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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Lehr-zeit bis Leib-diener (Bd. 4, Sp. 886 bis 889)
 
Lehr-zeit, f.
Lei
Leib, m.
Leib-arzt, m.
Leib-bete
Leib-biene, f.
Leib-bild, n.
Leib-binde, f.
Leibchen, n.
Leibel, n.
Leibchens-hosen, Pl.
Leib-diener, m.
Leib-ding, Gen.?
Leibe
leib-eigen, Adj.
Leibeigenschaft, f.
Leibel
Leibel(s)-knöpfe, Pl.
Leibel(s)-sack, m.
Leibel(s)-wurst, f.
leiben, schw.
Leiber, m.
Leibes+-bete, f.
Leib-, f.
Leibes-erbe, m.
Leibes-not, f.
Leibes-schwachheit, f.
Leib-essen, n.
Leib-gericht, n.
leibhaftig, Adj.
Leib-hosen, Pl.
Leib-husar, m.
leibig
Leib+-jäger, m.
Leib-kleid, n.
Leib-kost, f.
Leib-kribbeln(s)
leiblich, Adj.
leib-los, Adj.
Leib-regiment, n.
Leib-reißen, n.
Leib-riemen, m.
Leib-schaden, m.
Leibschaden-operation, f.
leib-schichtig, Adj.
Leib-schmerzen, Pl.
Leib-schurz, m.
Leib-schüssel, f.
Leib-speise, f.
Leib-spezel, m.
Leib-stück, n.
Leib-stuhl, m.
Leib-und-Seele, Pl.
Leib-und-Seele-aneinander, Pl.
Leib-und-Seele-an-einem, Gen.?
Leib-und-Seele-buckse, f.
Leib-und-Seele-hosen, Pl.
Leib-und-Seele-unterhosen, Pl. f.
Leib-und-Seele-unterhose, Pl. f.
Leibung, f.
Leib-wäsche, f.
Leib-weh, n.
Leibweh-schmerzen, Pl.
Leib-wirtschaft, f.
Leich-dorn, m.
Leiche, f.
Leicht, f.
Leich(en)-ansager, m.
Leich(en)-befahrer, m.
Leich(en)-beschau, f.
Leich(en)-beschauer, m.
Leich(en)-besorger, m.
Leich(en)-bitter, m.
Leichenbitter-gesicht, n.
Leichenbitter-miene, f.
leichen-blaß, Adj.
Leich(en)-brezeln, Pl.
Leicht(en)-, Pl.
Leich(en)-brief, m.
Leich(en)-essen, n.
Leich(en)-feier, f.
Leich(en)-finger, m.
Leich(en)-frau, f.
Leich(en)-gesang, m.
Leich(en)-gift, n.
Leich(en)-halle, f.
Leich(en)-haus, n.
Leich(en)-imbiß, n.,  m.
Leich(en)-kaffee, m.
Leich(en)-kleid, n.
Leich(en)-kosten, Pl.
Leich(en)-kranz, m.
Leich(en)-kuchen, m.
Leich(en)-läuten, n.
Leich(en)-leute, Pl.
Leich(en)-mahl, n.
Leich(en)-mann, m.
Leich(en)-predigt, f.
Leich(en)-rede, f.
Leich(en)-schändung, f.
  -zeit f.: wie schd., -zeit [verbr., Krämer Gal 140]; vgl. PfWB Lehrlingszeit. Die L. dauert drei Johr [ PS-Erfw]. Der hot sein L. ball rum [ LU-Böhl]. Südhess. IV 249; RhWB Rhein. V 321.
 
 
Lei1 'Schiefer, Schiefertafel, Steinplatte' s. Leie1; Lei2 'Art und Weise' in aller-, dreier-, vierer-, PfWB keinerlei.
 
  
Leib m.:
1.
a. 'Leben (Leben und Körper als begriffliche Einheit)', heute erinnert daran nur noch die alliterierende Wend. Leib un Lewe, die nicht mehr in ihrer ursprünglichen Bed. verstanden wird (s. 2.); vgl. auch PfWB beileibe. o. J.: der den leip verwirckt hett [PfWeist. 299 (NW-Dürkh)]. a. 1297: wer och das si sunder eder samet ieman anegriffe oder hede anegriffen an libe oder guote [Corpus IV 135, Nr. 2785B (Spey)]. a. 1404: vnd hat zu riechten vber libe und gute, halsz vnd halszbende [PfWeist. 324 (LA-Edk)]. a. 1435: der ein pferdt hat und im thal sitzet, der frohnd nicht dann mit dem leibe [ebd. 177 (KB-Boland)]. 15. Jh.: vnnd mogen thun riechtten vber denn lipb, hals vnnd haupt [ebd. 497 (RO-Falkst)]. 16. Jh.: vnd were die fryheit breche, der uerlöre lyb vnd gut an der herren gnade [ebd. 827 (FR-Grünstdt)]. —
b. 'gesamter Körper', vom Menschen auch im Ggs. zu PfWB Seele, Leib (laib) [verbr. (außer westl. WPf), Christmann Kaulb 15, 63 Müller Dietschw 47 Mang 120 Schneckenburger 24 Lambert Penns 98 Buffigton-Barba Penns 154, verbr. Don Gal Buch], Läib (lęib) [verbr. westl. WPf (einschl. lothr. SWPf)]; Pl. Leiwer, Läiwer; Zs.: PfWB Tier-, PfWB Kleider- 1, PfWB Menschenleib; eppes uf'm L. hun 'etwas anhaben' [ RO-Schweisw]. Dem hänge die Lumbe vum L., von einem schlecht gekleideten Menschen [ KB-Weihf]. Der Anzug hängt em am L., als wann er net sein wär [ KU-Diedk]. Er hat sunscht nichts, als was er uf'm L. hat [ IB-Bliesmg/Bolch]. Nit emol die Kläärer uf'm L. ware sein [ PS-Schweix]. Der kennt alles hergewwe, was er am L. hot, von einem gutherzigen Menschen [ FR-Bockh]. Die Kläärer seimmer net vum L. kumm 'Ich habe in den Kleidern geschlafen' [ KU-Schmittw/O]. Mein ganze L. dut mer weh 'Mein ganzer Körper tut mir weh' [ PS-Erfw]. Sie zerrert (zittert) an L. un Seel (vor Angst) [ BZ-Dernb]. Sein L. werd morge begrawe [ LU-Oggh]. De L. verwest,

[Bd. 4, Sp. 887]
die Seel lebt weider [ LU-Opp]. RA.: Wer klüger ist, hot mihn Verstand im kläine Finger wie der anner im ganze L. [ KU-Schmittw/O]. Der kammer vum L. bleiwe 'Mit dem will ich nichts zu tun haben' [Land, verbr.]. Den schaff ich mer (halt ich mer) vum L., dass. [ NW-Frankeck]. Bleib mer drei Schritt vum L.! 'Komme mir nicht zu nahe!' [ LU-Limbghf]; mit dem Zusatz: sunscht muß dich de Deiwel hole! [ KL-Reichb]. Dem rick ich uf de L. 'Dem rede ich ins Gewissen' [ LU-Böhl, PS-Erfw]. Der is mit L. un Seel derbei (bei de Sach) 'mit Begeisterung, mit voller Hingabe' [LU-Opp, verbr.]. Er hängt an dem mit L. un Seel (an einem Gegenstand, den er haben möchte) [ NW-Frankeck]; Var. ... mit L. un Lewe [ KU-Bedb]; vgl. Bed. 1. Alles muß mit L. un Seel mitmache, sunscht geht nix zusamme [Kaislt]. Ich wääß mer s' Leibs kään Rot 'Ich bin ratlos' [ PS-Erfw]. Ich wääß meim L. kään Rot, dass. [ LA-Mörzh, KU-Brück], 'Ich fühle mich unwohl, habe andauernde körperliche Schmerzen' [ SP-Heiligst]. Er (Sie) hot de Deiwel im L. 'hat böse Gedanken, Absichten' [KU-Schmittw/O LU-Friesh Opp Krieger 11, 21], 's Dier im L. 'Er (Sie) rast, tobt' [ RO-Obd]. Wer nicht an Gott glaubt, außerhalb der Kirche steht, hat kää Religjon im L. [ ZW-Battw LA-Mörzh Nd'hochstdt]. SprW.: Esse un Trinke hält L. un Seel samme (beinanner) [KU-Kaulb, verbr., auch Don Gal Buch]; Var.: Gut gesse un getrunke... [Bergz]; auch vom Gegenteil: Gut esse un trinke treibt L. un Seel ausenanner (weil man davon dick wird) [PS-Haust, vereinzelt SPf]. Die Leit gucke eem net in de L., awwer uf de L. 'Die Leute sehen nicht was man ißt, sondern was man anhat' [ KU-Bedb]. Mann un Weib sin ään L., awwer net ään Ranze [ BZ-Dernb]. —
c. 'Rumpf des Körpers, Taille' [verbr. wie b.]; um de L. fasse (greife, messe) [ LU-Opp Friesh, KU-Bedb NW-Kallstdt]. Er hot'n um de L. genumme (gefaßt) (beim Ringen) [ LA-Gommh, Pirmas NW-Frankeck]. Ich han e dicker L. [ KL-Reichb]. Mein L. isch so dick wie e Drummel [ PS-Erfw]. Ich hab e ganz dinner L., auch: ich hab gar kän L. meh 'Ich bin abgemagert' [ LU-Opp]. Die hot e Stecke im L., von einer steifen, ungeschickten Person [ LU-Opp]. Der Schwääß laaft mer am L. erunner [ ZW-Battw]. Ich hon em die Knoche em L. enzwaa geschlaan [ KL-Niedkch]. Ich glaab, ich han kee eenzicher ganzer Knoche meh im L. [ KU-Kaulb]. Ich meen grad, es glierig Eise fahrd mer durch de L. unn es brennd wie die Hell [Westricher Kalender 1957 104]. Verwünschung: Wann de nor de Bachsteg iwwerzwerch im L. drin häscht! [Hebel 34]. Die hot ball nix meh uf'm L. 'Sie trägt ein auffällig kurzes Kleid' [ LU-Opp]. Die Veggelcher, Mennche un Weibche, / Sie singe so voll aus em Leibche; / Sin hoch in die Beem, / In

[Bd. 4, Sp. 888]
de Neschder deheem, / Im zärdliche Liebzeitvertreibche [Birmelin Penns Poems 25]. RA.: Do hot mer 's Herz im L. gelacht [ NW-Kallstdt]. Beteuerung: Mein Herz im L. hat net dran gedenkt [ KU-Bedb PS-Gersb NW-Elmst]; Var.: ...hot an nix Beeses gedenkt [ KU-Kaulb]. Er hot kän Herz im L. 'ist hartherzig' [ebd]. Der dät em 's Herz aus'm L. rausreiße, von fortwährendem, lästigem Betteln [Pirmas]. 's Finanzamt zählt ääm die Rippe, (die Därem) im L. [ LU-Opp, Friesh ZW-Battw], zieht ääm de letschde Blutstroppe aus'm L. [ LU-Opp]. BR.: Im Mai muß em Schäfer de Kill (Kittel) uf'm L. verfaule (weil es dann viel regnen soll) [ KU-Blaub]. —
d. 'Bauch'; Zs.: PfWB Unterleib [verbr. wie 1 b]; auch von Tieren: de Kuh (de Gans) ehr L. [verbr.]. Er hot noch nix im L. 'ist noch nüchtern' [ KB-Kriegsf]. Wend. für 'Ich habe Hunger': Ich han Schade im L. [KL-Hütschhs, verbr.], e Loch im L. [ RO-Münchw PS-Ruhbk], e Hund im L. [ ZW-Wiesb], Hochmut im L. [ KU-Herschw/Petth]. Ich hun's im L. 'habe Bauchschmerzen' [RO-Dielkch, verbr.], Schmerze im L., dass. [ NW-Kallstdt], 's Reiße im L., dass. [ ZW-Battw]. De L. dut mer weh, dass. [KU-Bedb, verbr., auch Gal]. Die Därem krimme sich em L., dass. [ KB-Kriegsf]. 's is mer in de L. g'fahre, dass. [ LU-Altr, ZW-Hornb], auch von großem Schreck [ ZW-Bechhf KL-Neukch]. Er hot's im L. 'hat Durchfall' [ NW-Freinsh], hot e dinne L., dass. [ LU-Opp, Pirmas], e feschde L. (wie Stään) 'hat Verstopfung' [ PS-Erfw], e harte L., dass. [ KB-Kriegsf]. Sei ganzer L. war ufgetribb [ KL-Reichb], geschwoll [ ZW-Battw], ufgeschwemmt (infolge von Wassersucht) [ PS-Gersb]. Scherzh. Spruch eines Trinkers: Wann ich e Glas Bier getrunke hab, do hab ich's im L. (das Bier) [ LU-Friesh]. Er muß vor Lache de L. halle (hewwe) [KU-Diedk, verbr.]. Er lacht, daß'm de L. wackelt [ KU-Bedb]. Wann ich den sähn, geht mer alles im L. erum (vor Ärger, Zorn) [ GH-Kand]. Dem Zornigen geht b'stännig d' Gall im L. rumm [PfL 31. 7. 1925]. Volksgl.: En ganz schwärz Hinkel dotgemacht une Blut verschitt, mitsamt de Fed're gebriht un gekocht, un en Supp devun gekocht un gesse is en schuri Kjur (engl. sure 'zuverlässig', cure 'Heilung') fer'n feschder L. (gegen Verstopfung) [Fogel Beliefs Penns Nr. 1458]. VR.: Ei, ei, ei, mein L. dut weh, / muß zum Dokter Heeger geh; / ei, ei, ei, des is e Mann, / der mei(n) Leibweh heele kann [Feierowend 5/1950 2]. —
e. Zs.: PfWB Kleider- 1 b u. 2, PfWB Mutter-, PfWB Oberleib.
2. übertr.
a.
α. 'Bauchteil der Hose' [KU-Körbn O'staufb PS-Fehrb BZ-Dierb GH-Kand]; Zs.: PfWB Hosenleib 1. —
β. 'unteres Kleidungsstück für die Frau' [ LU-Friesh Lu'haf NW-Wachh GH-Kand]; vgl. PfWB Leibchen. —
γ. Zs.: PfWB Hosenleib 2. —
b. Zs.: PfWB Kummetleib 'Kummetkissen'. —
c. 'das

[Bd. 4, Sp. 889]
Innere eines Gegenstandes' (der verschlossene Mechanismus einer Uhr, Puppe, Maschine). Zuruf an das Mädchen, das seine Puppe zerstört: Die muß jedem Ding in de L. gucke! [ LU-Opp]. Dem kammer net in de L. gucke, von einem Gegenstand, den man nicht untersuchen kann [ NW-Frankeck, mancherorts]. — Südhess. IV 249 ff.; RhWB Rhein. V 324 ff; LothWB Lothr. 333; ElsWB Els. I 543; Kluge-Mitzka20 432.
 
  
Leib-arzt m.: 'Röntgenarzt', Leibarzt [ LU-Limbghf]. — -bete s. Leibesbete. — -biene f.: 'Biene, die die Königin umsorgt', Imkerspr., Leibbien, Pl. -bien [ RO-Bistschd, GH-Wörth]. Südhess. IV 252. — -bild n.: 'Lieblingsbild', -bild [ LU-Limbghf]. — -binde f.: 'Schutzbinde für den Unterleib'. Leit mit 'm starke Leib tragen e Leibbind [ LU-Limbghf]. Der hat sich en Bruch g'hebbt, jetz muß er e Leibbinn trage [ PS-Erfw]. Südhess. IV 252.
 
  
Leibchen, Leibeln.:
1. 'Kleidungsstück für den Leib 1 c', Leibche [verbr. WPf NPf nördl. VPf Gal-Dornf], Leibje [ Buch-Illisch], Leiw(e)l, Leib(e)l [LU-Friesh verbr. mittl. u. südl. VPf Bertram § 321 Don-Bulkes Gert Werb]. Im bes.
a. 'enganliegendes Kleidungsstück für den Oberkörper der Frau (meist ohne Ärmel)' [KB-Kriegsf, verbr.]; vgl. PfWB Leib 2 aβ. —
b. 'Schnürleib, Mieder (auch zum Halten von Rock, Hose oder Strümpfen)' [KU-Kaulb Müller Dietschw 47 WD-Niedkch HB-Limb (PfId. 86) ZW-Battw Pirmas (Kieffer 51) KL-Lind]; vgl. PfWB Korsett; Zs.: PfWB Klapper-, Schnürleibchen. —
c. 'warme Unterjacke der Frau (mit oder ohne Ärmel)' [ PS-Schweix, mancherorts]. Mer muß jetz schun e L. anziehe [ LA-Gommh]. Des Weiwel hot de Deiwel im Leiwel, von einer bösen Frau [Krieger 63]. —
d. 'Leibteil der Knabenhose' [ KU-Diedk, vereinzelt]. An de Buwehose is e L. [ KB-Kriegsf]; vgl. PfWB Leibchenshosen. —
e. 'Weste der alten Frauentracht' [ KU-Rathskch NW-Weish/S]. —
f. 'Männerweste' [ SP-Schiffstdt, mancherorts, auch Don Gal Buch]; vgl. PfWB Schilee. —
2. e lang Leiwel 'eine übergroße männliche Person' [ LA-Insh]; Syn. s. PfWB Riese. — Südhess. IV 252/53; RhWB Rhein. V 329; ElsWB Els. I 543 Lip 2.
 
  
Leibchens-hosen Pl.: 'Hosenteil des Leibchens 1 d', Leibcheshose [ LA-Mörzh], -hosse [ NW-Wachh Gal-Josbg], Leibchershosse [ NW-Kallstdt]; vgl. PfWB Latzhosen 2, PfWB Leibhosen. Südhess. IV 253; RhWB Rhein. V 329.
 
  
Leib-diener m.: 'Schmarotzer'. Er is e richdicher Leibdiener [ KU-Diedk]. —