Wörterbuchnetz
Rheinisches Wörterbuch 
 
blutt bis Bokerl (Bd. 1, Sp. 813 bis 816)
 
  NRhWB blutt uNahe blut; Simm, Birkf, Saar bis Merz, Westerw, Siegld -o- Adj.: 1. nackt, bloss, nur in der Verb. bl. on bloss Birkf; bl. un barwes Birkf-Idar Wend-Dörrenb. — 2. unbehaart, unbefiedert, bei Federvieh, Vögeln; zart, üppig gewachsen, aber noch ohne Festigkeit, von Pflanzen, Knospen; von noch nicht geheilten Wunden; zart, von Kindern Westerw, Altk, Siegld (bis Altk-Wissen); empfindlich, von den Händen nach dem Waschen Altk-Herdorf. — 3. im Spiele verloren habend. Ech sein bl.; enen bl. mache Rhfrk, Saar, Trier-Höfchen Neuhütten, Westerw, Altk, Neuw [vereinzelt blutt Daun-Strohn; der RhKlaaf (uWupp) hat auch blott; Gummb-Marienberghsn blött; Sieg-Menden plött]; bankerott sein; in grösster Armut, gerne verstärkt arm un bl. ebd. — Mit etwas bl. sein, zu Ende sein. Die sin alle Frihjohr bei gure Zeit mirem Hou bl. Simm-Laub. — Alleinstehend (etwas). Er hat den Kenig (im Kartensp.) bl. Saarl-Differten. — Ohne Zutat. Drink das Wasser nit bl.!

[Bd. 1, Sp. 814]
Saarbr. — 4. vom Schnee, im Schmelzen begriffen. Der Schnee is bl. Kreuzn, Simm, Birkf. — Von Wäsche, Getreide, Heu, noch feucht, nass ebd., Zell-Trarb.

 NRhWB Blutt blut, Pl. -də; Simm-Laub, -o- Zell f.: Ansammlung von Regenwasser.

Blutt-dutz blotdots Siegld-Salchend, Altk-Herdorf NFischb m.: kranker Vogel, Nesthocker.

blutterig Westerw Adj.: 1. vom Getreide, das sich beim Aufschichten so fett zeigt, dass es umfällt u. durcheinanderliegt. — 2. matschig fett, von Personen, bes. Kindern.
 
 
 NRhWB Blütter -øt-, meist -kə(s) Klevld; -o- Geld; -ød- Geld-Nieukerk; jəbløtərkə Geld-Schravelen m.: die hohe (convexe) Seite der Spielknöchel, der Helte oder Beckels, auch Kunder genannt, dem Külder, der hohlen (concaven) Seite, gegenüberliegend. S. auch Stönder.blüttern -ø- schw.: bl. en kundere mit den Helten spielen.

Blutz I s. blutzen.
 
 
Blutz II blots, Pl. -tsə(n) [blets Daun-Tettschd; -ø- Neuw-Kurtschd] Goar, Westerw (über Neuw-Buchholz hinaus), Eif (über die Ahr hinaus; n. Orte Schleid-Reifferschd Blumenth Dreiborn, MüEif, Eusk-Zülp, Malm-Bülling, Monsch-Kalterherbg), bes. im SRip vielfach plots gespr. m. [f. Prüm-Ihren, Mü-Eif]: 1. Wassertümpel, der zeitweise austrocknet; Pfütze im Wege; Wasserlache [Dorfteich, Brandweiher MüEif; Sumpf, oben meist mit Gras bewachsen, Juckelsblotz Malm-Aldring]. — 2. übertr. grosse Menge Getränk.
 
 
 NRhWB blutzen uNahe -u-; sonst Rhfrk, Mosfrk -o- schw.: 1. trans. (oder absol.); in bes. Anwendungen. a. etwas bl., unsanft hinwerfen; auch lohin bl. Goar-NFell, Neuw-Datzeroth. — b. etwas bl., heftig schlagen, durch Stoss oder Schlag beschädigen. α. den Kopf bl., verbeulen. Der do soll sich emol de Kopp geblotzt hon; die Käpp bl. oder mit de K. onenanner bl. Hunsr, mSaar. — Einen bl., verprügeln May-Hatzenp. — β. Äpfel bl., harte Ä. so lange aufstossen, bis sie mürbe werden, wobei die Schale zerplatzt Hunsr, Saar, Mos, Westerw. — c. Erse (Erbsen) bl. entschoten Neuw-Rheinbrohl. — d. Butter bl., hin- u. herbewegen, kneten, um Wasser u. Buttermilch auszupressen Altk-Wissen, Sieg-Fussh. — e. Rettich bl., Rettichscheiben zwischen zwei Tellern hin- u. herschütteln, um sie weich zu machen ebd. — 2. absol. a. mit Ostereiern kippen Saarbr-Püttl. — b. stark, qualmend rauchen Hunsr, Saar, Mos, Westerw. De blotz, as bi en arme Mann back Neuw-Dattenbg. Zigare bl.c.Geld hergeben; gezwungen zahlen müssen Saarl. — d. schwer arbeiten, rackern; vergeblich arbeiten Birkf-Idar, Kobl, Westerw. Do kann er dran bl. Idar; wie de sich on der Orwet blotzt!

[Bd. 1, Sp. 815]
Westerw [blotən Altk]. — Schweren Boden bearbeiten Kobl. — 3. intrans. heftig, mit Knall hinfallen. De Jung es of et Eis geblotzt Verbr. Hunsr, Saar, Mos, Westerw; ech sen geblotzt hart hingefallen. — Bes. vom Obst. De Äppel bl. (vam Bam). En geblotzte Abbel durch Fall beschädigter A. Die geblotztene Bire sein schuns all gerafft du kommst zu spät Goar.

ab- blutzen: sich a., sich abrackern Verbr. wie bl. 2 a. PfWB ver -blutzen: 1. Obst v., durch Fall oder Schlag beschädigen. — 2. einen (etwas) v., durch Hiebe verletzen.

Blutz f.: 1. Beule am Kopfe Birkf-Idar Herrst, Saarbr-Völkl. — 2. durch Druck, Auffallen beschädigte, weich gedrückte Stelle am Obst; mürbe Stelle an geblotzten Äpfeln. — 3. in Teig gebackener Apfel Ottw-Neunk Eppelborn. — 4. Apfelwein, Äppelblotz Kobl.

Blutz-apfel Saarbr m.: ein durch Fall beschädigter Apfel. Blutz-backen Westerw Pl.: dicke Pausbacken. Blutz-kopf Saarbr-Dudw m.: störrischer Mensch.

Blutzer m.: 1. -o- starker Raucher Saarbr. — 2. blutsərt Tolpatsch, grober Mensch Birkf-Herrst.  NRhWB blutzig -o- Adj.: 1. durch Fall beschädigt, vom Obst Saarbr-Sulzb, May. — 2. aufgedrungen; aufgedunsen Neuw-Dattenbg. blutzdich blotsdĭχ Saarbr-Sulzb Interj.: Ausruf beim Stutzhämmelchessp. (s. d.).

Bo = Bote (s. d.); bo I = bald (s. d.).
 
 
bo II, I bo u. ; auch -kəs Rip Interj.: der Geringschätzung gegenüber einem, der von andern höher bewertet wird, oder gegenüber einer Aufgabe, die als schwer hingestellt wird, immer auch Ausdruck des Gefühls eignen Wertes u. Könnens. Bo, dat kann ech och! Bö, dat sall och jet sen!
 
 
 PfWB bo III, II: 1. b, auch b Interj. bes. gegenüber Kindern, die etwas begangen haben, um sie bange zu machen wegen der Folgen = o weh! Allg. — 2. b, –, – [Köln -øy] Allg. a. Interj. des Staunens, Entsetzens, auch bkəs Rip. — b. Schreckruf gegenüber Kindern, die man mit bo (usf.) unerwartet, oft von hinten her oder vermummt, in Angst jagt Allg. Bö, b., der Bollemosch, der krig dech! Sieg, Allg. Bö mache (douhn Wippf) kleine Kinder bang machen Allg. — 3. b, – Interj. zum Ausdruck der Schadenfreude, bes. beim Möhrchenschrappen May, Altk, Rip, Nfrk. Bö bicke borö! Eup. — 4. băribəl! Ausruf beim Verstecksp. zum Zeichen, dass der Sucher kommen soll Altk-Herd; b, bidəb! Ausruf der kleinen Kinder, wenn sie aus dem Versteck hervorspähen Birkf-Idar.

Bo, m.: 1. b Neuw-Datzeroth; sonst meist -, – Schreckgespenst für kleine Kinder. — 2. - verschlossener, finsterer Mensch, vor dem man bang werden könnte Neuw, Rip.

[Bd. 1, Sp. 816]
Dat es en richtige B. In Ahrw schreckte man die Kinder: Ech son et dem Franke B.! (Fr., der frühere Nachtwächter, von düsterm Aussehn). De hält de Schnüss op wie en B. hält Maulaffen feil Altk-Wissen.

Bo-bo bb  m.: 1. Schreckgespenst Saarbg-Faha Fellerich, Bitb-Speicher, Trier; bøybøy Köln. — 2. nachlässiger, bummeliger Kerl Wittl-Manderschd; dummes Frauenzimmer Trier-Welschbillig. Bo-bocks bbǫks  Saarl-Hostenb m.: Schreckgespenst. Bo-kerl b- u. -- Klevld m.: Schreckgespenst.