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Rheinisches Wörterbuch 
 
Doktor bis dölfen (Bd. 1, Sp. 1386 bis 1389)
 
  NRhWB Doktor Rhfrk dǫgdər Sg. u. Pl.; Mosfrk -ǫgd-, Pl. -ę-; Rip, Nfrk -ǫkt-, Pl. dktə [Mörs Pl. -ǫ-; Klevld Pl. -ərs] m.: 1. ein Graduierter der vier Fakultäten; doch nur nach dem Nhd. — Mdlich. noch in scherzh. Bezeichnungen für einen eingebildeten Menschen, der viel Verstand haben will, Klügling, u. zwar D. Arsch Birkf, Westerw, — Furz Westerw, — Ribbel Birkf, Koch-Honth, Bitb-Badem, Westerw, — Ribbeler Koch-Poltersd. — Ribbelen Wittl-Heidw, — Mairidig Prüm-Mürlenb, Bernk, — Faust Bitb, Malm-Amel, — Fus Bitb-NWeis, — Keich Monsch-Witzerath. — Allerhand der alles treibt u. versteht Koch-Lutzerath. — Dann in den Wend.: Sech an jet tom D. eten sich dick essen Sol, Elbf, Gummb; met Melk, Eier un Flesch kamme sek tum D. etten Gummb-Berghsn; dat Wasser koch sich zom D. kocht über NBerg, Jül-Boslar; du arbets dech noch zom D. du kommst mit der Arbeit nicht voran Gummb-Nümbrecht. — Sonst ausschliesslich 2. Arzt, dafür das einzige Wort (‘Arzt’ fehlt). Op D. studiere Arzt werden; de löf och emmer tösche de D. hat immer den Arzt notwendig Rip, SNfrk; zwen Däkter sin iwig (über) en gang zwei Ärzte hat er gebraucht Bernk-Bollenb; D. N. geht erower behandelt den Fall Emmerich; he bruck keinen D. un Apteker ist recht gesund Mülh-Ruhr, Allg. — RA.: Der D. well bezahlt sen Bernk-Andel. Wo de Sunn net hi küt, do küt der D. hin Sieg. Elbf. Besser es en Däkterchen on der Hand als en D. em feren Land Mos; besser de Gerichtsvollzieher om Mess wie de D. em Hus Sieg-Much; besser der Fleischhäuer em Hus als der D. Köln; mer geht besser bei de Bäcker as wie bei den D. WEif; lever beim Schohmächer als beim D. Ahrw; nötter möt der

[Bd. 1, Sp. 1387]
Sok (Sack) noə der Müəhle äs möt et Geld noə der D. Kempld En alt Sogmoder wet mehr as drij Dokters Klev-Calcar. Wat de Dökters sägge, dat Gegendeil es gesund Nfrk. Wat e (der D.) verdirf, wiərd begrave Sieg-Rhönd. Wenn de Mensse in D.s Hand geroje on de Mösse in Kinderhand, dann sin se morts alt genug Geld-Kevelaer. Jung Döktersch bruche grosse Kirchhöff; nen alen D. muss ene Kirchhoff fett gemat han; je mih Döktersch, je mih Kranke; de Döktesch sin dem Herrgott sing Minscheflecker Köln; den D. on den Dodegrawer sind guə Frönde Mörs; de Dökter, Metzger u. Schinner, dat sei Geschwester-Kinner Bitb-Hütting; kömmt der D. mar ent Hus, da rift (reibt) sech Aptheker en Schriner de Fus MGladb-Rheind; wann all der D. komme mott, göft et bal ne gouə Kaffi (Leichenkaffee) ebd. — En stärke Tass Kamelletee hölpt beəter wie tihn Döktesch ebd — Kopp kault, Bin warm, Fott (Poərt) oppen, dann lot den D. luəpen Remschd (dann geht de D. lope Kref); haul Hals on Bener warm, föll dennen Darm, haul hengen open, dann kann de D. schlopen Elbf; Benerkes warm, en Duək öm de Darm on et Dritlöckske open, können alle Döktersch tum Deuwel lopen ebd.; de Kopp kalt, de Lif op, de Pute wärm mät de D. ärm Dür-Gürzenich; de Kopp kalt, de Föss wärm on de Poərz oufe (offen), dann hät der D. kene Fuss ze houffe (hoffen) Dür; halt Püətches wärm, et Köppke kalt, et Gatche oəpe on lot de Döktesch schloəpe MGladb-Rheind; halt Kopp on Fotje warm, jet Warmes en den Darm, lot alle Dökters loupen Mettm-Haan; lott et Achterpöərtken oppen stohn, dann brucks du nich fake tom D. te gohn Ess. Ne Drongk en de Schlat (Salat) schad dem D. en Dukat; ne Dr. op en Ei schad dem D. zwei Dür, Bo, Aach (in Köln mit Forts. es et äver keine Wing, dann loss et lever sin) Rip verbr.; ene Dronk got Wasser schad dem D. ene Dukat usf. Jül-Linnich; en Ei bi et Schl. schad dem D. en Tukat, en Dronk dobei, schaden er zwei Wippf. Dem D. un dem Auhremächer (Uhrenmacher) kann kene ön et Geschäft sehn Altk-Horhsn. Wer hot de Schlucker, moss gihn zom D. Drucker, de kann verdreiwe de Schl. Goar-Dommershsn. Es der D. krank, hengt der Kouchleffel ajen Wangk (Wand) Aach, — hängk der Kocher an der Wand; es der D. dut, hät de Frau kein Brut Köln. Nu es et Driten (Scheissen) am D.! Arzt, hilf dir selber Elbf. Dem D. dont de Tängk (Zähne) nit miəh wiəh er ist gestorben Sol. De schreift bi en D. unleserlich Koch-Urschmitt. — Kinderspr. A. sagt zu B.: Trapp erop nom D. (er läuft ihm mit seiner Hand den Arm herauf); Kloppe! (gibt ihm eine Ohrfeige).

[Bd. 1, Sp. 1388]
Schelle! (zieht ihn am Ohr); Düər opmache (reisst ihn an der Nase) Grevbr-Hochneuk. — 3.a. scherzh. Barbier Köln. — b. Klatschmaul, der alles besser wissen will Monsch-Witzerath. — c. scherzh. Abort; ech moss ens bei de D. gonn Köln. Dǫktər f.: 1. Frau eines Arztes Allg. — 2. verächtl. überkluge Frau Köln.

Doktor-arsch -ər Trier-Welschbillig m.: Alleswisser. doktor-arschig Adj.: altklug. PfWB Doktor-buch dagdərbūx Hunsr n.: Buch über Heilkunde. Doktor-mann -ər- Schleid-Wollenbg m.: Schwätzer. Doktor-rechnung Allg. f.: R. eines Arztes. Doktor-sachen -ər- Hunsr Pl.: Arzneien. Doktor-schrift SNfrk f.: unleserliche Schrift.

doktern Allg. schw.: 1. den Arzt gebrauchen; krank sein. De ös all wal en holf Johr ant d. Kempld, Allg.; möt iəmes ant d. siən jmd. als A. gebrauchen ebd.; ich däht net so vill dran erömd. gegen die Krankheit probieren Allg. — 2. Arzt spielen, ohne berufliche Vorbildung Allg. — 3.a. gelehrt schwätzen Schleid-Hellenth; über alles seine Meinung sagen, viel reden, sich in alles mischen Monsch-Witzerath, Schleid-Wollenbg. — b. de doktert sich wat binen lügt Ess, Rees. — Abl.: die Dokter(er)ei, dat Gedoktersch (-ö-), sich zerd.

aus- doktern: 1. etwas a., ausklügeln Geld-Pont, Rees, Kref, Rip. — 2. ausgedoktert hon wieder gesund sein Saarbr-Sulzb.  PfWB  ElsWB  LothWB ver -doktern: Geld auf Arzt, Kur, Arznei verwenden Allg. Wenn er so fortmicht, kann er sei halb (ganz) Vermeə (Vermögen) v. Simm, Allg.

Dokteres -ərəs Bitb-Dudeld m.: gelehrt Sprechender.

doktorisch -tər Merz-Saarhölzb Adj.: in ärztlichen Dingen bewandert.
 
 
Dolbert dolbət. u. t- Aach m.: Adalbert.
 
 
Dolch doləχ [Rhfrk -u-], Pl. -ø- [Rhfrk -i-; Bitb dolijən] m.: wie nhd.; auch D.messer (-metz).
 
 
 NRhWB Dolde Rhfrk dulən Sg. u. Pl. [dul Goar-Camp, Wittgst (neben -o-)]; WMosfrk von Saarbr an bis Malm dǫ·l.ən [Bitb-Wiersd -a-]; vereinzelt auch im SRip in Bo-Mehlem, Sieg-Rhönd, in May, Aden, Ahrw dǫ·l.ən u. dǫ·l. m.; OMosfrk in Zell, Koch, Kobl, Goar, Westerw, Siegld dǫ·l. f. [auch WMosfrk in Trier-Fell Schweich]; das Rip u. Berg hat eine auf duolde zurückgehende Form, u. zwar dō:lə(n) m. Sieg, MülhRh, Waldbr, Gummb, Remschd, Bo [dū·ə.l Waldbr-Morsb Wallershsn; -ō:-, Pl. -:- f. Bo-Walberbg, Waldbr-Sinspert, Altk-Birken]; dō:l f. Mettm-Cronenbg; dō:ldər m. MülhRh-Overath, Wippf-Engelsk, Sieg-Hänschd; -lər Sieg-Lohmar (veralt.); SNfrk do·u. in Grevbr, Erk, MGladb, Kemp-Waldniel; dø·y. Kemp-Born; Sol f. dǫ·u.l: 1. an Bäumen u. Pflanzen. a. Baumwipfel Allg. mit Ausnahme des Geb.,

[Bd. 1, Sp. 1389]
wo 1 c gilt [abgeschlagener Wipfel Saarl-Hüttersd]. — b. Spitze einer Pflanze uWupp, Waldbr-Dattenf; Gipfeltrieb der Reben; D.ə mache diese kürzen Ahr; junger Spross an Reben Saar, Mos bis Bernk. — c. die untersten stärksten Äste eines Baumes, da wo der Stamm sich zu verzweigen beginnt; im einzelnen gesunder, starker Ast mit Zweigen Kobl, Goar, Siegld, Waldbr, Gummb, MülhRh, Sieg, Selfkant (do·u.). — Enge Gabelung zweier Äste, durch die man beim Klettern schlecht schlüpfen kann May-Kottenh. — d. doldenähnlicher Stock- u. Wurzelausschlag, z. B. der Eichen nach dem Roden, dem Lohschälen Wend, Birkf, Merz, Trier-Ld (Saar). — e. meist Demin. Dellche Zweig voller Früchte, etwa Kirschen, den man zum Herunterwerfen abbricht Mosfrk. — f. Haselnüsse zu mehreren an einem Stiele Neuw. — 2. übertr. a. die Spitze des Kirchturms Bitb-Rittersd. — b. kleine Holz- oder Tonpfeife Kobl-Horchh. — c. verächtl. Kopf Allg. Den os net fest om (im) Dollen närrisch Prüm-Ihren; et wingt (windet) em in den Dolen Waldbr-Dattenf; ich hauen der en iwer (an in) den Dollen, datsde mens, de hätts Nomənsdag! Eif; de hat et huəch em Dou on niər en de Täsch MGladb-Neuwerk. — Dir (dürr) Doll Glatze May-Hatzenp.

Dolden-ende dō:lənę·ŋ.k uWupp n.: scherzh. Kopf. Enem jet op et D. geven. Dolden-holz dǫ·l.ən-holts Prüm-Flering n.: das Holz der Äste u. Zweige eines Baumes.

dolden dǫ·l.ən Prüm-Ihren schw.: die Kronen der jungen Eichenstämme beim Lohschälen abschlagen.

Döldes = Kopf s. Dölles u. Dälles.
 
 
 NRhWB Dole(n) I dōlə m. WWend, Saarbr, Ottw, Saarl bis Trier-Züsch; sonst Rhfrk dūl, Pl. -lə f. Kreuzn (uNahe -ō-), Meis, Birkf, Simm u. in den Hunsr-Orten von Zell, Bernk: 1. unterirdischer, gemauerter, überdeckter Abzugsgraben, bes. aus dem Keller; Wasserdurchlass; Wasserschacht, auch dessen Öffnung am Strassenrand. — Eisebahnd. –viadukt. — 2. schmutziges Loch.
 
 
Dolen II -ō- Aach (bei Müller-Waitz) Pl.: die beweglichen Querbalken an Tuchrahmen, welche mit eisernen Häkchen besetzt sind, u. zwar die Over- u. Ongerd.

dolen = sich senken s. dalen.
 
 
Doles -- Daun m.: einer, der sich alles gefallen lässt.

dölfen = löschen s. dülfen.