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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Lese-buch bis Lese-narr (Bd. 4, Sp. 939 bis 942)
 
Lese-buch, n.
Lese-einung, f.
Lese-fehler, m.
Lese-holz, n.
Leseholz-schein, m.
Lese-kasten, m.
Lese-kränzchen, n.
Lese-kübel, m.
Lese-mist, m.
lesen, st.
Lese-narr, m.
Lesen(s), n.
Leser, m. f.
Leserin, m. f.
Leserei, f.
Leser-imbiß, n.
leserlich, Adj.
Lese-steinhaufen, m.
Lese-stück, n.
Lese-stunde, f.
Lese-tafel, f.
Lese-tag, m.
Lese-verein, m.
Lese-zeichen, n.
Lese-zirkel, m.
Lespe, f. m.
Lespen, f. m.
Letsche, f.
Lett(en), m.
Lett(en)-acker, m.
Lett(en)-ader, f.
Lett(en)-berg, m.
Lett(en)-boden, m.
Lett(en)-feld, n.
Lett(en)-galle, f.
Lett(en)-gewanne, f.
Lett(en)-grube, f.
-grübe, f.
Lett(en)-hahnen, m.
Lett(en)-hohl, f.
Lett(en)-käulchen, n.
Lett(en)-kaute, f.
Lett(en)-klicker, m.
Lett(en)-loch, n.
Lett(en)-pfad, m.
Letter-born, m.
Lettern, Pl.
Lett-hohl
Lett-käulchen
Lett-kaute
Lett-loch
lettig, Adj.
Letsch-zaun, m.
letz, Adj.  (Adv.)
Letz-bätzel
Letze, f.
Letze, f.
Letze
Letzel
Letzemer, m.
letzen
letzen
Letz(en)-bätzel, n.
Letzel, n.
Letz(en)-zeichen, n.
Letz(en)-zeigel, n.
Letzer
letz-gehen, st.
letz-herum, Adv.
letzig
letz-kommen, st.
letz-machen, schw.
letz-ohrig, Adj.
letzt
Letz-täsche, f.
Letz-tatsche, f.
Letzte
letztes-mal
letzt-hin, Adv.
letzt-jährig, Adv.
letztlich, Adv.
letzt-mal
letzt-verwichen, Adj.
letz-verstehen, st.
Letz-zeichen
Leuchse, f. m.,  n.
Leuchsel, f. m.,  n.
Leuchs(en), f. m.,  n.
Leuchs(en)-eisen, n.
Leuchs(en)-holz, n.
Leuchs(en)-kette, f.
Leuchs(en)-ring, m.
Leuchs(en)-scheibe, f.
Leuchs(en)-schelle, f.
Leuchs(en)-schlopp, m. f.
Leuchs(en)-schlöpp, m. f.
Leuchs(en)-schlöppe, m. f.
Leuchs(en)-spange, f.
Leuchs(en)-stab, m.
Leuchser-, m.
   Lese-buch n.: wie schd., insbes. vom Schulbuch, Läsebuch, Lese- [verbr., auch Don Gal], Läs- [ BZ-Dernb]; Zs.: PfWB Erstklässerlesebuch; Syn.: ABC-Buch, Fibel, Fibelbuch; das grouß L. 'L. der Schüler höherer Klassen' [ BZ-Dernb]. Südhess. IV 300; RhWB Rhein. V 404; ElsWB Els. II 10.
 
 
Lese-einung f.: 'Strafgeld für Nichteinhaltung der vorgeschriebenen Lesezeit'; vgl. PfWB Einung 3, PfWB Lese. 14. Jh.?: die leszeinongen in dem herpst do wiszt dy gemeinde, das die ir sy, vnd wer es, das einer leszen wolt vszwenig des leszes, den sol der hern knecht zu drien maln

[Bd. 4, Sp. 940]
heiszen abgen; dete er das nit, so mochte er in pfenden [PfWeist. 237 (NW-Deidh)].
 
  
Lese-fehler m.: wie schd., Lesfehler [ BZ-Dernb, vereinzelt].
 
  
Lese-holz n.: 'im Wald auf dem Boden liegende Äste und Zweige', auch 'Zapfen der Nadelbäume', Lesholz [HB-Kirrbg, mancherorts, PfRh. 3. 3. 1960 NPfGV 1934 39]; vgl. PfWB Krapfen1 2 a, PfWB Rabenzinken, PfWB Raffholz. Das L. darf zu bestimmten Zeiten gesammelt werden; vgl. PfWB Leseholzschein. Das L. is das Holz, das die Hächert un Rawe vun de Bääm erunnerträre [ KL-Rodb]. Südhess. IV 300.
 
  
Leseholz-schein m.: 'Erlaubnis des Forstamtes zum Sammeln von Leseholz', Lesholzschein [ HB-Kirrbg]; vgl. Krapfen-, PfWB Laubrecht.
 
  
Lese-kasten m.: 'Kasten zum Aufbewahren von Buchstaben, an dem die Schulanfänger lesen lernen, indem sie die einzelnen Buchstaben zusammensetzen', Leskaschde [ KU-Schmittw/O]. — -kränzchen n.: 'Lesezirkel', Lesekränzelche [ KU-Schmittw/O].
 
  
Lese-kübel m.: 'Kübel, in den die Trauben gelesen werden', Läskiwwel [ FR-Albsh NW-Kallstdt]; vgl. PfWB Kübel 1 a, Lesezuber. -mist m.: 'von der Straße aufgelesener Viehkot', Lesmischt [ BZ-Albw]; vgl. PfWB lesen I 1 a.
 
  
lesen st.:
I.
1. 'einsammeln'.
a. 'vom Boden auflesen', lese [verbr. NPf NWPf mancherorts mittl. WPf nördl. u. mittl. VPf vereinzelt SPf SWPf], läse [verbr. SPf SWPf mancherorts mittl. WPf nördl. u. mittl. VPf vereinzelt NPf NWPf], lase [ PS-Fischb Hirschth Nothw Petbch Schönau GH-Neubg]; Part. Perf. geles(e), geläs(e), gelase [zur Verbr. der Endung s. K. 1, gebroch(e)], geläst [ WD-Niedkch]; vgl. PfWB auf- 1, PfWB ein- 1, PfWB herab-, PfWB herein-, PfWB hinein-, PfWB nach-, PfWB zusammenlesen 1; Aufgelesenes. Im besonderen: Holz l. geh [PS-Eppbn, verbr.]; vgl. PfWB Leseholz; Buchele (Bucheln), Eechele (Eicheln) l. [KL-Rodb, verbr. WPf]; Grumbeere (Grumbiere) l. [mancherorts, Beam Penns 66]; Grumbeere aus de Fori l. 'die ausgepflügten Kartoffeln aus den Furchen l.' [ KU-Schmittw/O]; Fallobscht, -obs (Plaume, Äppel, Beere, Niß) l. [verbr.]; Rewe l. 'abgeschnittene Reben einsammeln und ordnen' [ RO-Rehborn NW-Deidh LA-Wey]; Ähre l. [NW-Elmst, verbr., Krämer Gal 141]; Stään l. 'Steine vom Acker entfernen' [ KU-Schmittw/O WD-Niedkch]; vgl. PfWB Kleesteine; Drecker, (Mischt, Knodd(e)le, Krimmele, Pärdsdrecker, -knodd(e)le, Roßbolle) l. 'auf der Straße liegenden Viehkot für den Garten sammeln', eine Tätigkeit armer Leute ohne Viehhaltung [KU-Diedk, verbr.]; vgl. PfWB Lesemist; Kippe l. 'Zigarettenstummeln aufheben' [Krieger 61]. RA.: Der muß emol noch Knoddele l. 'Aus dem wird nichts' [ebd. 36].

[Bd. 4, Sp. 941]
SprW.: Was mer net l. kann, des rafft mer [ KU-Bedb]. KR.: Des isch de Daume, der schittelt die Plaume, der läst se uf, der traacht se hääm un der klänne Stumbenickel eßt se ganz allää [Bergz (Kamm 46), mancherorts]. 14. Jh.?: Die ochszen sollent auch ein knecht han, der sol dragen einen korp vnd sol darin leszen, was sie gescherszent (geschissen) [PfWeist. 235 (NW-Deidh)]. a. 1480: Item ein jglicher armer hait recht jm stickswerde holtz zu lesen vnd wasz er mit dem axse ore (Axtöhr) magk abgeschlagen [HagbWeist. 4]. a. 1628: Uff Freitag, 3. Nov. Anno 1628 hat man allhin die Felder anheben zu läsen, und montag hernach überhaupt zu herbsten angefangen [Niedhammer 84]. a. 1745: Es soll auch keiner dem anderen auff sein eigenguth im feldt obs weder lesen oder schüttlen [PfWeist. 716 (ZW-Gr'bundb)]. —
b. 'pflücken, ernten', von Trauben und sonstigen Beerenfrüchten [vereinzelt NPf VPf]; dafür mda. verbr. herbsten; vgl. PfWB ab- 2, PfWB vor- 2, PfWB herein- PfWB hinein-, PfWB nachlesen; Trauwe l. [NW-Hardbg u. Umg., vereinzelt]. Er hot gelese [ KB-Zell]. a. 1425: eyme leser der in dem herbst lieset [LeinArch. (Löhne)]. a. 1514: Item 10 ß 8 Pf. ist uff den hirbst gangen zu spier vnd berghaußen zu lesen [GgHospR]. a. 1554: wie ihnen auch zuvor geboten nit zu lesen [ABlieskst 92]. a. 1786: Lessen, herbsten, die Trauben erndten [Journ. 3 235/36]. —
c.
α. '(von Schmutz und Unrat) trennen, sortieren, aussuchen'; vgl. PfWB aus- 1, PfWB durch- 2, PfWB ver- 1 c, PfWB er-, PfWB herauslesen; Bohne, Linse l. [verbr.]. Den Dummen schickt man uf Trippstrill Bohne l. [ Don-Schowe], Kaffeebohne (Erbse) l. [ KL-Erlb, mancherorts]. —
β. 'entfernen', von Schädlingen; vgl. PfWB ab- 1, PfWB auf- 1, PfWB herauslesen.
d.
α. Ferrere (Feddere) l. 'Federn schleißen' [ KU-Schmittw/O, mancherorts]. —
β. vgl. PfWB einlesen 2 u. 3 a. —
2. vgl. (sich) auf- 2, PfWB zusammenlesen.
II.
1. 'den Sinn von Schriftzeichen erfassen, Schrift in Sprache umsetzen'.
a. von Buchstaben. Zs.: PfWB ab- 3, PfWB aus- 2, PfWB durch- 1, PfWB ver- 1 a b u. 2, PfWB vor-, PfWB mit-, PfWB nach-, PfWB über-, PfWB wieder-, PfWB zusammenlesen; PfWB Gelese 1; l. lerne; gut, schlecht, scheen, deitlich, orndlich, laut, for sich ('still'), richdich, falsch l.; e Buch, en Brief, die Zeidung, de Kalenner, die Biwel l. [verbr.]. Er kann kää Wort l. [RO-Als, verbr.], se Not l. [ KU-Schmittw/O]. Ohne Brill kann ich nimmi l. [ebd.]. Herr Lehre, der hat falsch geläst! [ WD-Niedkch]. Wann ich Zeidung les, han ich doch e bissl Zeitvertreib [ ZW-Battw]. RA.: Der Lehrer zu einem Schüler, der beim Lesenlernen Fortschritte macht: Des isch annerscht gelese! [ LA-Gommh, mancherorts]; vgl. Lesen(s). Dem sei Geschribsel kann kään Sau l., von schlechter, unleserlicher Handschrift [KL-Reichb, verbr., Krämer Gal 141]. Dem sein Gaul kann l., scherzh. vom Pferd eines Trinkers,

[Bd. 4, Sp. 942]
das vor jedem Wirtshaus anhält [ KU-Schmittw/O]. a. 1294: die dissen brif gehorent Lessen oder gesenht [Corpus III, S. 200 (Zweibr)]. a. 1305: dun allen den kot, die disen brief sehent oder horent lesen [OttbgUrkb. 266]. a. 1785: Rudolph Schwenck ist fleißig Lesset in der Biebel ... Elisabetha Müllerin lehret recht gut Leset gut [Catalogus Lectionum (PS-Windsbg)]. —
b. Nore l. 'Musiknoten l.' [ KU-Schmittw/O]. —
2.
a. e Meß l. losse 'für einen Verstorbenen einen Gottesdienst zelebrieren lassen' [LU-Böhl, verbr. kath. Orte]. —
b. 'deuten, weissagen'; vgl. PfWB ablesen 5 u. 6; aus de Stern, aus de Hand l. [ KU-Schmittw/O, mancherorts]. —
c. in der RA.: eem die Levite l. 'einem eine Strafpredigt halten' [LU-Muttstdt, verbr., auch Penns Don Gal Buch Rußl]. —
d. l. von 'berichten über'. Des Buch lest vun so Sache [Lambert Penns 99]. —
e. 'durch vieles Lesen verschleißen'; vgl. PfWB ablesen 4. —
f. vgl. PfWB einlesen 3 b. — F.: Ind. Präs. Sg. 1. les, 2. liescht, lescht, 3. lest, Pl. 1. u. 3. lese(n), 2. lese(n) u. lest, dgl. mit Stammvokal -ä- (zur Verbr. der Pl.-Endung s. DSA, K. 7a); zum Inf. lase: Sg. 1. las (lās), 2. läsch (lǟ), 3. läst (lǟsd), Pl. 1.-3. läsen (lǟsn) [ PS-Fischb]; Sg. 1. lies (līs), 2. liescht (līd), 3. liest (līsd), Pl. 1.-3. lasen (lāsn) [ GH-Neubg]. — Südhess. IV 300 ff.; RhWB Rhein. V 401/02; LothWB Lothr. 336; ElsWB Els. I 612.
 
  
Lese-narr m.: 'wer viel und gerne liest', Lesenarr [ KU-Schmittw/O].