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Pfälzisches Wörterbuch 
 
simulieren bis Singens (Bd. 6, Sp. 122 bis 124)
 
   simulieren schw.:
1. 'nachsinnen, grübeln, abwesend vor sich hin denken', simmeliere (simə- ˈlīrə) [verbr. VPf SPf mancherorts übrige Pf, PfId. 132 Schneckenburger 39 Thielen 104 Glass Klutzkopp 117 Lambert Penns 150], simliere (simˈlīrə) [mancherorts, Heeger Südostpf. 30 Krämer Gal 199], simmeleere (siməˈlērə) [mancherorts MPf NWPf NPf, Höh 133 Müller Dietschw 59 Don-Tscherwk], simleere (simˈlērə) [mancherorts MPf NWPf NPf, Krämer Gal 199], simuliere [mancherorts], simmiliere [ PS-H'einöd LA-Ilbh GH-Freckf], semmeliere [ RO-Lohnsf], semmiliere [ KL-Miesb], semmeleere [ KU-Altkch Frohnhf WD-Marth Niedkch HB-O'bexb Ingb KL-Katzw PS-Donsied], summuliere [KB-Eisbg Weber 135], summuleere [ KU-Eschau], simbeliere [ PS-L'mühl Windsbg], simbliere [ PS-Glashtt Pirmas Schweix LA-Leinsw], simbuliere [Weber 135], simbeleere [ PS-Th'eischw], simmeriere [ KL-Weltb]; Part. Perf.: g(e)simmeliert, gesimmeleert [mancherorts, Mang 196 Lambert Penns 150]; Zs.: PfWB nachsimulieren; Syn.: PfWB ausdenken, -hugen, -klügeln, -kniffeln, -senkeln, -studieren, -tüfteln, -ziffern, PfWB bedenken, PfWB besinnen 1, PfWB betrachten 2, PfWB brühen 2 d, PfWB denken 1, PfWB dösen 2, PfWB träumen 2 a, PfWB tüfteln 1, PfWB dünken, PfWB erdenken, PfWB fabeln 1, PfWB versinnen, PfWB versinnern, PfWB grübeln, PfWB kribbeln 4, PfWB herumknöcheln, PfWB nachgrübeln, PfWB sammeln 2 b, PfWB sinnen, PfWB sinnieren, PfWB spinnen 4 a, daneben jedoch auch Wendungen wie PfWB Kalender machen, in die andere Woche gucken, sich den Kopf verbrechen u. a. Was simmelierschde? [NW-Kallstdt, verbr.]. Was dusche dann s.? [ KB-Biedh]. Wass simmeliersche donn, minn Kennd? [Glass II 61]. Der simmeliert, was er de Sunndag schaffe soll [ LU-Opp]. Er hockt sich e Zejtlang an de Resch un simeleert, wie er das Wähnche de Bersch nunner kriehn kennt [Kraus Herzdrikkerte 19]. Un simmeleer ich dann alleen / So for mich in de Nacht [Müller Butterbärwel 20]. Im Quetscheboom seim Schatte simeleer ich / vom Läwe, Sterbe, Erbe un nix kriehn [Kraus Putscheblum 38]. Iß aaner e Sonderling, un sinnt / Un simmeliert, dann haaßts: Er schpinnt [Kühn Palz 2]. Naachts mach ich kä Au zu un simeleer [Kraus Gutsjer 37]. —
2. 'verrückt sein' [ FR-Flomh]. Er simmeliert [ebd.]; Syn. s. PfWB verrücken 2 a. —
3. 'eine Krankheit vorschützen, sich verstellen' [PS-Rodalb (Bernhard 171) GH-Kand Weber 135]; vgl. PfWB Simulant. — RhWB Rhein. VIII 151; ElsWB Els. II 358; Kluge-Seebold22 673.

[Bd. 6, Sp. 123]

 
   Simulier-kasten m.:
1. 'Kopf', scherzh., Simmelierkaschde, Simmeleer-, Semmeleer, Verbr. s. PfWB simulieren [ KL-Mölschb, mancherorts]; Syn. s. PfWB Kopf I 1. Do is m Hannes gehlings e piffigi Idee dorch sein Simelierkaschte geschoß [Kühn Hamet 73, 82]. —
2. 'versonnener, grüblerischer Mensch' [ KB-Weihf LU-Opp]. Du bischt e Simmelierkaschde [ KB-Weihf].
 
  
Simultan-kirche f.: 'Kirche, die von mehreren Glaubensgemeinschaften gemeinsam benutzt wird', Simuldankerch (simulˈdān-) [ GH-Kand, mancherorts].
 
 
sinder s. PfWB seit.
 
 
Sing-buch n.: 'Liederbuch, Gesangbuch', Singbuch [LU-Friesh, Lambert Penns 151]. — -drossel f.: 'der Vogel Turdus musicus', Singdruschel (siŋdrūəl) [ RO-Als], -drossel [ KU-Herschw/Petth FR-Albsh LU-Friesh BZ-Dernb].
 
  
singeln1 schw.: 'leise vor sich her singen', singele [ BZ-Dernb]. Die singelt de ganze Dag vor sich hin [ebd.].
 
 
singeln2 s. PfWB sengen; Singel-nessel s. PfWB Sengnessel.
 
  
singen st.:
1. 'ein Lied singen', singe (siŋə) [verbr., Christmann Kaulb 89 Henn Mda.-Int. 100 Höh 80 Mang 100 Schneckenburger 24, 34 Lambert Penns 151 Krämer Gal 199], senge (seŋə) [ WD-Niedkch HB-Kirrbg IB-Blickw]; Part. Perf. g(e)sunge [VPf], g(e)sung [WPf], gesong [ KU-Dennw WD-Niedkch]; Zs.: PfWB an-, PfWB be-, PfWB ein-, PfWB vor-, PfWB mit-, PfWB nachsingen; PfWB Neujahrssingen; hoch (dief) s. [PS-Erfw, verbr.]; reen s. 'mit feiner Stimme singen' [Krämer Gal 199]. Die kann schääi s. [ LA-Gommh]. Kannschde aach schun schään s.? [ RO-Bistschd]. Die Mudder singt 's Kind in de Schloof [ PS-Erfw]. 's is mer net ums S. 'Es ist mir nicht nach Singen zumute' [ KU-Schmittw/O]. RA. und Vergleiche: Wer schlecht singt, von dem sagt man: Er singt wie e Rab (Krabb, Rabdigall) [ FR-Albsh, mancherorts], wie e Gaul [NPfGV 3/1926 9], kann s. wie die Engel unnerm Schäferkarch [Hebel 15], singt, daß die Mais fortlaafen [ KB-Kriegsf]. Wann der singt, muß mer sich die Ohre zuhalle [ KL-Reichb]. 's is gut, daß er sich net met S. ernähre muß [ KU-Schmittw/O]. Wer kräftig, laut ungeniert lossingt, singt wie e Wachdel [Kaislt], wie en Amsel [ BZ-Dernb], wie e Druschel [NPfGV 3/1926 18], singt, was gibschde, was haschde [ KU-Bedb], singt, daß es schallt [ PS-Erfw], singt, daß mer's iwwer drei Haiser heert [ KB-Kriegsf]. Do kann ich e Lied devun singe 'Darin habe ich meine (leidvollen) Erfahrungen gemacht' [ LU-Friesh, mancherorts]. Sell kannschde in de Kerch singe 'Das kannst du ruhig laut sagen' [ GH-Westh, mancherorts]. Des is em aach net on seiner Waal 'Wiege' gesung worr [ KU-Schmittw/O]. Do heert mer die Engel im Himmel s., 'bei starkem Schmerz, einem Schlag' [ LA-Nd'hochstdt, mancherorts]. Ich will der de Herr Jerchl singe, Androhung von Schlägen [BZ-Dernb, PfMus. 1895 22].

[Bd. 6, Sp. 124]
Das is gehuppst wie gesprung un getanzt wie gesung 'Das ist einerlei' [ Gal-Wiesenberg]. Wu's More (Mode) esch, singt mer de Bumpernickel in de Kerch [BZ-Dernb, KU-Bechb Patb PfMus. 1892 44]; zur Erkl. s. PfWB Bumpernickel 4. SprW.: Solang g'sung werd, is die Kerch noch net aus 'Man soll nicht vorschnell aufgeben' [PfMHk. 1925 175]. Die Liebe un das S., die lossen sich nit ve'zwinge [JKurpf. 1927 10]. Wes Brot ich eß, des Lied ich sing [ NW-Kallstdt, mancherorts]. BR.: Dunnert's im Mai, singt de Bauer juhai [ BZ-Albw], in Var. mancherorts. Kathrein stellt 's S. un Danze ein, am Kathreinstag (25. November) begann die 'stille Zeit' vor Weihnachten [mancherorts Don Gal Buch]. VR.: Heio, Bumbeio / De Summer geht im Mai o'n / Wann die Mädcher grase gehn / Muß ich an de Heio stehn / Muß singe Jickjack / Schlof mei'n kleener Dicksack [Donnersberg Jahrbuch 1981 165, ähnl. Gal]. Volksgl.: Wann's S. so schlecht geht an re Leicht (Beerdigung), gebt's glei widder eeni [Fogel Beliefs Penns Nr. 586]. —
2.
a. 'in singendem, ungewohntem Tonfall sprechen' [mancherorts]. Nach Munzinger in PfMus. 24/1907 32-35 u. a. werfen sich in der Pfalz Vorderpfälzer und Westricher gegenseitig vor, daß der jeweils andere Teil singe. Ursache hierfür sind die jeweils anderen Intonationsgepflogenheiten; zur Intonation vgl. Guentherodt Inton. OPf und Inton. WPf. Singen die vun »vorne drauß«, / odder die do »hinnenaus«, / wo »singtmer« dann aus vollem Hals, / in Vorder- odder Hinnerpalz? [Damm Schoggelgaul 72]. —
b. 'weinen' [ LA-Herxh Herxhwey Wey]; Syn. s. PfWB greinen 1 a. —
3.
a. 'die Stimme hören lassen', von Singvögeln [verbr.]. Newe unserm Haus is e Baam, do singe im Summer die Veggel so schee druf [ KL-Reichb]. Die Veel kennt mer am S. [ KU-Schmittw/O]. E Guckuck singt net so scheen wie e Nachtigall [Krieger 35]. —
b. 'von Hühnern, die einen anhaltenden, krähenden Ton von sich geben', meist, wenn sie sich behaglich fühlen oder bevor sie Eier legen [mancherorts]. Das Hinkel singt [ NW-Ellstdt, mancherorts]. —
c. vgl. PfWB Katzensingens. —
4. 'einen brummenden, summenden Ton hören lassen'.
a. vom Bienenschwarm. De Stock singt [ BZ-Klingmst]. —
b. von Schnaken. Die Schnoke singe [ LU-Opp]. —
c. vom Wind [ LU-Alsh]. —
d. vom Wasserkessel. De Kessel singt uf em Herd [ BZ-Dernb]. —
e. vgl. PfWB Johannis-, PfWB Neujahrs-, PfWB Ohrensingen. — RhWB Rhein. VIII 153 ff.; LothWB Lothr. 480; ElsWB Els. II 365.
 
 
Singens n.: 'das Singen', Singes [vereinzelt, Heeger Tiere I 10]; vgl. PfWB Gesings; Zs.: PfWB Katzensingens. Vechelche im Bämche draus / Ruht vum viele Singes aus [Schandein Ged. 7]. RhWB Rhein. VIII 158; ElsWB Els. II 365.