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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Glut-haufen bis gnappen (Bd. 3, Sp. 363 bis 364)
 
   Glut-haufen m.: 'Haufen Glut', Gluthaufe [ RO-Dielkch PS-Erfw LA-Wollmh Gal-Dornf]. Südhess. II 1404. — -hitze f.: 'glühende Hitze', -hitz [verbr.]. Do is e G. wie im'e Backofe [ PS-Erfw]. Südhess. II 1404.
 
  
glütig Adj.:
1.
a. 'glühend', glirich (glīriχ, -i) [WPf NPf nördl. VPf seltener mittl. u. südl. VPf], glidich (glīdiχ, -i) [Pirmas verbr. mittl. u. südl. VPf Lambert Penns 66 verbr. Don Gal Buch], (glīðiχ) [KU-Kaulb (älteste Gener. 1925) Gal-Dornf Buch-Illisch Don-Werb], glilich (glīliχ) [ KU-Bedb BZ-Steinf Kapswey]; vgl. PfWB glühnig. Der Schmied macht 's Eise g. [verbr.]. Er hat sich an de g. Platt verbrennt [ KU-Kübbg]. RA.: Er sitzt wie uf gliriche Kohle [verbr.]. Nor g. Eise loßt er leie (alles andere stiehlt er) [KB-Marnh, verbr., auch Gal]. 's is e Karer (Kater) met'me gliriche Schwanz dorch die Scheier, vom Anzünden einer Scheune [ KU-Schmittw/O KL-Reichb]. Denne muß der g. Deiwel hole [ KL-Gimsb]. Volksgl.: Wann die Millich verhext is, soll mer 'n glidich Eise neindun [Fogel Beliefs Penns Nr. 861]. —
b. 'funkelnd'. Im Dunkeln hot die Katz glidiche Aue [ KU-Kaulb, KL-Trippstdt ZW-Gr'bundb BZ-Dernb]. —
2.
a. 'glühend heiß'. De Owe (Ofen) es g. [KB-Kriegsf, verbr.]. Die Supp isch jo noch g. [ NW-Gimmdg]; g. hääß [ RO-Lettw]. Die Luft es heit g. wie em'e Backowe [ FR-Bockh]. 's Grummet kann g. werre, wann's naß inkummt [ ZW-Gr'bundb]. —
b. 'fiebrig im hohen Grad'; e gliricher Kopp [ KU-A'glan]. —
c.

[Bd. 3, Sp. 364]
'leicht erregbar'. Das is e Gliricher [ KU-Bruchmb Kübbg PS-Gersb]. Er hot mancher Mad schun 's Herz verquetscht, un mancher macht er's g. [Schandein Ged. 67]. — Südhess. II 1404; Rhein. II 1287 Z. 15/16; LothWB Lothr. 208; ElsWB Els. I 263; Bad. II 439.
 
 
glütig-rot Adj.: 'glühend rot'. Balleh leien do die Kohle in der Mitt, ganz glühdigrot [Kühn Hamet 68]. Rhein. II 1289 Z. 28.
 
 
glutschen, glutsenschw.: 'glühen'. 's Feier dut noch glutsche [ Gal-Dornf], glutse (glūdsə) [ Gal-Obl]. RhWB Rhein. II 1290.
 
  
Gnade f.:
1. wie schd., Gnad (gnād) [mancherorts], Gnod (-ō-) [ KU-Rothsbg]; e G. erweise, umgspr. [verbr.]. Er hot käi G. vor meine Aue [ WD-Niedkch]. Ich will noch emol G. vor Recht ergehe losse [ LU-Opp]. Ortsneckerei: Wer iwwer de Reiter (Reiterhof) geht un kriet keen Wind, wer durch Hohschte (RO-Hochst) geht un sieht keen Kind, wer durch Winnwiller geht ohne Spott, der hot e G. vun Gott [ RO-Gundw Alsbr]. Eine WR. s. PfWB Baden. Gar mancher hot unserm Herrgott gedankt for die G. [Hartmann Unkel 30]. Du bischt e braver Mann, .. du derfscht der jetz e G. aushalle [Münch Weltgesch. 108]. a. 1456: von gots gnaden apt zu Hornbach [PfWeist. II 649 (KU-Glanmünchw)]. a. 1537: Ein Gewalttätiger soll sonnder genad gestrafft vnnd angenomen werden [PfWeist. II 610 (RO-Gaugrw)]. —
2. zu Gnaden kommen 'nach einer Krankheit oder nach einem geschäftlichen Niedergang sich wieder erholen'; zu Gnade kumme [Beam Penns 43]. Er kann net zu G. kumme [ KU-Schmittw/O NW-Kallstdt]. Er kann zu keener G. kumme 'nichts erreichen' [ KB-Gauh]. Der Henn, der stellt sich uf die Bee, doch kummt er net zu Gnade [Birmelin Penns Gezw. 61]. — Südhess. II 1404; RhWB Rhein. II 1291; LothWB Lothr. 210; ElsWB Els. I 221, 758; Bad. II 440.
 
  
gnaden schw.: in der Wendung: gnad deer Gott!, Drohung [ KU-Schmittw/O LU-Opp]. ElsWB Els. I 221; Bad. II 440.
 
  
Gnaden-brot n.: nach dem Schd., Gnadebrot; er kriet 's G. [ KB-Kriegsf]. Südhess. II 1405; RhWB Rhein. II 1291; Lothr. 210; Bad. II 440.
 
  
gnaden-reich Adj.: im Neujahrswunsch: Prost Neijohr, gnaderäch! Mein Geld (will ich) gläch! [ GH-Neubg]. DWB DWb. IV/1, 5, Sp. 582 ff.
 
  
gnädig Adj.:
1. wie schd., gnädich (gndiχ, -i) [mancherorts], gnärig [Schandein Ged. 53]. O sei uns g., liewer Herr! Mer gewwe Preis un Dank fer's Esse do uf unserm Disch, des kummt aus deinre Hand [PennsDeitschEck 27.5.1939]. BR.: Wann's de Hornung g. macht, bringt de Lenz de Froscht bei Nacht [ GH-Zeisk]. —
2. 'glimpflich'. Die Richter han's jo noch g. gemacht mit'm [Kaislt]. — Südhess. II 1405; RhWB Rhein. II 1291; LothWB Lothr. 210; ElsWB Els. I 221; Bad. II 440.
 
  
gnappen schw.: 'hinken', knappe, gnappe (gnabə) [verbr.], knappen [Journal 1787, S.

[Bd. 3, Sp. 365]
213]; vgl. PfWB schnappen. Er hot e Hiftgelenkentzindung g'hatt, jetzert knappt er [ LU-Opp]. Sie macht en Buckel, daß mer's net so sieht, daß se knappt [ SP-Schiffstdt]. Der Gaul knappt uf der Hinnerhand [ LA-Gommh]. — Mhd. g(e)nappen, gnaben. Die Aussprache des Wortanfangs ist die gleiche wie in gnag, s. Genick/Genack. Die Gewährsleute bevorzugen die Schreibung kn-. Südhess. II 1405; ElsWB Els. I 264/65.