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Rheinisches Wörterbuch 
 
Aul(e) bis ause (Bd. 1, Sp. 333 bis 337)
 
  NRhWB  PfWB Aul(e), Aules mannigfache Formen u. Bed. des auf lat. olla zurückgehendeu Wortes: 1. ǫ·u.l, Pl. -lən f.: Gefäss aus Ton, Steintopf Saarl, Daun-Strohn, Wittl-Honth, Altk-Wissen; ǫuləs Kobl-Neudörfchen; ā:ləs Bitb-Speicher m.: rot gebackenes Gefäss aus Ton. — Diese Allgemeinbezeichnung nur für diese Orte bezeugt. — 2. mehr bes. Arten. a. ǫ·u.l, meist Pl. -lən f.: zwei miteinander verbundene Töpfe (urspr. wohl aus Ton) aus Blech zum Essentragen, Marmit Wittl-Honth, Daun-Gillenf Tettschd Strohn Stotzbüsch. — b. ū:l f.: grosses, zylinderförmiges, eisernes Gefäss mit übergreifendem Deckel, in welches der Bäcker aus dem Backofen die noch glühenden Holzkohlen scharrt Rheinb, Eusk, Bo, Dür, Bergh, MülhRh, Sieg; ȳ:l Jül (Stadt), Grevbr. — c. ǫ·u.l f. Goar, Wittl, Trier-Clüsserath; ū:ləs m. MGladb, Geld-Hierbeck; ȳ:ləs m. Erk, Heinsb, MGladb, Kref, Kemp, Geld, MüEif; ȳl f. SNfrk (pass.); ylts m. SNfrk (pass.): irdenes Milchgefäss, worin die Milch zum Abrahmen weggestellt wird; es ist flach. — d. y·l. f. NBerg: Sol, Düss, Mettm, Elbf; ȳl Heinsb-Höngen, Erk-Körrenz, Bergh-Hüchelhv f.: irdener Steinkrug mit weitem Halse; dicke, bauchige Kanne, blau bemalt (»von vorn gesehn, den Eindruck einer ‘Eule’ machend«). De es voll wie en Ül. Lied beim Waldbeersammeln: Eikhon, Schlengelhon, min Üll die es schleikvoll; wenn min Ü. nit schl. wör, dann söng ech ouch nit Eikhon Mettm-Vohw. — e. ȳ·l. f.: irdener Kaffeetopf MülhRh-Wahn, Dür-Frauwüllesh. — f. :l Altk-Hellerth f.: Schnapsflasche. — g. ȳ:ləs m.: steinerner Futternapf MGladb. — h. y·l.ə die umgebogene Randstelle der Töpfe und Krüge Barm. — i. ȳ:l Aach-Mausb; y·l. f. MGladb-Schiefbahn; o·u.ləs m. Jül-Boslar schlecht brennende Lampe. — 3. übertr. a. ū:ləs u. ȳ:- Heinsb; ū:- Köln m.: Warmbier mit Zucker, vielfach aus Steinkrügen getrunken. — b. ū:ləs Neuw-Rheinbr m.: Topfreibekuchen. — c. ȳləs

[Bd. 1, Sp. 334]
m.: dummer Mensch Heinsb.

Aulen-bäcker ā:ləbkər Bitb-Speicher Geichl m.: Krug- u. zwar Rotbäcker. Aulen-bank ø·y.lə- Ahrw f.: Krugbank. RA.: Dau bes esu krank wie en al A. Aulen-dippchen ǫ·u.ləndepχən Trier m.: irdener Topf. Aulen-geschirr ebd. n.: Töpferware. Aulen-leim ę·i.ləlęim Saarl, Kobl m.: Töpfererde. NRhWB Aulen-pott uləpǫt, –pøtje Mörs, Klev, Rees m. (n.): irdenes Geschirr, flaches Gefäss zum Abrahmen der Milch; Steintopf im Nachtstuhl (Klev). In en Ullepott versuppen in einem kleinen Gewässer ertrinken Rees-Haldern. De Welt (et Water) is gen U. ebd. Aulen-ware ǫ·u.lənwār Westerw f.: Steingutware.

 NRhWB Äuler ę·i.lər Westerw m.: Krugbäcker, –fabrikant. — Zs.: ę·i.lə-dǫrf, –hous, –jung, –kinər, –knēχt, –leit (Fabrikant mit den Arbeitern), -m:tə. Äulerei ę·i.ləre·i. ebd. f.: Töpferei.

Aul-erd ūlərt Bo; ę·i.l- Westerw; ul- Klev f.: Ton zur Fabrikation von Krügen; Kleierde zum Mischen unter die Steinkohlen Klev. Aul-lett ūlet Köln f.: Töpferton, weisser Letten.Aulner ā:lnər Bitb-Speicher; ǫ·u. Trier m.: Töpfer (veralt.).
 
 
 PfWB Aulem ǫuləm Altk m.: eine grosse Menge.

Auler = Speicher s. Older;  NRhWB Aules s. Aul(e), Oles, Ules; Auli s. August I; Aument s. Augement; Aumert s. Amert; Aurbel s. Orbel (Worbel).
 
 
 NRhWB Aurikel ǫurikələ  Köln, Aach-Verlauterh; aurekəlχər Birkf-Bundenb; o- Geilk-Puffend, Mettm-Cronenbg; orikələn Barm, Elbf; rūrekəlχən Jül-Boslar; korekəlχən Jül-Hottorf; rē:kəlχən Rip; rikəlkə Heinsb-Dremmen; -ən Gummb-Morsb; riχəlkəs Heinsb-Myhl; mărikəlχə Sieg-ODollend f. (n.): primula auricula, Lieblingsblume im Bauerngarten.
 
 
Aurinkelcher ouriŋkelχər Bitb-Geichl n.: Abfall bei der Zubereitung des Hanfes. Reihenfolge uach der Güte: Dellen, A., Osiken, Espenn, Hare.

Aus = Ernte s. August II.
 
 
aus ous bis zur Diphthong.-L. mit Ausnahme eines Gebietes an der Saar um Wehrden Völkl Püttl Herchenb Guichenb mit us [øys Daun-Wiesbaum, Merz-Losh]; Rip ūs u. us; an der Ahr u. SRheinb vielfach ys; Nfrk ūt u. ut; im Klevld n. Issum Kamperbr Lintfort Rheinkamp (excl.) Baerl, rrhein. n. Ruhr yt [Duisb, MülhRuhr ūt; Schermbeck ut] Adv. u. Präp.: ‘aus’. I. Adv. 1. absol., in Wend.: Ut ös ut on op ös op es ist nichts mehr da, man muss dann eben gesättigt sein Viersen. Ut ös satt ebd. — 2. präd. aus sein. a. abwesend, aus dem Hause gegangen sein Allg. Mer woren us nicht zu Hause. — Bekannt, verbreitet sein. — Et wor alles us übergetreten sein, vom Gewässer Nfrk. De Dränk es ut eigentl. u. scherzh. die Suppe ist allzu dünn

[Bd. 1, Sp. 335]
Kref-Linn. — b. beim Abzählen zu Kinderspielen; wen der Vers ‘du bist aus’ trifft, ist nicht ‘dran’. A-u-s, aus, Jud bleif draus, dau bes aus Kobl. Augele, Waugele, Muckeln. Mei, Domenei, Heckelbruət, Sonderluət, A B Bei, bös ut Kemp-Süchteln. Ene, dene, dunke, funke, rabe, schuabe, tippe-tape, käse, nappe, ulle, pulle, ross, ip, ap, aus, on du bös draus Kempld. — Auch in folg. Form: Itz, mitz, motz, ut Elbf u. so viele a. — c. zu Ende sein, von Veranstaltungen (Messe, Kirche, Predigt, Schule, Spiel, Dienstverhältnis). Et as aus am (im) Dom nun ist es aber zu Ende Trier-Mehring. Es de Meid en Brut, dann es öre Tit ut Nfrk. Adiə Kappes, de Faste es aus wenn die Fastenzeit zu Ende ist Aach-Merkst. — Von Getränken. De Win es us, vür zappe Bier nach dem üppigen Leben wieder magere Kost Aach. — Vom Feuer, Licht, ausgebrannt, ausgelöscht sein. Et Feur as ze Funken aus ganz erloschen, übertr. die Sache ist wirklich abgemacht Wittl, Bitb. Et Für ös us, et Wasser kouch över Scherz Bergh-Blatzh. — Von Erzählungen. Wenn Kinder bitten, etwas zu erzählen: Et wor e Männche, dat krouf en e Kännche, do krouf et wedde drus, do wor et Verzällche us Köln-Frechen. Schluss eines Märchens: On du koəm dat Verke met die dicke Schnut, on du wär dat Vertellselken ut Geld-Straelen. — Den ös ut hat alle Klicker verloren MülhRuhr Eich sein aus aus dem Spiele Birkf, Trier. — Et es us met em es geht zu Ende mit ihm, seinem Leben, seinem Betriebe. Met dem ös et us on am Engk Rip. Et es ut met Katje Geld. Wann du su weggeschter machs, es et us töschen (met) us sind wir miteinander fertig Rip, Allg. Aweil is 's aus met de gele Beren die schönen Zeiten sind vorüber Nahe. Komme de Beie net erus, ös et met dem schüne Wedde us Bo-Dransd. — d. ausgekleidet sein. Ech sen at us Rip, Allg. — e. drauf aus sein = erpicht sein. Den es op et Mul us isst gern etwas Gutes Malm-Weywertz. Er es drop us wie der Düvel op en ärm Sil Rip, Allg. Op der Schrapp us siə habsüchtig sein Aach. — 3. interj. gebraucht. Aus! Bahn frei! Beim Schlittenfahren Birkf. Oəm us, frei! Aach-Münsterbg. Aus Seit! Neuw-Dernb. Uəs do! Gummb-Bellingr. Äus! Ausruf beim Anschlagspiel, dass alle versteckt sind und das Fangen beginnen kann Bacherach. — Us, Mod Sus! ruft man dem Mädchen zu, das von seinem Freier aufgegeben ist Malm-Weywertz. — 4. bestimmendes Adv., obj. oder präd. Zusatz. a. hinter einer subst. Zeitbestimmung, die Dauer bis zum Ende ausdrückend. All die Johre us han ech et usgehale Rip, Allg. Johr ut, J. ene Eup, Allg. — b. hinter einer subst. Ortsbest., die ganze Strecke bezeichnend.

[Bd. 1, Sp. 336]
De Bach aus den ganzen B. hinauf. De Berg aus hinauf Saar, Allg. Esu sieht mer die Welt aus (in der ganzen W) kene mih Merz-Bergen. Dat ös de W. us net wohr Rip. — Nach präp. Best. Gohn nom Hus us MGladb-Rheind. Bes zom letzten us durchhale Rip. Da's von ut heər immer so gewesen Kemp. — S. auch ‘grad-, schnackaus’. — c. nach örtl. Adv. (da, hier, wo). Dus u. drus, hēus, w(r)us . Die MA. bevorzugt die Trennung; neben Wo(r)us wellste dat schlesse? Wo wellste dat us schl.? Do(r)us kannste net klok werde: Do kannste net kl. us werde. — Er woss net, wous () on woen. — Van wann us (= ab) kann ech dat han? Rip. — d. mit Verben loser oder enger verb. α. lose Verb. Ech moss us ausgehn. Dat moss us ausgemerzt werden. Wellste och met us? spazieren gehn. Kregste't net us? weg. Ech kenne mech net dren us ich weiss keinen Bescheid. Ech well et us han weg haben. E hat de Melz us ist ein Nimmersatt Aach-Merkst. He hat de Pipen ut der Atem geht ihm aus Eup. Hen hat (er) enen (enen gehüərege Stivel) ut ist betrunken ebd. — = draussen, auswärts, im Gegens. zu ‘daheim’ gedacht. Gehste us (Hauptton) arbede? Se löt us bügele sie bügelt nicht selber zu Hause, sondern gibt die Wäsche zum B. nach auswärts. — β. engere Verb. als Komp. bezeichnend αα. die Bewegung aus dem Innern einer Sache heraus (auslaufen) (konkurrierend mit ‘heraus’). ββ. das Entfernen von Dingen aus andern (ausklopfen). γγ. die Auswahl (auslesen). δδ. die Beendigung (austrinken). — e. mit Adj. verb., den höchsten Grad bezeichnend (‘aus’ trägt den Hauptton) = durchaus, ungewöhnlich Rip, Nfrk. Dat hät mer ausgot () gefalle Waldbr-Wildbg Dat sei usriche Li Siegld. Er is utgelihrt grundgelehrt Geld-Stenden. De Jong es utbrav Kemp. He ös us on usgot Rip; auch en usonusbrave Jong.5. mit andern Adv. durch ‘und’ verb. a. aus und aus, von Anfang zu Ende. Dat moss enem us on us gefalle Rip (selten). — b. aus u. ein. Dat geht bei dem us on en viel Besuch, Zuspruch Rip, Allg. He wess net us noch en vor Sorgen Rip, Allg. — c. aus u. zu. Dat geht he us on zo im Geschäft ein reger Verkehr Rip. — d. aus u. an. Us on an, us an an möt de Kleder! Klage über das zu häufige Wechseln der Kl. Rip, Allg. Et Spill as aus on on beim Kegelsp. der Schlusswurf der einen Partie als Anfangswurf der andern Prüm-Mürlenb. — e. aus u. vorbei. Jetzt is et aus on vorbei Hunsr. — f. ab u. aus. Af on us baue Kehrfurchen pflügen Grevbr-Belmen. — II. Präp. mit Dat. (Aach, Nfrk mit Acc.); aus dem > ǫuzəm, uzəm; aber auch usəm; aus den > ǫuzən, –s-;

[Bd. 1, Sp. 337]
aus der > ǫuzər, -s-; in Eup, Aach, Selfk ut jenə Gaərdə, ut jen Hus. 1. örtl. a. das Hervorkommen, Herausnehmen aus dem Innern eines Dinges, wie nhd. Dat kann de us dem Kopp auswendig Rip, Allg. Do woər de Mösch ut de Kau das Gesuchte war verschwunden Kemp. De es us de doll Johre herus Rip. Aus der Hand en den Zand Allg., usf. — b. von der Abstammung. Die sen us dem Bergschen.c. Trennung des Zusammengehörigen. Aus der Haut herausfohren Mosfrk, Allg. Ut Rand on Band siən lärmen, toben Nfrk, Allg. En as ganz aus der Zorg aus der Ordnung Trier-Mehring. He es ganz us dem Hüs-che nicht bei Sinnen Rip, Allg. Us der Art schlohn. Dat es ganz us der Ordnung (Regel, Mode). Enen us Rock on Kamesol verhauen Allg. — d. blosse Entfernung, Beseitigung. De bruch kenem Afekat us dem Weg ze gohn so gelehrt ist er. De deht sech stell us de W stirbt ohne weitere Umstände Rip. Gangk mer us dem Dag! aus dem Lichte, — aus de Fiss! Aus den Auən, aus dem Sinn Allg. All üt de Schöll (de Lehr) sin Nfrk, Allg. — e. von dem Stoff, Material. Der es wie us Iser. Us ander Lögge Leder ös got Reme schnegge Rip. — 2. causal. Jet us dem Boch (der Zeidong) wesse. Dat deht e us Ifer (Geft, freie Stöcke) u. a., wie nhd. — III. als Attrib. En ausse Heft vollgeschriebenes H. Kobl. Ene ute Oave erloschener Ofen Kref-Linn. — Im Nfrk konkurriert mit der Präp. ūt : ūtər. Über die Unterscheidung von us : ūs im Rip berichtet ein Mitarbeiter (Schleid-Dreiborn): in der Zs. steht ūs beim Infin., us im Part. Perf.

durch- aus: 1.  räumlich, durch und durch Simm. — 2.  wie nhd., unter allem Umständen. Durchin un durchaus (nit) Saarl-Hüttersd. D'es en durchausige Mester vollendet Prüm-Mürlenb.
 
 
ause ausə verbr. wie abe im Rhfrk Adv.: aus-hin, drüber heraus, vom Sprechenden wegführend. Uwen ause die Nahe aufwärts Birkf. Der well hoch driwer ause.