Wörterbuchnetz
Pfälzisches Wörterbuch 
 
Stifter bis still-heimlich (Bd. 6, Sp. 589 bis 591)
 
Stifter
Stift-rebe, f.
Stifts-wald, m.
Stift-zahn, m.
stikem, Adj.
Stil, m.
still, Adj.
still-betucht, Adj.
stillen, schw.
still-halten, st.
still-heimlich, Adj.
stillingen, Adv.
Still-messe, f.
Still-pfad
still-schweigen, st.
still-schweigend, Adv.
still-schweigends, Adv.
Still-stand, m.
still-stehen, st.
still-vergnügt, Adj.
Stimme, f.
stimmeln
stimmen, schw.
Stimm-gabel, f.
stimmig, Adj.
Stimm-sack, m.
Stimmung, f.
Stimmungs-kanone, f.
stimpelieren
stingel
Stinkadores, m.
Stinkadori, m.
Stinkadoria, m.
Stink-arsch, m.
Stink-bauer, m.
Stink-beere, f.
Stink-bein, n.
Stink-beutel, m.
Stink-blume, f.
Stink-boben, m.
Stink-bock, m.
Stinken-, m.
Stink-bombe, f.
Stink-brunnen, m.
Stink-bude, f.
Stink-burger, m.
Stink-busch, m.
Stinkchens, n.
Stink-eber, m.
stinken, st.
Stinken-tal, n.
Stinker, m.
Stinkerin, f.
Stinker-sack, m.
Stinkert, m.
Stinkert-sack, m.
stink-faul, Adj.
Stink-fleisch, n.
Stink-fuß, m.
stink-füßig, Adj.
Stink-graben, m.
Stink-gras, n.
Stink-hafen, m.
Stink-hahn, m.
Stink-hals, m.
Stink-hammel, m.
Stink-hase, m.
Stink-hütte, f.
stinkig, Adj.
Stinkig-olig, n.
Stink-jude, m.
Stink-käfer, m.
Stink-käse, m.
Stink-knopf, m.
stink-leidig, Adj.
Stink-liesel, f.
Stink-luft, f.
Stink-marder, m.
stink-mäßig, Adj.
Stink-maul, n.
Stink-ohr, n.
Stink-öl, n.
Stink-olig, n.
Stink-pfaffe, m.
Stink-preuße, m.
Stink-putsch, m.
Stink-rose, f.
Stink-sack, m.
Stink-sau, f.
Stink-stiefel, m.
Stink-tier, n.
Stink-veiole, f.
Stink-vogel, m.
Stink-wanze, f.
Stink-zeug, n.
Stinkzeug-sack, m.
stipp
Stippe, f. m.
Stippen, f. m.
Stippel
  Stifter in An-, Brand-, Friedens-, Händel-, Heirats-, PfWB Streitstifter(in).
 
  
Stift-rebe f.: 'eine Blindrebe ohne Kopf', Stifträb (difdrb) [ KB-Zell]; vgl. PfWB Stift 1 a.
 
 
Stifts-wald m.: FlN, amtl. Stiftswald [Kaislt (Zink FlN 96), KL-Rodb], ehemaliger Besitz des Prämonstratenserklosters [Zink Kaislt 161].
 
  
Stift-zahn m.: 'mit einem Metallstift im Kiefer befestigter Zahn', Stiftzahn, -zohn [vereinzelt]; sich e St. einsetze losse [ PS-Erfw].
 
  
stikem Adj.: 'still, schweigend', gebräuchlich bes. unter Viehhändlern, Metzgern, Juden, stiegum (dīgum) [IB-Ommh, Thielen 107], stiegem (dīgəm) [KU-A'glan Diedk Eschau RO-Semb Kaislt SOPf FR-Carlsbg NW-Wachh SP-Harths LA-Ilbh, Kluge Rotw. 439 Rapp Schum 252 Schäfer Lotegorisch 57], stiech [ GH-N'potz], stiechum [ GH-N'potz], stiechem [Pirmas (Kieffer 67)]. Der hat sich st. verdrickt 'hat sich heimlich zurückgezogen' [ IB-Ommh]. Stigem! 'Schweig! Verrate nichts!' [ RO-Semb, vereinzelt]. Schdiegem! Die Koodem dormen! 'Ruhe! Die Kinder schlafen!' [Schäfer Lotegorisch 57]. Des Zeichs muscht bloß so stiechem aus de Leit rauskriwwele [W. Gutting in: Feierowend 16/1966]. RA.: Schdigem, sat de Judd [Pirmas (Rapp Schum 252)]. SprW.: St. is kochem! 'Schweigen ist klug!' [Kaislt, judendeutsch]. — Zu jidd. schtiko 'Stillschweigen' (Wolf 5167). — RhWB Rhein. VIII 678/79 stiekem, stiekum; ElsWB Els. II 573 stichem; Frankf. V 3049; Post Jüd. 251.
 
  
Stil m.: 'Art und Weise', Stil (dīl), kein Wort der Mda. Viel Brief geschribb vum selwe Stil [Münch Werke II 119]. RA.: Er macht im alde Stil weirer 'Er bleibt bei den alten Methoden, ist altmodisch' [ LU-Opp].
 
  
still Adj.:
1. 'schweigend, lautlos, ruhig', still (dil) [allg., Christmann Kaulb 14, 77, 88 Henn Mda.-Int. 281 Karch Gimmdg/Muttstdt 37 Mang 97 Müller Dietschw 62 Schneckenburger 23, 51 Lambert Penns 143 Krämer Gal 207]; Dim. stillche [Jakob Hw. 31]; zum Dim. Suffix s. PfWB hellchen; Zs.: PfWB bums-, PfWB toten-, PfWB mause-, PfWB mucksmäuschenstill. In de Neijohrschnaacht war's st. [ KL-Reichb]. Sei bloß st.! [Bergz (Kamm 95)]. Sei schtill, Märe, daß mer's net damisch werd! [Müller Lottche 6]. Ufeemool iss'r soo stillche nausg'schlich [Jakob Hw. 31]. RA.: still un stumm 'ohne zu sprechen' [ KU-Schmittw/O]; st. begrawe 'ohne Gesang und Trauerreden beerdigen', vom Selbstmörder [ KU-Schmittw/O]. Er esch än stiller Lump 'ein heimlicher Säufer' [ LA-Nd'hochstdt]. SprW.: Die Stille un die Stade (Stare) (bairisch stad 'still, leise'), die mache de greschte Schade [Steinmetz, vereinzelt Don Gal]; vgl. PfWB Staden 2, PfWB Star1 1. Var.: Die Stille un die Stare, das sin die Wahre [Kaislt KB-Bischh]. Im kirchlichen Leben: stiller Samschdaag 'Karsamstag' [ KB-Gauh]; die stille Woch 'Karwoche' [ LU-Opp SP-Heiligst]; e still (stilli) Mess'

[Bd. 6, Sp. 590]
[ KU-Brück NW-Frankeck GH-Kand]; vgl. PfWB Stillmesse. Aus der Bergmannsprache: stille Wetter 'Giftgasansammlungen im Bergwerk, die nicht explodieren' [ ZW-Gr'bundb]. BR.: So lang die Lerch vor Lichtmeß singt, so lang schweigt se hernoch st. [ KB-Bennhs]. —
2. 'unbewegt, starr'; e stilli Luft [ GH-Nd'lustdt]; e still Liftche [ KU-Hefw]. Die Luft es st., 's reet sich kan Bläädche [ FR-Bockh, mancherorts]. RA.: Dem steht's Maul net st. de ganze Dag 'Er ist ein Schwätzer' [ GH-Zeisk, RO-Schweisw]. — RhWB Rhein. VIII 691 ff.; LothWB Lothr. 499; ElsWB Els. II 591.
 
 
still-betucht Adj.: 'besonnen, langsam'. »Stillbeducht« wird begonnen [Schandein Bav. IV,2 225]. — Zu jidd. betuach 'sicher, vertrauenswert' (Wolf 440). — Pfälz. I 768/71, Kluge-Seebold22 80, Post Jüd. 187 betucht.
 
  
stillen schw.:
1. 'etwas zum Stillstand bringen, in der Bewegung hemmen', stille (dilə) [verbr., Lambert Penns 143]; das Blut st. [verbr.]. De Dokder hotter (hat ihr) 's Blut st. misse [ LA-Gommh]. Volksgl. und Volksmed. bei Blutungen: gegen Nasenbluten: Wasser in die Halskaut [ RO-Als]; gegen Lungenbluten: Eis zuckele [ RO-Als]; bei Schnittwunden: Spinnwebe uf frische Schnittwunde dricke [ LU-Opp, KU-Bedb LU-Oggh]; die Blutorer zudricke [ BZ-Dernb]; mit Kamille behannele [LA-Impfl]; mit Katzepapier, auch mit Alaun [ LU-Oggh]; Zunder auf die Wunde [ KU-Bedb]. Guck die Wand stärr ḁ und blinzel net un zehl hinnerschich vun fuffzich bis drei [Fogel Beliefs Penns Nr. 1615]. a. 1765: Mittel zum Blutstillen: Es stehen 3 Blumen auf Gottes Grab; die erste heißt Mut, die andere heißt Blut, die dritt heißt Wohlgemut. Damit stille das Blut. Darnach zur Buß gezählt. Einem Pferd das Blut zu stillen: Nimm 2 oder 3 Frösch oder mehr und wirf sie in 1 Feuer, laß sie braten, daß man Pulver kann machen, gib dem Pferd ein, wie du kannst; es ist gut [Aus dem Roß- und Arzneibuch des Schmiedes Johannes Antonius Hafner (FR-Flomh)]. Er loßt sich brauche, dazu wird das Kreuzzeichen gemacht und die Brauchformel gesprochen Blut, steh still im Namen Gottes, des Sohnes und des Geistes [ LU-Limbghf]. Dreierlei Kräutche, / Hääl mer mein Häutche, / Still mer mein Blut, / Daß es sei Lebtag net meh weh dut [RO-Würzw (Wilde 135), RO-Nd'mosch]. So allzeit gewiß ist, sobald du dich geschnitten oder gehauen hast, so sprich: glückselige Wunde - glückselige Wunde - glückselig ist der Tag, da Jesus Christus geboren ward. Amen. Ein Kindlein geboren zu Bethlehem, gefunden zu Jerusalem, getauft am St. Jordan, so gewiß und wahr sein Blut stan. Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen [ LA-Maik]. Wenn jemand sich verbluten täte, so lege deine Hand darauf und sprich: »Durch Adams Blut kommt her der Tod, ich gebiet dir, Blut, durch Christi Blut: steh still!« [Pirmas]. Behandeln mit Gundelrebe und Spruch: Es blühen drei Rosen auf dem Heiligen Grab, die eine heißt Sanft-

[Bd. 6, Sp. 591]
mut, die ander heißt Demut, die dritte Blut Gottes. Stehe still solang Gott will [ NW-Frankeck]. Andere Brauchsprüche s. PfWB Blut1, PfWB bluten, PfWB Blutstillung, PfWB Jesus, PfWB Wunde. Weitere Volksheilmittel zum Stillen einer Blutung in Pauli Heilm. 45 ff.; Heeger Vhk. 47/48 Nasenbluten und 86 ff. Wunden. —
2.
a. 'ein Kind an der Mutterbrust säugen und dadurch still machen' [verbr.]; vgl. PfWB Brust 1 b, PfWB schenken 2; e Kind st. kenne [ KU-Kaulb]; 's werd gestillt [verbr.]. Sie dut er Kind (er Kläänes) selbscht st. [ LU-Opp LA-Gommh]. —
b. 'das Säugen des Ferkels'. Die Sau stillt [ BZ-Dernb]. —
c. 'trinken' in der RA.: de Dorscht st. [vereinzelt]. Zum Martinsdaag gebts e Gänsel mit Käschte gefillt un de Dorscht werd mit Neue gestillt [Krieger 41]. —
3. übertr. 'einen unangenehmen Zustand beenden'; stille 'einen Streit schlichten' [ IB-Gersh RO-Schweisw GH-Neubg]; de Schmerz st. [vereinzelt]. RA.: sich gar nit st. losse 'untröstlich sein' [ ZW-Battw]. Die Zeit werd schun ere Schmerz st. [ LU-Opp]. — RhWB Rhein. VIII 694.
 
 
still-halten st.:
1. 'mit einem Fahrzeug stehenbleiben', stillhalle (dilhalə) [vereinzelt, Steinmetz]. Dann hun oft hinnernanner die Fuhrwerk schdillgehall [Burgey Keschte 96]. a. 1421: wäre es sach, daß einer mit seinem pflug oder mit egen ungefehrlich einen markstein oder gemärk auswirft, so soll er stillhalten und das gemark wiederumb uffstellen [ABlieskst 71]. —
2. übertr. 'ohne Gegenwehr erdulden'. Stillhalte muschte se all [Schneider Singersepp 10]. — -heimlich Adj.: 'leise, unbemerkt'. Uf ē'mol do fahr-er stillhēmlich zum Knecht [Schandein Ged. 139].