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Rheinisches Wörterbuch 
 
Bossen I bis Botstrich (Bd. 1, Sp. 883 bis 885)
 
 Bossen I bōsə Rhfrk in Saarbr, Wend, Kreuzn, SSimm [-ū- uNahe s. bloss]; -ū:- uWupp 1870; bū·ə.t SNfrk in MGladb, Kemp, Geld [btjə Heinsb-Schalbr] m.: 1. Garbenbündel Rhfrk (s. o.). RA.: De bischt e Ehrenmann (Wortsp. zu Ähre). wammer dich in e B. Stroh steckt Wend-Merzw. So dumm wie en B. Stroh ebd. — 2. Flachsbündel nach dem Räpen SNfrk, uWupp (s. o.).

Bossen-stroh n.: Drusch-, Langstroh. So dumm wie B. Kreuzn-OHausen.

bossen, bösseln schw.: 1. -ū:- stossen, pochen uWupp 1870. — 2. -ō- Rhfrk; bēsələ Wend-Merzw Steinb, Osterth: Getreidegarben b., bauschen, blauschen; die Ähren überdreschen vor dem Öffnen der Garben zur Erlangung des reifsten Saatkorns.

Bossel -ōs- Kreuzn n.: kleines Bündel.
 
 
 PfWB  ElsWB  LothWB Bossen II Rhfrk, Mosfrk -os- [bosəl Bitb-Geichl]; Köln -ǫ-; SSieg pos- Pl.: 1. Nichtbeachtenswertes, Unbedeutendes; Lächerliches, Unterhaltendes. — 2. Kränkendes, Nachteiliges, schadenfroher Streich, lustiger Ulk. B. spielen, machen, versetze.3. e Boss-che zimperliches Mädchen Ottw-Illing.

 PfWB Bossen-macher Rhfrk. Mosfrk m.: -reisser.

 PfWB  ElsWB  LothWB bossig -o- WMosfrk [Saarl. Merz, Saarbg, Trier, Wittl, Bernk, Zell, Daun, Bitb], NWesterw, SSieg, Schleid, Dür, uWupp, Sol [-ø- Schleid, Malm] Adj.: possierlich, unterhaltend. 1. absonderlich, seltsam, komisch; drollig, zum Lachen reizend; nicht mehr verständlich Allg.; verstärkt kontərbossig Prüm. En b.ə Sach; ene b.ə Kerl; dau solls wol b. schwätzen; dat Denge kimmt mer esu b. fir; dat gemohnt

[Bd. 1, Sp. 884]
mech esu b. Eif. — 2. launenhaft, wunderlich Allg. — 3. et es enem b. dumpfe Schmerzen im Kopfe oder Leibe haben Allg.

bossen I -ō- = blauschen s. Bossen I; bossen II = impfen s. possen.
 
 
bossen III -os- Rees-Ringenbg Brünen schw.: wühlen, vom Schwein.
 
 
 NRhWB Bossert bǫsərt Wittl; bōstət Aden m.: Fleisch, aus der Gaunerspr.
 
 
bosses bǫsəs neben -o-, –-, –ø- NRip, NBerg Interj.: des Erstaunens.
 
 
 PfWB bossieren Verbr. schw.: einen Stein b., behauen mit dem Bossiereisen oder -hammer [pō:zī:r-Sieg-Rhönd] (Steinindustrie), die dicken Wulste abhauen vor der feineren Bearbeitung.
 
 
bosten I -ǫ- Schleid-Cronenbg, Monsch; -sə Monsch-Kalterherbg, Eup-Hommer schw.: mit der Peitsche knallen.

bosten II = schälen (Nüsse) s. Bast I; busten; Bot I = Flachsbündel s. Bossen I.
 
 
Bot II bōt dūn Saarl-Hüttersd: prahlen, prunken. S. bagen.
 
 
 NRhWB Bot III = Gebot: in Allebot (s. d.) u. in der Wend.: Duər de B. durchweg Heinsb-Höngen; mich steht der B. ich bin in Verlegenheit Aach-Merkst.

Ge-bot gəbǫt; Bitb --, Pl. -dər [Klevld γəbiən] n.: 1. zu gebieten. a. Befehl, wie nhd. RA.: De kennt (wess nüs af, stürt sech net an, glöft net an, hät) ken Gott on ke G. er ist religionslos, moralisch schlecht Allg. Do is ke Gott un ke G. keine Regel u. Ordnung Simm. Nut kennt ke G. Kref. Dat elfte G. heəscht: loss dech net kölle (verblöffe, erwesche)! Aach, Allg. De zehn Gebode. De fif Geboje scherzh für die 5 Finger Klev-Goch. — b. Versammlung, um etwas zu beraten Dür. — c. Wiesengrund, den der Gemeinderat durch Beschluss zum Mähen freigibt; et erscht G. is uf Simm, Bitb-Speicher. Gebodder Gemarkungsteile, Wiesengründe Westerw. — d. alle Gebot alle Augenblicke WMosfrk, Ottw, Birkf (gəbəds) (s. all). — 2. zu bieten; Angebot, bes. bei Versteigerungen. E G. op jet dohn; et ös ken G. dran kein Preis Rip, Allg. RA.: E kölsch G. mache (dohn) die Hälfte bieten Köln, Aach, Kref. — 3. zu aufbieten, ein Brautpaar Klevld. Se stohn onder de Geboje in der Verkündigungszeit. Ek sal öm (öhr) de Geboje steute Einspruch erheben. — Bitb hat für gəbt 1 a auch -o-, aber nur in der Wend.: Hea kennt ke Gott un ke G. Ver -bot: n.: nach dem Nhd.

bot bǫt zu bieten = gebieten u. verbieten, ein Ausdr. beim Kindersp.: 1. beim Klickersp. bot! Kreuzn-Weinsh; botsches! Saarbr-Quierschd; botalles!  Mayf; der Ausruf verbietet dem Gegner jegliche Unregelmässigkeit u. Erleichterung; hat der eine Spieler dies gerufen, so ist dem andern jenes all verboten. Mit

[Bd. 1, Sp. 885]
näherer Bezeichnung: Boəthikes! verbietet statt vom Boden vom Knie aus zu schnellen May-Mertloch; botraumes! verbietet die Hindernisse wegzuräumen Mayf, Ottw-Tholey; botraum! Wend-Breitenh, Saarbr; bodaraumes! May-Rüber; bodaraumes-ches! Kobl (o. O.); boteraum! Neuw-Rheinbrohl; boderümes! Malm-Mürring; raumes bortsch! Trier (o. O.); buərteweg! Saarbg-Tetting Eft; botschnerres! es ist verboten zu schnerren (s. d.) (daher die RA.: b., Herr Parre! das tue ich durchaus nicht) Kreuzn. — 2. beim Nachlaufesp. rufen die Kinder bei Seitenstechen: Eich sein bot! Ottw-Scheuren, Prüm-Waxm; eich botte! Ottw-Hirzw; bodde! Saarbr; butta! Saarbr-Sulzb; ich hon botte! Saarbr-Guichenb; et es »bout«! May-NMendig; duck, d., bot! Prüm-Rommersh; batzu! Wend-Berschw; batunä! Saarbr-Feching; bor! Daun-Üdersd; bodən! Wittl-Salmrohr; boadem! Trier-Zemmer; verbot! Kreuzn, Goar, d h. wenn das verfolgte Kind eine Wand oder dgl. anrührt, bittet es sich durch diesen Ruf Zeit zur Ruhe aus. — 3. beim Sausp. Hat der Spieler sein Loch mit dem Stecken besetzt oder will er rasten, so legt er seinen Stecken mit dem untern Ende quer über sein Loch u. ruft: bot, mei Loch is Käs! Kreuzn-Eckw; bot mei Loch! Wittl-Binsf; in mei Loch es Bodder on Käs! Ottw-Stennw; eich han butter! Saarl-Hüttersd, — botter w. d. Theel; bodder en mei Loch! Ottw-Uchtelf; ech ben bodde! Ottw-Stennw [alles Entstellungen < bot].

Boten bǫdə Saarbr, Ottw-Elwersbg; -ō- Ottw-Uchtelf; »boet« Trier-Fell; buət Siegld-Hilchenb; br Daun-Üdersd m.; dəs bǫt n. Kreuzn-Argenschwang: 1. Malzeichen beim Klickersp., über das nicht hinausgegangen werden darf. — 2. Ruheplatz beim Nachlaufesp.

 PfWB Bot-haus bǫdəheisχə Ottw; bǫthous May n.: Ruheplatz beim Nachlaufesp. Bot-kaule bǫtku·l. Grevbr-Otzenr; -kǫ·u.l Merz-Büschf; bǫts- May-Kettig f.: Loch beim Klickersp. zum sog. Stucken (s. d.), das etwas plump oder zu weit geraten ist. PfWB Bot-stock bǫtdǫk Ottw-Uchtelf m.: Ruheplatz, Asyl beim Verstecksp. Bot-strich bǫttreχ Merz-Nunk m.: ein Malstrich beim Klickersp., über den beim Spielen nicht hinausgegangen werden darf; will der Spieler dies, so ruft er Botstrechəs mər!