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Rheinisches Wörterbuch 
 
Blatt bis abblatten (Bd. 1, Sp. 755 bis 757)
 
  NRhWB Blatt Rhfrk blāt, Pl. blęrə(r) [Siegld blārər u. --]; Simm, NHunsr blāt, Pl. blīrə, Demin. blīdχə; OMosfrk blāt, Pl. blędər, –:-, Demin. blędχə; WMosfrk blēt, Pl. -dər, Demin. -dχən [-ēă- Bitb-Rittersd Mettend, Merz-Losh; -- neben -ā- Koch-Urschmitt Kaisersesch]; Rip blat, Pl. blā:də(r) u. -:-, Demin. blętχə [NWWesterw, Sieg-Ägid Pl. bladər; an der Ahr u. Rheinb blāt, Pl. blā:də u. blędə, Demin. bl:tχə u. -ę-; MüEif blāt, Pl. bl:də Pflanzenbl.; blat, Pl. blędə Papierbl.; ebenso in der WEif blēăt, Pl. -dər Pflanzen-, Papierbl.; blāt, Pl. -ēăder Zeitung]; NRip blat, Pl. blā:r, Demin. blętχə; SNfrk blat [Kempld -ā-], Pl. blā:r u. bl·ə.r (nebeneinander im selben Ort), Demin. blętə [Kemp-SHubert blǫt, Pl. bl·ə.r]; Klevld blat, Pl. blār u. -ə-; Demin. blętjə n.: 1. Pflanzenblatt (Bom-, Kappes-, Knollebl. usf.). Wann de Blädder falle, fällt er ach er stirbt wohl im Herbst Saarbr-Sulzb. Den es rip, wenn de Blär fallen er stirbt Klev-Calcar. Bladər kratze, schere Streu sammeln Rip. Blire mache Gemüsepflanzen blatten Hunsr. Blädər schesse man nimmt grüne Bl. auf die hohle Hand und ruft durch Aufschlagen mit der andern Hand einen hohlen Klang hervor Koch-Leienk. — Dönn wie e Bl. Allg. Et git ke brede Bl. as e bret

[Bd. 1, Sp. 756]
Brämeleblatt MüEif. Et Bl. (Blättche) hät sech gewandt (gedriht) Rip, Allg. E nit ken Bl. für de Mond Allg. En al Gess (Hipp) lös (lüstet) (friss, knibbelt, mag, hät) och noch gern en grön Blättche ein alter Mann (Frau) verliebt sich in ein junges Mädchen (Burschen) Rip, Nfrk. De Fuss sot, he well ken Birren; wie nemmen e Bl. ful, luf hen olt enner de Bom Prüm-Ihren. En Bl. (vom Huflattich) wie en Hand git en Löffel voll Schmand Gummb-Nümbrecht. — Blätter (am Obstbaum) vor der Blüte, kein Obst. Ein weisses Bl. am Gemüse bedeutet den nahen Tod eines Familiengliedes Siegld. Nussbaum mit gelbem Bl. weiss, dass im Hause alle satt. — 2. Papierblatt. a. Schreib- oder Druckpapier. Dow sprecks wie en Bok onne Blar Geld-Leuth. En Gesech mache wie en deck Boch met leddige Blädder Köln. — b. im bes. die Zeitung; eine kleine Z. et Blättche. Ens en et Blättche sehn die Zeitung lesen. Em Bl. (in et Bl.) lese. En et Bl. setze annoncieren. Se han em Bl. gestannen als Verlobte. En dräht (trägt) de Bleder er lässt die Ferse aus dem Strumpfe heraussehn Saarbg-Portz. Der es jo et N.Blättche ein Schwatzkerl Allg. S. Käs-, Kreisblättchen, Sonntagsblatt. — c. Spielkarte. Wievill Blatt häste noch? RA.: He wor net bei Bl. nicht aufgeräumt, nicht freundlich Prüm-Mürlenb. Gang net dröm heröm, blif beim Bl.! Schleid-Dahlem. De bemolde Bl.ər on de vierkänktigen Knoken (Würfel) hant manchem den Geildbüdel terbroken NBerg. — 3. Stück Zeug; Vorhemd Mörs; eng anschliessendes, nur das Stirnhaar frei lassendes, weisses Häubchen Koch-Treis. — 4. breite, sichtbar hingestellte Fläche a. breites, abgerissenes Stück, Flatschen Geld-Aengenesch. — b. Zielscheibe beim Schiessen. Op et Bl. werpe beim Kegeln. — c. Zifferblatt. — 5. Brett. Teil des Webstuhls Bernk-Bollenb; der Flachsräpe Nfrk; der Rechenkopf, in dem die Zähne stecken Hunsr, Westerw; Blättche rechtwinklige Kante (Schreinerei) Saarbr. — 6. das Bl. der Säge, die S. ohne Gestell oder Heft Allg. Das Messer an der Häckselmaschine; Sensenblatt (-klinge). — 7. Türgehänge Sieg-Fussh. — 8. Blättche Untertasse Kobl, May, Aden, Neuw (kann auch zu Platte gehören). — 9. Körperteile. a. Schlüsselbein, Schulterbl.; Fleischstück von der Schulter zur Brust laufend Allg. Dat Perd het et en't Bl. Kemp; — es los en de Blirer Simm. Et Reh is uf et Bl. troff Saar. — b. der flache Teil des Fussrückens hinter den Zehen Sol; Fusssohle May; Seiten eines Schuhes Grevbr-Hochneuk. — c. scherzh., verächtl. Zunge Nfrk, Zell. Halt ou Bl. ma stell! Et Bl. steht öm ni stell. En hät dat Bl. gut geschmärt Nfrk. Dem geiht et öwer et Bl. er erbricht sich Mettm.

[Bd. 1, Sp. 757]
Gebledər Birkf Pl.: der obere Teil an schlecht gewachsenem Gemüse.Gebläddersch Allg. n.: Blätterwerk, auch dat Geblatts.

Blatt-ader -:rə Aach-Gressenich f.: Schlagader. Blatt-geschirr -jə·r. Mettm-Cronenbg, Kemp, Siegld n.: Riemenwerk an der Brust des Pferdes. Blatt-knochen -knk Kemp-STönis m.: Schulterknochen. Blatt-laub -lf Kobl-Höhr n.: Breitlauch. NRhWB blatt-lahm Kemp Adj.: im Schlüsselbein 1, vom Pferde. PfWB Blatt-laus f.: 1. wie nhd. Se sote tesamme wie de Blattlüs Ruhr. — 2. Beerenwanze Mosfrk verbr. — 3. Filzlaus Elbf. — 4. der alte Silbersechser (6-Pfg.stück) Elbf. Blatt-spiel -pil Nfrk n.: eine Menge Blätter. Blatt-stück n.: 1. Fleischstück vom Schulterbl. des Viehs Kemp-UWeiden. — 2. das Schulterstück am Mannshemde Sieg-Ägid. Blatt-weide -wī: Erk-Körrenz f.: Korbweidenart. Blatt-weiser -wī:zər Rip, Nfrk m.: Inhaltsverzeichnis.

Blättches-beere blędərχəsb:rə, –ī·ə.- Prüm-Leidenb Lützkampen Pl.: Erdbeeren. Blättches-kerl Allg. m.: Zeitungsträger. Blättches-kirsche f.: Kirschensorte, bei der an jeder K. ein Bl. hängt Wesel. Blättches-stock bldərχəsdęk Ottw-Dirming Pl.: alle Bl.pflanzen. Blättches-träger Allg. m.: Zeitungsträger.

 NRhWB Blätter-blume blatəblōm Rheinb f.: breitblätteriger Wegerich. Blätter-kaule blā:rkū:l MGladb-Rheind f.: Grube mit Bl. von Runkelrüben, Patschkaule. PfWB Blätter-magen blārmāx Klev m.: Bl.magen der Kuh. NRhWB Blätter-mus blā:dərmō:s, –ū:- NBerg n.: Gemüse von Kohlblättern, Spinat. NRhWB Blätter-mütsche -møt Elbf f.: Frauenhaube. Blätter-rechen Allg. m.: Rechen zum Zusammenscharren des Waldlaubes.

 NRhWB blatten Rhfrk blārə; Saarbr blādə; WMosfrk bl:dən, –·ă., –ō·ə.- [auch pl:dən; Saarbg bl:dən]; Rip blā:də [nw. Westerw bladə (auch Sieg-Ägid)]; NRip blā·ə.; Kempld blā:nə, du blats, h blat, Part. jəblat [bla:n Mörs-Neuk]; Klevld blāən schw.: 1. die überflüssigen Blätter am Gemüse entfernen, dann bes. an den Runkelrüben die äussern Bl. wegnehmen. RA.: Eich were dir de Toərsch (de Kabbes) blare! die Leviten lesen Hunsr, Saarbr. Dat woər fir de geblöt in Aussicht genommen Saarbg-Faha. — Die Weinstöcke auslauben Mos. »Wer blattet vor der Bluht, verdient neuen Rock und Hut«. — Den Tabak bl. Kreuzn. — 2. auf einem Blatte pfeifen Siegld, Neuw-Datzeroth; auf einem Blatte fiepen zur Blattzeit der Rehböcke, um diese anzulocken. — 3. in der alten Bauart, die Riegeln mit den Pfosten durch Einschnitte verbinden Westerw.

ab- blatten: 1. = blatten 1 (seltener daneben). — 2. den Tisch a., abdecken; eine Wand a., leer machen, etwa vor dem Tünchen Prüm-Ihren.