Wörterbuchnetz
Rheinisches Wörterbuch 
 
A B C bis äbelzig (Bd. 1, Sp. 15 bis 17)
 
  PfWB  ElsWB  LothWB A B C ā:bē:tsē: bei deutlicher Aussprache; sonst ăbətsē:; daneben in Aach und Mosfrk ăbətsī: n. [m. Merz-Saarhölzb]: die ersten Buchstaben des Alphabets, die in den alten Volksschulen zuerst auswendig gelernt wurden. Deshalb die RA.: Der naseweise Junge soll der erscht sein ABC lehren, ihr er ebbes metschwetze well. Er kann noch seinen ABC net on welt schun et gruss Woərt fihren Saar. Ein Dummer as esu dumm, en hot an der Schul et ABC bal net gelihrt Bitb. Da das ABC die Grundlage der Buchstabenreihe ist, erklärt sich die RA.: Dat as et ABC von der Sach, derohnt geht et net Grundlage einer Sache Bitb. Dat geht en meng ABC net heren das verstehe ich nicht Sieg. Deng ABC verstohn ech net du hast da etwas anders gelernt wie ich Sieg. Du verstehst suviel dervan wie us Koh vam ABC Sieg. Rätsel: Wo geht alles heren? En et ABC MGladb. Im Kinderspruch: ABC. dat Kätzche lef em Schnii, dat Höngkche lef em no, sag Kätzche, woərsch de do? Agger. ABC. der Katz duht de Fuss weh. sie geht an de Kirch bede, se hat de Fuss bedreden Mos. ABC, der N. es en Sau, der N. es en Beck, der N. es ne Geck Aach. Ein Kinder-ABC: Abraham Bat Christus Der Engel Fuhr Gegen Himmel In Kalter Luft Mit Neun Ochsen Peter Quer Rief Seine Töchter Und Viele Weiber X Fix Zu Bitb-Itesh. — ABC, ein Ballspiel: Die Spieler wählen sich einen Buchstaben, wie sie im ABC aufeinander folgen. Wer A hat, nimmt den Ball und ruft einen beliebigen Buchstaben. Der Betreffende nimmt den Ball, wirft ihn in die Höhe und wirft auf die andern, die zu einem bestimmten Ziele laufen. Trifft er keinen, so bekommt er unter seinen Buchstaben einen Strich; trifft er, so muss der Getroffene werfen. Bei einer bestimmten Anzahl von Strichen wird der Inhaber ausgeschieden. Der Beste darf jeden je nach der Zahl der

[Bd. 1, Sp. 16]
Striche werfen; trifft er nicht, bekommt er die Strafe ebenfalls. Auch ABC-Ball genannt Prüm.

ABC-brettchen Kemp n.: ein Brettchen, auf dem das Alphabet eingemalt war. Die Kinder trugen es noch im Anfang des XIX. Jahrh. auf dem Schulgange um den Hals. PfWB  PfWB Abc-buch n.: Fibel. Im Berg bestand eine alte Fibel met dem bergschen Kückelhahn vören drop on met dem netten Rimken dronger: Früh kräht der Hahn. Früh fang zu lernen an. In Geldern war auch auf der Rückseite das Bild eines grossen Hahnen mit der Überschrift: Kinders leert u Lesse wel. Unter dem Bilde: s' Morgens den haan zyn yver vroeg bewyst, leert jonge Jeugd, dat men U ook zoo pryst. RA.: Der Ungelehrige as sein Lewe langk net aus dem ABC-buch erauskommen Bitb. Der sieht aus, wie en zerressen ABC-buch Prüm-Mürlenb. Dat is so platt wie en ABC-buch Simm. Abc-käcker -kękər Sol; -pufərt Trier-Mettnich; Abc-isər Ottw, Saarbr, Saarbg-Oberemmel Soest, Bitb-Dudeld; Abc-üts (-öts, –eds) Birkf, Ahrw-Walporzh m.: ABC-schüler. Allg. ist die Verwendung des I zur Bezeichnung der ABCschützen, weil die Fibel mit der Einprägung des I beginnt. — Vgl. I-dots, –dopp, –küttel.
 
 
Abch abχ Siegld m.: Einfaltspinsel, Hanswurst, der alles verkehrt anstellt.
 
 
 PfWB Abdon-tag afdǫn-dāx Gummb-Nümbrecht, Lennep-Ronsd m.: der Tag des hl. Abdon, 30. Juli, mit dem sich mancher Aberglauben verbindet. Gras, Klee, an diesem Tage geschnitten, wächst in demselben Jahre nicht mehr. Hühneraugen an demselben Tage geschnitten, wachsen nie wieder.

Ab-drau(t) = Wasserabzug im Keller s. Aducht; Abe ā:f = Nabe (s. d.); Abe abə = Grossvater s. Abbe.
 
 
 PfWB  PfWB  ElsWB abe awə Wend, Birkf, Meisenh, OOttw (hier nur von alten Leuten), also nur Rhfrk Adv.: ab-hin, herab, hinab. Wohin gehschde? Onne(n)awe. Geht einer landabwärts, die Nahe abwärts dem Rheine zu, so es er onnenawe; geht er die Nahe aufwärts, so es er uwen ausse (-gang, gefahr). Wohin gehst du? Lo (lord) awe dort hinab. — De Drebb (de Berg, de Gass) awe hinab. Er es de Drebb awe gefall. — de Gass awe gelauf, — awe geretscht. Schmeiss mer't awe. Mach dich awe. — Er es die Bach awe er hat sein Vermögen verloren. Et es alles die B. awe dass. Et geht hennen awe zu Ende. Et geht met mer hennen awe.
 
 
Abe abē:  m. u. n.: Abort. Zur Vermeidung des gewöhnl. ‘Abtritt’, der derberen Scheissəs, Kackəs. Das n. nach dem Geschlechte der übrigen Syn. gewählt. Du mäks e Geseit wie en Abebrettche Kref, Kemp Kiser Abes Neckruf für Bernk-Cues.

[Bd. 1, Sp. 17]

 
 Abeiches abaiχəs  Saarbr n.: Versteckspiel. — Nach dem Herbeiruf für den Sucher abei! herbei.

Abeissel bsəl s. Ameise.
 
 
Abel I ā:bəl, ā:wəl: der biblische Name, nicht mehr als Vorn. gebräuchlich, nur in Scherzsprüchen. Kain schlug seinen Bruder A. mit dem Zachabel vor den Buchnabel Sieg-Aegid, — op de Schnabel ganz miserabel Klev, — met de Mesgawel Mörs-Xanten. Adam sin Sühnche Awel hat den irsten Nawel MülhRuhr. Im berg. Volksrätsel: Wer ist der erste Mensch gewesen? A. (Als Kain seinen Bruder erschlagen hatte, war er gewesen ).
 
 
Abel II: Reimwort in den Auszählversen: Awel, Dawel, Domini, Wecke, Brud, Sunoni; Äwer, Stäwer, Mous, dud aus Coch-Laub. Ihmchen, Dihmchen. Zuckerdemi; Abel, Dabel, Domini; Hexenrat, Sonderbrat, Christo! Eif. Abel di babel, die Wurst hat zwei Schnabel, zw. Schn. hat die Wurst. de Bauer hat Durst usf. (Kettenreim) Düss.
 
 
abel I avəl Heinsb-Tüddern: Auf die Frage: Was ist das? Antw.: Gen avel. — Neuerdings abgeleugnet.
 
 
 NRhWB  PfWB  ElsWB abel II ā- Duisb Adj.: albern.

Abel abəl m.: 1. = Abch Siegld. — 2. en krummen A. Mensch mit krummen Beinen Ess. — 3. Abels Flämming grosser Mensch Klev.

Abelei Duisb, Mörs f.: Albernheit, Dummheit.

 NRhWB abelig ābələχ Ruhr allg.; lrhein seltener: Kemp, MGladb-Viersen Rheydt, Grevbr-Otzenr, Bergh-Kirchhert; häufiger in Moers-Neuk Friemersh; abərəχ Heinsb-Lümb; āmələχ MGladb-Rheydt; awərəχ Klev-Goch Adj.: albern, laff, geflappt, tölpelhaft, ungeschickt. En abeleger Hond kindischer Mensch; ene abelegen Doll. Stell dech net so a.Abeligkeit f.: albernes Betragen.
 
 
Abele abēlə Aach-Ld; -īə- Heinsb-Karken Orsbeck, Kemp f.: Albe, Weisspappel, populus alba.

Abelung s. Amelung; aben s. ab; äbels, äbelzig s. äbich.