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Rheinisches Wörterbuch 
 
Geiss bis Geissfuss (Bd. 2, Sp. 1145 bis 1158)
 
  NRhWB Geiss Rhfrk gs [doch Nahe, Hunsr, Saargeb. stark mit -ai-, –ęi- durchsetzt]; Saar, Mos -- [Trier-Stdt, WBitb, u.Mos -ā-; Bitb-Speicher -īă-]; NEif -ē- (u. vielfach -ei-) [Malm-Büsb -ə-]; Rip -ē- [uAhr, rrhn. anschliessender Westerw, Köln-Stdt -ei-; südl. der Benr-L. auch im Rip noch jēt, z. B. Aach-Afden Eilend Hofstdt Merkst Kornelimünster, Jül-Flossd Freialdenhv Gereonsw Roerd Tetz, Dür-Abenden (u. jēs); der Pl. Rip -sə(n), doch Sol-Dürschd Lützenk -stər; im NLRip -stə; scherzh. jēslikə Selfk]; NBerg xēt [-ei-, –ī-, -īə-]; SNfrk jēt, –ei-; Klevld von Mörs, Geld, Ruhr an γeit, –ai- –- (auch Eup); Pl. -sə(n), –tə(n) f. [m. Mörs-Wallach]: 1.a. Ziege; dies Wort fehlt der MA.; doch treten neben G. Syn., ursprüngl. Kosen., aber zu reinem Appellat. geworden: Bäckes, Bick, Bickel, Bickes, Bimmer, Binner, Bitsch, Bitz, Bitzel, Brautsch, Britschkuh, Bummes, Butsch, Bütschel, Fritz, Gret, Hicke, Hippe, Hippes,

[Bd. 2, Sp. 1146]
Hitze (Hitte), Itz, Kiss, Limm(es), Lippes-chen, Mäppchen, Mätt, Micke(s), Mickelchen, Mimmchen, Muckel, Näppelchen, Pullchen, Rutz, Sickchen, Witz, Zibbel, Zick, Zickel, Zickes-chen, Zucke (s. d. W.) (in Klev in älterer Sprache Zeck, Zeckmätt, jünger Geit) [eine unfruchtbare Ziege heisst Stenbock Grevbr]. RA.: En got G. as besser wie en schlecht Koh Prüm-Ringhuschd, Rees. Fraleit un G.ən as enes Gedings sind einer Art Bitb-Dudeld. Vif (5) G.ə make en Kouh ut Viersen. We sinne Nober (Nachbar) well kreten (ärgere), de hält sech Hennen (Duve) on G.ən SNfrk. Wer net weider wess, den hält sech alt noch en G. Wittl. We de G. em Hus hät, de moss ligge (leiden), dat der Bock im üver de Gader süht Köln (— üver de G. sprengkt Aden-Kaltenborn). De kann sek jets en G. haulen (halten) der im Gefängnis gesessen hat NBerg. De hat de G. e jene Stall lässt seine Frau zu Hause; hält, was er hat, in Sicherheit Aach. — De G. sprengt, höpp, klemmp, butscht, bretschelt (s. d. W.). RA.: Er sprengt (mach Spröng). huppst, höpp usf. wie en G. Allg. Dat geht so sehr (hart), wie e G. dreət (tritt) sehr schnell Wend, Saabr, Ottw, Merz; de schreift so sihr, wie en G. treərt Merz-Erbring. — Die G. binnert, bitschelt, bläddert, bläkst, blärrt, blärzt. blätscht, bläzt, blökt, blörrt, blözt, bökt, bözt. hippt, mäzt mäht, mickelt, mickert, mickst, rärt, zickelt, zickert sie meckert (s. d. W.); Deutung ihres Meckerns: Ech sein su satt, ech mag kein Blatt, mä, mä! Neuw-Rengsd. RA.: Adeledche, wie deht dat G.sche? mäh, m., m.! Kemp-Dülken. Zu Weihnachten meckert sie: Zu Bäthlehäm Bitb-Dudeld. De hät en Stemm wie en (al) G. schlechte St. zum Singen Allg. Er schreit, kräscht, bläckscht, bök, bläz, quäkt (s. d. W.) wie en G. De lach wie en G. Köln-Kierbg Frechen, Rees. Et G.che flöte losse sich erbrechen Dür-NZier. — En G. frett (frisst ) ger, wat knappt Geilk-Lindern. En al G. lös (lüstet) (belös) och alt ens e grön Blättche von einem alten Weibe, das noch sinnliche Gelüste hat Rip; et wüd ken G. so alt, et lös er no enem Blättsche Grön MGladb (statt lös auch frett, knibbelt) Rip, Nfrk, — hätt noch ger en grün Blatt Geld-Kevelaer, — fengt noch ens e gröng Blättsche Aach-Herzogenr, — geht gern an en grön Heck Eusk-OGartzem. Keik es, os G. hot Erbessen gefress! gesagt, wenn eine Sache eine unvermutete Wendung nimmt Wittl. Dem geht de Maul wie er G. an der Hog (Hag) wenn einer viel redet Prüm-Burb, — on der Bottelnhek (Hagebuttenhecke) Wittl-Binsf, — on er Doreheck Saabr-Sulzb. De iss (käut, mach en Gesich) wie en G.,

[Bd. 2, Sp. 1147]
die Bretzele friss (käut) Rip, — die Destele friss Dür, — die Stroh kaut Ottw-Stennw, — die Birre käut Rip, — die Merreddig rappt Wittl-GrLittgen, — en de Wäd (Weide) Kreuzn-Seesb; de schmunzt wie en G., de Knespels (Mispeln) fresst (o. O.); der frisst wie e G. de Grummet Saarbr-Holz. De es op et Grön us, wie en jong G. Erk-Körrenz, Rees. E knabbert (schnubbert) wie e G. Saar. Dem klappert dat Maul wie er G., wenn se frisst Goar-Braunshorn. Het kann löcke (glücken), sät de Frau Böcke, dat de G.ə en de Hegge plöcke Aach-Eilend. Birschelche (Bursche), wer mer net grin, sunsch fresse dich de G.ə! Wend-Reichw, Merz-Becking. Al G.ə lecke och ens gern Salz Köln, Waldbr-Morsb, Rees; der es wie de G. op et Salz versessen auf etwas Sieg-Leuschd. Mer wellen et an der Balke schrive, wo G.ə un Kälver et net aflecke die Schuld Köln, Rip. Lisbett, gef de G. jet, gef de Koh jet, kresde och jet! SNfrk, — de G. kriegt jet, der Bock hät jet! Erk. Besser en G. geferert (gefüttert) bie en Koh verhengern lossen Neuw-GrMaischd. — Die G. bunzelt, knettelt, köttelt kotet. RA.: Der lit (lügt) so schnell, wie e G. knuddelt Kreuzn-Münster. De Keielen (Kegel) fallen ewei de Bunge (Bohnen) van de G.ən; de Grumbieren kommen su dickevoll aus dem Buəddem ewei de B. van de G.ən Prüm, Bitb. Dat es die G. vun der Bohn die Hauptsache Saarbr, Ottw. De G. fir de Kneddelen (Buhnen) hiden (hüten) eine Arbeit für sehr wenig Lohn machen Trier, Bernk, Kobl, Daun, Kreuzn. Wer en Schnur (Schwiegertochter) an't Haus helt (holt) zor Helf (fir ze arbeten), den as grad wie enen, den en G. astellt (keft kauft), fir Mest ze machen wird nachher enttäuscht Bitb, Prüm, Daun. De ös su voll Politik (Hinterlist) wie en G. voll Gedrösse Bergh-Glessen. Wat es der Ondjersched töschen enen Pater on en G.? Antw.: Der P. bet der Rusekranz va füəre on de G. van achter Heinsb-Breberen, Rees. Wer war de erscht Apeteker? Antw.: Die G.; vore frisst se die Kreire (Kräuter) un hinne dreht se die Pille Hunsr. — G. u. Bock (s. Var. bei Bock); de G. (bei de Bock) lede (leiten) (drive, dohn), wann se bockig (brünstig) ös Rip, Allg.; Michelsdag were de G.ə bockig Hunsr, Allg.; de G. hat gebockt ist beim B. gewesen (s. bocken). RA.: De G. lede beim Umzuge wertloses Gerümpel nachtragen oder geringwertiges Vieh nachführen; sich ergebnislos bemühen, etwas ohne Erfolg betreiben Sieg, Bergh, Neuss, Köln, Kref; bald sterben, bald bankerott machen Neuw, Sieg, Wippf, Waldbr, Köln, Bergh; engem de G. l. ihn abkanzeln, tüchtig hernehmen, irre führen, zum Narren halten Aach, Selfk, auch

[Bd. 2, Sp. 1148]
de krit (doför) de G. geleit. Et as alles gedriwe gen, as wie kan gebreckt (gefreckte) G. Bitb-NWeis. Lott G.ə komme; ich sall se wall deck make, sät de Bock MGladb-Rheind. Et as neist Gots (Gutes) enner de G.ən, sot (sagte) de Man, dur hat en nemmen (nur) e Bock gesagt beim Kartenspielen Bitb-NWeis. Hot de Deiwel de G. gehullt, dann kann e ach de Bock hulle Kreuzn. Den es bockig wie en G. Malm-Emmels. En Breht (Brühe, Kaffee) esu deck; wa mer se er G. an (in) en Uhr schett, da get se am (im) dratten Dag bockig Bitb-NWeis. Fer mei Geld bockt mei G. für mein Geld kann ich alles kriegen Wittg, Siegld. Es is em so wohl wie er frisch gebockde G. Wend-Reichw. De schnett (schneidet) e paar Knäf (Knäufe, Augen) wie en g. G. Bitb-NWeis. Dat Mädsche es so doll wie en G. op Allerhellege (zur Brunstzeit) MGladb, — op Michelsdag Rip; dat (Mädchen) is so fromm wie Batschel-Hannesse G., wie se mit siewe Bick (Böcken) in't Dorf kumm is Simm-Laub, — Abrahams G. Bernk-Merschd; de ös esu onschöldig wie Abrahams G., de sebbemol gezeckelt hatt on kom och at (schon) wedder esu Eusk; so heilig (fromm) wei Zensuərsch (Zensors) G., die es met dreie Becke en die Kirch gang Birkf. Wenn de Bock nes (niest), sät de G.: hatzi Neuw-Linz. — Wird die G. zum Bock geführt, schreit sie: mech et iərz (zuerst), wenn sie lammt: me Lebe net miəh! Rheinb-Queckenbg; beim Bock: noch eimol, n. e.; beim Lammen: mi Leve nit widder! Neuw-Asb; wann de G. betschelt (Lämmer wirft; sonst lammen, zickeln), da bläzt se : ech duhr (tu) et mei Lewen nit mih, un dann zu Mechelsdag, wann se bei de Bock geht, schreit se: Jemmich, noch es, ich duhn et noch es (einmal)! Bitb-Dudeld, — itzig mach ech noch ens widder met, m., m.! Wippf-Bechen. Langsam; die G. bitschelt och nur emol im Johr! Saarbg-Hentern. Fridereckes seng G., die betschelt noch es, un Häns-chen sei Bock, de springt noch es drop Bitb-Ehlenz (mit andern FN auch sonst in Bitb, z. B. Dem Wolter seng G. ..). Doll, d., dickel, die G., die hat gezickelt Aach-Kohlschd. — Git de G. kein Melch, git se emmer noch de Bunne für de Kaffe wenn es nicht regnet, so tropft es doch Ahrw-Heimerzh. Die schwatze G. git wisse M. Sieg-Eitorf. Wen sich en Frau hölt, för ze arbeten, on en G., för Melch ze gen, den os schef geweckelt Malm-Weywertz. — De hät de G. kronk (krank ) er hat kein Geld Heinsb-Erpen. Das es e Stall, do verreckt jo e G. dren! wieviel mehr ein Pferd Saarbr-Sulzb. Ich douhn et, (et muss gehn), on wenn di G. em St. freckt! Ausdr. äusserster Entschlossenheit Birkf-Idar. De G. basch

[Bd. 2, Sp. 1149]
(berstet), wann se well Sieg-Ittenb; wenn de G. weiss, dat mer Geld för en neu en de Kes hät, geht se kapot Köln; wenn en G. net miəhr wet, wat se duəhn sall, da geht se kapot Kemp, Erk, MGladb, Rees. Vam Scheniere gonn de G.ə kapot Monsch-Vossenack; scheniert üch net; vam Sch. es de G. gestorve! Dür-Gürzenich; vu lauter Merssi as em Mann seng G. gefreckt Bitb-NWeis. Dau behelfs deich wei der Len (Helene) ihr G., on wei se sich beholf hot, do es se freckt Bernk-Stipshsn; de Schmitz G. hät danke gesät on do es se gestorve du musst annehmen u. nicht ‘Danke’ sagen Bo-Lengsd. Et geht alles, nemme (nur) kan gebreckt (gefreckt) G., de moss mer schläfen (schleifen) SWBitb. Dat Steck Veh es flöten gang wie der anneren Fra hir G. Saarbg-Greimerath. Dat es de letzte Kresch (Kreisch), den de G. deht das letzte, was zur Aufrechterhaltung eines Geschäftes möglich ist Bitb-Dudeld. Der es so arm, dat em de G. em Stall verhongert Merz-Becking. Ich han's so dick (ich sehn dich so ger) wie die G. 's Messer bin der Sache überdrüssig Wend, Saarbr, Ottw, Merz, Saarbg; eich sein esou frouh mot him, wie d' G. mot dem Metz Prüm-Ihren; er springt in de Arwet wie e G. in's Messer Kreuzn-Langenlonsh. Der hat Auen wie en G. beim Metzger Bitb-Wallend, — wie en G., de am (im) Led leit am Verenden ist Wittl-Binsf. Wammer dat Bier udgl. er G. en en Uhr däht schüdde, geng se kapot Rip, Allg. Pitt, P., minne G. es dot! Dat kömmt van dat sure Brot. Pitt, P., minne G. es krank! Dat kömmt van den sure Drank! Emmerich. Er hat de G. opgeschniə er trägt ein weisses Vorhemd MGladb. Die hät och van de G. freəte sie ist schwanger Heinsb-Erpen. — Gered (gereide) es de G. gesagt, wenn jmd. fertig zum Heiraten ist MGladb-Hockst. Engem en G. kofen wenn eine jüngere Schwester sich vor der älteren verheiratet Bitb. Wenn et net geht, dann verkof ech die G. Grevbr-Hochneuk. Lassem (langsam) mot der G.; mur (morgen) os de Mort (Markt) ərirscht (erst)! zu einem Eiligen Prüm-Ihren, Ahrw-Sinzig. Michel, M., Lederbort, fihr de G. of de Mort; wennste se net wellst verkafen, da loss se lafen! Trier-Heidenbg. Rickes (Heinrich), R., rude Bort (Bart), fihrt de G. of de Mort, kann se net verkäfen, mouss se häm schläfen (schleifen)! Bernk-Lieser. — Dorch on d., sat de Jud, wie er die G. gebuckt hott Simm-Schlierschd. Moder, kom eraf, de Jüdd es do, löf em Stall de G.ən no, hät er ein am Zibbel gepack on löf der andern no em Trapp! Sieg-Süchterschd. Et kom en Jüdd de Bach eraf, hat ühr en Koh, hat ühr en G.? De J., der kreg den Dalder net, on wenn er

[Bd. 2, Sp. 1150]
sech den Hals afschneck (schneidet) Tanzlied ebd.; et koəm enne J. van Beək (Geilk-Beeck) af, de goll (kaufte) mich de G. af usf. (s. bei Jude) Geilk-Kraud. — Die G. u. ihre Körperteile. RA.: De hät e paar Ben wie en G. Schleid. De G. well och en lange Schwanz (Sterz) han (on krig en net, on moss doch mem Stüppche lofe)! Eusk-Billig, — moss äver met enem Stüpp zefrede sen Schleid-Dotteln, — un hot heit noch käne Simm-Rheinböllen, — es äver fruh, dat se e kle Stömpke (Stüppke) hat MGladb, Geld (Stüppke) Antw. auf lästiges Verlangen bes. der Kinder Rip, Allg. Er G. gehert en lange Schw. gesagt, wenn etwas nicht beieinander passt Hunsr; der G. gehört käne lange Schw., sonst hätt se äne Neuw, Goar. Dat wor vill ze kot (kurz), wie dem Hahn der Dag un der G. der Stetz Köln. Bei su em Weder wesst (wächst) er aler G. de Bretsch, a wann se siewe Johr deər (dürr) wär Bitb-NWeis. Komme vür üəver de G., da k. vür och üəver de Stetz wenn nach grossem Missgeschick noch ein kleines folgt MGladb. Mer kann alles, me kann och en G. am Schwanz en de Heh hewe Neuw, — an de Start opheəve Kref, — en G. der St. utrite Erk-Grambusch. Kick (kuck) de G. onger (unter) der St.! abschläg. Antw. Aach. Utsiehn wie en G. onger'n St. schlecht, blass Kref, Grevbr. Die G., die G., die G., die G. (immer tiefer gesungen im Oktav), die G., die deht mem Stetzche wibbele (3 mal); die paar Hörche, die paar Zibbele sen der Möh net wert Lied Sieg-Rott. Jo, en (und) ons G., die hat e schwatz Arschlouch! abschläg. Antw. Eup-Raeren. De ös esu düərn (mager), he könnt en G. em Arsch lecke Rheinb-Meckenh. De schmitt sech en de Bosch (Brust) wie en G. en't Krütz (Kreuz) Mettm-Cronenbg. Der hat e Hals (so lang u. mager) wie e G. Saarbr-Bildstock. De blöht op de Backen wie en G. op de Hacken ist armselig Bergh-Kirchherten. Op wat für en Sick (Seite) het de G. de mihzte Hor? MülhRh. Et küt sech net op en Hor an, wemmer en G. met er iser Häpe schirt Sieg-Scheiderhöhe. Nu krigs du gen Hor miəhr van de G.! Kempen; noch ken Hor van der G. kriegste rein nichts Jül-Linnich. Dem Kerl sei Bart es struppeger be Müllersch ihrer G. seine May; he hät ene B. wie en G. Allg.; de hat mär e paar Hörcher wie en G. Aach-Kornelimünster. He es esu düərn (mager, dönn, fett), he könnt en G. tösche de Hörner bütze (küssen) Rip, Allg. Der stehlt de G. de Herner ab Kreuzn-Niederhsn. En koppech G. ungehörnt Bitb-Geichl. Wemmer er G. den (sauern) Wein ön't Ohr schitt, da laft se Mos. — Körperliche Eigenschaften der G. RA.: Der es so mager (magerig, dürr,

[Bd. 2, Sp. 1151]
schmal, spetz, gurig, ledig, ramm, fett (s. d. W.) wie en G. Allg., — wie en G. für'm (op em) Knee Rip, Allg. (he siht us, wie e G., so blass); su der (dürr) be en G. un wogt honnert Pond Koch-Lutzerath; de hat Speck of de Rebbe wie e G. (of de Knie) Birkf; de het et Fett van benne wie en G. Nfrk; de hot et innerlich wie de G.ən et Fett Rhfrk, Mosfrk; der hat et henger de Uhre wie en G. et Fett Aach-Merkst. He sieht us (so blass) wie en (kranke) G.; su wiss (gris) wie en G. Rip, Allg.; de hat en Klür (Farbe) wie en G. Dür-Frenz; so krumm wie en G. Kreuzn-Waldalgesh. De hät Kräfte bi en G. ist nicht stark Kobl-Güls. Er guckt drin wie en G., wenns blitzt Rhfrk, Verbr., — wie en G. an en Donnerwedder Wittl, Trier. Das babbelt wie en G. Kreuzn. Dat passt wie der G. den Saddel Merz; dat steht em wie e aler G. Trier-Braunrhsn. Et as gröd (grade) en Dengen wie en G. Saarbg-Portz. Die gure Infäll (Gedanke) un die lahme G.ə kumme immer hinneno Simm-Laub, Koch; alles kömmp für, blos schwatte G.ə komme va henge (hinten) MGladb-Rheydt. Men kennt de G. an de Gang, de Kapuziner an de Strang, den Bur an de Gabel en den Awekot an de Schnabel Rees. Dat (Mädchen) butzt sich wie Franze G.chen Neuw-Isenbg. Ist eine G. kalt (verfange erkältet), dann hät se et Blot (Blut); sie setzt dann meist Vorder- u. Hinterbeine ganz eng beieinander, manchmal sogar die Hinterhufen oder die Vorderhufen; dann muss man ihr ein Stück vom Ohr schneiden; dann fängt sie gewöhnl. nach kurzer Zeit an ze räpsche (aufzustossen), ein Zeichen, dass es besser geht; hat die G. gezückelt u. der Liəger (Läger, Nachgeburt) kommt nicht, gibt man ihr abgekochte, getrocknete Bohnenschalen ein Grevbr. — Eigenheiten der G. De fihrt sich of wie en scheel G. Birkf-Bundenb; he stellt sich an be en G. May-Polch. Der hat's so kalt (friert) wie en G. Verbr. He es bang wie en al G. NBerg; er grauelt wie e G. Simm-Laub; der zirrert wie en dorr G. Saarbr-Quierschd. De es so egensennig (halsstarrig, hartkäppig (-köpfig), strackkäppig, leidstellig, verzwackt, verzwercht, verdreht; s. d. W.) wie en G. Allg.; de hat ene Kopp wie en alde G. Kemp; do bös so hortnäckig wie en G.; derno (nachher) kreste Hörne anne Kopp! zum eigensinnigen Kinde Mörs-Veen. Se es neuscherrig (wisnasig Barm) wie en G. Allg. Se es so leckerisch (glott, kürsch, abereg, schnausig, schnützeg, schnäkig, rangstig, verschlochen; s. d. W.) wie en G. Allg. Der es su huffärdig (stolz, doll) wie en G. Wippf, Mörs-Xanten, — e gro G. Trier-Geisf, — e schiəl (scheele) G. Saarbr-OLeuken, — Koschtersch (Küsters) G. met dem neie Seil Prüm-GrKampenbg NHersd, — su butzig

[Bd. 2, Sp. 1152]
(wütend) wei em Weyjand sein G. Saarbg-Greimerath, — su geck wie en G., — su domm bie en G. Goar-NFell, — putschfaul wie Bährns G. Birkf-Idar. — Verschiedenes. Dat mott ock en G. sin eigenartig, absonderlich Klev-Cranenbg. Fraulück (-leute), Katzen un G.ən, dat sin hännerlestige Kreaturen Neuw-Asb. Dat duhn eich noch net fir en blenn G., un wenn se gleich Auen krit! Merz-Warden; dau kres et noch net fir en scheel G.! Trier-Welschbillig; noch net vor e goldig G. duhn ich dat! Simm-Horn Laub. On wennste de G. en et Drihfass (Butterfass) setz, dann kriste noch emmer ken Botter Grevbr. Met Gewalt kammer en G. hennen (hinten) eröm (am Sterz, va füren opheve, emsetzen, opbüren) heve Rip, Allg. (mit der Forts. on am Arsch lecken Neuw-Dierd), — könne twiə Mann en G. twenge (zwingen) SNfrk, — werpe ver (4) Mann eng G. öm Aach-Merkst, — hibt (stellt) mer e G. erem, awer kä Kuh mit Gewalt richtet man nichts aus Birkf, Wend. Lepold, hib (hebe), di G.ən eriwer! Spottr. gegen Juden Birkf-Idar. Den kann ok ken G. van e Mes (Mist) büren Mörs-Repelen. Engem de G. machen das Kinn fest streicheln Bitb-Geichl. De jong G.ə no de Bäək (Bach) brengen Unbrauchbares wegwerfen Kref. De es van de Koh op de G. gekommen Erk-KlGladb, Rees, Schleid-Hellenth. Dat es enen döchtigen Bur; den hät en Kuwbau (Ernte soviel, wie er mit einer Kuh bewirtschaften kann), en Ferke-Longk (Land, um ein Schwein zu mästen), en Get-Utgangk (Dünger, wie eine G. bringt) Kemp-Lobberich. Du arbeits wie en Dier; äwer en G. deht jo net vell Sülzt. Der arbeit für de G. erfolglos Köln-Widdersd. He sitt us, als wenn he de G.ə gepöz (auf dem Rücken getragen) hätt Eusk-Lechenich. Gef em doch jet; et G.che geht em drive! von einem, der sehr ungeduldig, begierig ist Eusk. Jo, de Ehrlich het de G. gestohl gesagt, wenn man die Ehrlichkeit einer Person anzweifelt Saarbr. Dat wor grod de Hohn (Hahn) un (an) de G. gehetscht Saarbg-Taben Rodt. Do lachste dech en G.! MGladb-Rheind. Do sollste doch kapot (vanen) goəhn (baschten) op de G.! nun hört doch alles auf Nfrk; nu freck op de G., all wiər ene Bock! Ausr. der Verwunderung MGladb. Op de G. riən (reiten) zurückgehen, sich irren Mörs. Wannste (wenn du) kein Her Ihm (keinen Pastor zum Onkel) host, dann loss de Fanger von de G.ə! von Unternehmen, die Geld benötigen Prüm-Ringhuschd. Du kenns jo nicks van (jong) G.ə! hast keine Ahnung MGladb, Kref. An (in) der G. sen hinter andern zurücksein Bitb-Geichl. De es ze domm, met er G. ze danze (s. dumm) Allg., — öm en G.

[Bd. 2, Sp. 1153]
te lusen (lausen) Mörs-Asbg. Dat sin Turen, saj Beckmann (Hongskon Geld-Leuth, Jan Deckers Mörs, de Bur Kemp-Lobberich, Bruckmann Geld), du soət (sass) hej met de G. op et Dak Nfrk (van wegen et Hogwater Mörs). Blot, dat tüht (zieht), sät Puət, du holp he de G. van et Dak Geld-Leuth. Schlemm Deng, säj Hödjes, dur hatt de G. et Nervefieber Geld-Kevelaer. Et es en Spöl, sät Höfkes, dann nöjt (nötigt) hej ow bej de Geite Rees. — Die G. u. der Schneider. RA.: Ene Schnider (en Niəhsche Näherin) on en G. sind de armste Deres (dat es et pingelichste (empfindlich) Veh Köln-Poulh), wat ech wet Erk-Bellinghv, Nfrk, Rip, — wat schwett (schwitzt) Kemp-Born. E lick (leidet) Honger wie dem Schn. sing G. Bo-Godesbg. Dem Schn. seng G., die fress, dat se schwess (schwitzt) Schleid-Wildenbg. Et as ke Mä (Mai) su hess, et erkalt e Schn. udder en G. Prüm, Malm [ener Trauf (Traube) un er G. wird et em September net leicht ze häss Bernk]. Die G., die hot zwei Hore (Hörner), die hilt (holt) de Schn., vor Knopplächer se bohre Bernk-Bruchw. Die G., die hät ene lange Sterz, dat ös dem Schn. sing Huhzeckskerz (Hochzeitskerze) Bo-Küdinghv. Blout (Blut) treckt, sät de Schn.; du gren (greinte) he, wie se sin G. der Hals afschneten Kref-Osterath, Geld-Wachtendonk. Ene Schn. on en G., die send sech ärg unglik ; de G., die kann mer melke, de Schn. awer net Klev, Rees. Die G., die hat sich sonen dicken Kopp; der Schn. sagt: es ist mein Suppentopp Berg. De G., de liep den Berg harop, de Schn. liep öm nor; de G., de stok de Stark ine Loch, de Schn. riepoho’ Tanzvers Mörs-Wallach; die G. leift de Berg rof un lässt de Bitschel (Schwänzchen) blinke, de Schn. leift er henne noh un ment, et wär en Schinke Simm-Ebschd; de G., die läft de Berg enuf un lässt de Kniddele fahre; de Schn. läft er hinne no un denkt, et wär sei Gare Simm-Riegenr; de G., die läft de Berg enuf mit ehrer groə Haut; de Schn. läft er hinne no, er meint, et wär sei Braut Simm-Schlierschd; de G., dei läft de Berg aus, de Schn. läft der no; de G., dei hiəft de Bretsch (Schwanz) op, dann es de Schn. do Merz-Losh, — de G., die heif et Stetzche op en sat, wat han ich do! Aach (u. a. Var. Verbr.). Ech wet jet, dat der Schn. en G. hät; ech wet och noch jet miəh, de G., die frett Kliə; ech wet noch jet derbei, de G., die frett Brei MGladb. — Andere Reime. Et wor emol e Mann on en Fra on en G., dat ös alles, wat ich wass (weiss) scherzh. Erzählung für ein Kind Trier, Verbr.; et wor ens geweəs en Kouh en en G.; dat es alles, wat ich weəss Aach; wäss (weiss) Mechel

[Bd. 2, Sp. 1154]
sein G., de zeckelt noch äs (einmal); dat os alles, bat ech wäss, on nau adjess, hal dech riss on mach, dass de kene kromme Buckel kris! Koch-Laub; ich wess jet, dat mi Mo en G. hät; ich wess och nouch jet mih, de G., de friss Kli Dür; ich wess jet, dat Pastur en G. hät; ich wess noch jet mih, se friss Heu on Kli; ich wess noch jet derbe, der Köster hät er dre; ich wess jet zeletz, se hät och ene Stetz Jül-Inden. Pastur sinne Koək hott en G.; he wet äver net, wat he met die Botter deht Erk-Bellinghv. Adeled, wie geht de G.? Die geht grad wie A. Heinsb-Karken. Henn (Heinrich) Schwader hatt ene G. geschlacht, Moder hatt de Worst gemakt, Vader on Moder wore an't schmölle (sich gütlich tun), on de Blage (Kinder) krege de Geiteprölle (Abfall) Klev, Rees, Geld. De G., dem liep den Berg herop en Spettmann achter no; de G., den bört et Stertjen op, en Sp. riep hallo Klev, Rees. Nüs neuts passiert? Abweisende Antw.: Ene Bock hat en G. rasiert Aach. Wöllste en Appel? Gih hönner de Koh on rappel! Willste en Bier? Gih hönner de G. on riəhr! Altk-Herdrf. Leis, kouch mir en Stöck von de G.; ech moss fort, on du blifs hei! Schleid-Urft. Ame, die G. gehr em Some; em Some geht die G.; die Sopp, die es häss usf. Wend-Remmesw. Os (unser) G. on de Nobersch G., die gingen zesammen en de Garden on frossen all grön Blättcher af, de düren leten (liessen) se wassen (wachsen) Neuw-Strauschd. Schlofe, schl., sät der Her zu seine Schofe, sät de G. ene, sät der Wolf, wärt dir mein, sollt dir lang schlofe sein! Bernk-Longkamp. — b. Mutterschaf Köln-Berrenr. — 2. übertr. a. von Menschen, Tieren, Pflanzen. α. dürrer, magerer Mensch, bes. Weib, en schmal (spetz) G. Allg.; en scheel G. Schielender Westerw. — β. jong Gete ABC-Schützen Kemp-Lobberich. — γ. Neckn. derer von Simm-Rheinböllen. — δ. Gass-che Stutzer Koch-Stdt 1850. — ε. mageres, grosses Pferd, en richtige (erbärmliche) G. Allg. — ζ. die hochbeinige Spinne mit dem kleinen, runden Körper Rees. — η. will Gesskes Pl. Wiesenschaumkraut Düss. — b. sachl. α. im Kindersp.; G. spielen (werfen, schlohn) eine ziemlich hohe, oben gabelförmige Stange (mit drei oder mehreren Nebenästen) wird senkrecht in den Boden gesteckt u. in die Gabel ein hölzerner Haken (Krop) eingehängt; von dem Mal aus suchen die Spieler den Krop mittels Knüppel herunterzuwerfen Bitb, Verbr.; dreibeiniger Stecken, nach dem mit einem Stecken geworfen wird, G. wörpen (schmiten) Grevbr, Mörs, — becke (precke) Aach-Eschw; G. höuen (hüten) Spiel mit Holzscheiten u. Bällen, Sausp., bes. Palmsonntag u. Ostern, oder mit folg. Verlauf: unter etwa sechs Knaben

[Bd. 2, Sp. 1155]
wird gelost, wer die G. hüten (höue) soll; der durch das Los Bestimmte setzt einen dicken Stein, die G., auf eine erhöhte Unterlage u. entfernt sich soweit, dass er von den übrigen, die die G. abwerfen sollen, nicht getroffen werden kann; diese stehen in bestimmtem Abstand an einem in den Sand gezeichneten Strich, vielleicht 3 oder 4 m von der G.; sie werfen nun mit dicken Steinen (met keie Müte) auf die G. u. suchen sie abzuschleudern; gelingt es einem, so muss der Ziegenhüter (Gethöuer) dafür sorgen, die G. schnell wieder aufzusetzen u. womöglich noch einen der Werfer, die indessen ihre fortgeschleuderten Steine rasch beiholen, zu schlagen, bevor er das An erreicht hat; gelingt ihm das, so wird der Geschlagene Gethöuer, und er kommt zu den Werfern (de Schmiter); in ähnlicher Weise wiederholt sich dann der Vorgang Kemp, Geld; de G. drive Monsch; de G. melke Simm-Laub; G. sprengen Bock spr. Kemp-Süchteln; G. uf! Saarbr; im Spiele ‘Bauer, pass auf’ heisst der Stein, auf dem der abzuwerfende St., der Bock, liegt, G. Koch-Leienkaul; G. bezeichnet das dreimalige Aufhüpfen des über eine Wasserfläche geworfenen Steines (zweimalig Kalb, einmalig Kuh) Kreuzn-Ippenschd; en G. mache den Klicker gegen eine Mauer schnellen, dass er mehrfach zurückspringt Bo-Wesseling; beim Pruttches, einem Klickersp., heisst ein einzelner Kl. G. Kreuzn. — β. Geräte. αα. niedriges Spinnrad, die Spule auf gleicher Höhe mit dem Rade, im Gegens. zum Bock, dem hohen Sp. Rhfrk, Mosfrk, LRip bis Dür, auch Heinsb; dreizinkiger Rocken am Spinnrad Hunsr; dreibeiniges Spulrad Kref. — ββ. höherer (50 cm) Holzschlitten Ottw, Goar, May, Prüm, Altk. — γγ. Kalkbecken Klev, Rees; ein aus zwei Latten in Winkelform gefertigtes Mass zum Kiesmessen für ½ cbm (veralt.; jetzt Kump) Saarl-Berus. — δδ. Dampfmaschine bei der Tuchfabrikation Aach. — εε. Hemecher Geite (Schleid-)Heimbacher Stühle Eup. — γ. Astgabelung Saarbr-Heusw. — δ. die jedesmalige gerade Zahl (2, 4, 6) von zusammengewachsenen Haselnüssen auf demselben Stiel, im Gegens. zum Bock, zur ungraden Zahl Bitb, Prüm; de G.ən sechs Steine beieinander beim Fangsteinchensp. Wittl-OKail; sechste Tour bei diesem Sp. Aden-Virnebg. — ε. wenn einer gräbt u. kommt mit den andern nicht mit, so heisst der halbinselartige in den gegrabenen Teil hineinragende Abschnitt, der noch zu bewältigen ist, en G., auch beim Kartoffelausmachen; en kemmt mat seiner G. net no; en hot en G. gemacht; en G. stehn lossen Ottw, Saarl, Merz, Trier (Hochw); wenn bei einem Arbeitsstoss im Kohlenbergwerk von ca. 200 m von ungefähr fünfzehn Kameradschaften eine K. nicht mitkommt, so hat sie e G. gebohrt

[Bd. 2, Sp. 1156]
Saar. — ζ. wenn die Frauen beim Gürten der Reben im Weinberg fertig sind, wird am letzten Rebstock der Pfahl bis oben mit Strohband umwickelt u. ein Krönchen oder eine Puppe aus Stroh darauf geknotet; man hat dann de G.; in jeder Flur hat jede Arbeiterinnengruppe den Ehrgeiz, zuerst die G. ze han; wenn man die G. glücklich hatte, gab es früher zur Feier Reisbrei mit gülden Schnidden Sieg-ODollend.

Geiss- in der Zs. meist -sə(n)-, –tə(n)- [NLRip -stə(n)-]; wo daneben -s-, –t- steht, ist dies angegeben; ausser –euter, –fell, -haut, –klaue noch: Geiss-art Klev-Frasselt f.: in der Wend.: Hej hät ene Bart no G. Geiss-auge -ō:x (s. S.) n.: 1. wie nhd. Allg. — 2. grosser Schnaps, bes. mit Zucker, nach der Taufe im Wirtshaus getrunken Mörs-Marienbaum, Klev, Rees. RA.: Den düht et op et G. er trinkt sich lieber einen grossen als einen kleinen Schnaps Mörs-Marienbaum. Geiss-bart (s. S.) Allg. [gs- Merz-Brotd] m.: 1. wie nhd. Allg. RA.: Alure, G., drif de Gecke op de Mart, loss die Scheele laufe, de könne me net verkaufe! Neuw-Unkel. Neckel, Zeckel, G., fohr deng Gäss op de Mort; wannste se net wells verkafen, da loss se liewer lafen! Bitb-Körperich. — 2. übertr. a. Knebelbart Allg. RA.: En Kand beim G.bärtchen hulen beim Kinn fassen u. sanft schütteln Bitb-Geichl. — b. Pflanzen. α. Spierstaude, spirana Sieg-Kuxenbg. — β. Zinnkraut, bes. der oberste Teil, equisetum arvense Sieg-Siegbg, Wippf-Engelsk, Koch-Lutzerath, Saarbg-NZerf. — γ. Mädesüss, ulmaria filipendula Geld-Schravelen. — δ. gelber Ziegenbart, aruncus Eup-Kettenis. — ε. eine Grasart auf trockenen Wiesen, Blätter haardünn, zähe, nur mit scharfer Sense mähbar Neuw-Datzeroth, Wend-Baumholder. — ζ. der Pilz Ziegenlippe Koch-Lutzerath.  PfWB Geiss-bauer (s. S.) m.: verächtl. kleiner B.; do woəhne mar jet ärm Getembörəkes Kemp. PfWB Geiss-bein (s. S.) n.: 1. wie nhd. — 2. übertr. a. magere, dünne B. — b. Neckn. derer von Dür-Bergst, G. va Berresten. Geiss-bellchen -ę·l.- Schleid-Urft Pl. n.: die Zipfeln, die der Geiss an dem Unterkiefer herunterhängen. Geiss-bickes -e- Koch-Moselkern m.: Ziegenbock. Geiss-birne (s. S.) Saarbr, Ottw f.: kleine B.sorte. PfWB Geiss-blatt meist ges-, selten -sə- n.: 1. wie nhd., lonicera Allg. RA.: Ene, dene, G., unsere Geissen sind alle satt, Lenchen hat gemolken, siewen Geissen u. eine Kuh usf. Kinderspr. Koch-Laub. — 2. Mistel Saarl-Berus.  PfWB Geiss-blume (s. S.) f.: 1. Anemone, anemone silvestris Trier-Züsch Höfchen, Bitb-Wolsf, Neuw-Buchholz, Bergh-Glesch, Neuss-Gohr, MGladb-Odenk. — 2. Wiesenschaumkraut, cardamine pratensis Bitb-Wolsf, Prüm-Schwirzh, Bernk-Morb. Geiss-bock (s. S.) hier meist gēsə-, seltener -s- (bes. Rip) Allg. m.: 1. Ziegenbock

[Bd. 2, Sp. 1157]
Allg. RA.: De stenkt wie ene G., — sprengt heröm wie ene (jonge) G. Rip, Allg.; de ös esu onschöldig wie Trenge (Katharina) G., do hatte at (schon) dröckzehn (13) Kastemännche (je 25 Pfg.) verdent Rheinb-Queckenbg. He hät ene Oəm (Atem) wie ene G. Geilk-Honsd. Ne G. wor der erschte Pillendriher Köln. Hurekenger on G.böcke hant selden Unglöcke Wippf. Be Gott es alles möglik, sät dem Bur, du ret (ritt) e de Mähr no de G. Nfrk (o. O.). Et blif en der Fründschaf, sat de G., do fross he dem Schnider de Kühl (Kohlpflänzlinge) op Köln-Stdt. Mi Moder göf ne G. dröm, dat ich net mih an dat Lehmlouch klömm (zum Freien), on ben ech op der Strosse, dann kann ech et net losse Kinderld. Dür. Böpp hat die ganze Welt om Reck (Rücken), bluss do G. net! gesagt, wenn einer auf die Frage, ob er auch dabei war, mit ‘nein’ antwortet u. man ihn aushöhnt: dann bist du der G. Neuw. Hopp, h., h., dem Berg herop, märge schlachte wej ene G.! singen die Kinder, indem sie, sich am Rockschoss festhaltend, eine Reihe bilden u. nachlaufen Klev-Calcar. En Schnider on en G. woge zesamme 99 Pongk, on wann se die net woge, dann sen se net gesongk Rip, Verbr. Do kom ne alde G., de konnte mer verkofe; do schloge mer en met der Pann für de Fott, do ging dat Schinnoos lofe! Monsch-Strauch. Jtzik, spann den G. an, Schalmachei; Gretchen will spaziere fahre, Sch.! Trier-Irrel. — 2. übertr. a. persönl. α. Spottn. für den Schneider; auch Schn. G. Spottverse: Schn. G., stipp die Höres (Hörner) (reit) op, blos die Lamp ut, gangk nom Bett, meck, m., m.! Kref, SNfrk mit Var. Schn. G., hef et Hemb op! MüEif. Schn. G., wo sin dann ding Flüh? Hef (hebe) et Hemb op, do sin er noch mih! Sieg-Honnef. G., de mäs Bänk drop! Aach-Stolbg. — β. domme G. dummes Kind MGladb. — γ. Neckn. derer von Sieg-OLahr. — b. sachl. achte Tour im Fangsteinchensp. Ahrw-Königsf.  PfWB  ElsWB  LothWB Geiss-bohnen (s. S.) Allg. Pl. f.: 1. –kot; in Birkf, Simm -bōntsel.2. übertr. Sg. verächtl. kleiner Mensch Merz-Saarhölzb. Geiss-brei Kemp-Süchteln m.: Spülicht mit Kartoffeln, Rüben udgl. als Ziegenfutter. Geiss-britsche -bret uSaar; -i- Birkf f.: -schwänzchen. Geiss-brot Saarbr, Ottw n.: -blatt 1. Geiss-brühe -br:t Monsch-Witzerath f.: verächtl. schlechter, fader Kaffee. Geiss-bült -ø- MGladb-Rheind f.: verächtl. –stall. Geiss-bunzeln Saar, WEif Pl. f.: -kot. Geiss-butsch gs- Simm-Rheinböllen, Wittl-Reil f.: scherzh., verächtl. Ziege. Geiss-diebel -dīwəl Saarbr; -i- Saarbr-Gersw; -tīw- Saarbr-Völkl m.: Spitzn. eines berüchtigten Diebes der 50er Jahre, namens Theobald Christmann, der entweder in seiner Jugend Ziegen getötet oder gestohlen oder sonst

[Bd. 2, Sp. 1158]
irgendwie mit Ziegen zu tun gehabt hatte; G. heiss ich, stehlen duh ich fleissig; de Arme duht's nicks, de Reiche schadt's nicks. — Jetzt Spottn. Geiss-dreck (s. S.) Verbr. m.: -kot. In Spottversen: Fassnachtsgeck, siewe Weck, häs de Bocks (Hose) voll G.! Neuw-Heimb. Fasselovendsgeck, F., mer werfe dech met G.! Neuw-Rheinbrohl. Aprelsgeck, seven G.! Malm-Weywertz. geiss-dünn -ø-  Ahrw-Sinzig Adj.: sehr mager. PfWB Geiss-fleisch (s. S.) Allg. n.: wie nhd. RA.: Et geht neist iwer gut gerächert (geräuchert) G. Trier-Pelling. Zäh wie G. Merz-Brotd. Schnider, gongk hem, de Moder kockt G.; Schn., gongk hem, di Moder kockt Zupp; wennste net no hem gehs, kriste och ge G.; Schn., gongk hem, di Moder kockt Zupp! Heinsb-Lümb, MGladb-Giesenk. — Beller G. wiərd ze Lewe net wäch (weich)! Neckspr. auf die von May-Bell. Geiss-fuss (s. S.) Allg. m.: 1. wie nhd. Allg. — 2. übertr. a. langgestrecktes Spinnrad Bernk-Bollenb. — b. das zum Einsetzen der Weinreben in den Boden bei Anlage eines Weinberges gebrauchte Werkzeug, dessen Ende einem G. ähnlich ist uNahe. — c. jeisfūt Art Meissel, eckig, fast 45% im Winkel, Schreinerwerkzeug Gummb-Berghsn.