1 a bǫăts), May-Glees (u. bets) Galenbg (u. bets), Volkesf (u. bots), NLützing Burgbrohl, Aden-Virnebg Wanderath Arb (u. bets); kr- Ahrw-NBreisig Neuenahr, Neuw-Rheinbrohl Hönning Ariend Linz, in Altk über Fluterschen Almersb Altenk Hüttenhf Breitschd zur Sieg zwischen Birken u. Betzd NFischb Freusbg

[Bd. 2, Sp. 1474]
[Mischformen bots (aus bits + gr.) Bernk-Zelting; glots, –u- Birkf-Sötern, Ottw-Bub Dirming Kalmesw Hüttig Rassw Steinb Stennw Wustw, Saarl-Hülzw Roden]. — c. Überrest der Blüte eines Apfels Saarbg-Tawern. — d. das Herz, der harte Strunk im Innern des Kohlkopfes Saarbr, Kreuzn-Hüffelsh Seibersb, Bernk-Horbr, Wittl-Reil, Koch-Müllenb, Daun, May; das Herzchen beim Salat Saarbr; das Innere der Möhre, des Holunders Malm-Weywertz (jrots); der beim Ernten der Rüben u. Runkelrüben abgeschnittene Blätterschopf Kreuzn, Zell-Burg. RA.: De is se dumm, vor Riwe (Rüben) se roppe, wann mer em de Gr.ə in die Hand gibt Kreuzn. — e. Gretz Rappen der Traube Saarbg-NLeuken, Bernk-Wehlen, Koch-Ediger. — 2. Rest. a. grots Rest Tabak in der Pfeife Saarl-Itzb: e Gritzche Saarbr-Camphsn, Simm; e Gretzchen Koch-Leienkaul. — b. -u- verkohltes Ende des Dochtes Saarl. — c. et letzte Grötzche (jrø-) der letzte Rest etwa von Klickern Ahrw. — d. -ǫts (u. -ǫ:-, s. Kraz). α. Nasenpopel Saarbg-Schoden Eft Ockfen. — β. übertr. Schreckgespenst. — e. Pl. α. der Abfall beim Schälen von Kartoffeln, Möhren. Rüben, Obst udgl., also nicht nur die Schalen, z. B. Grumbere-, Rummelegretzen, und zwar -otsə, –ets(ə) Zell bis Kobl, May, Westerw; -ets, –ę-, –i- Saar, Birkf, Goar; -etsən Trier, Bitb, SPrüm [-y- Prüm-Burb], in Bitb auch ein seltener Sg. f. -ets; jrøts Aden-Rieden. RA.: Ber de Notze hät, kann och de Grotze krege Neuw-Datzeroth. — β. -ǫtsə, –o-, –u- Überreste von Speisen Kreuzn, Simm, Kobl; -ets Trier-Mettnich. — γ. -ets altes, unbrauchbares Gerümpel Saarl-Pachten; -otsə Neuw-Datzeroth. — δ. -utsə Holzabfälle, Späne Simm-Argenth. — 3. etwas Kleines, Verkrüppeltes. a. kleines Obst, verkümmerte Früchte Verbr. wie 1 a. — b. verkrüppelter Baum Siegld, Wittg. — c. m. Scheltw. für kleinen, im Wachstum zurückgebliebenen, hässlichen, widerwärtigen Menschen; kleines Kind, kleiner Junge; kleines Mädchen Verbr. wie 1 a. u. Bitb-Dudeld Ehlenz; domm Gr. dummes Mädchen Neuw-Datzeroth. — d. käne Gr. rein gar nichts; noch net e Gr. devon kreiste Saar, Mos; kene Gr. Bergh-Frohnhf, MGladb-Odenk (jrots); kenen Grutz Gummb-Marienheide; e Grotz u. Gretzchen ein biss-chen Bitb Speicher Badem; e Gritzche u. Gritzelche Siegld. En Glas en Gretz un Gremmele schlahn in kleinste Stücke Birkf-Idar; keng Gretz a keng Grimmel gar nichts Bitb-Geichl NWeis; Grotz, Gr., Grimmelegrotz, ber neist get, der es neist notz! gesungen beim Einsammeln der Gaben zu Fastnacht May-Mertloch. — 4. -ets, –i- Pl. zerkleinerte Kohlrabi, Runkelrüben (mit Häcksel gemischt als Viehfutter) Saarbr, Kreuzn, Simm, Birkf, Goar, Kobl, May, Koch, Zell,

[Bd. 2, Sp. 1475]
Bernk-Sensw, Trier-Beuren, Westerw, Siegld. — 5. übertr. a. sachl. α. Kehlkopfknorpel Laut u. Verbr. wie 1 a; ich stoss der e paar vor de Gr.; ich greif dich am Gr. Kreuzn; einen am Grotze holen beim Wickel packen Kreuzn-Norh; an der Grutz Zell-Raversbeuren; an der Gretz Merz-Steinbg. — β. -ǫts mit Teig umhüllter, gebackener Apfel Merz-Saarhölzb. — δ. -ǫts stumpfes Messer Kreuzn. — ε. dat kos Gretz kostet Mühe Prüm-Mürlenb 1860. — b. persönl. -o-, –u- grober Kerl Saarbr; -o- heimtückischer Mensch Prüm-Mürlenb; domm Gr. Mädchen, das sich unnütz macht Neuw-Datzeroth. — S. auch Krotzen.

Ge-grütze gəgrets, –i- Verbr. wie Grutz 2 e Sg. t. n.: Abfälle, meist pflanzliche Küchenabfälle; Überbleibsel von einer Arbeit, etwa beim Dreschen, Holzhauen, Viehfüttern udgl.; die kleinen Abfälle vom geschlachteten Schwein.

Grutz-arsch -otsā Aden-Rieden m.: kleiner Mensch. grutz-dürr -otsədē:r Koch-Lutzerath Adj.: sehr mager. Grutz-eimer -etsā:mər Verbr. wie Gr. 2 e m.: E. für Abfälle. Grutz-grümmeln -itsgremələ Saarbr-Sulzb; -etsə- Birkf; -ots- Bitb-Mettend; -utsgrīmələklā:n Bitb-NWeis; Pl.: in der Wend.: Ebbes in (ze) lauter Gr. schlahn (verhauen) kurz u. klein. grutz-grümmelig -ots- Bitb-Mettend Adj.: en hot alles gr. zerschlohn. Grutz-kaule -etsəkǫ·u.l verbreitet wie Gr. 4 f.: Grube für Kohlrabi. NRhWB grutz-klein -itsəkln  Birkf-Herrst Adj.: ganz zerkleinert. Grutz-korb -itsə- Kreuzn m.: K. für zerkleinerte Runkelrüben. RA.: Der hot sich gewäsch im Gr. Kreuzn-Sarmsh. Grutz-kuchen gruts- Saarbr-Ritterstrasse m.: der kuchenförmige Rückstand nach dem Pressen des Obstes. Grutz-maschine -uts- Saarbr, Simm-Schlierschd Argenth; -o- Bernk-Sensw, Birkf; sonst -i-, –e- Verbr. wie Gr. 4 f.: 1. Handmühle zum Zerkleinern von Runkelrüben. — 2. - itsmăsīn zum Flachsreinigen gebrauchte M., an deren Schwungrad sechs Schwingmesser wagerecht abstehend befestigt werden Simm-Laub. Grutz-messer -uts- Kreuzn, Simm, Westerw n.: Stossmesser zum Zerkleinern der Runkelrüben. PfWB Grutz-mühle -itsmi·l., –mīl Zell, Koch, Kobl, Goar, May, Aden f.: -maschine Grutz-schinder -ǫtsəinər Kreuzn m.: verächtl. altes, schlechtes Messer.

 NRhWB Grutzel -əl, Pl. -ələ m., f.: 1.a. -e- Kerngehäuse des Obstes Trier-OBillig, Neuw-Wollend. — b. -u- Rest des Obstes nach dem Verspeisen Simm-Sargenr. — 2.a. -o- unvollkommenes, zurückgebliebenes Obst, Apfel, Birne Siegld, Altk [Herdrf -u-; Wissen -ō-], May-Andernach, Daun-Hillesh (kr-), Wittl-Binsf (-ǫ-).b. -e- eine Kleinigkeit, ein biss-chen Bitb-Geichl. — c. -o- im Wachstum zurückgebliebenes Kind Siegld, Altk; kleines, etwas vorlautes Mädchen Siegld.

Ge-grutzel(s) -u-, –o-, –e- Verbr. wie

[Bd. 2, Sp. 1476]
Grutz 1 Sg. t. n.: kleines, zerstückeltes Zeug [-etsəl Wirrstroh Trier-Beschd].

 PfWB  ElsWB grutzelig -o- Siegld, Altk [-ō- Wissen], Neuw, Trier-Stdt Mehring; -ø- Bernk Adj.: 1. klein, zerstückelt, verschrumpft; missgebildet, vom Obst; verkrüppelt, vom Baume; kümmerlich, erbärmlich, vom Menschen Allg. — 2. Adv.; et här em gr. gegange schlimm, ärmlich; se schloh sich gr. durch Siegld, Altk, Neuw.

grutzeln schw.: 1. -o- nicht alles aufessen, Reste übrig lassen Neuw. — 2.a. -e- zu Krümchen machen, zerbröckeln Koch. — b. -i- Runkelrüben, Kohlrabi auf der Handmühle zerkleinern Bernk-Bollenb Rhaunen; -e- Simm-Laufersw, Bernk-Gonzerath, u. zwar auf der Gritzelmaschin, Gritzelmill. 3. -ǫ- basteln Kreuzn.

ab- grutzeln: etwas a., ungeschickt abschneiden, dass Gretz (Abfälle) entstehen Merz-Zwalb (-e-), Eusk-Dirmerzh (-ø-).be -grutzeln: etwas b., bekritteln Koch-Möntenich (-e-). ver -grutzeln: etwas v., verschnippeln Siegld; Kartoffeln z. B. sind vergrotzelt zu sehr gebacken u. zusammengeschrumpft Trier-Stdt.

grutzen schw.: 1.a. -i- das Kerngehäuse ausschneiden Neuw-Datzeroth. — b. -u-, –o- Reste beim Essen übrig lassen, bes. von Kindern Meis-Breitenh, Koch, Kobl, May, Neuw, Altk, Aden-Engeln, Malm-Bracht. — 2.a. -u-, –o-, –ǫ- ungeschickt schneiden, dick schälen, schnitzeln, zerkleinern Nahe, Birkf, Goar, Simm, Bernk-Rhaunen, Kobl, Westerw, Siegld; am Brut gr., eremgr.; in kleine Stückchen zerlegen u. daher verderben. RA.: Kast mir nit am Karakter gr.! kannst mich nicht foppen Altk-Fischbacherhütte. — b. -u- Runkelrüben udgl. auf der Grützmühle zermahlen Simm-Argenth, Wend; -o- Birkf, Saarbr-Sulzb, Koch-Lutzerath; -i- Simm-Laub. — 3.a. -ǫ- nörgeln Bitb-NWeis. — b. et grotzt mich es ärgert mich Goar-Weiler. — Abl.: die Grutzerei das überflüssige, lästige, schlechte Grutzen [Schrumpfobst Kreuzn-Dörreb], das Gegrutz, der Grutzer.

ab- grutzen: Rummele a. den Blätterschopf der Runkelrüben abschneiden Kreuzn.ver -grutzen: 1. etwas v. a. zerstückeln, zu unbrauchbaren Stücken machen Verbr. wie grutzen 2 a. — — b. Speisen v., vermatschen, von Kindern Verbr. wie gr. 1 b. — c. etwas verderben, z. B. den Anzug, die Arbeit Allg. — d. Futter v., aus der Krippe werfen u. beschmutzen, vom Vieh May-Collig (-o-), Kobl-Winning (-i-).2. einen v. a. ich kennt dich vergritze! dir das Schlimmste gönnen Saarbr. — b. verärgern Goar-Weiler, May. — c. verhöhnen Kobl-Bend. zer -grutzen etwas z., zerstückeln, durch ungeschicktes Schneiden verunstalten Allg. (nicht Rhfrk).