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Rheinisches Wörterbuch 
 
Grat II bis Gratschfutte (Bd. 2, Sp. 1363 bis 1366)
 
  NRhWB Grat II -:t, –·ə.-, Pl. -:-, –·ə.- [-:- im entrundenden Teile] Trier, Bernk, Zell, Koch, Kobl, May, Neuw, Altk, Rip, OBerg, SNfrk; Sg. u. Pl. -:t NBerg [Pl. Sol -:dən; Lennep xrēdən; Kemp-Dülken -·ə.t u. -·ə.nə]; Klevld - [-], Pl. -ən [sonst nur grt, Pl. -ə(n) für Bed. 1 Fischgräte nach dem Nhd.] m.: 1. Fischgräte Allg. RA.: Su mager wie en Gr. Rip, Rees. Knäbbel en die Bocks (Hose) kreg en Kengk (Kind); dat woər stomm on steckenblengk (-blind); hat öhr noch jet te sägge, dann welle wer öm op de Roəste leəge, welle wer öm broəne (braten) wie ene Fösch; komm hei, Kamerad, kriegs du de Gr., on ich der Fösch! Abzählr. Kemp-Grefr. — 2. beim Menschen. a. Röckgrot Allg. — b. scherzh. de hät Gröt en er ist stark Sieg; do es Grot an er ist kräftig, gesund Gummb-Hombg; den hot sich en got Grot gezielt er ist beleibt geworden Wittl-Binsf; ärgerlich bis en de Gröt Elbf; de fällt van Osel (Elend) van de Gröət Kref. — c. die paar Grötche Zahnreste Neuw-Leutesd. — d. Haarscheitel Neuw-HeimbWeis, Altk-Hamm, auch Grötche.e. Grötche Geschwulst am Auge, Gerstenkorn Jül-Hottorf. — 3. von Dingen. a. kurzer Eisenrücken auf Werkzeugen, die angeschmiedeten

[Bd. 2, Sp. 1364]
Stiel haben Mettm-Cronenbg; schiefwinkelige Nute, um Holz an Holz zu befestigen (mit Leim); dat Holt en den Gr. schuwen (schieben) Gummb-Berghsn; Dorn an einem Gewinde Kemp-STönis; Scharte in Schneidewerkzeugen Remschd. — b. steinige Stelle im Acker Trier-Mehring, Kobl. — c. eine in den Fluss reichende seichte Stelle, die durch Sinken des Wassers öfters trocken wird Mos. — d. Gassenname in Duisb; achter de Mur on op de Gr., do het den Deuwel sin Sot (Saat). — e. eine Reihe, Schwaden gemähten Grases auf der Wiese Düss-Wittlaer. — f. der Strunk, Torsche im Kohlkopf Goar-NHeimb, May-NMendig. — g. Kernobstgehäuse Trier-Clüsserath (-:-); Pl. -- Goar-Herschwiesen, Simm-Sabershsn; grə(n) Ess-Carnap Stoppenbg Borbeck. — h. Treppeneingang zum Keller für die beiden Balken, auf denen die Weinfässer aus dem Keller gezogen werden; Gewölbe über dem Kellereingang Saarbg, Trier, Wittl, Bernk, Kreuzn, Meis, Goar, Kobl, Koch, May, Neuw, Ahrw-Brohl, Sieg-Honnef, Königswinter Dollend, auch Grätche Koch-Poltersd. — 4. kene Gr. rein nichts Eusk-Frauenbg, MGladb-Odenk. — 5. übertr. ene magere Gr. magerer Mensch Trier, Bernk, Neuw, Köln, Geilk, Heinsb; al Grö altes Weib Neuw-Leutesd.

 NRhWB Grat-hobel -ub- Köln, Gummb m.: wie nhd. Grat-leiste -līstə Gummb f.: L. mit ausgekerbter Nute, unter zwei Bretter eingelassen, damit diese aneinanderhalten u. nicht krumm werden. Grat-pfanne -pa·n. Köln f.: Dachgratziegel.

graten -t- Gummb schw.: ein Brett mit einer Nute (mit der Grothobel) versehen.

 NRhWB gräten gr Siegld; -n Altk-Hellert Wissen, meist Part. gəgrt schw.: pflastern; en gegräde Eərn (Gedänn) der mit regelmässig fischgrätenartig angeordneten, rautenförmigen Flussbettkieseln gepflasterte Hausflur, wobei die Kieseln in die zähe Lehmschicht des Ern mit der Schmalseite nach oben eingebettet sind [mit Bruchsteinen pflastern Altk-Wissen]; we gegrät dicht gedrängt. — Dat Gegrä Pflaster.

grätig -:t- Neuw-Datzeroth Adj.: mager.

Grät-stein m.: 1. jr:tteŋ zurSchuppendeckung bei der Dachdeckerei Aach. — 2. grdāi Pflasterstein Siegld.
 
 
 PfWB graten -āt- MGladb-Neuwerk, Kref, Kemp, Mörs-Neuk schw.: weinerlich, anhaltend bitten, von Kindern; brummen, knurren, unzufrieden sein. S. grasen II. — Abl. die Graterei, dat Gegrat, ene Grat-pott.

Grate -āt. Pl. -tə f.: Klageweib.

Graten -ātə Kemp-Ld Pl.: kleines, verschrumpftes Obst.
 
 
Grates -ā:t-, –d- m.: 1. Kurzf. für Gerhard (s. d.). — 2. übertr. -:təs, Pl. -sə Streuselkuchen;

[Bd. 2, Sp. 1365]
Erdäppelsgrätes-che Kartoffelküchlein Schleid-Hellenth.
 
 
 NRhWB Gratias jrā:tsĭas , auch -tsĭəs LRip, SNfrk n.: Gebet nach dem Essen; Gr. beəne Allg.; tösche Alleroge (Aller Augen warten auf dich, o Herr) on Gr. beim Essen Heinsb-Bocket; no et Gr. noə heəm komme nach dem Essen Aach. RA.: De hät net ömmesöns et Gr. gebet Bergh-Hüchelhv. Ech schlonn dech en et Gr. (Gesicht), dat dech Allerogen de Rögge roplöf (heraufläuft)! Bergh-Kirchherten, Jül-Tetz.

Gratias-trunk -ā:tsĭjəsdrōŋk Aach, Rheinb-Altend m.: der gemeinsame Tr. nach der Beerdigung; Leichenschmaus.

grätig I s. Grat II.
 
 
grätig II jr:diχ Dür 1880 Adj.: karätig.
 
 
gratis -ā:tis  Verbr. nach dem Nhd.; doch  Mettm-Haan Adv.: unentgeltlich.
 
 
 NRhWB Gratsche, Grätsche I -t f. Birkf, Saarbr, Ottw (-ęi- s. u. bei gratschen), Saarl, SMerz, Trier-OEmmel Waldrach; -ā- f. Merz, Trier-Mettnich Hermeskeil, Saarbg; -a- m. Monsch, MGladb, Erk; Pl. -tə(n): 1.a. Astgabelung des Baumes Allg. — b.Winkel, den die Beine bilden, Spreizstellung Allg. — c. langer Schritt, so gross man ihn machen kann; wat der Kerl Gr.ən hellt; en de Grätsch sprenge im Kindersp. mit ausgespreizten Beinen von einem auf die Erde gezeichneten Häus-chen zum andern springen Saarbr, Allg.; der Grätsch Dür-Gürzenich2. übertr. Kerngehäuse des Obstes, Appelgratsch Saarbr-Völkl.

Grätsche II -ęt [-ā- Bitb-Geichl NWeis Wolsf], Pl. -tən Saarbg, Trier, Bitb, Prüm f. [m. Prüm-Ringhuschd]: Sensenbaum, an dem die Sense befestigt ist, kürzer als der Warf, von Luxembg, Frankreich in den letzten Jahrzehnten erst eingeführt, früher nur der etwas längere Warf.

 PfWB  LothWB gratschen -- Birkf, Wend, Saarbr, Ottw, Saarl, SMerz [-ęi-, –äu- Saarbr-Völkl Riegelsb, Ottw-Dirming Merchw Uchtelfang, Merz-Conf; -- Wend-Aulenb Freisen Heimb Baumholder Berglangenb Nahbollenb, Birkf-Idar Eisen Oberst Tiefenst]; -ā- Merz, Saarbg, Trier, Wittl, Bitb; -ǫ- Bernk-Gonzerath; -a- Neuw, Köln, Bergh, Dür (-ę-), Jül, Grevbr, Neuss, MGladb, Erk, Kref, Kemp, Geld, Mörs-Rheinb Neuk Rumeln; -ǫ- MGladb-Viersen, Heinsb-Erpen, Kemp-Stdt; -ā- Kemp-SHubert; -ę- Grevbr-Hochneuk; -y- Heinsb-Karken; im Nfrk statt -t- auch -dž- schw.: 1.a. die Beine spreizen. — b. grosse Schritte machen; bes. über ein Hindernis; weit ausschreiten Allg. — c. nachlässig, schlaff, schwerfällig, kriechend, mühsam, schief u. ungleichmässig, stolpernd, breitspurig gehen; de gratscht wie en Bär, — mar ens drop an Siegld, Neuw, SNfrk (s. o.). — 2.a. klettern, womit aber eine Reibung der Kleider verbunden ist, auch an

[Bd. 2, Sp. 1366]
glatten Dingen, z. B. wenn ein Junge in einen Baum klettert oder wenn ein kleines Kind versucht, auf den Schoss (Stuhl) zu kl.; auch herop-, herafgr. Neuss, Kref, Düss, Mörs. — b. herumkriechen; et Kend grätscht om Borem erom Birkf, Mörs. — c. nicht still sitzen bleiben, auf einem Stuhl sich hin- u. herbewegen, von Kindern Kref-Fischeln, Neuss-Nievenh, Kemp-SHubert, Mörs-Rumeln, Geld. — d. -ędž- mit einer Scherbe in einem abgesteckten Spielfeld spielen, das wieder in sechs kleine Felder durch Striche eingeteilt ist; es besteht jetzt die Aufgabe, die Scherbe mit dem Fuss ins folgende Feld zu stossen, ohne dass man auf den Strich tritt u. so dass die Sch. genau innerhalb des Feldes fliegt MGladb-Rheind, Grevbr-Hochneuk. — e. übermässig arbeiten Kref-Fischeln. — Abl.: die Gratscherei, dat Gegratsch, der Gratscher.

ab- gratschen: eine Strecke a., mit weiten Schritten abschreiten, etwa eine Wiesengrenze, das Gras niedertretend, um die Grenze zu bezeichnen Allg.be -gratschen: sich b., sich verbessern, geschäftl. u. gesundheitl.; wohlhabend werden Siegld.ver -gratschen: 1. e vergratsch Wif watscheliges Weib MGladb-Rheydt. — 2. die Schuhe v., schief treten, abnutzen Bergh-Kirchtroisd.

Gratsch -a- MGladb-Viersen Sg. t. m.: in der Wend.: Deə hät ene goue (guten) Gr. onger (unter) er ist gut zu Fuss.

Gratsch-bas -ā.- MGladb-Viersen m.: einer, der gut zu Fusse ist. Gratsch-futte -vot Kemp-SHubert f.: derjenige, der sich auf einem Stuhle hin- u. herbewegt.