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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Irr-licht bis Irr-wisch (Bd. 3, Sp. 1310 bis 1311)
 
   Irr-licht n.:
1.
a. 'die nachts über Sümpfen auftretende Lichterscheinung', Errlicht, Pl. -lichder (ˈärliχd) [(1930) weit verbr., s. K 211], auch Dim. Errlichtche [vereinzelt, Gal-Augustd]. Syn.: PfWB Geldfeuer, -glut, PfWB Goldfeuer, -glut, PfWB Irrwisch 1, PfWB Leuchtwürmchen, PfWB Nachtlicht, PfWB -wisch, PfWB Sumpflicht. Nach dem Volksgl. sind die Irrlichter die Seelen der ungetauft verstorbenen Kinder [ PS-Lu'wink LU-Opp]. Andernorts hält man sie für böse Geister, die den nächtlichen Wanderer in die Irre führen wollen. Nach anderen Versionen des Volksgl. schwebt das I. über Stellen, wo einst ein Glücksfall geschehen, ein Verbrechen verübt oder im Dreißigjährigen Krieg Geld vergraben worden sei. Vgl. auch die Sage vom Stockweiher.
b. 'sumpfige Wiese' [ GH-Hagb]. —
2. 'Johanniskäfer' [ KU-Konk]. — Südhess. III 911; RhWB Rhein. III 1098; Bad. III 11.
 
  
irr-machen schw.: 'verwirren', errmache [verbr.]. 's Werrer (Wetter) hot die Leit errgemacht [ KU-Schmittw/O]. Sie han sich net e. losse [Feierowend Nr. 24/1953]. Südhess. III 909 Z. 33; Rhein. III 1097 Z. 43. — -plaudern schw.: 'wirre Reden führen', -plaudere [SOPf (Nachlaß Heeger)]. Südhess. III 909 Z. 63. — -reden schw.: dass., bes. von wirren Reden im Fieber, -redde [ Gal-Dornf].
 
 
Irr-sinn m.: nach dem Schd., Irrsinn, Err- [vereinzelt]; vgl. PfWB Tiefsinn, PfWB Verrücktheit, PfWB Narrheit, PfWB Schwachsinn. Südhess. III 911.
 
 
irr-sinnig Adj.: nach dem Schd., irrsinnich, err- [mancherorts]. Syn. s. PfWB verrücken 2 a. Südhess. III 911.
 
  
Irrtum m.:
1. wie schd., Errdum [mancherorts]; e großer E. [ NW-Kallstdt]. —
2. 'Rechtsstreit', vgl. PfWB Irrung 2. a. 1540: Wo sich nun ein irthum erhübe, so haben wir unsern obernhof zu Cussel, uns zu erholen im oberhofe wie von allter [PfWeist. II 531 (KU-Ulm, Flurskapelle)]. a. 1582: wer eß sach, daß ein geback nicht gebacken wehre nach nothurfft, darum sie in ihrtumb stunden, so soll solch brod ... auf ein sontag führ die gemein gepracht werden [ebd., II 520 (FR-Flomh)]. — Südhess. III 911; RhWB Rhein. III 1098; LothWB Lothr. 127 Errtum; Bad. III 12.

[Bd. 3, Sp. 1311]

 
  Irrung f.:
1. 'Behinderung', vgl. PfWB irren 2. a. 1346: ane (ohne) alle unser irrunge und widerrede [MüPfUrk. 2177]. —
2. 'Streit', vgl. PfWB Irrtum 2. a. 1543: derselbig alte zenk und irrung [Grimm Weist. V 643]. — Bad. III 12.
 
  
Irr-wasser n.: 'sumpfige Wiese', Errwasser, amtl. Irrwasser [ FR-Mörsch]. — -weg m.: wie schd., -weg [vereinzelt]. Du bischt uf'm E. 'falsch unterrichtet' [ ZW-Battw]. Südhess. III 911; RhWB Rhein. III 1098. — -wisch m.:
1. = PfWB Irrlicht 1, Errwisch, vereinzelt Irr- [zur Verbr. s. K. 211]. Deutung und sagenhafte Umkleidung sind die gleichen wie bei Irrlicht 1. —
2.
a. 'Mädchen mit zerzaustem Haar' [ GH-Minf]. —
b. 'umhertollender Mensch', bes. von flatterhaften Mädchen

[Bd. 3, Sp. 1312]
[verbr., auch Don Gal Buch]. Schimpfw.: Du Errwisch! [ KU-Diedk Trahw Bechb Kaislt]. Auch anerkennend für ein gewandtes, flinkes Mädchen: Des is e fixer E. [ NW-Dürkh]. —
c. 'gedankenloser, zerfahrener Mensch' [mancherorts]. Des is mol e E.! [ KL-Enkb]. —
d. 'Halbverrückter'. Das is doch e E., dem geht mer am beschde aus'm Weg [ KU-Lohnw]; vgl. PfWB verrükken 2 a. —
e. 'Kobold' [PS-Herschbg KL-Stamb]; vgl. PfWB Holleho 2. Geh net naus ins Dunkle, de E. kummt! [ZW-Stamb]. In der Adventszeit werd vun de Geischder, vun de Adventsmänncher oder Feiermänncher un vun de Errwische verzählt [vereinzelt Gal]. — Südhess. III 911/12; RhWB Rhein. III 1098; Bad. III 12.