Wörterbuchnetz
Pfälzisches Wörterbuch 
 
Sauf-aus bis Saufen-kiwwel (Bd. 5, Sp. 788 bis 792)
 
  Sauf-aus m.: 'Zechbruder, Säufer, Saufbold', Saufaus [KU-Bedb Schmittw/O RO-Dielkch Obd KL-Hütschhs Pirmas KB-Albish FR-Tiefth LU-Friesh NW-Kallstdt LA-Wollmh Land BZ-Albw Schandein Sprachsch. 52 Don-Schowe Torscha]. Das is e rechder S. [Pirmas]. Südhess. V 99; RhWB Rhein. VII 803; ElsWB Els. II 330 Suffus. — -bruder m.: 'Säufer', -bruder, -brurer, s. PfWB Bruder [verbr., Krämer Gal 180], -bruler [ KU-Bedb LU-Altr]. Das sin Saufbrirer [ ZW-L'wied]. Südhess. V 99; RhWB Rhein. VII 803.
 
 
Saufe f.: = PfWB Saufen, Suff [IB-Ensh Eschring]. Südhess. V 99; RhWB Rhein. VII 805; LothWB Lothr. 512 Suff.
 
  
Sau-feder f.: nur in der RA.: uf Sauferrere (Pl.) stihn (stehe) 'unsicher, gewagt, riskant sein' [ KU-Schmittw/O LA-Nd'hochstdt]. Des steht auf Sauferrere 'Das ist gewagt, das geht vermutlich

[Bd. 5, Sp. 789]
daneben' [ LA-Nd'hochstdt]; vgl. RhWB Rhein. VII 2043 Schweinefeder 'Fettstrang an den Rippen des Schweines entlang'. DWB DWb. VIII 1877.
 
  säufeln schw.: 'trinken', saifle [vereinzelt VPf]; Zs.: PfWB ansäufeln.
 
 
Sau-fels(en) m.: FlN, mda. Saufels [Kaislt], Saufelsen [Zink Kaislt 159, PS-Fehrb].
 
  
saufen st.:
1. von Tieren 'Flüssigkeiten zu sich nehmen', saufe [verbr. (außer SWPf), Christmann Kaulb 20, 65 Henn Mda.-Int. 99 Höh 59 Mang 125 Müller Dietschw 58 Otterstetter 203 Schneckenburger 41 Lambert Penns 130 Krämer Gal 180], suffe [lothr. SWPf, Glass 115]; Part. Perf. gesoff [WPf], gesouff [ WD-Niedkch], gesoffe, g'soffe [VPf]; Konjug. s. F.; Zs.: PfWB ab- 2, PfWB aus-, PfWB voll- 1, PfWB leersaufen; e Kalb mit de Hand (am Strohwisch) s. losse 'einem Kalb das Saufen aus einem Eimer angewöhnen, indem man die Hand (oder einen Strohwisch) in die Tränke hält und das Kalb daran saugen läßt' [ FR-Bockh, KB-Bennhs]; e Kalb an de Kuh saufe losse 'ein Kalb an der Kuh säugen lassen' [ IB-Ballw, mancherorts]. Mer losse se s. (die Kälber an der Kuh), bis se sechs bis acht Woche alt sin [ RO-Bistschd]. Die Kuh sauft viel Wasser [ LU-Alsh]. Ein gesundes Jungvieh frißt un seift gut [ KU-Ulm]. Er schmeißt de Hinkel Welschkärn hie / Un gebt ne aa zu saufe [Birmelin Penns Gezw. 63]. Noh kummt en Ochs an's Wasser bei / Un fangt mol an zu saufe [ebd. 80]. RA.: Wenn ein Kalb nicht recht saufen will, rät man scherzhaft: Wanndem e Eisebahnerkapp ufsetscht, lernt's schun s. [ KU-Wolfst], ähnl.: Wammer n Kalb anbinnt, muß mer saache: Doo, Kunschawler (s. PfWB Konstabler), sauf! [Fogel Beliefs Penns Nr. 836] (Eisenbahner und Konstabler galten als trunksüchtig). SprW.: In die Bach kamm'r de Essel zwinge, awwer net zum Saufe [PfMus. 1925 177]. Mer bringt de Ochs nore zum Brunnetrog, zum Saufe net [ Gal-Sap]. E Kuh, wu sauft, braucht nit se fresse, als Entschuldigung für zu viel Alkoholgenuß [LA-Edh, ähnl. Wilde 236]. BR.: Wann die Katz (de Hund) Wasser saift, gibt's Reen [ KU-Hundh, mancherorts]. ca. 1770: zalt Jder Dahner Unterthan von einem Schwein das über den Troog saufet ... 6 Heller [Spey-Hochst. 170 (PS-Dahn)]. —
2.
a. 'im Übermaß Alkohol trinken, sich betrinken' [verbr.]; Zs.: PfWB ab- 1 b, PfWB an- 1, PfWB aus- 2, PfWB be-, PfWB tot- 1, PfWB voll- 2, PfWB mitsaufen; Syn. s. PfWB betrinken; Bloe s. 'Branntwein (wegen der bläulichen Farbe) trinken' [ KU-Schmittw/O]; een unner de Disch s. 'jemanden an Trinkfestigkeit übertreffen' [ LA-Wollmh, mancherorts]. Er hot g'soffe (zuviel g'soffe), d. h. 'Er ist betrunken' [ GH-Zeisk, mancherorts]. Mer männt, der hätt g'soffe 'Es hat den Anschein als wäre er betrunken' [ GH-Zeisk]. Die hen die ganze Nacht g'soffe [ PS-Erfw]. Die hen gesoffe, 's war nimmi feierlich! [Land]. Er hat

[Bd. 5, Sp. 790]
taalang (tagelang) nix wie gesoff [ ZW-Battw]. Met dem nemmt's kää gut Enn, der sauft sich noch ins Grab [Westricher Kalender 1957 103]. Wann er g'soffe hot, do babbelt er 'erzählt er, was er auf dem Herzen hat' [ LA-Herxh]. Vergleiche u. RA. bei großem Alkoholkonsum: s. wie e Loch [KL-Ottb, verbr.], wie e Brunnebutzer [ NW-Kallstdt, mancherorts], wie e Berschdebinner (-benner) [HB-Kirrbg, vereinzelt, Kleeberger 129, auch Auslandspfälzer], wie e Mälzer [ KU-Kaulb], wie e Ool (Aal) [ WD-Niedkch], wie en Fisch [Penns], wie e Kuh [ KB-Kerzh, mancherorts], wie e Stier [ BZ-Albw], wie e Dier (Tier) [ FR-Albsh], wie e strubbich Rinnche (Rindchen) [Thielen So rerre mer 103]. Er sauft viehmäßich [ RO-Obd]. Er sauft wie e Puddelbump 'Jauchepumpe' [ KU-Diedk]. Er sauft, bis es owe erauskommt [ KU-Diedk]. Der sauft in eem (Stick) fort 'säuft ununterbrochen' [ NW-Kallstdt]. Der kann nix trinke, er sauft alles [ KB-Kerzh]. Der trinkt nimmer, zeit 's Saufe ufkumme is [ Don-Neufutok]. Der sauft ohne Finger, nämlich wie ein Kalb, das das Trinken aus dem Eimer gelernt hat [ ZW-Battw]. Dem braucht mer kään Strohwischi se gewwe, der kann so s., dass. [ KU-Schmittw/O]. Der hat die ganz Naacht gesouff oun es heit sou grell (s. PfWB grell 2) wie e Leerche [ WD-Niedkch]. Er hot sich se reh (s. PfWB räh 1) gesoff [ KU-Schmittw/O]. Fresse un s., das kann er, von einem Faulenzer [ KU-Ulm]. Der sauft net ellään (allein), der frißt aa sei Dääl, von einem versoffenen und verfressenen Kerl [ebd.]. Der sauft de Wein un ich hab die Nas, scherzh., wenn jemand, der vorgeblich wenig Alkohol trinkt, sich über seine Trinkernase beschwert [ LU-Alsh]. Mer saat (redt) nore (wohl, als) vum Saufe, awwer net vum Dorscht, entschuldigt sich der Trinker [ FR-Tiefth, mancherorts]. Wann d' saufscht, stirbscht, wann d' net saufscht, stirbscht aa, also sauf! [ LU-Böhl, in Var. vereinzelt]. SprW.: Wer lang sauft, werd alt [ NW-Freinsh]. Einen VR. s. PfWB Leinenweber. —
b. 'trinken (derb), bes. gierig, ungesittet trinken' [verbr., Höh 123]; Zs.: PfWB ab- 1 a, PfWB aus- 1, PfWB mitsaufen; PfWB Wassersaufen. Er sauft, wie wann er am Verdorschde wär [ KU-Diedk]. Die hen schään g'fresse un g'soffe 'Die haben ordentlich gezecht' [ NW-Freinsh]. Das Kind sauft (an der Mutterbrust) [ ZW-Battw]. Er sauft's gählings enunner 'Er trinkt es hastig in einem Zuge herunter' [ KU-Diedk]. Der sauft e Äämer (e Kiwwel, e Waschbitt, e Bauchbitt) voll 'Er trinkt Unmengen' [ ZW-Battw, mancherorts]. Sauf, daß d' was werscht! [ NW-Kallstdt]. RA.: Er macht e Gesicht, wie wanner Essich (Dinde) gesoff hätt [KB-Kerzh, verbr.]. Er (Sie) hat Rheinwasser (Bachwasser) g'soffe 'Selbstmord begangen' [ NW-Haardt]. Do mißt ich doch Dinde gesoff han!, abschlägige Entgegnung im Sinne von: 'Da müßte ich nicht recht gescheit sein, das

[Bd. 5, Sp. 791]
fällt mir gar nicht ein!' [ ZW-Battw, mancherorts]. Er hot Dinde gesoff 'Er ist verrückt' [ FR-Hettldh]. Der hat an erer Gäiß gesoff, dass. [ HB-Webh]. Er hot bees Millich gesoff 'Er ist ein schlimmer Mensch' [ KL-Weilb, NW-Deidh]. Er hot sou lang die Gäiß gesouff, von einem haarlosen Menschen [ WD-Niedkch]. Wann der so lang wär wie dumm, kennt er de Kaffee aus'm Dachkannel s. [Kaislt, vereinzelt]. Drohung: Du hascht dei letscht Milch gesoff! [ KU-Diedk]. Gell, du hoscht noch keen Kannelwasser g'soffe?, dass. [ NW-Weish/S]. BR.: Wann die Wingert verfriere in der Woll, no saufe mer de Woin aus de Boll, d. h. 'sind die Blütenstände noch von der Wolle geschützt, kann trotz Frost eine reiche Ernte erwartet werden' [FR-Bockh, mancherorts VPf]. Volksgl.: »Desgleichen, daß das Kind nicht gesoffen werde durch die Hexen, muß es von der Amme geehtäft (s. PfWB ehetaufen) werden« [Schandein Bav. IV,2 346]. Einen VR. s. PfWB verschnäuken 1 a. —
3. vgl. die Zs.: PfWB ab- 2 a, PfWB tot- 2, PfWB versaufen F.: Konjug.: Ind. Präs. Sg. 1. Pers.: saufe [mancherorts äußerste WPf (vgl. K. 299)], sauf [übrige Pf], 2. saifscht [mancherorts nördl. NPf NWPf], suffscht, siffscht [vereinzelt lothr. SWPf], saufscht, saufst [übrige Pf], 3. saift [verbr. nördl. NPf NWPf GH-Leimh], sifft [ IB-Bebh], sufft [ IB-Habkch Reinh], sauft [übrige Pf]; Pl. 1. - 3. Pers. suffe [lothr. SWPf], saufe(n) [übrige Pf], 2. Pl. auch (neuer) sauft [mancherorts]. — Südhess. V 99 ff.; RhWB Rhein. VII 798 ff.; LothWB Lothr. 512, ALLG I K. 286; ElsWB Els. II 329, ALA II K. 36.
 
  
Saufen n.: 'mit heißem Wasser (unter Zusatz von Futtermitteln, Speiseresten, Spülicht, Kleie, Schrot, Mehl, Hafer, Kartoffeln, Futterrüben, Treber o. ä.) angemengtes Viehfutter', Saufe [verbr. nördl. u. mittl. VPf östl. NPf westl. WPf mancherorts MPf vereinzelt übrige Pf, Krämer Gal 180 Don-Schowe Torscha], Suffe [ HB-Medh N'alth HB-Nd'gailb IB-Gersh Reinh], Suff [ IB-Bliesmg]; vgl. PfWB Saufe, PfWB Saufens, PfWB Saufensach; Zs.: PfWB Grundbirnen-, PfWB Kleien-, PfWB Mehlsaufen; Syn. s. PfWB Tränke 2. Frauenarbeit: S. mache (for's Vieh) [ NW-Elmst, mancherorts]; de Sai ehr S. [ RO-Als]; em Veeh S. gewwe [ RO-Als]. Ich muß 's S. richde for's Vieh [ LA-Gommh]. Mach de Kuh S.! [ LU-Alsh]. Volksmed.: Bei schrundigen Händen muß mer S. dricke un met sieße Rahm schmeere 'die Tränkeinlage, z. B. Kartoffeln, mit den Händen durchdrücken und die Hände mit süßem Rahm einschmieren' [ KU-Herschw/Petth]. Volksgl.: »Der Kuh, die gekalbt hat oder sonst vielleicht erkrankt ist, gibt man von den Kräutern des Gewürzwisches vom Tag Maria-Himmelfahrt in die Tränke, Saufen geheißen« [LA-Mart (Franz 231)]. Südhess. V 101; RhWB Rhein. VII 805; ElsWB Els. II 330 Sufen.
 
  
Saufen-bolle f.: 'Schöpfkelle für das Viehfut-

[Bd. 5, Sp. 792]
ter', Saufeboll [ HB-Brenschb]; vgl. PfWB Saubolle; zum Grundw. s. PfWB Bolle 1. RhWB Rhein. VII 806. — -kanne f.: 'großer Topf, in dem die Kartoffeln für das Vieh gekocht werden und in dem Wasser für die Tränke heiß gemacht wird', -kann [ LU-Böhl]; vgl. PfWB Tränkenkanne. — -kiwwel m.: 'Kübel für die Viehtränke', -kiwwel [ NW-Kallstdt]; vgl. PfWB Tränkenkübel, PfWB Saufenständer, PfWB -zuber.