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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Stütze bis Stutzen-bock (Bd. 6, Sp. 791 bis 794)
 
   Stütze f.:
1.
a. 'Holzstange zum Abstützen', z. B. für einen fruchtbeladenen Ast, eine Zimmerdecke, ein Wäscheseil, Stitz (dids) [mancherorts, Karch Gimmdg/Muttstdt 52 Schmitt Billh. 110]; Pl. Stitze (didsə) [vereinzelt]; vgl. PfWB Steipe 1, PfWB Strebe 1; Zs.: PfWB Baum-, PfWB Brunnen-, PfWB Obst-, PfWB Ofenstütze. An de Stitze loßt mer owwe e Gawwel stihn [ KU-Schmittw/O]. Än Planz soll ich mit Stitze stitze [Kraus Arwed 24]. RA.: Stitzelcher (Dim. Pl.) unner die Aagedeckel stelle, sagt man, wenn vor Müdigkeit die Augen zufallen [ NW-Wachh]. Er hat Äinser met Stitze 'die Note Vier in römischen Ziffern: IV', iron. in der Schülerspr. um 1900 - 1930 [ WD-Niedkch Kaislt LU-Böhl Friesh]. De Kopp leiht in de Stitze, wenn man sich mit den Armen aufstützt und den Kopf darauflegt [ HB-Kirrbg]. Wer e Hinnere hat, findt a e St. [Zweibr]. SprW.: Mer muß in de Juchend de Stecke zu re St. im Alder schneire [ BZ-Dierb]. —
b. 'Stelze', als Kinderspielzeug; uf Stitze laafe [ KU-Mühlb ZW-Bechhf Dietriching Marthh Riedbg RO-Hochst PS-Herschbg]; vgl. PfWB Stelze 1, PfWB Stützel.
c. 'Holzstab, mit dem Kinder auf dem Eis den Schlitten antreiben' [Bertram § 304]; vgl. PfWB Stachel 4; Zs.: PfWB Eisstütze. —
d. 'Stützvorrichtung an Heuwagen, Schubkarre, Pflug' [ KU-Bledb KB-Mauchh NW-Frankeck]; Zs.: PfWB Deichsel-, Galgen-, PfWB Leiter-, PfWB Leuchsen-, Reh-, PfWB Riesterstütze(n). —
2.
a. 'ein kannenähnliches Gefäß mit Handgriff und Ausgießer', meist bei der Kellerarbeit benutzt für Wein, Branntwein, Wasser; ältere aus Holz mit Metallreifen, neuere aus Kupfer oder Aluminium; s. Abb. 97; faßt in der Regel zwischen 10 und 15 Liter [allg., Klein Prov. 180 PfId. 137 PfRSch. 9. 9. 1926 Schandein Bav. IV,2 399 Schandein Sprachsch. 70 Schmitt Billh. 109, 182 Thielen 107 Lambert Penns 144 Krämer Gal 211]; Dim. Stitzche (didsχə) [ KB-Orb]; genauere Maßangaben in Liter: 2 [ LU-Dannstdt], 3-5 [ KL-Steinwd], 5 [ GH-Rh'zab], 6 [ LU-Opp], 8 [ BZ-Dernb], 10 [verbr.], 12 [ NW-Hardbg Wachh BZ-Dernb], 15 [ZW-L'wied KL-Fischb H'spey BZ-Dernb Schmitt Billh. 109], 20 [FR-Bockh Feierowend 10/1958], 25 [ LA-Herxh BZ-Nd'ottb GH-Schwegh]; Zs.: PfWB Bier-, PfWB Kohlen-, PfWB Korb-, PfWB Küfer-, PfWB Wasser-, PfWB Weinstütze; e St. voll Grumbeere [ KL-Siegb], die Schnut an die Stütz zu hänge [JKurpf. 1927 75]. Hol mol e St. Wasser! [Krämer Gal 211]. Liewer drei Stitze voll Hausdrunk als noch emool ää Maul voll vun dem do! [PfRSch. 27. 1. 1927]. RA.: e St. Kaffee getrunk 'viel Kaffee getrunken' [ KL-Olsbr]. Der säift e St. voll

[Bd. 6, Sp. 792]

[ BZ-Dernb]. Der kann e St. vertrage 'ist ein guter Trinker' [Wilde 263, vereinzelt]. a. 1596: 2 Newer Stützen Jeder 4 maß haltent [WerschwSchR Bl. 611]. —
b. 'gleichmäßig weites Steingutgefäß zum Einmachen von Gurken, Bohnen, Kraut, Obst' [ RO-Imsw FR-Carlsbg Tiefth]; vgl. PfWB Ständer. —
c. 'ein Rükkentragegefäß' [ KL-Erfb Reichb], in der Essigsiederei verwendet [ KL-Erfb]. —
d. 'ein kleiner irdener Topf' [ KU-Nußb Reipkch]. —
e. 'ein Gefäß zur Käsebereitung, das die Molke ablaufen läßt' [ PS-Ruhbk]. —
f. 'ein Krug, aus dem man trinkt' [ RO-Gehrw Nd'mosch LU-Dannstdt]. —
g. 'eine große, bauchige Kaffeetasse', meist im nahen Elsaß gekauft [ PS-Petbch]. —
h. 'die Wasserspritze' [ BZ-Dernb]; vgl. PfWB Stritze 1 a. —
3. 'röhrenförmiger Männerhut', Stitz [Lambert Penns 144]; vgl. PfWB Halbstutz, PfWB Stoß 6, PfWB Stützenhut. Die draagt dir 'n sonderbarer Hut / Des war en rechter Stitz [Birmelin Penns Poems 120]. —
4. übertr.
a. 'moralische Ünterstützung, Beistand'; e St. an seine Kinn han [ KU-Kaulb KL-Hirschhn]. Awwer an meime alde Großvadder hab ich trotzdem noch e St. g'hat [ LA-Gommh]. An de Gemēneschöfferät horrer an dr Regel gar ke Stütz an dem Betreff [Westrich (PfId. 182)]. —
b. 'ein Dienstmädchen, Haushaltshilfe' [KU-Bedb ZW-Battw RO-Dielkch KB-Kriegsf LU-Oggh Opp NW-Deidh LA-Gommh Land GH-Kand]. Die geht fort als St. [ LA-Gommh]. — Zu Bed. 2 vgl. mhd. stutze 'Gefäß von Böttcherarbeit' ( Lexer Lexer II 1282). — RhWB Rhein. VIII 967/68; ElsWB Els. II 621.
 
  
Stutzel m.:
1. 'Schnurrbart nach englischer Art', Stutzel [ NW-Lambr Neidfs]; vgl. PfWB Schnurrbart

[Bd. 6, Sp. 793]
1 a. —
2. 'Zigarettenstummel' [ Gal-Josbg]. — RhWB Rhein. VIII 968.
 
  
Stützel Gen.?: 'Stelze als Kinderspielzeug'; Stitzel laafe [ FR-A'lein]; vgl. PfWB Stelze 1, PfWB Stickel1 1, PfWB Stütze 1 b, PfWB Stützelbein 2. RhWB Rhein. VIII 968.
 
  
Stützel-bein n.:
1.
a. 'verkürztes Bein, Holzbein, Prothese', Stitzelbään, -bee, -been s. PfWB Bein (didsəl-) [LU-Altr Limbghf Opp NW-Elmst Geinsh Kallstdt Wachh LA-Impfl]; vgl. PfWB Schnärrbein, PfWB Stützenbein. —
b. 'Mensch mit verkürztem Bein' [ LU-Alsh/Gr]. —
2. 'Stelze als Kinderspielzeug' [ LA-Arzh]; vgl. PfWB Stützel. — RhWB Rhein. VIII 968. — -fuß m.:
1. 'verkürztes Bein, Holzbein, Prothese', -fuß [KL-Hütschhs KB-Kriegsf LU-Böhl Limbghf NW-Frankeck Freinsh Kallstdt Wachh LA-Wollmh, Klein Prov. 179]. —
2.
a. 'Mensch mit verkürztem Bein' [ LU-Friesh]. —
b. 'eine Geistergestalt' [ LU-Oggh]. Der Stitzelfuß geht um [Feierowend 8/1956 Nr. 7/1956 S. 2 (LU-Oggh)]. —
3. 'Stelze als Kinderspielzeug'; St. laafe [RO-Sippf NW-Frankeck Rödh]. — RhWB Rhein. VIII 968.
 
  
stutzeln, stützelnschw.:
1.
a. 'hinken, ein Bein nachziehen', stitzele (didsələ) [ LU-Friesh], stutzele (dudsələ) [ LU-Edigh]. —
b. 'stottern, lispeln, mit der Zunge anstoßen' [ LU-Alsh Maud Neuhf LA-Gommh]. Waß deht ich mim Bäcker seim Lottche? / Sie schdutzeld unn hott e schääl Aag [Kunnrädel 82]. —
2. 'mit Stelzen laufen', stitz(e)le [ NW-Gönnh LA-Burrw]. — RhWB Rhein. VIII 968.
 
  
Stutzen m.:
1. 'ein kurzes Gewehr', Stutze [ NW-Hardbg]. —
2. 'das untere, dicke Ende einer Getreidegarbe' [ RO-Lettw Neustdt GH-O'lustdt]. —
3. 'ein Weinglas' [ Don-Schowe Torscha]. —
4. 'Spielklicker', bes. im Klickerspiel Bull 1 a, PfWB Bullenspiel [ LU-Neuhf]; Syn. s. PfWB Schießklicker. —
5. 'ein kleiner Kerl' [ Gal-Josbg]; Syn. s. PfWB Zwerg. — RhWB Rhein. VIII 968/69.
 
  
stutzen schw.:
1. 'etwas kürzen, kürzer schneiden', stutze (dudsə) [verbr., Albrecht 123 Krämer Gal 211]; Zs.: PfWB ab-, PfWB zustutzen; e englisch gestutzte Bart [ LU-Neuhf]; de Bart (die Hoor) st. losse [ ZW-Gr'bundb]; de Schnorres gestutzt [Kraus Naube 56]; dem Gaul de Schwanz (die Mähn) st. [mancherorts]; die Bääm ('s Holz) st. 'Bäume, Sträucher zurückschneiden' [verbr.]; Laab st. 'im Weinberg Laub schneiden, Geiztriebe entfernen' [ LA-Rhodt BZ-Heuchh Pleisw/O'hf]; vgl. WKW 72; Syn. s. PfWB geizen. De Rattefänger (Hund) krieht die Ohre gestutzt [ KU-Schmittw/O LU-Altr]. Weil er zu keem Balwierer geht, / Wo em de Vollbart stutze dät [Münch Werke I 72]. RA.: die Hoor (de Bart, Schwanz un Ohre) st. 'zurechtweisen, tadeln' [ PS-Rodalb Pirmas FR-Bockh LU-Altr NW-Weish/S]; die Ohre st. 'verhauen' [ FR-Heßh]. Dem gehere die Fliechel gestutzt 'Man sollte ihn zurechtweisen' [vereinzelt, Bernhard 158 Kamm 80]. Die hot e Zung, die gehert gestutzt 'Sie redet zuviel' [ LU-Neuhf]. Der esch vumme Schneirer gestutzt 'ist verrückt' [ GH-Zeisk]. Volksgl.: Den Mädchen soll

[Bd. 6, Sp. 794]
man bei abnehmendem Monde die Haare st. [ NW-Frankeck]. —
2.
a. 'an-, zusammenstoßen', bes. vom Bock, der mit den Hörnern stößt [mancherorts VPf vereinzelt übrige Pf Mang 108 Wilde Tiere I 20 Krämer Gal 211]; Zs.: PfWB anstutzen; met de Stern 'Stirne' st. [ KU-Schmittw/O]. De Bock stutzt 'stößt mit den Hörnern' [NW-Dürkh, Schandein Sprachsch. 70]. RA.: Ich gläb, du bischt gestutzt 'verrückt' [ BZ-Dernb]. Volksbr.: zu Ostern werden hartgekochte Eier mit der Spitze aneinandergestoßen [Stoll 56, 221]. Kinderspiel: Stutze - stutze - Hammele!, dabei stößt man mit der Stirn aneinander [ KU-Bedb, Schmittw/O]. Beim Klickerspiel: das Zusammenstoßen der Kugeln [ LU-Neuhf]; unerlaubt mit der Hand nach dem Ziel stoßen [ FR-Grünstdt]; vgl. PfWB Klickerchens. —
b. 'an den Stutzstein gestoßen werden', als Zeichen der Aufnahme in die Bürgerschaft von Weisenheim am Berg, stutze [NW-Weish/B Schandein Bav. IV,2 398/99 Stoll 76]; vgl. PfWB Martini, PfWB Stutzmänner; s. O. Gödel: Mit dem Stutzen das Bürgerrecht erwerben. In: PfRh. 4/1990 20. —
3. 'mit der Zunge beim Sprechen anstoßen, lispeln' [ LA-Nd'hochstdt GH-Schwegh]. —
4. 'geschlechtlich verkehren' [ BZ-Dernb]. Er hot sie gestutzt 'begattet' [ BZ-Dernb]. —
5. 'staunen, zögern, verblüfft sein' [NW-Hardbg Haßl Spey Lambert Penns 146]. —
6. weitere Zs.: PfWB herstutzen. — RhWB Rhein. VIII 965/66; LothWB Lothr. 511; ElsWB Els. II 621.
 
  
stützen schw.: 'einen Halt geben', stitze (didsə) [verbr., Castleman Zwbr. 28 Christmann Kaulb 22 Mang 112 Müller Dietschw 62 Lambert Penns 144 Krämer Gal 211 Albrecht 121]; Zs.: PfWB ab-, PfWB auf-, PfWB unterstützen; Syn. s. PfWB abstreben; sich st. 'anlehnen, abstützen mit Armen, Stock usw.' [ BZ-Dernb]. Die Ärm st. [ BZ-Stein]. Sie hot de Orem in die Seit gestitzt [ KU-Schmittw/O]. Sie schtützt sich uf de Barebleh 'Schirm' [Sommer Humor 39]. Doch vorerscht stitz ich mich e bissel [Münch Werke I 157]. Jetzt schtitzt sich uff sei Hack de Diether [Räder Bitzler 36]. RA.: Mir stitze unser Staat 'unterstützen' [Kraus Arwed 9]. RhWB Rhein. VIII 968; ElsWB Els. II 621.
 
  
Stützen-bein n.:
1. 'künstliches Bein, Prothese', Stitzebään [ LU-Alsh]; vgl. PfWB Schnärrbein, PfWB Stützelbein. —
2. 'Sehnenverzerrung beim Pferd' [ LU-Alsh].
 
  
Stutzen-bock m., -böckelns n.: 'Stirn an Stirn stoßen', ein Kinderspiel, Stutzebock (dudsəbog) [KU-Kaulb Lohnw Schmittw/O Kaislt Frankth NW-Geinsh Haßl Lambr Spey LA-Venn BZ-Dernb Glückstein 76 Kühn Hamet 112, 137 Mang 108 Schmitt Billh. 122 Thielen 109], -beckels [LA-Venn Land], -beckeles [ LA-Böching], -böckelchers [Kühn Hamet 137]; vgl. PfWB Hammel 1 a; St. mache [KU-Lohnw Land]. Hammle, Hammle, Stutzeböckche! [Kiefer 18, Frankth NW-Geinsh]. Lamm, lamm, lamm - St. [ BZ-Dernb]. Kumm, mer machen emol St. [Kaislt]. Der wu als Stutzebockels

[Bd. 6, Sp. 795]
macht [Hartmann Kinnerspr. 27]. Jetz schbiel ich mit'm St. [Glückstein 76]. ElsWB Els. II 29 Stuzbock.