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Rheinisches Wörterbuch 
 
Buns bis Bunzel (Bd. 1, Sp. 1130 bis 1133)
 
  NRhWB  PfWB Buns bunts, –o-, Pl. -zə Goar, Kobl, Koch, May, Aden, Neuw, Westerw f.: 1. dicker, geschwollener Mund. En B. mache unfreundliches, mürrisches Gesicht; ech schlahn der gleich en of de B.; halt eier Bonsen! — Dickes Kinn Koch-Leienk, May-Collig. — 2. Kuss. auch bontsχən [bønts Aden-Bongard Herschb]. Der hät en verkiəhrt B. krig Ausschlag am Mund. — 3. vulva. — 4. e klen Büns-che Kosen. für kleines Kind Grevbr-Wickrathh Wevelinghv.

 NRhWB bunsen schw.: 1. küssen, in der Kinderspr. (s. o.) [-ø- Aden-Herschb; auch -ts- in Aden). — 2. coire Westerw.

Bunsert -o- Ottw m.: der kleinste Klicker.
 
 
Bunsch Trier-Euren f.: das Stück Brot, das man beim Aufschneiden zuerst erhält (veralt.). S. Pünsch.

[Bd. 1, Sp. 1131]

 
 Bunschel -o- Siegld f.: Bohne mit bunter Schale, zum Spiele benutzt.

bunscheln s. bunnicheln.
 
 
 NRhWB Bunsel, Bünsel n.: 1. -ø·n.z- Bündel, bes. ein B. Kleinstroh, Heu Malm, Schleid, Dür, Mörs-Orsoy, Klev, Rees; in der WEif neben dem häufigeren -unts- auch -u·n.z-, letzteres auch in Kreuzn-Roth (-o-), in Waldbr-Schladern -y·n.z-.2. -u·n.z- neben -nts-, meist Pl. -ələ Kotklümpchen von Tieren (Ziege, Schaf, Reh, Pferd) WEif. RA.: En trollt dorom wie en B. on de Bach der Betrunkene Trier. — 3. -u·n.z- kleine Quaste an Kleidern udgl. Wittl-Binsf; zwei, drei, vier Haselnüsse an einem Stiel Kreuzn-Roth; Tannenzapfen Altk-Horhsn (-o-).4. -o·n.z- kleiner, schiefer, eingekerbter Klicker Eup-Raeren. — 5. persönl. m. a. -ø·n.z- kleiner, halbwüchsiger Junge, Knirps NBerg, Gummb, Waldbr, Mörs-Orsoy; Taugenichts Gummb-Berghsn; dat Bünselche kleines, armseliges Kind Bergh-Elsd; kleines, niedliches Mädchen Erk-Körrenz, MGladb-Rheind (-u-).b. -o·n.z-, Demin. bø·n.zəlχə Kind, das eben gehen kann MülhRh, Sol, Wermelsk, Köln (-u-), Düss (-u-), Barm (-ø-).c. -uns- Junge, der gern mit Mädchen spielt Kreuzn-Ippenschd. — d. -o·n.z- dicke, watschelnde Frau Eup-Raeren.

Bunsel-mann bo- Sol m.: Kosen. für Kind, das eben gehen kann.

 NRhWB bunseln I schw.: 1. pø·n.zələ ein Bündel tragen Schleid-Reifferschd. — 2. -u·n.z- seinen Kot machen WEif; doch mehr -nts-.3. gehen, von einem eben gehenden kleinen Kind; auch vom Erwachsenen, stetig dahin gehen Sol. S. buseln.

be- bunseln bəpø·n.zələ Schleid-Hellenth: einen, sich b., mit Gepäck belasten.
 
 
bunseln II -unz- Klev-Calcar schw.: von Erd- oder Baumfrüchten den Dreck oder die Schale entfernen.
 
 
 NRhWB bunt Rhfrk -u-; sonst -o-; im rip., südfrk. Mouillierungsgeb. -oŋk, flekt. -ŋktə [weitere Formen im Nfrk s. Bund]; Klevld bōnt: 1. Adj. a. wie nhd., verschiedenfarbig; verstärkt burembongk Kemp. Su b. wie en Elster Rip, Nfrk, — en Fimelter (Feuersalamander) NBerg, — en Fifolder (Schmetterling) Sieg-Sieglar, — en Koh Grevbr, — ene Kermeshond Eup-Kettenis, — en Burekirmes Rip, NBerg, — as de Lieberhüser Kerke Gummb. En b.ə Klür (Farbe) Rip. B. make Triumphbogen für die Fronleichnamsprozession errichten; die Leiche eines Kindes, eines Jünglings oder einer Jungfrau schmücken, wozu sich junge Mädchen vereinigen Heinsb-Lümb. Et wüərd mer b. för den Ugen Remschd. Mol der jet, da kriste och jet B.əs! Abweisung Agger. B.ə Lappen färven b. Düss-Benr. — Im bes. bunte Kleider. Van bovem (buten) b., van onder (bönnen) Stront! Nfrk, Allg. En b.ə Kermes

[Bd. 1, Sp. 1132]
recht b. Zeug, z. B. b. Kopftuch Rip. Du bes ene b.ə Nommedag zu b. gekleidet Aach-Steinfurt. En b. geblömt, b. gedrock, b. karriert Kledche Rip, Allg. B.ə Schuhn bei denen der Oberteil aus Stramin ist Sol. Op et b.ə Kösse setten bei der Kindtauffeierlichkeit im Hause Kompiər u. Kompiəsche sein Nfrk. — Tiere. Me schännd gen Koh b., of se hat e Fleckelchen Eup; dor het gen K. b., of se hät en Fleck (Pläckske) Nfrk; mer mat ken K. b., of se hät och Flecke Dür. Et get mih wie en b.ə K. (et gewe mehr b.ə K.) Rip, Nfrk. — Vielfach im Kinderlied. Heija, Kingkche, schlof, de Vatter höt de Schof, de Motter höt de b.ə K. usf. Rip. Söt Melkske sall et drenke, wahl van de b.ə K. usf. Nfrk. Moər es Sonndag, do riə mer no der Müəle, Köster op et Füəle, Pastuər op die b.ə K., so riə mer der Müəle tou MGladb. — En Ester verwitt de anger, dat se b. ös Kemp-SPeter. Wenn men en E. ütschick, dann krig me en b.ə Vogel wer Meiderich; schickt öm en E. ut, dann krit öm ene b. V. no Hus Nfrk, NRip. Su bekannt, wie ne b.ə Hongk Rip, Nfrk. B.ər Schneirer Salamander Siegld-Gossf; bontiger Schneider Ahrw. — Verschiedenes. B. Got buntes Gut, Weizen u. Roggen zusammen auf einen Acker gesät Heinsb; b.ə Zoppe Schnippelbohnen, mit den Kernen zusammengekocht Sol; b. For (Futter) Mischfutter Kempld; b.ə Bröck Brot mit Quark u. Syrup bestrichen Bergh-Hüchelhv; b. Kor Bandgras, Zierpflanze, zum Krautwisch, auch b. Lingk (Lind) genannt Bergh; b.ə Poschblom Lungenkraut, pulmonaria offic. MGladb-Kleinenbr. En b.ə Reih mache Männer u. Frauen durcheinander sitzend Allg. — b. wüst, zu toll, durcheinander, in Wend. Dat ös mer doch ze b.; do geng et b. her; e drif et (ze) b.; he mat et ze b.; he wirf alles b. durchenander; do geht (löp) et b. doren tolle Haushaltung Rip, Allg., — heröm Elbf. Su b. durein äs Krut on Röben NBerg, Allg. Nit te b. ansette so wüst spielen Klev. De hat et b. lige losse hat sich toll benommen Geilk-Ueb, Sol, Aach. Schleit plögen on b. ligen loten sorglos pflügen Sol. Dat (do) let krus un b. dorchen NBerg, Ruhr. Rong un b. um u. um Waldbr. B. voll ganz voll Kemp-Süchteln. Fliegen de Schwälve över de Grond, dann geft et well Regen b. Klev. — 2. Subst. a. dat Bongkte Wäsche ausser Weisszeug (de b.ə Wäsch) Rip. — b. Bönk, Pl. -kə, Demin. -kχə Monsch, Grevbr; Bönkt Eup-Raeren; Bünt Rees-Haldern: Rufname für b. Rind. Mer hesch gen Kuh Bönk, of se hät Flecke Grevbr-Osterath, Kemp-SPeter. — c. Böŋkske bunter Klicker Erk, Bergh-Balkhsn.

ver-bunt fərbont Prüm-Ihren Mürlenb Adj.: in wirrem, wildem Durcheinander; in

[Bd. 1, Sp. 1133]
ungehöriger, rauher Weise, übertrieben, zu toll. Et geht v. zu; et os mir zu v.

Bunt-au buntau Berg f.: Name für eine bunte Kuh. Bunt-fink Mörs-Schaephuys m.: Finkenart. Bunt-kopf boŋkǫp Monsch m.: Kuhname. NRhWB Bunt-lewe buntəlēwə Gummb-Marienheide f.: dass. Bunt-moll bundəmul Siegld m.: Salamander. bunt-scheckig Rhfrk Adj.: wie nhd. Bunt-schelm bøntę·l.m Schleid-Hellenth m.: Dieb erster Güte.

buntig Rhfrk, Mosfrk (Kobl, May, Altk, Neuw, Siegld), Rip, Berg [-y- Gummb-Faulmert] Adj.: bunt 1 a, b. Me krigen et b. gemach hübsches Wandmuster vom Tüncher Ahr. Enem de b.ə Koh weisen ein Kind am Kopf in die Höhe halten Altk-Wissen. De b.ə Schnegger (Schneider) Salamander.

bünteln s. bündeln.

bunter, bunten = unter, unten (s. d.) in gleicher Verbr. u. Anwendung wie boben (s. d.).
 
 
 NRhWB Bunz bonts WMosfrk: 1. in der Wend.: Bonz onne (-enne), Bonz owen fallen, flegen Hals über Kopf fallen. Do geng et B. enne, B. owen war eine tolle Rauferei; verschwenderische, tolle Wirtschaft; en dem Korf wor alles B. enne, B. owen; en hot en B. enne, B. owen de Dräpp eronnergeschmöss. — Gedeutet volksetymol. durch ein Dahnener (Prüm) Schildbürgerstückchen: Die D. waren in Verlegenheit, wie sie den schweren Mühlstein zur neuen Mühle im Ourtale den jähen Berg hinabschaffen sollten; ein Gemeinderatsmitglied, namens Bonz, erklärte, der Stein sei ja rund u. werde von selbst laufen, es bedürfe nur eines tüchtigen Mannes, ihn aufrecht u. in gehöriger Richtung zu halten; B. wird mit der Führung betraut; er steckt durch die Öffnung in des Steines Mitte Kopf u. Hals; nun beginnt dle tolle Fahrt bergab, bei der dem B. der Kopf abgequetscht wird; die enttäuschten D. äber riefen: B. önnen, B. owen, B. hat de Kopp verloren! — In Koch Benz inne, B. owe; in Bitb-Rittersd Bunzel inne, B. uawen; Bickend Bolz inne, B. oəwen.2. ganz kleines Kind Wend-Marping; kleiner Mensch Merz-Losh; kleines Mädchen Merz-Nunk. — 3. der allerkleinste Klicker, auch Benzche Ottw-Heiligenwald. S. auch Buns.

 NRhWB Bunzel -u-, –o-, Pl. -ələ [Bitb-Betting bøntsəl; Bitb-Rittersd -i-] f. [m. Bitb-Rittersd; n. Bitb-Wiersd]: 1. eine zusammengehaltene, verworrene Masse, bes. ein Gebund, Bürde Heu, Gras, Flachs (bes. das beim Hecheln abfallende Groft u. Leiwerk), Abfallstroh, zu rundlichen Ballen gebunden; en B. Gar Garn; en B. Lumpen, Kleidungsstücke Bitb, Prüm, Malm. — 2. sachl. Besonderh. a. Kotklümpchen von Ziegen, Schafen, Hasen, Rehen, Pferden (Gesse-, Schofs-, Perdsbunzeln) [May-Hatzenp unterscheidet Bunzele nur von Pferden, Kneddele

[Bd. 1, Sp. 1134]
nur von Ziegen, Schafen, Fläddere vom Rindvieh]; auch Kühe mache B.ə, wenn sie ganz trocken misten Rhfrk, Mosfrk, Ahrw-Remag. Was haben wir gekocht? Antw.: Drei B.ə Kreuzn-Münchwald, ruh B.ə un Röbstill Prüm (o. O.). — Kotklümpchen, die im Urin des Nachttopfes schwimmen Kobl-Kaltenengers. — Rätsel. Fett Döppche, fett Zöppche, fett Bünzelche dren (Öllämpchen) ebd. — b. -y- m. Hügel Sieg-Fussh. — c. kleinste Früchte ihrer Art, bes. Kartoffeln, Äpfel Verbr. wie 2 a; eine ganz kleine Bohne Koch-Leienk. — d. en Bonzelche ein kleines Stückchen von etwas Birkf. — e. en B. zusammengewachsene Haselnüsse Kreuzn-Seibersb, Saarbg-Greimerath, Trier-Schilling. — f. kleinster Klicker Simm, Birkf, Trier, Daun. — g. -u- gedrehte Locke May. — h. vulva Neuw-Datzeroth. S. Buns. — i. kle Bünzelche kleiner Finger (im Fingermärchen) Prüm-Stadtkyll. — k. de B. scheiwen Purzelbaum schlagen, auch sich zu zweien umschlungen hinabkollern Bitb-Rittersd, — ln Altk-Herdorf. — Et gung B. inne, B. uawen kopfunter, kopfüber Bitb. S. Bunz. — 3. persönl. scherzh. kleines, dickes Mädchen Eif. Simm-Laub, Kobl-Kaltenengers; unsauberes Weib Merz-Saarhölzb. — Bitb-Betting unterscheidet davon e Böntel Kleder (nicht Bonzel).