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Rheinisches Wörterbuch 
 
Bär IV bis Bärenschiss (Bd. 1, Sp. 454 bis 458)
 
  NRhWB Bär IV b:r, –ę·ə.-, –ē·ə.-. –ī·ə.- m.: 1. wie nhd., ursus. RA.: Bor (Bauer), Bär un Ber (Eber) sin drei kodde (böse) Der Köln. Me verköpt dem B.ən de Hut nit ihe, bös men

[Bd. 1, Sp. 455]
en hät Sol. Verkof et Fell net, ih de de B. häs! Dür-Gürzenich. Bei B.ə on Toəre es manche Schlag verloəre MGladb-Rheind. Hej wüd sech noch ens ene B. wänzele hier wird es noch etwas absetzen Kempld. Hei wörd sech von Dag gene gruəte B. wängksele es wird heute kein hoher Besuch kommen Kemp-SPeter. Enem B. bönge goəhn noch spät abends aufs Feld gehn zur Arbeit, wenn andere längst Feierabend haben Kemp. De löt den B. bromme lang Zurückgehaltenes (Groll, Übermut, Jugendlust) kommt zum Ausbruch Mörs-Neuk. Dä hät ene B. am Sel er kommt langsam des Weges Düss-Lintorf; ist betrunken Düss-Angermund. Dem B spannen anmassend auftreten Kempld. Der es a se domm, vor met eme B. se danze Saarbr-Sulzb. Den hat en Maul, et kinnt en B. dran (drin) danzen Prüm-Feuerschd. Ömmen den B. pölen (pfählen) jmd. verprügeln Sol. Der B. leje (leiten) met ene einen zum Narren halten Aach-Merkst. De B. machen in einer lustigen Gesellschaft der Ausgelassenste sein Eusk, Neuw-Rheinbreitb. Die machen də B. met dir halten dich zum Narren Neuw-Lorschd. Et es B gemat es ist übertrieben. Et es B. gemat, wat dat Mensch schafft Merz-Saarhölzb. De os en B. mot de Mulen voreilig im Reden Sieg-Fussh. Dem han se en (schweren, schinen) B. opgebonnen sie haben ihn falsch berichtet, belogen; irre geführt Allg., — angebonne Geld-Straelen, — angehange Sieg-Mendendargehange Schleid-Hellenth. Mach ens de Ap; fällt se der ze schwer, mach der B.! LRip. Wer war das? Antw.: De Hämmsche B. Altk-Oerb, — Kane B. May. Wohin gehst du? Antw.: No dem B. Mörs-Repelen. — In der Bauernregel: Wonn de B. em Litəmoss erausgeht, geht hen noch 40 Dag honnesch (zurück) Prüm-Ihren. Wann de B. Lechmesse singe Schatte sit, geht (krüff) e noch sechs Wouche en de Höll Siebengeb., Verbr., s. Var. u. Lichtmess. — Im Kinderlied: Moder, Moder, den B. ös los; ek höbb em hören brommen; ek menden, et wörən ər mar twe gewes, do wor et en Nes voll Jongen Mörs. Hopp Mariann, den B. es los, bend öm an en Täuke, sett öm Muders Mötzke op, dann es et Vaders Fräuke Emmerich. Höppmarjännche, H., loss dat Pöppche danzen; de B., de küt, der B., de küt on stech dech en de Ranzen Neuw-Etschd. B., B.! Scheuchruf für die Kinder. De B. helt dech! Merz-Saarhölzb. Hinne weg, vorne weg, mid em dicke Gleskopp! we nit versteckt is, der muss sein! Der B., der B.! beim Verstecksp. Kreuzn. — Mattes (Mathias), dau Lappes, dau iwege B.; wer streckt dech, wer fleckt dech, wenn dei Moder net wär Daun, Koch. Rätsel: Et brommp ene B.

[Bd. 1, Sp. 456]
tösche zwei Berg? (strepitus ventris) Rip. — B. spöle = Sautreiben, ein Knabensp. Den B. bromme losse den Brummkreisel treiben Kobl-Güls. — Menschliches Tun und Sein wird gern hinsichtlich der Stärke, des Plumpen udgl. mit der Eigenart des B. verglichen. De Kerl es su stark wie en B., — hät Knoche wie en B., — Platschpute wie en B. Aach. De hät en Gesech, en Fott (podex), Totschen (Tatzen), en Stemm wie en B. Allg. De brummt (krummelt), bröllt, schreit, lach, friss, talpt, schlöf, pack zo wie en B. He gratschelt wie en B. Geilk-Honsd. He küt doher wie en B. op Söck Rip, Nfrk, — en B. op Klompe Jül-Röding. Er es su topeg, deck, patzig wie en B. Allg. Er hät en Klau wie en B. schreibt unleserlich Geilk-Pummern. Ech han Honger wie en B. Allg. E schweiss (schwett) we en B. Rip, Nfrk. E stellt sich wei e B. defir mit ganzer Kraft schützend davor Mosfrk. E stellt sich wei e B. degent mit Kraft u. Leidensch. dagegen sich stemmen Rip. E hot er siewen wie en B. er ist nicht recht gescheit Bernk-Wehlen. De hät ere nüng (9) wie ne B. er hat seine Launen Bo. Dei lewe wei B.ən o Welf primitiv oder in Zank und Streit Merz-Saarhölzb. Ein starker, breitgebauter, ungeschlachter, lautstimmiger Mensch es en Kerl wie en B., enen B. van em Kerl (Mensch) Allg. Sondags wie en Herr, Werkeldags wie en B. Sieg-Thomasbg. Herre wie de B.ə Studenten der techn. Hochschule Aach. — Klötz wie en B., net grad su schwer Schleid-Mechernich. — 2. übertr. a. auf Menschen. α. plumper, unbeholfener Mensch von unnatürlicher, auffälliger Gangart. En botten B. Sol; dafür auch B. op Söck unfreundlicher M., der immer brummt und zankt Rip, Nfrk; Schreier Saarbr-Dudw; Schimpfn. für den Bergmann Saar; für die Italiener Saarl-Dilling; Arbeiter, die mit den bestehenden Löhnen nicht zufrieden sind; ihre Werkstätte der Bärenstall Nfrk (o. O.). Bellikover B.ə Übernamen für Erk-Bellinghv. — β. der in Erbsenstroh eingehüllte Junge, der Fastnacht gelet wird (veralt.). Daher auch das Fastnachtlied: Fastelovend met Gott! Wie rommelt de Pott! Wie klenken de Ketels, wie danzen die Mädjes! Kawipp, kawupp, dem B. es los! Geld. — b. Popanz Prüm, Eusk. — c. grosser Hund Koch-Poltersd. — d. sachl. α. Bäər, Teil von Süchteln-Sittard. — β. Geräte. Ramme Geld, Erckörrenz; Fallhammer Mettm-Cronenbg; grosser Rechen Saarbg-Cahren; der aufrechtstehende Mühlstein Siegld; das Gegengewicht bei der Bremsbergförderung, gewöhnlich ein durch Gussstücke belasteter niedriger Wagen Wormrevier; Dampfpfeife der Fabriken u. das Signal derselben Düss-Gerresh, Bitb-Geichl. — γ. Kleidung. Pelzmütze der Männer-MGladb-Rheind;

[Bd. 1, Sp. 457]
Dienstmantel der Bremser ebd.; en wöllen B. wolliger Mantel Geld, Mörs; alter Schuh Kref-Traar. — δ. vertrocknetes Nasenschleimklümpchen Merz-Saarhölzb, Trier-Weissk. S. Wölfchen.

Bären- in der Zs. drückt das aussergewöhnliche Mass aus . Bärenglöck Elbf; en B.hetz, –kält Allg. Et es b.kalt Merz-Saarhölzb. En B.kerl überaus stark, wuchtig Allg., en B.minsch Saar. De hät B.knoche an sech Rip. Er es b.stark Birkf-Herrst. En B.honger han Rip. En B.stemm han Allg. Er hat B.schrei gedohn Simm-Rheinböllen. Dat as e b.mässige Kerl Bitb-Dudeld. — Im Bes.: NRhWB Bären-buckse -boks Rees f.: -futte (s. d.). PfWB  ElsWB Bären-dreck Rhfrk, Mos m.: 1. Lakritzstange. — 2. Nordhäuser Kautabak Ottw-Eppelborn. Bären-fänger m.: in der RA.: Du siehscht aus wie en B. Kreuzn-Bretzenh. PfWB Bären-fett n.: in der Volksmedizin zum Einreiben bei Bruchschaden Ruhr. PfWB Bären-führer m.: 1. RA.: Du siehscht aus wie en B.fehrer Kreuzn-Bretzenh. — 2. Schreihals, laut weinendes Kind Ottw-Elversbg. Bären-futte -fot f.: 1.a. Doppelender, ein schwer geborenes Kalb mit sehr breitem Kreuze u. Hintern, nur zur Mast, nicht zur Aufzucht geeignet Rip, Nfrk. — b. fettes Schaf Bo-Mehlem; fehlerhaftes Pferd Aach-Merkst. Bären-hagel Ruhr-Styrum m.: Stielmus. Bären-haut f.: 1. in der nhd. RA. — 2. eine Art wollenen Gewebes uWupp (ca. 1870). — 3. der grüne Belag auf stillstehenden Gewässern Westerw.  NRhWB Bären-klaue f.: 1. breite, plumpe Hand Mosfrk. — 2. fehlerhafter, durchgedrückter Huf des Pferdes, des Viehs; stark nach unten gebogene Fessel Rip, Nfrk. — 3.a. einfaches, dreibeiniges, eisernes Gestell, auf welches der Kochtopf zum Kochen aufgestellt wurde, darunter mit Holzfeuer geheizt. Alter, eiserner Ofen mit offener Feuerung, von oben geheizt, die Asche fiel in einen Kübel, den man zwischen die drei Füsse stellte Jül, MGladb, Heinsb; auch -kl·y.ər Geilk-Pummern, Erk-Doveren. — b. Steigeisen Sol. — c. schwere, hakenförmige Nägel für Absätze und Spitzen der Ackerschuhe Heinsb-Millen. — d. eine Erbsensorte Verbr. Wend, Saarbg, Bernk, Sieg, Waldbr, Jül, Geilk, Erk. Bären-kläuer m.: 1. Pferd mit stark nach unten gebogener Fessel Erk-Rath. — 2. ungeschlachter Mensch ebd. — 3. = klaue 3 a (s. o.). bären-kläuig Erk-Rath Adj.: vom Pferde gesagt, Bären-kneist -knīs Köln m.: Dachdeckerfaserkitt. Bären-kunt -o- m.: in der RA.: En Gesicht wie en B. Rees-Bergerfürth. Bären-kot Saarbr-Sulzb m.: zähe Masse, die sich neben der Glätte beim Silberschmelzen ausscheidet u. obenauf schwimmt. Bären-kusen Elbf.: ein Kindersp.; der B. sitzt auf einem Stein u. ist durch eine Schnur mit dem Höder verbunden, der ihn gegen die Angreifer verteidigen muss.

[Bd. 1, Sp. 458]
Bären-küttel -ø- Köln m.: scherzh. Fleischroulade. Bären-leiter m.: 1. RA.: E fehrt sich op (schreit, brellt) wie e Bärelader Mosfrk. — 2. kräftiger, roher, ungeschlachter Mensch, Tölpel Trier, Eif, Elbf, Mörs-Neuk. — 3. scherzh. Fremdenführer Köln. Bären-lutsch Neuw-Leutesd m.: Lakritz. NRhWB  PfWB Bären-moos -mǫ Remschd n.: Torfmoos, sphagnum. — Bärmoossite untersonnige Seite Gummb-Dieringh. PfWB Bären-patschen Pl.: derbe, breite Hände Aden-Virnebg. NRhWB Bären-pfote -pōt f.: heracleum sphondylium Hunsr, auch Bären-tatsch Wend MReidenb, Bären-tratsch Hunsr, Neuss. NRhWB Bären-schiss -e- Westerw m.: Lakritz.