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Rheinisches Wörterbuch 
 
binden bis Bindgeschirr (Bd. 1, Sp. 696 bis 701)
 
  NRhWB binden Rhfrk binə, gəbun; Mosfrk be·n.ə, gəbo·n.; WEif ba·n.ən [Daun -u-; Prüm -ę-; NPrüm -ǫ-], du bi·n.ts (-ø-), Prät. eχ bū:n, Conj. bī:n, Imperat. ban, Part. gəbu·n. ən; Rip be·n.ə (-ø-, –-), du be·n.ts, Prät. eχ bo·n., Conj. bø·n., Imperat. ben, Part. jəbo·n. ə; im rip, snfrk. Mouillierungsgeb. bis zu der Mouillierungs-L. einschl. Geld-NDorf Herongen Wankum Wachtendonk Gelinter, Kemp-Schmalbr Broich SHubert Orbr Hüls, Kref-Traar, Mörs-Kaldenhsn Hohenbudbg (s. ander) be·ŋ.ə (-ø-); [-ę- Dülken-Stdt Boish Dilkr Hilfarth Doveren Hückelhv Willich Ratheim Myhl Gerderath Gerderhahn Schwanenbg Grambusch; -ø- innerh. OKrüchten Merbeck Klinkum Tüschenbr Wegbg Rickelr Leloh Hardt Naphsn Vogelsr End Amern Laar; Selfk w. NBusch Stahe Straeten Ütterath Horst Porseln OBruch Ophv Effeld be·n.ə, jəbo·n.ə]; Eup bęində, jəboundə; Klevld bēndə bis einschl. Geld-Wemb Weeze, Klev-Kalbeck Calcar Wissel Grieth [Dinsl bēnə], du bēnts (-e-), Prät. bōn, Conj. bn, Part. γəbōndə; n. davon bində; MülhRuhr biĭnə, du bi·i.nts, Prät. bu·ŭ.n, Part. xəbu·ŭ.nə st.: I. trans. 1. etwas b. a. festbinden (an etwas), deutlicher fas b. Rip, Allg. Den Bom mosse mer b.. d. h. an den Pfahl, meist dafür anbenge. — Im Bes. Reben b., die Hauptreben an den Pfahl, die Büglinge und Häupter an die Hauptrebe, die vierte Weinbergsarbeit, von Frauen besorgt; ohne deutlich genanntes Obj. oder mit Vertauschung des Obj., den Wingert b. Wenn das B. der Reben vollendet ist, wird der letzte Stock mit Bändern geschmückt; als Festschmaus wird dann zu Hause ein Hahn verzehrt (s. den Hahn fangen) Bernk-Lieser. — Das Vieh b., anbinden. Die Glocken beiern: Böng de Koh on böng dat Kalf on komm dann on komm dann! Bo-Brenig, Köln-Liblar. — Die Örtlichkeit ist genannt. Wor den de Kuh bend, dor blift se stohn er hat eine entscheidende Stimme, massgebende Person Nfrk. Et Foder es schlech geroden, da moss mer

[Bd. 1, Sp. 697]
widder de Koh met dem Sterz an de Trog b. Wippf-Loope. — Verschiedene Obj. Ke Johr is an en Pohl gebunn; en Stick geht jere Da devun Bernk-Bollenb. He es a jen grute Röüp (Raufe) gebounde im Staatsdienst Eup. Du kanns der de Schnute an de Trappe b. bekommst nichts zu essen Waldbr-Wildbg. Eim jet an et Seil b. etwas aufhacken Sol. Wievill Rattestearze moss me han, wann me de Sonn an de Eard b. wellt? einen, wenn dieser lang genug ist Siebengeb. De mät e Gesech wie ene Rifkoche, de mer an e Kördche gebunge hät Köln-Rodenk. — Sich jet (den Schaden) ajen Beən b. mösse von nicht beitreibbaren Schuldforderungen Aach, Allg. Dem kömmp et nit drop an, dem ös et nit an't Hart gebonge Kemp, Allg.; an den es nöks gebonge er ist freigebig, nicht geizig Rip, Allg. — Me kann net jederanem alles of de Nos b. alles sagen Mosfrk, Allg. Do han ech em äver noch ens jet op de N. gebonne belogen Ahr. Gef mer e Köərdche (Schnüərche), dann b. ech et der op de N. Eusk, Rheinb. Ech han et em op de Sil gebonge ihn feierlich dazu verpflichtet Rip, Allg. Lott dech van dem mär neks op de Mau (Ärmel) b.! aufbinden, belügen Klevld. Dat wöll ech net op e Neujohr (Geschenk zu N.) gebonge han von einem hässlichen Mädchen Schleid-Hellenth. De es ze domm, of en Hetz (Ziege) ze b. Siegld. Wenn de nit kike (sehn) kanns, dann beng dech en Katz för de Kne Berg. Ech beng dech glik en döre (dornen) Schantz tösche gen Ben zu einem, der harenkelt die Fussknöchel aneinander reibt Heinsb-Erpen. — Absol., ohne Obj. u. Ortsbestimmung. All ze fas bengk net on all ze los hält net Rip. Gut gehowen is half gedrohn, on gut gebonnen, es half gefahren Mos. Do kammer jo b. on lese (lösen) ab- und zugeben; es springt trotz der Kontrolle noch etwas heraus Saarbr-Sulzb. He hesch et b. oder brechen entweder — oder Malm-Weywertz. — b. etwas zubinden. Den Sack, die Schuhe, Schürze b. Fastelovend es widder gekomme, hät de Schoh met Wigge (Weiden) gebonge Ahrw-Remag, Verbr. Schwart Lend, wor den Bur de Bocks met bend (aus einem nfrk. Kinderreime). — c. etwas hoch- (auf-)binden, Endiviensalat, niedergesunkene Pflanzen udgl. Dat (Mädchen) bengt de Schürze hoh es ist schwanger Waldbr-Hahn. De Hor b., im Kranz b. Den Perd de Schwänz en de Hiht b. die Knechte taten dies früher von Allerheiligen bis Lichtmess, wo sie kein Vesperbrot erhielten May-Collig. — d. etwas umbinden zu einem Bündel. Garben binden; das Strohband wird dann mit dem Knevel geknotet. Garve b.; Kor b. De bingk alles en ene Bängel hält nichts auseinander Sieg-ODollend. Auch ohne Obj. De böngt över

[Bd. 1, Sp. 698]
der Dumm (Daumen); dat rümt got Heinsb-Dremmen. Ein Sträusschen b. — Schanzen b. — Besen b. Dann well ech doch lever gohn Besen b. wenn man etwas nicht Gefallendes tun soll Gummb-Harschd. — Rute b. He bend sech en Ro för sine eige Asch (sing eige Fott, uf de Hinnere) Eup, Allg. — Einen Packen b. — Ein Buch b., wie nhd.; meist enbende. — Ein Gefäss (Fass, Bütte, Eimer udgl.) b., mit einem Reifen oder Bande. Früher wurden auch geborstene oder zerbrochene Teller, Töpfe mit Kitt und Draht wieder gebunden; dies besorgte der Zebingemann, genannt nach dem Rufe: Hat ehr niks ze binge? Köln. Bare b. Aach. SNfrk; daher die RA.: Die send an et Barembenge schwatzen (s. Bar). — Auch geborstene Öfen und sonstiges Eisengeschirr band man. — Mer ment, mer mütt sech de Kopp mot Widde b. in der Verzweiflung Malm-Atzerath, Daun-Tettschd. En Doch öm de Kopp b. En Bängkche öm de Fengere b.e. diese Bed. geht schon über in ‘etwas zusammenbinden’ (zesammebende). Den Wagen b., durch Ketten der Quere nach um die Mitte der Hürden bei Lastfuhren; mit Seil und Wiesbaum den mit Heu, Getreide beladenen W. der Länge nach. — Den hät sech ok selvs de Hand gebonden Nfrk, Allg. Hej hat min de Hand gebonde ich kann nicht, wie ich will Nfrk, Allg. Hänn un Fiss sein mer gebunne WEif, Allg. Sech b. sich fest einwickeln Prüm. — f. etwas in etwas b. Et Kind b. wickeln Daun. Den kann me in en dörne Schranz b., on hej krüpp noch herut er weiss sich gut herauszufressen Mörs-Neuk. — Einen Knoten in etwas b. Beng der en Knodden en de Nas! damit du es nicht vergisst Sol. — g. gebunden. He däht et bongemongks (gebundenen Munds) gezwungen, ungern Eusk-Zülp. — 2. einen binden. a. an et Hus gebonge sen Rip, Allg. De es net dran gebonge. Sej es an den Bettpost fastgebonde sie ist in der Brautnacht schwanger geworden Klev. En as bannesnigdig (-nötig) rasend Bitb-Wiersd, Geichl. — b. mit Ruten schlagen MülhRh-BGladb. — c. beschenken mit einem Band, Namentagsband, Bindband Rip, Nfrk. Dem Namenstagskinde wurde das Geschenk an den Arm gebunden (noch XVIII); auch trug es das Bild des Patrons auf den Arm gebunden. Spruch dabei: Hü es der Oəvend en möəre es der Dag, wuə me Sent Andreis b. mag Eup. Noch wird in Geilk das Namenstagskind mit einem Strohband oder einer Schnur an den Stuhl gebunden. Scherzh. beim Anblick eines geb., gefl ckten Gegenstandes: Hatt de Namensdag, dat de den gebonge häs? Kref-Fischeln. Wer zum ersten Male Pate oder Patin wird, wird gebunden u. muss sich durch Spendung von Wein lösen Siegld-Kromb. — d. sich b.,

[Bd. 1, Sp. 699]
α. sich verpflichten. De Minsch ös frei, de sech net selvs bengk Rip. — E es ärg gebonge abhängig Rip. He hät sech gebonge verpflichtet. — β. viel essen Saarbr. Ich han mich gebunn.e. kurz gebunden sein. De ös kuərt gebonge wie nhd. Rip, Allg. En as licht gebonden leichtsinnig Wittl-Binsf. — II. intrans. 1. De Faddem, de Kord, de Droht bend net. De Kalk es net got, de Spis bengk net Rip, Allg. — 2. übertr. a. dat bind die Schläge mit dem Stocke ziehen, hinterlassen Spuren Hunsr, Saarbr, Westerw. — b. et werd him bannen, zer Zeit do ze sen er wird kaum beizeit dasein können. Wann et bönd wenns drauf ankommt Bitb-Geichl.

 NRhWB  PfWB  PfWB  ElsWB  ElsWB ab- binden : 1. in sinnl. Bed. a. einen mit dem Körper verbundenen Gegenstand. De Schützel, et Halsdoch afbönde Allg. — b. ein Kalb a., entwöhnen Mosfrk. — c. einen Körperteil a., unterbinden Allg. Eine Ader, Warze a. — d. eine Krankheit von sich weg, durch Verknotung eines Strauchzweiges, zaubern (veralt.). Et Friese word frugger an de Flierestruk afgebonden Nfrk. — e. ein Fass a., zum Versenden mit hölzernen Reifen versehn Mos. RA.: Von einem magern Pferd: Mer ment, et wär ofgebunn Wittl-Monzel. — 2. übertr. a. einem etwas a., abschmeicheln Nfrk. — b. einen gehörig a., verprügeln Hunsr. — c. sich a., viel essen Ottw-Neunk. — d. ohne Obj., beenden, mit der Arbeit aufhören, eine Stelle aufgeben Eup.  NRhWB an -binden : 1. etwas a., fest an etwas b., wie nhd. De werkt we e agebonge Bies faul, träge bei der Arbeit Schleid. Et lött sech kenen Oss a., of me mott öm anpacken Mörs. De Hihner bend mer an, de Hahn de lässt mer lafe Kobl. Binn dein Hahnen an! halte deine Buben in Schranken Saarl. Dem han ech en Bären angebongen ihn übers Ohr gehauen Sieg. An dem kamme kin Tau anbende er ist unbeständig Duisb. — Im Bes. En Kalf, en Steck Veh a., es aufziehen, nicht dem Metzger verkaufen. — Übertr. En Kalf (Kälfche, Kalwer) a., sich erbrechen Allg. En Fillen a. dass. Trier-Schweich. Wenn einer sich erbricht: Brengt e Sal, dat me et Kalf a.! Von einem kräftigen Neugeborenen heisst es: Dat kannste a. Rip. — 2. einen a. Du bes jo net an mech agebonge zu einem kündigenden Dienstboten Rip. — Enen ferm o. hart zu Gefängnis bestrafen WEif; einen betrügen Wend. — 3. sich etwas oder einen a. Den hot sech enen ogebunnen er hat sich betrunken Eif. Do häste der och en (ein Mädchen) agebonge aufgeladen Rip. — 4. mit einem a., Verkehr zu erhalten suchen; sich einlassen mit einem; Streit beginnen. Im Westerw auch sich mit enem a.5. kurz angebunden sein, wie nhd. Anbind-steck m.: Stecken, mit

[Bd. 1, Sp. 700]
dem das Seil über einer Wagenladung festgedreht wird Ottw. NRhWB auf -binden : 1. in die Höhe b. a. das Haar, Kleidungsstücke a. Mit Vertauschung des Obj. De Braut is ufgebunn das sinnig u. kunstvoll um den Kopf der Br. gewundene Haar ist mit der Brautkrone geschmückt Hunsr 1836. RA.: Et Prakessieren kömmt von de ärm Lüt, sät de Frau, du trok se sich ene Piring (Wurm) erut on bong sich de Hoasen (Strümpfe) op Kemp-Grefr. Bon, sät Fei, do trok se enen Pir ut de Fott on bond sech den Hos dormet op Mörs. — b. Pflanzen a., Weinreben, Hopfen-, Bohnenranken. — Auch den Wangert ofb. Mosfrk. — c. geschnittenes Getreide a., zu Garben zusammenb. Mosfrk, Aach-Kornelimünster. Auch Reiser zu Schanzen a. — 2. einem etwas a. a. eine Last auflegen Allg. Stür enem opbenge. Du häs der möt dem Köng en Las opgebonge Rip. Se han jet opgebonge krit die Knechte, Mägde haben eine Zutat zu ihrem Lohn erhalten. — b. einem einen (enen, jet, wat, ebbəs, en schünen) a., einen belügen (aus Scherz), durch Lügen foppen Allg. Auch enem enen (schinen) Bär ofbenne Mosfrk, Allg.; — en Kalf Bitb-Mettend, Klev; — e gout Beard Bernk-Veldenz. — c. einem es a., auf die Seele b., dringend raten Rip. — 3. etwas Gebundenes auflösen. RA.: Den häk (habe ich) es ewes de Bocks opgebonde die Wahrheit gesagt Emmerich. — 4. korz ofgebonne kurz angebunden, barsch Mayf. Aufbinds-riemen opbeŋksrē:m Heinsb-Bocket m.: R., der den Flegel mit der Flegelrute verbindet.aus -binden: dafür ‘herausb’.der -binden: einen dərbe·n.ən durchwichsen Koch-Laub.  NRhWB ein -binden : 1. etwas e., wie nhd., z. B. ein Buch. — 2. techn. mit Lehm bewerfen, Balken u. Pfosten mit Lehm dünn bestreichen Siegld-Kromb, Sieg-Fussh. Ein-bind-nägel ēbiŋən:l ebd. m.: N. mit breitem Kopf zum Befestigen der Flechtruten der Fachwand.er -binden: einen e., eine derbe Lektion erteilen Merz, Daun-Tettschd, Malm-Amel. NRhWB um -binden : wie nhd.ver -binden: 1. wie nhd. Die Fässer v., Holzreifen auftreiben, wenn sie zum Versand fertig gemacht werden Mos. — 2. sich v., tüchtig satt essen Westerw. — 3. verbunden sein, von gespensterhaft umwandelnden Geistern, gezwungen sein zum Umwandeln. Ich sin v., ich sin v., et schadt mir nit; sie künnen helpen un dunn et nit; un wann et Wasser bergop geiht un wann der dürre Bom Blomen dreiht, dann sall am Eng sin och mi Leid! Dieser Spruch wird einem dieser Geister in den Mund gelegt uWupp. Verbind -bint Saarbr-Völkl f.: Verband, Verbindung.Verbundes fərbo·n.əs May-Kehrig: V. spiele Blindkuhsp. PfWB vor -binden: wie nhd. PfWB  ElsWB zu -binden: wie nhd. RA.: Man böngt och

[Bd. 1, Sp. 701]
all ens ene Sack tu, ih he voll es Kemp, Allg. De Gefohr es vorbej, säj de Jong, duw bond hej enen dojen Hond de Mull tuw Rees Du mots enen doən H. nit de Mul tubenden Mörs-Hülsdonk.

Bind-ast binās Wend m.: Ast zum Festknebeln von Seilen, Stricken, Bind-reitel. Bind-band biŋbant Köln; bøŋ- Sieg-Sieglar m.: Angebinde, Namenstagsgeschenk; in der Kinderspr. auch Bimbam Köln. NRhWB Bind-baum biŋbōm Gummb m.: -reitel. Bind-blümchen binblīmχə Kreuzn-Langenth n.: Frühlingsbl., Vorwitzchen. Bind-distel bentestəl MGladb-Giesenk f.: Distelart. Bind-draht beŋdr.t Rip, Allg. m.: Dr. zum Binden. Bind-faden m.: 1. wie nhd. — 2. scherzh. Husaren Saarl-Dilling, Bergh. Bind-gerte beŋ(k)jərt Eup-Lonzen, Aach-Walh f.: Querstange an Zäunen, in 1—1½ m Höhe von beiden Seiten horizontal mit Draht befestigt, um die Hecke flach zu halten. Bind-geschirr bengəe·r. Trier-Heiligenkreuz n.: Geräte, um einen Wagen zu binden, der geladen ist.