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Rheinisches Wörterbuch 
 
Balg bis Balger (Bd. 1, Sp. 408 bis 412)
 
  NRhWB Balg baləχ, Pl. -ę-; im Schärfungsgeb. Dat. ba·l.əχ, Pl. bę·l.əχ; WMosfrk bālĭχ m.: 1. Bauch, Wanst, Leib. a. ohne verächtl. Nebensinn bei Tieren, der Bauch. Die Koh moss jet em B. han Rip, Allg.; im erweiterten Sinne der ganze Leib des Tieres. RA.: Dat (Peərd) hat de och em Karte gewonne, et hat de siəve Schröm (bekanntes Kartenspiel) noch om B. man kann ihm die Rippen zählen Erk-Keyenbg. Et es su düster wie em Kuhbalg Sol. — b. verächtl. vom Bauch des Menschen. Wenn do dinen B. mar voll häs. dann es et got Nfrk, Allg. Se han sech der B. su voll freəsse, dat en der Kiddel krus stont Eusk-Dirmerzh. Hei hät sek den B. noch ens wir voll geschloəhn

[Bd. 1, Sp. 409]
Gummb, Allg. De kann dech äver en Reih Schnidden in den B. schlohn verzehren Nfrk, Allg. E hät sech en düchtege B. afreisse Rip. De hät kenen Boden em B. immer Hunger Elbf. De Ortografie schleiht sech bei em em B. dubbel Sol. Se hät den B. voll ist schwanger Rip, Allg. Einem de B. usdäue vor den Leib treten; ihn gehörig zwischen nehmen Köln. Starke Drohung: Ech drehn der et Metz em B. eröm! Rip, Allg. De hät den Düvel em B. — Schon die letzten Belege bedeuten mehr den ‘ganzen Körper, Leib’. In bewusst derber Sprache ist in diesem Sinne die Verwendung von B. ungemein häufig; zunächst für einen kräftigen, dicken Körper, feisten Rücken. De hät en B. wie en Ries plumpen Leib Schleid-Hellenth, — — en Oss, — en fett Ferke Rip. Wammer sune B. hät wie du, kammer at jet verdrohn Rip. De hot en gode B. einen feisten Rücken, er ist gesund und stark Daun-Beinh. En hot en schlechte B. engbrüstig Bitb-Geichl. — B. steht als Ersatz für das Pron. person. Er hät ken Rauh em B. He hät niks am B. kleine Kleider. Er hät ken Hemp am B. armer Schlucker. Hä hät kenen Klongel am B. dass. Barm. Dat es en Stockfesch, wo em et Hemb an den B. köt MülhRh-Overath. De hät den B. voll Geild Remschd, Düss. He hät de ganze B. voll Schold Rip. Blif mer vam B.! rühr mich nicht an. Er lig enem luter obem B. zur Last Rip, Allg. Dat han ech mer am B. erusgedrive durch schwere Arbeit erworben Sieg-ODollend. Do kreg ek de Wut om B. Elbf. Den dögt den Düvel in den B. niet Klev. Bei Androhung von Schlägen sehr häufig. Du kregs wat öm (für) den B.! NBerg, Allg. Ech kunn der jetz an (op) de B.! Rip, Allg. Enen wat op den B. gewen Nfrk. Ech hauen dech jetz öm den B.! Du kris den B. besehn! Rip, NBerg. De kret am B. gewirkt MGladb. Se han sech de B. zerhaue, dat et en Art wor Rip. Den sall ik et för de B. sägge Klev. Sag et em ratsch für de B.! Rip. — Do liep (rep) esu hart (schnell), äs e mär (nur) em B. koun NBerg. — Met Hals on Balg. He log met H. on B. en der Sot. E worp en met H. on B. an der Düər erus Rip. Op Bälg on Krag viel und tüchtig Monsch-Witzerath. — c. kräftiger u. korpulenter Mensch. Den decken B. kenn och ebbes schaffen Saarbg-Faha; sehr dickes Kind Dür; fauler Mensch Trier-Mettnich, Prüm-Mürlenb; Fresser Prüm-Mürlenb. — Allg. für unartiges, freches, lästiges, lärmendes Kind. Wem gehüre de spektakelege Bälg? Rip, Allg. Dau freche B! Der ungezoəne Bälich, wo er lo seid! Hunsr. Verwännte B. verzogenes Kind Rip, Allg. — In derber Spr. auch für Kind im allg.

[Bd. 1, Sp. 410]
Ech han Bälg genog, ech well ken mih han. Zuvill Bälg em Hus fressen enem de Hor vam Kopp Rip. — Aber auch derbkosend. Minge leve B. mein liebes Kind; meine Geliebte Rip. Do häste äver ene leckere B. nettes, dralles Kind Duisb, Allg. — Mit B. werden in Zs. viel Schimpfwörter gebildet: Schrei-, Fress-, Deck-, Sau-, Dreck-, Schwammb.d. von Sachen. α. die Längsseite des Eies; man unterscheidet Kopp (Spitze), B. on Arsch (stumpfes Ende) Sol, Wippf, Bergh-Blatzh. — β. das Blatt der Säge (excl. Zähne). De Säg dur den B. schlohn mit dem platten Hammer durch die Mitte der Säge von Ende zu Ende schlagen, was man reiten ‘richten’ nennt Remschd. — γ. ein langer, schmaler Wiesenstreifen zwischen Äckern, durch den ein Wässerchen lief Mörs-Schwafh. — 2. die umhüllende Haut, Schale, Hülse. a. Tierbalg, nur kleinerer Tiere; dafür meist Fell. Hase-, Fuss-, Vugelsbalg, bes., wenn er abgezogen ist. RA.: Jeder Fuchs sorgt fir seine B. May-Trimbs. — b. Stiefelschaft. Al Bälg alte, ausgetretene Schuhe Sieg-Fussh. — c. der mit Luft gefüllte Lederbalg zur Zuführung der Luft. α. der Schmiede-, Blasbalg (bestehend aus unger balg u. over balg. Rip). — β. Orgelbalg; meist Pl. De Bälg trede die Balken zur Bewegung des B. — γ. ältere Bezeichn. für Harmonika Saarbr-Sulzb. — δ. Spielball Altk-Herdorf, Kreuzn-Langenlonsh. Baliches spiele.ε. Mönchskutte Mörs-Xanten. — d. die Früchte umgebende Hülse, Haut. α. bei Erbsen, Bohnen. Meist Pl. Erze met de Bälg ungeschälte Erbsen; Erbsengericht, bei dem die E. nicht zu Brei gekocht, sondern noch ganz geblieben sind. De Bälg schwemme op de Zupp. Scherzh. Frage: Wat es üch gefällig? Erze oder Bällig? Rip, Nfrk. Zs. Erze-, Bunnebälg.β. die Rückstände von gepresstem Obst, Trauben; Treber (Druvebälg) Mosfrk, Rip. Balich amachen (ensetsen) zum Branntweinbrennen ansetzen. Dou de Bälesch of! tu sie in Wasser. Wir brenne B. (Kernobsttreber) fir Brandewein Saarbg-Faha. Et as B. Hefensatz im Weine Trier-Schweich. — γ. die umgebenden, zum Abfall bestimmten Kohlblätter Sieg-Rhönd.

Ge-bälgs Ahrw-Remag n.: Eingeweide.

Balg-branntwein Mosfrk m.: Tresterbranntwein, aus den Bälg 2 d β. Balg-büchse -bøəs Sieg-ODollend f.: am Schmiedebalg. Balg-fass Mosfrk n.: altes F., das nur noch zum Aufbewahren der Treber zu gebrauchen ist; die Tr. werden in dem B. festgetreten u. durch spannhohe Erdschicht vor Luftzutritt geschützt. De B. gin geschleft mit Schlitten zur Brennerei gebracht, un fir de Brennerei of Lägern an en Reih geloicht. Balg-furche Mörs-Wallach f.: grosse F., im Herbst gepflügt.

[Bd. 1, Sp. 411]
Balg-gerüst Siegld (1839) n.: G. des Blasebalges. Balg-greife bālĭχsgrf Trier-Fell f.: Schöpfgerät, mit dem die Bälg, Treber aus dem B.fass herausgeschmissen werden. Balg-gurt Allg. m.: G., der dem Pferde unter dem Leibe hergeht. Balg-kuchen WBitb m.: Ölkuchen. Balg-pein -pe·ŋ., –pin Rip, Nfrk 1. Kolik des Viehs, der Pferde (ohne verächtl. Nebensinn). — 2. derb für Leibschmerzen der Menschen. Balg-pfeife Allg. f.: Ausflussrohr des Blasebalges. Balg-ram -r:m Sieg-ODollend m.: Zugstange mit Handgriff am Blasebalg. Balg-riemen Allg. m.: -gurt. NRhWB Balg-sack m.: 1. Tier mit Hängebauch. — 2. baləχ- u. ba·l.jəsak Balger, balgender Junge MGladb-Rheind. balg-satt Mörs-Wallach Adj.: vollständig gesättigt, bauchsatt. NRhWB Balg-stippeln Remschd Pl.: grobes Gemüse. Balg-treter bę·l.əχtrędər, –trę·ə.nər (s. S.) m.: Orgelbalgtreter, Kalkant. Hüt han mer schön gespellt, sät de B. för de Organis MGladb. Balg-trippeler -ø- WBitb m.: dass. (scherzh.).

 NRhWB balgen schw.: 1. an einem b., ihn zur Arbeit antreiben Saarbg, Bitb. Un enem kneipen u. b. — Bei einem b., quälend, dringend bitten ebd. — 2. unter schwerer Last oder bei beschwerlichem Wege, nach grosser Anstrengung keuchen, schwer atmen; keuchend herankommen Merz, Saarbg, Trier, WEif bis Malm, Siegld. De Berg erop deierlich b. Gebaligt kommen. Auch sich b., sich sehr plagen, abrackern Merz-Saarhölzb, Trier, Siegld, Sieg-Ägid. Sich kraus o klen b. Saarhölzb. Jetz mosse mer us äver b. tummeln im Gehn, eilen bei der Arbeit Sieg-Ägid. — 3. wie nhd. a. herumbalgen, herumspringen, wälzend, ausgelassen spielen; miteinander wühlend, ringend, puffend, schreiend, wild spielen, von Kindern Allg. Se sen widder am b. Meist refl. Se sen welmödeg wie en jong Fülle, de ganze Dag mosse se sech b. — Em Schnei b. mit Schneeballen werfen. — Im Bette unruhig hin- u. her sich wälzen Eusk, Dür. — b. sich raufen, streiten, von Erwachsenen, aber gelinder wie ‘sich zerschlagen’. — RA.: De Esele b. sech, et git anner Wedder Rip, Allg. — c. schimpfen, zanken mit Worten Mosfrk. — 4.a. die Ostereier mit der Seitenfläche aneinanderstossen Bergh-Blatzh. — b. den Orgelbalg treten Monsch-Witzerath. Abl.: die Balgerei, dat Gebalgs, sech zerb.

ab- balgen 1. ein Tier a., das Fell abziehen (selten); dafür der B. aftrecke.2. sich a. a. sich durch Raufen, B. ermüden Bitb-Dudeld, Westerw, Sieg-Ägid. — b. sich abmühen in beschwerlicher Arbeit Allg. — c. sich müde reden Merz-Saarhölzb. auf -balgen: 1. intrans. mit ‘sein’, früh aufstehn, aus dem Bette sich erheben (derb). Do hammer fröh opbalge mosse Sieg-Rhönd. — 2. unpers., et balgt mer op es stösst mir im Magen auf, der M.

[Bd. 1, Sp. 412]
knurrt Kemp-Amern SGeorg.  PfWB  ElsWB aus -balgen: 1. ein Kaninchenfell ausstopfen Kobl-SSebastian. — 2. sich a. a. sich sehr plagen, sich abbalgen Siegld. — b. fertig sein mit B., Rolzen, von Kindern Allg. — c. sich auszanken; fertig sein mit Schelten Kobl-SSebastian. durch -balgen: sich d., sich durchzwängen Waldbr-Morsb. NRhWB ver -balgen : sich v., sich b., ringend verprügeln Rhfrk.

 PfWB Balger m.: 1. -ę- Mensch, der beim Tragen von Lasten nach Luft schnappt Koch-Leienk. — 2. -a- Streitsucher Kobl-Weissent.