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Rheinisches Wörterbuch 
 
Aal I bis Aas-hinkel (Bd. 1, Sp. 4 bis 8)
 
  NRhWB  PfWB  ElsWB  LothWB Aal I Rhfrk u. auch im :-Gebiet vielfach, besonders in der Eif, wo ‘Schlangen-, Langfisch, Steinbisser’ herrschend ist, wie nhd. āl, Pl. ālə. Sonst Mosfrk :l [·ă.l, –ō:-], Pl. :lə, doch auch :l (dichter um Koch-Kobl); Rip :l, Pl. :lə u. :l; SNfrk ·ă.l, Pl. ·ă.lə u. ·ə.l (dichter in Mörs, Geld), ·ə.lə um MGladb, Klevld l, Pl. lts u. lts. — Daneben im Sg. eine umgelautete Form :l, Pl. :lə, bes. Rip verbr. bis Wippf, Gummb, Grevbr, Düss; auch Mosfrk :l, Pl. :lə Saarl-Eidenb Hüttersd Ueberherrn, Trier-Fell, Koch-Lutz; i·l. Malm-Amel. — Demin. :lχə, :lχə, lkə, ltjə, lə — m. [Aber auch f. Goar-NSpay, Saarl-Hüttersd, Daun, Sieg-Fussh, Altk-Kirchen, Wippf, MülhRh-Ensen, Lennep-Hückesw]: 1. Aal, der Fisch. In Vergleichen wegen seiner Glätte u. Beweglichkeit. So glatt, glattig, flutschig, glitschig, flitschig, flenk, letschig, schlank, schlickerig wi en O. Dat flutscht wi en O. Ess. Er ritscht dorch wi en A. Kreuzn-Sobernh. He hät sich bi en O. erausgeschlängelt aus der Verlegenheit Kobl-Sayn. Wie en A. es er mir durchgewitscht Ottw-Elversb. Hen krengelt sich wi ene O. Geld-Kapellen. He spottelt wi en O. Kemp. He krömp sech für Peng (Pein) wi ne O. Rip. Hej wend

[Bd. 1, Sp. 5]
(dräjt) sich wi en O. Klev. En bruərt sich wi en O. Merz-Bachem. He sprengk wie en O. en der Pann Rip. Su fett (masteg, lang) wie en O. He blenk wie en O. De hät e Leve su zih (fred) wie en O. Su voll wie en O. betrunken Allg. Er seift wie en O. Mosfrk. En Mul wie ne O. Köln. Hen hot en O. am (im) Deppen ist betrunken Bitb-Cruchten. Rup mar net ehr O., bis dat dou üm an de Start häs Meiderich u. sonst Nfrk. Der Unbeständige es so weinig te halden as en A. bei der Start Klev. Et es jo, as wemme en Ö. am Sterte hä wenn jemand gar zu eilig weg will Nfrk. Derjenige, dem man das Ende seines Unglücks verkündet, sagt: Jedes Ding hät sin Jnd, sag den O., do trok mer üm de Hut ower den Kopp MülhRuhr. Den bürt den O. üt hebt ihn aus, arbeitet erfolgreich Klev. Ech han de A. em Nes gefangen beim Kartenspiel einen guten Zug gemacht Ess-Werden. Dohan ech en O. gefange ich habe nasse Füsse bekommen Dür-Winden, Jülich-Tetz. Hej vermäkt sich as enen A. op de Sölder er langweilt sich, ist in bedrängter Lage Klev. En Ö. schmert der Köttel fördert den Stuhlgang Düss-NCassel. Ganz igal, Fesch on Aal Koch-Ernst. — A. en Gelee Mensch, der sich in den Gossen herumtreibt Köln. — Im Haschespiel: Ringel rangel reih, en O. as am Deich, am Deich as en O., nau fänk mich emol das so sprechende Kind läuft mit den letzten Worten davon, und das andere sucht es zu haschen Trier-Heidenbg. Blengen O. lofen Blindekuhspiel Berg. — Arten: der rhein. Fischer unterscheidet den Steinaal Ol, Sumpfaal Modder-, Mutol, das Neunauge Negenöüger. Aber auch andere Arten sind ihm bekannt: Sand-, Pann-, Pujer-, Drifweikes-, Kuk-, Mar-, Kat-, Quabol; Bret-, Spetzmul (s. d. W.). Syn.: Lang-, Schlangenfisch, Schlangenol, Strumbängelche (Strumpfbändel). — Fang: RA.: Blöht der Wet (Weizen), der Ö. an Angel on en Körf geht Düss-NCassel. Ausser den bei den Worten Aalängeler, –fucke, –kar, –kas, –korb, –leine, –reipe, –schere, –schnur erwähnten Geräten und Fangarten noch folg.: pojere, strecken (s. d. W.). — Lebend wird er verkauft; dem noch lebenden A. bindet man eine Kordel um den Hals und hängt ihn auf, schneidet die Haut an den Kiemen durch und zieht sie ab Duisb. Man schlägt ihm einen Nagel durch den Kopf, an dem man ihn aufhängt Kemp-Amern. — 2. herunterhängender Nasenschleim Ahrw-Brohl.

Aal-ängeler -lts- Rees-Grieth. m.: -schere. Aal-fell n.: die Haut des A., abgezogen und getrocknet; die an Gicht Leidenden binden es in der Regel um Bein oder Kopf Nrhn. In feine Striemchen geschnitten dient es zur Befestigung

[Bd. 1, Sp. 6]
der Peitschenleine an den Peitschenstock, des Flegels an die Flegelrute. Den Flachsrocken umgab man mit einem A. zum Zusammenhalten des Flachses Gummb. Mit ihm überspannte man die Fuckepött Rohrtrommeln zu Fastnacht Klev. Aal-fucke ltsfuk Nfrk f.: ein Selbstfänger aus Kordel oder Eisendraht mit 1—2 Flügeln zum Aalfang. Aal-gesicht -lts- Trier-Thomm n.: fettes, feistes G. PfWB aal-glatt Adj.: wie nhd. Dat es en Olglatte er weiss sich aus Unannehmlichkeiten herauszuwinden MGladb-Odenk. En Aalglattiger wortreicher Mensch Kobl-Vallendar. Aal-gat -lts- Nfrk n.: Loch im Eise, um das sich die A. gerne sammeln. Aal-haut f.: -fell; starker Riemen Sol. Aal-kar m.: Behälter verschiedener Form von Weiden, Holz oder Eisen, oft in Nachen eingebaut, voller Löcher, um dem Wasser Durchlass zu gewähren; in ihm werden die A. lebend erhalten. NRhWB Aal-kas ·ă.ltsks Kemp-Amern m.: -korb (s. d.). PfWB  PfWB Aal-korb -lts- Nfrk m.: K., von Weiden oder spanisch Rohr geflochten; in der Mitte zwei Schlucke, durch welche die A. einschlüpfen können; ein Selbstfänger, 1½ m lang; es gibt auch kleinere, die unter sich verbunden werden. NRhWB Aal-kraut :lkrout Koch-Müllenb n.: Schachtelhalm. NRhWB Aal-kut ·ə.ltskūt MGladb, Kemp; ·ə.leŋks- Heinsb-Saeffeln Lümb, Geilk f.: 1. aalartiger Fisch, kurz, dick mit hässlichem, dickem Kopfe, ca. 30 cm lang, 1 Pfd. wiegend; Fleisch schön weiss und wohlschmeckend, wohl lota vulgaris. — 2. weiblicher A. Erk-Doveren. Aal-leine -lts- Nfrk f.: eine lange L., an einem Uferpflock befestigt, am andern Ende um einen Stein gewickelt, damit sie unter Wasser bleibt; an ihr befinden sich je 50 cm auseinander kleine Leinen, an denen sich Angel mit Köder (Daupir) befinden. NRhWB  PfWB  PfWB Aal-raupe lrup Kreuzn-Münster f.: lota vulgaris. Aal-reipe ltsrēp Klevld f.: -leine. Aal-schere lr Klev, Rees f.: flache Sch., dreizackig mit gezackten Innenseiten, an einer langen Stange befestigt, im Winter zum A.fang gebraucht, indem sie im Eise durch das A.gat heruntergelassen wird (veralt.). Aal-schnur Eif. f.: -leine, Legangel. Aal-stecher -stkər Nfrk m.: -schere.

Äälchen :lχən Trier n.: runder Riemen, zur Züchtigung dienend, nach der Gestalt so benannt.aalen lə Saarbr schw.: viel trinken (Alkohol).
 
 
 NRhWB Aal II ·ə.l, Pl. ·ə.l MGladb, Kref, Kemp, Geld m.: Firstpfette, der oberste Dachbalken.
 
 
Aar Aach m.: Adler auf Münzen, nur in dem Losespiel Aar of bleng (blind) losen durch Münzwurf, ob Adler- oder Schriftseite nach oben fliegt.

aaren ārən Aach schw.: mit Geldstücken werfen. Nachdem die Reihenfolge durch das lötschen bestimmt ist, wirft der erste die von

[Bd. 1, Sp. 7]
jedem Mitspieler ratierlich beigetragenen Geldstücke, vorher in beiden Händen wohl durcheinandergeschüttelt, in die Luft und gewinnt diejenigen, welche, auf den Boden gefallen, die Aarseite zeigen. In derselben Art verfährt der zweite usf., bis alle Stücke ausgespielt sind. Auch aren of blengen oder nach dem Aufforderungsruf Aar of bleng genannt.
 
 
 NRhWB  PfWB  ElsWB Aas Rhfrk, Saar-Trier s (:-), Pl. zər, (:-), hier und da an der Nahe auch stər, an der Saar wechselnd :zə, :zən, :zər, :zər.Trier, Wittl, Bernk, Zell u. die Hunsr.orte bis zur rhfrk-mosfrk. Grenze :ts, Pl. :tsər (daneben :tstər, :stər). — Koch, Kobl, May :tst, Pl. :tstər. — In der Eif kein klares Bild: Bitb, Daun, Prüm :s, ·ă.s, ō·ă.s neben seltenerem :ts. [Daun hat :s, aber den Pl. :tstər, :tsər, ō:stər; Prüm :s, Pl. :stər, :zər; Aden :ts] — Siegld :s, Pl. :zər.Waldbr, NBerg :st, Pl. :stər [seltener daneben :s, ā:s, ā:st]. — Rip einheitlich :s, Pl. :stər [neben :s; Schleid-Ahrhütte :stər; Eusk-Antw, Bo-Volmersh, Dür-Mariaw :stərə]. — SNfrk ·ə.s, ·ă.s, Pl. ·ə.stər. — Klevld s, stər. — Neben - erscheint im ganzen Gebiet hier und da ā:s, ā:st, besonders für grobe Schelte; manche Orte, bes. im Mosfrk, überliefern ·zwei bis drei Formen. — n.: 1. Speise, Atzung. a. Äsung, Weide. Et as noch O. do fir en ganz Woch Bitb-Kyllb, aber schon 1840 veralt. — b. Fischköder, Köderfisch, in der Form tsən Saarl-Dilling, wo sonst s gilt. S. auch Sprockos Klev; Otsmehl.c. Biertreber, als Viehfutter dienend Köln, Monsch-Höfen, Rheinb-Meckenh, Grevbr-Kapellen, MGladb-Kleinenbr, Düss-Hucking (:t). Treber, die beim Krautpressen übrig bleiben Grevbr-Wickrathh. — d. Kaffeesatz Rip, Nfrk. He hät at jet op et O. geschott heisses Wasser auf den alten Satz aufschütten ohne frische Bohnen. Wenn de Lü bejiərlek weərde, da schödde se sech op et O. op Heinsb-Dremmen. — 2. verendetes Tier, Kadaver. In der heutigen MA. nur noch in Vergleichen. Du stenks wie en O. und daraus übertr. auf faule, träge Menschen: Du stenkeg, ful O. Dat fulle O. had ik liever in de Mest as in de Kost Klev. Dann kös do ful O. röheg lige blive on stenke MGladb. Hef gestern dem Schinner twei Penning gegewen, he sall meck de Öster vam Balg haulen (von lästigen Kindern) Barm. Dech vertrack O. söll der Schinner hollen Rip; ausserdem in Zs.: Schindaas, Aaskaule, Aasknochen, die aber auch nur in übertr. Bed. gebraucht werden. — Ein alltägliches Wort ist es als Schelte = Luder. Du ful, falsch, verlogen, versoffen, verfresse, verdammt, schneppig, fis, domm, dof, schlampereg O. (aber auch m.: Du dommen, dover O.), und so mit allen Fehlern

[Bd. 1, Sp. 8]
möglich. — Auch auf Tiere angewandt, die den Aerger des Fuhrmanns erregen. Du kromm O. vam Perd. Dat es en muckig, stüppeg, verswacktes O. Ech wönsch, datstu alt O. mol frecks. — Vergleiche: Frech, ful wie en O. Dau michst e Gesicht bi e doll O. Neuw-Rheinbrohl. Beliebt die Form: Dat es en O. van em Kerl, van em Wecht. En Osblag, –jong, –weit Elbf. RA.: Ful os Pos (Kind) werd en O. MülhRuhr. Der Deiwel hot dich O. gemacht. Dat os (ist) moss sonem O. dem Bengel geschieht recht Schleid-Hellenth. Du bes en O. en der Blos Dür-Niddeggen. Du rut O. bes va Gott gezechent Eup-Raeren. Öster streckt (strickt) oder verreckt Malm-Weywertz. Selbst in gar nicht nahe liegenden Vergleichen. Et ös su kalt bi en O. Rip. Dat Veh schlach sech bi en O. on git en Zupp bi en Donnerkil (Ausspr. eines Metzgers) Sieg-Aegid, und so bei allen möglichen Gelegenheiten. — Doch bezeichnet das Wort auch oft widerwillige Anerkennung einer Schlauheit, Gerissenheit, Raffiniertheit eines Menschen. Dat es en onduneg O., dat brengt alles ferdeg Altk-Wissen. Süch ens dat O., dat hät e wider klok angefange; selbst ‘tüchtiger, famoser Kerl’ kann es bedeuten. Dat O. es dem Deuvel ze gau. Dat O. hät mech geköllt hintergangen. Ehr Öster! ihr Schalke, Schelme, ihr habt mich angeführt, darüber muss ich selber lachen Rip, Allg. Mä O. Verwunderung Eup. — Bei Frauen jedoch meist in üblem Sinne. En O. van em Frauenmensch, besonders wenn sie es verstehen, die Jungen an sich zu locken. — Aber auch Kosewort für Geliebte (derb) u. Kind. Lecker Ösken, lef O. Komm an mein Herz, dat ech dech pasch, dat de frecks, du O. scherzhaft Rip. Herzen Ösche schelmisches Mädchen Dür. Zum Kinde: Du bes use Dierken em Papierken, use Ösken em Blösken Barm. — 3. Aasseite einer Tierhaut Verbr. — Zs.: Schind-, Sau-, Sauf-, Maulenaas. — Lautlich und in der Flexion ist mit A. zusammengefallen 4. ·ă.s, Pl. ·ə.s m.: Knoten im Holz, wo ein Ast gestanden NRip, SNfrk, und hier und da 5. :s, Pl. :s m.: Ass im Kartenspiel (s. Ass).

Aas-hinkel Ottw-Illing n.: Aashuhn.