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Rheinisches Wörterbuch 
 
Daumen bis Daumensamen (Bd. 1, Sp. 1289 bis 1293)
 
  NRhWB Daumen Rhfrk uNahe -au-, –ǫu-; sonst -ou-; Mosfrk -ǫ·u.- [WBitb -o·m.-], Demin. dę·i.mχən; Rip du·m.ə, –o-, Demin. dy·m.χə, –ø- (auch ohne Schärfung); NLRip, SNfrk du·m., -o-; Klevld dum [n. einschl. Hülm Goch Moyland Hasselt Warbeyen dym]; Pl. -mə, Demin. dymχə (-kə); Neuss, Düss, NBerg dū:m m.: 1. wie nhd. Man räumt ihm eine

[Bd. 1, Sp. 1290]
Vorderstellung ein u. sagt: Vier Fengere on de D. Beteuerungsformel: Dümmke, D , diep en de Erd; ek mag flamme of verdamme! Duisb. Wie alt bist du? Antw. scherzh.: Wie mengen D. Rip, Verbr. Heə zällt op sing Fingere, wie völl D-ən heə hat Aach. Der es de nächste (erschte) Fenger am (nom) D. Eif. Do es mer der D. in de Fauscht gefall ich merkte, wo es hinaus sollte Saarbr-Mainzw. Wenn men engen e Dümmchen get, welt heə glich de Hangk han Aach. De versteht (weit) et, der D. te drihe zu schmeicheln Eup; den D. drehe nichts tun Hunsr. Der D hät sich bewet bewegt, der Magen knurrt Waldbr-Eckenhg. Enem den D. däuen den Standpunkt klarmachen Kemp-Süchteln. Do söll mer sich de D afbisse! als Zeichen der Reue u. des Ärgers Erk-Körrenz. Fenger, leck D. (Dümmke)! abweisende Antwort; das ist eine begehrenswerte Sache, die ich aber nicht erreichen kann Nfrk, Köln. Den D. stehlen loten einhalten beim Nähen, Stricken Sol, Mörs. Enem den D. halen einem beistehen, damit sein Vorhaben gelingt, bes beim Spiel (scherzh. gesagt) Allg.; dem bruck mer kene D te halde er ist ein Säufer, zu vergleichen einem Kalbe, dem man den D. ins Maul hält, damit es saufen lernt Kref-Fischeln. He bet (biss) mej en Dümmken verspottete mich Rees, Geld. Dümmche deəht dich lache, Fingerche d. dich krische sagt man zu Kindern, wenn sie gefallen sind, u. hält zugleich den D. u. Zeigefinger hin Aach; sühste, min Dümmken, dann moste well lachen; häste ken Mäcksken (Brodende), dann moste wöll schmachten Rees-Ringenbg. — De kann de D. wegen (rühren) er hat Geld Allg.; den hät wat achter den D. Geld-Weeze; de hät Schum för den D. Mörs-Xanten; he hät Ketzel am Dümche Rheinb-Meckenh; de hät Stot för den D. Geld-Nieukerk; Futsch üvver der D mache Geld zählen Bergh-Hüchelhv. De hält der D. op de Büəl er ist geizig, bezahlt nicht Selfk, Allg.; de hält de D drop mag kein Geld ausgeben; auch eine Sache in seiner Gewalt behalten Allg.; he hält de D stif Geizhals, bezahlt nicht Rip, Nfrk; de hät de Gech (Gicht) em D. (Malör am D) kann nicht bezahlen Köln; Dümmke nat (nass) ohne Utspöies dass. Viersen. Tu D. strike bei Zahlung etwas dreinschiessen lassen Kemp-Weiden. Da sall ich den D. nit drop dortällen es wird nicht bezahlt werden Geld-Nieukerk. He hät niks, för en D. te schuven kein Geld Barm; enem der D. schuven ihn bestechen Schleid-Hellenth. Man macht die Gebärde des Geldzählens u. fragt: We dat net kann?, hält dann den D. zwischen Zeige- u. Mittelfinger: On dat net kann? Wat hät de net? Antw.: Kene D. — We Onglöck soll han, zerbricht der

[Bd. 1, Sp. 1291]
D. en de Westetäsch Düss. Steckt den D. in et Gatt on goht op de Fust sette! Mörs-Xanten. Weste enen Appel? Bejaht der Gefragte, dann: Stek de Kräih den D. in de Fott, dann kregste'n Appel on en Not (— on lott em schnappen, dann kregste'n N. on enen A.)! Mörs. Hüt leəwe wer ens got, moər steəke mer os der D. en de Mull, wann mer Flesch han wellen MGladb-Rheind. — Engen op en D. schloəh hart zusetzen Aach. Setz dich op minge D., do es noch kenne van gefalle! scherzh. Einladung für den, der keine Sitzgelegenheit findet Jül-Tetz, MülhRh, Simm-Laub. Jemes op de D. kike (sinn) scharf beobachten, etwa weil er stiehlt Kemp, Allg. Spott osen Herrgott net no de Ogen, dann schlehte dech net op de D ! Kemp, SPeter. Blos me op dat Dümmke! abschläg. Antw. Duisb. Dat es net esou vill, wei mer op den D. helt (holt) Merz. Der kann om D. fleuten (-ö-) dem geht es wohl gut Rip, NBerg. Op den (opem) D. drenken nur nippen NBerg. Om D. stricken mit Hilfe des D Kräuselungen stricken Gummb-Lauterb. Eim jet onger dat Dümmken steken verbergen, täuschen Sol; sech jet ongert Dümmken schlønn stehlen NBerg. Se mossen all onge sengem Dömmchen her kruchen sich ihm beugen Bergh-Heppend; de moss dem onner dem Dümmche her ihm in allem folgen Sieg Ägid. Sie loten sech su leit niks ongert Dümmken donn täuschen, verheimlichen NBerg; dem driehste niks ongerm Dümmche dorch Grevbr-Capellen; du spils mer nüs ongerm D. Bergh-Ahe; du konns (der) niks onger den D. däuen Kemp-Süchteln. Der Düvel woll der Pott usschere, woss net, wie he't Metz apack, schnett sich en der D., dat gof en fette Promm Dür-Abenden, Kemp-Dülken. Enen üver Leffel on D. barbieren Ahrw. Beim Schluchser wird geraten: Gapp dreimol över de D.; auch rät man, den D. quer zwischen die Zähne zu stecken Dür-Pier, MGladb-Rheydt. Jet us dem D. sugen wie nhd. Allg. Am D. lütschen wie nhd. Met dem D. dervan bliven Allg. — Im Kindersp. Dümmke pecken den Klicker mit untergelegtem D. schnellen MGladb-Rheind., — stoten Rees, — scheten Ess., — knipschen Gummb. Dat wor Dummkes mit dem D. dem Kl. einen Schub gegeben, was verboten ist Mörs. — Fingermärchen. Dat es der D., der riselt (schiddelt, schitt, brecht) de Praumen, der rifft (list) of, der dräht se hem, der Klen frisst se all allen Rhfrk, Mosfrk, SRip, NBerg. Dat es der D., der esst so ger de Praumen, der sät, wo holen, de sät, en Herrengarden, der sät, wart, eich weren em Herchen et san Merz-Becking. Deimchen, Preimchen, Langebam, Hippchen, Strippchen Saarbg-Weiten (mannigfache

[Bd. 1, Sp. 1292]
mosfrk Var.). — Deutung des Beierns. Menge D., menge Fenger, menge Elleboge, kriste meng Schwester, wiərschte menge Schwoger Rip (— wat de säs, dat es geloge oder der Luərschdorfer Mäd an de Mämm gesoge Ahrw). — Der D. dient als Mass. Su lang wie en (halven) D. Rip, Allg.; an der Mosel wird das Fass bis auf vier D. gefüllt, damit der Wein beim Gären nicht überläuft; das Fass (960 l) misst von dem Spundloch senkrecht 36 D.; 18 D. sind ein halbes Fuder oder ein Zulast; das Fuder enthält 6 Ohm; diese misst man wie folgt von unten nach oben : 9 D. die erste Ohm, 6 D. die zweite Ohm, 3 D. die dritte Ohm, wieder 3 D. die vierte Ohm, wieder 6 D. die fünfte Ohm, wieder 9 D. die sechste Ohm. — 2. übertr. a. der D. des Handschuhs; Schutzhülle für den verletzten D. Allg. — b. Zoll Nfrk. — c. et Dümchen am Pfluge, der dünne Fortsatz an der Spille des Streichbrettes Sieg-Scheiderhöhe, Grevbr-Priesterath. — d. der D. dient zur Befestigung der Büchsensäulen im Eisenhammerbau Siegld 1839. — e. D. ohne Nal scherzh. Penis Simm-Schlierschd. — f. e klen Dümmchen ein kleines Kind Sieg-Scheiderhöhe. — Dümmkes falscher Mensch Düss. — g. Dümche Zaunkönig Neuw-Unkel, Schleid-Scheven, Neuss-Dormag (dum). — h. Dümmcher Sternmiere, im Spr.: Bal es et Letmesse (Lichtmess), do let (legt) dat Höhnche, do kalf dat Köhche, do wangele (wandeln) de D. op de Erd usf. (s. Lichtmess) Grevbr. — i. Dümmke Nachtschlag der Kinder Kref-Lank.

daumen-breit Allg. Adj.: zollbreit. PfWB  ElsWB  LothWB Daumen-dick -məndek u. dumdek (s. S.); aber auch -m(ə)sdek Mosfrk u. auch SRip, Gummb: 1. Adj. wie nhd. D. schmere fingerdick aufstreichen Allg.; he hät et d. henger de Uhre setze Rip, Nfrk; en hot et d. op jem Herzen leien Spott über ungebührlichen Ausdruck des Schmerzes bei unbedeutendem Verluste Prüm-Mürlenb. — 2. Subst. a. Name des Daumens im Fingermärchen Daumendeck hat Ochse kot, Fingerling hat se hem gelet, Langemann hat se ofgedohn, Spesserling hat Woərscht gemach, Wibbelewippchen hat alles gefress Bitb-Bickend (mit Var. in WEif) [Dominik Prüm-Pronsf]. — b. Däumling im Kindermärchen Mosfrk, Simm. — c. kleiner, dicker Mensch Allg.; auch he ös e dummdeck Männche Monsch-Witzerath. — d. Dumdeckche Neuw-Dattenbg; Dummedeckche, Dommdeckelche Neuss-Dormag; Dummdeck Ahrw-Löhnd; Dummendeckelche Daun-Kirchw, Neuw-Leubsd: Zaunkönig. — e. Daumesdick Volksetym für Diener, domestique Saarbr-Sulzb. Daumen-dockchen Köln-Schwad n.: Zaunkönig. Daumen-dreck Barm, Elbf m.: Schmutz unter dem Nagel. Möller, M., Maler, de N. kostet en

[Bd. 1, Sp. 1293]
Daler, de N. k. en D., keahrt me met dem Besen weg beim Drehen der Kaffeemühle. NRhWB Daumen-dreher -drī:ər NRip, SNfrk, Elbf, Eup m.: Schmeichler, liebedienerischer Mensch, hinterlistiger Heuchler. — Einer, der etwas verheimlichen will Heinsb-Gangelt; einer, der an allem etwas auszusetzen hat, Rechtsverdreher Bergh. Daumen-dreisser dū·m.əndrītər Mettm-Haan m.: magerer Mensch. Daumen-eisen do·m.ī:zər Dür n.: scherzh. Geld. NRhWB Daumen-finger -mə- Kobl-Urmitz m.: Daumen, im Fingermärchen. Daumen-futte MGladb-Rheind f.: in der Scherzfrage: Wat es klender, wie e Honderföttche? Antw.: E Dummeföttche; Gegenantw.: Ne, et Küəttelche, wat drut kömmt. daumen-gross Kreuzn Adj.: winzig klein. PfWB Daumen-handschuh -hęnən (s. S.) Allg. m.: H., in denen der D. allein steht, alle übrigen Finger unter einer Hülle vereinigt sind, Wante, Fausthandschuh. Daumen-klemmer m.: Neckn. derer von Düss-Rating. Daumen-knabe Eusk-Lessenich m.: Zeigefinger, im Fingermärchen: Daumen, Daumeknabe, lange Rabe, Dillen fein, kleine Bimmesein (nhd.). PfWB daumen-lang Allg. Adj.: zollang. PfWB Daumen-latsch Erckörrenz m.: -lutscher. Daumen-leder Sieg-ODollend n.: L. zum Schutze des D. beim Anfassen der Ziegelsteine. NRhWB Daumen-lupper Bernk-Neumag m.: -lutscher. PfWB Daumen-lutscher -lut, –tər(t), –lytər (-ø-) (s. S.) Allg. m.: wie nhd. D., Bocksebrutscher! Schimpfruf bei Kindern Trier. Daumen-mann m.: 1. Daumen Rees-Praest. — 2. Zeigefinger Eup-Raeren. Daumen-melker Dinsl m.: der mit dem D. melkt. Daumen-muff dumof Klev-Goch m.: -handschuh. PfWB Daumen-nagel -mənăl Westerw m.: Teil der Sense, an dem beim Mähen der D. ruht. PfWB  LothWB Daumen-nickel dǫ·u.mənekəl u. -nekərt Bitb-Dudeld m.: D., im Fingermärchen : D. hot Ochse kof usf. Daumen-quetscher m.: Neckn. der von Düss-Rating. Daumen-samen -s:m NBerg m.: scherzh. Geld.