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Rheinisches Wörterbuch 
 
Draht bis Drahtwingert (Bd. 1, Sp. 1430 bis 1432)
 
  NRhWB Draht Rhfrk drt, Pl. --; Mosfrk -:-, –ō:-, Pl. -:- [Bitb-Rittersd drikt]; Rip -:-, Pl. -:-; SNfrk -·ə.-, Pl. -·ə.-; MülhRuhr, NMettm -ō:-; Klevld --, Pl. dr, Demin. drtjə [auch Gummb hat den Pl. dr:] m. [Birkf. n.]: 1. Gedrehtsein des Wollgarns u. sonstiger Garne, verursacht durch das Spinnen; die Energie, die in einem festgedrehten Seile ist Rhfrk, Mosfrk. Et es ze viel Dr. dren: die Schneire streiche det Nähgare mit Wachs, dat de Dr. erausgeht. Beim Seile, Dr. dren dreje (drehen), Dr. erauslosse. Demjenigen, welcher einer Arbeit, die er vorhat, nicht gewachsen ist, ruft man zu: Et es Dr. dren! Prüm-Mürlenb. — 2. Draht, wie nhd. a. aus Gesponnenem. α. Nähfaden Allg. (veralt.). Jong, spötz dein Zong; Mädchen, spötz dein Drähtchen! Trier. Ene langen Dr. göf en ful Noht; auch langen Dr., ful N. Allg.; en langen Dr. macht en faul Mod (Magd) Prüm-Mürlenb. (Zwei-, Dreidroht zwei-, dreifach gezwirnter Faden Rip). Kuke, bucke, Tässe, Burefrau, nit tusse, Dr. gedrejt, Gat genäjt,

[Bd. 1, Sp. 1431]
kik achter Abzählr. Geld-Kevelaer. — β. der Faden an den Webstühlen, Weberfaden Nfrk. — γ. Pechdraht des Schusters Allg. — δ. Wurstfaden Wippf-Ohl; das vordere Ende der Peitschenschnur Eusk, Siegld-Grund. — b. aus Eisen, wie nhd. Er lesst sich liewer en glihniche Dr. dorich den Arsch ziehe der Geizige Hunsr, Allg. — c. aus Teig, beim Backen der geflochtenen Neujahrsbritzeln oder –kränze, die aus 3—5 Dröht geflochten sind Eusk-Dirmerzh. — d. Kringel im Seil Köln. — RA. zu 2: E Minsch as wie en Dr. in jeder Weise vollkommen Simm; dat geht wie am Dröhtche exakt Eusk-Zülp, Mü-Eif; et geht wie en Dr. von einem fleissigen Arbeiter oder einem guten Geschäfte Prüm-Mürlenb; dat geiht alles op et Dröhtche exakt Sieg-Rhönd; der geht wie en Dr. geziert, zimperlich Kreuzn-Bockenau, — en Dröhtche Schleid-Heimb, — en Popp em Dr. Trier. — Dat kos Dr. Mühe, Anstrengung Heinsb-Lümb. — Se ös op der Dr. auf Ritt, von einem liederlichen Weibe Kemp, MGladb-Rheydt, Kref; sech op den Dr. geve ans Kaufen geben uWupp; entlaufen, ausreissen Köln; op Dr. geve sich davon machen Eup; op den Dr. gonn ins Wirtshaus Kref; sich aufs Vergnügen begeben Barm; zu allerlei Nachbarn gehen, um zu plaudern Gummb-Berghsn. Ek siən om Dr. geroden ans Trinken Elbf; häste jet om Dr. hast du was vor? Sieg-Ägid; dat han ich om Dr. ist mir unangenehm Schleid, Monsch. Se hät en am Dr. (Dröhtche), an der Dr. einen Freier Aach, SNfrk. Sech dorch der Dr. (Dröht) mache (geve) auskneifen Rip, SNfrk. De hät met de Vüəlche durch de Dr. fresse schmale Backen Rip. Das do geht, als wann's de Bein en Dr gehong hätt Ottw-Schiffw. — 3. übertr. a. Stricknadel Köln, Aach-Stolbg. — b. Rolltabak Bitb-Geichl. — c. Jahresring eines Baumes uWupp; Holzfasern Sieg ODollend. — d. euphem. Geld Allg. De hät Dr.; de Dr. is em ausgang Rhfrk, Allg.; he hat fis Dr. MGladb-Rheydt, — Dr. stif Neuw-Lorschd; de micht Zalot aus Dr. Trier-Waldrach; nom boren Dr. get vill gefrot Bitb-Geichl. — e. dat kost en Dr. viel Arbeit Saarbg-Faha. — f. verächtl. Finger MGladb. — g. schlechte Waren Dür. — h. von Getränken. En starken Dr. starker Kaffee; gode Dr. guter Tropfen Rip, Nfrk; blauen Dr. Fusel Geld; em Dr. sen betrunken sein Eusk-Zülp. — i. stive Dr, steifer, träger Kerl Neuw-Lorschd.

Bei- draht: ein Dr.seil, das bei der Schockerfischerei am Lande befestigt ist Kobl-SSebastian.Unter -draht -o·ŋ.er- Schleid, Monsch: das untere Ende der Peitschenschnur vor der eigentlichen Knallkordel.Vor -draht fȳər- Aach, NMonsch: dass.

Ge-drähts -:- n.: 1. viele, lästige Drähte

[Bd. 1, Sp. 1432]
Allg. — 2. schmale Teigrippchen auf der Apfeltorte MGladb-Rheind.

 PfWB Draht-bürste Allg. f.: 1. wie nhd. — 2. grober Mensch.  NRhWB Draht-eisen Allg. n.: Eisensorte. Draht-ende dr:tsę·ŋ.(k) Rip, Eup; -ę· ŋ.əl Erckeyenbg n.: Pechdraht. PfWB Draht-esel Sieg-Sieglar, Köln, Kemp-Lobberich SPeter m.: verächtl. altes Fahrrad. NRhWB Draht-hippe f.: 1. dass. Elbf-Hahmerbg. — 2. magerer Mensch Gummb-Dieringhsn. — 3. ängstlicher Mensch Wippf-Hardt. Draht-kiste -kes Verbr. f.: scherzh. Klavier. PfWB Draht-kommode Verbr. f.: 1. dass. — 2. Sofa. Draht-mühle -ml Duisb f.: einer, der recht langsam spricht. Draht-nagel Mosfrk m.: 1. –stift. RA.: Eich treden der en of de Panz, datsde Dr.näl scheiss! Trier-Mehring De liss sich fir en Groschen en Dr.nol hanne eran schlohn Bitb-Hütting. Dr.näl essen langsam. ohne Appetit Saarbg-Greimerath. De fresst alles, bluss ken rostig Dr.nägel Bitb. — 2. Prahlhans Gummb-Mühle. Draht-nest -nes Dinsl-Bruchhsn n.: verwirrte Fäden. Draht-örtchen MülhRh-Ensen n.: Pechdraht. Draht-schachtel Kemp-Dülken, Düss-Lintorf, Ess-Rellinghsn f.: al Dr. altes, dürres Weib. PfWB Draht-schere Allg f.: wie nhd. — En Dr.schirige scherzh. Butterbrot ohne Belag Gummb-Dieringhsn. Draht-schlinge Allg. f.: wie nhd. PfWB  PfWB  LothWB Draht-seil Allg. n.: wie nhd. PfWB  PfWB  LothWB Draht-sieb Allg. n.: wie nhd. PfWB Draht-spanner -ǫ- Kemp m.: Vorrichtung, den Draht an Weiden straff zu spannen. Draht-spitze -bets, –betst Rhfrk, Mosfrk f.: 1. Pechdraht des Schusters, bes. die Sauborste vorn am P. — 2. Spottn. für den Schuster. Neckvers: Peachknuppen, Dr.spenner, Schosterknuppen, Lederwänner! Koch-Lutzerath. — Auch Dr.pite Saarl.  PfWB Draht-stift m.: 1. wie nhd. RA.: Et rent verzöllege Dr.ə Köln. — 2. scherzh. Zylinderhut Aach-Verlautenheide. — 3. komischer Kerl Erckörrenz. Draht-tabak Bitb-Geichl m.: Rolltabak. Draht-wingert -a- Trier-Detzem; -i- Kreuzn-Bretzenh m.: Spalierrebe.