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Rheinisches Wörterbuch 
 
Gau III bis abgauen (Bd. 2, Sp. 1052 bis 1054)
 
  NRhWB Gau III gāu Nahe; gāi Birkf, Saarbr, Ottw; gāu, gau, gä·u. Saarl; Merz, Saarbg f., n.: nur in besonderen Verwendungen. 1.a. bestimmte Landstriche, so die rechte Naheseite, die untere Saargegend. — b. Umgebung, Bereich; der Raubvogel hot ebbes em G.; en dem ganze G. erem Birkf. — In's G. gehn zum Viehkauf aufs Land gehen, vom Metzger gesagt, der früher seinen eigenen Landbezirk dazu hatte. Deshalb auch äm (einem) in's G. gehn in die Kundschaft, ins Geschäft, Liebesverhältnis, in eine Berechtigung eingreifen Saarbr, Ottw. RA.: Der en Beddeler hat net gere, dass der annere en sei G. kemmt Ottw-Wemmetsw. — 2. Kalkboden Merz-Merching.

 NRhWB Gau-boden -bōr- Saarbr-Güding m.: Lehmboden. Gau-stein -- Saarbr-Feching, Merz-Merching m.: Kalkstein. Gau-stück -i- Saarbr n.: Acker mit Lehmboden. Gau-tappes -ab- Saarbr-Sulzb m.: Spottn. für den Bauer aus dem Saargau.

gaub- s. gaup-; gaube(l)n = sehnsüchtig verlangen s. gauen II; Gäubersche = Handvoll s. Gaufse.
 
 
 NRhWB  PfWB  ElsWB Gauch jōx, Pl. -xən Prüm m.: Knollen- oder Wurzelgewächs, das gestengelt ist.

Gauch-heil gǫuxhl Bitb-Wolsf, Bernckesten, Wittl-Cröv, Koch-Leienkaul; ghl Merz-Nunk; j- Daun; gī- Wittl-Bengel Sg. t. n.: Ackergauchheil, anagallis arvensis.

Gäuche(l) jøyχ Ahrw-Sinzig u. -əl, dies auch in Ahrw-Westum, Pl. -ələ f.: eine nicht voll ausgebildete Zwetsche, die in ihrer Entwicklung durch einen Insektenstich gehindert ist.

gäucheln jχ- Sieg-Ägid, uAhr, Rheinb, Eusk, Bo, Bergh, Dür-Düren Abenden; -øy- Ahrw-Remag Sinzig, Köln-Stdt schw.: einen g., zum Narren halten, foppen, verhöhnen, schikanieren; absol. hohnlachen, spötteln, witzeln

[Bd. 2, Sp. 1053]
s. gaukeln. — Abl.: die Göchelerei, dat Gegöchels, der Göcheler, sich zerg., Göchelsbroder.

aus- gäucheln: einen a., aushöhnen Ahrw-Sinzig, Sieg-ODollend.be -gäucheln -āx- Merz-Saarhölzb, Bitb; -χ- Saarbg-Faha; -χ- Rip: einen b., berücken, blenden, verführen durch sein Wesen, süsse Worte; einen täuschen, beschmeicheln.

 NRhWB gäuchig -øyχ- Ahrw-Remag Sinzig Adj.: schmal aufgeschossen, in geilem Wachstum, von Pflanzen.
 
 
gaucheln -oux- Bernk-Neumag schw.: schlecht, mühsam schneiden mit stumpfem Messer oder ohne Fertigkeit. — Abl.: die Gauchelerei, dat Gegauchel(s), der Gaucheler.
 
 
 NRhWB Gaudeamus: G. in et Kerzekörfke sagt man von den Kerzenverkäufern, wenn sie gut verkauft haben Geld-Kevelaer; wenn es sehr lustig hergeht Köln-Stdt.

 NRhWB Gaudes gǫudəs, Pl. -sən Prüm-Mürlenb m.: Spassmacher, Witzbold.

Gaudium  Allg.; daneben gaudī  Birkf, Goar-Weiler Sg. t. n.: 1. Ausbruch von Lustigkeit; urkomische Szene Allg. — 2. wahres Durcheinander; dat is dat reinschte G. Ottw-Heiligenwald.

Gaudes I = Witzbold s. Gaudeamus.
 
 
Gaudes II goudəs, –ǫu-, Pl. -sən Trier, Bernk m.: grosses Handfischnetz mit einer langen Gabelstange, deren beide Ruten durch dickes Hanfgarn, den Stodfodem, verbunden sind; an ihm ist der Vorderteil des Netzes befestigt, während die andern Teile in der Gabelrute befestigt sind; bei Hochwasser wird dieses Netz am Ufer über den Rasen geschleift, u. zwar so, dass die eine Gabelrute über den Rasen gleitet, so dass das Netz wie ein Sack hinterherschleift; beim Herausziehen wird die Gabel umgelegt, dass die beiden Enden mit dem Stodfodem über den Boden gleiten; s. auch Audes, Laudes, Koppel.

Gaudium s. Gaudeamus.
 
 
Gaue jǫ·u., Pl. -j·y. MGladb-Viersen, Kemp-Amern Born Grefr Hüls Kempen, Geld-Hinsbeck f. (m. Hüls): klaffende, noch nicht vernarbte Schnittwunde; dou häs en leleke G. för de Kopp; den hät em en gehürege G. geschlage; den hät sech enen orndliche G. gehauen; dat Metz (Messer) ös mech ofgeschompt (abgerutscht), dat hät en ärge G. en de Hongk (Hand) gegeəve; auch Spalt an Bäumen oder an neuen Gebäuden, die man an alte Giebel anbaute; dat Hus hät nen döchtege G. gereəte.

gauen I = eilen s. gau.
 
 
gauen II gǫuə(n), –ǫ·u.- Wend, Birkf, Saarbr, Ottw, Saarl, Merz [-ā:- Merz-Bergen]; -ǫ·u.w- Trier, Wittl, Bernk; -ǫuf- Bernk-Wehlen, Daun-Strohn; -ūf- Monsch-Mützenich schw.: 1. verlangend, lüstern nach einem heissbegehrten

[Bd. 2, Sp. 1054]
Gegenstand hinblicken, bes. nach Speisen, von Kindern gesagt; wenn z. B. ein Kind sieht, wie andere Leute essen, u. selbst etwas gern davon hätte, gu mol, wie das wirer gaut; auch von Tieren (Katzen, Hunden) Allg.; ist irgendein Familienfest im Dorfe, bes. Hochzeit, so stellen sich die Kinder vor die Türe des Hauses u. warten, bis sie ein Stück Kuchen bekommen, sie g., was nichts Entehrendes bedeutet; auch vom Abholen der Brautsuppe durch die drei ersten Schüler der Volksschule Saarbr-Völkl; die Katz krit Koppweh van G. hennerm Owe die Brautleute haben keine Gäste geladen Ottw-Uchtelf. — Man gauwt of den Geldbriefträger; ich hatt schu lang no em neien Gesangbuch gegauft; die Neffen g. auf den Tod ihres Onkels Allg. — 2. spionieren, aufpassen, was andere reden Wittl-Binsf. — S. auch gaupen, geipen, gippen, gammsen, gimmsen. — Abl.: die Gauerei, dat Gegau, der Gauer, gau(er)ig (gaufig).

ab- gauen: 1. einem etwas a., durch sehnsüchtiges Betrachten abschmeicheln, abbetteln, Allg. — 2. den rechten Zeitpunkt abwarten Trier-Mehring.