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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Gatter bis Gau (Bd. 3, Sp. 58 bis 59)
 
Gatter, m.,  n.
gatting(en), Adj.
gattings, Adj.
Gattings-anzug, m.
Gattings-grundbirnen, Pl.
Gattings-kuh, f.
Gattung, f.
Gatting, f.
gätzen, schw.
gatzig, Adj.
gatzig, Adj.
Gatz-vogel, m.
Gau, m. n.,  selten  f.,  m.
Gäu, m. n.,  selten  f.,  m.
Gau-, f.
Gäu+-ahm, f.
Gau-bahn, f.
Gau-bauer, m.
Gaube, f.
Gauben-fenster, n.
Gaub-loch, n.
Gaubloch-fenster, n.
Gäu-butz, f.
Gauch, m.
Gauch-heil, m.
Gauch(s)-bach, f.
Gauch(s)-berg, m.
Gaudi, f.
Gau-dieb, m.
gaudieren, schw.
Gau-eiche, f.
gauen, schw.
Gauers-heim, ON
Gauf
Gau-fahrt, f.
Gau-fuder, n.
Gaugau(k), m.
Gau-grehweiler, ON
Gaugsch
Gaugschel
Gauke, f.
Gaukel, m.,  f.
Gaukel-dings
gaukelig, Adj.
gaukeln, schw.
Gaukel-rose, f.
Gäukel-stecken, m.
Gau-klepper, m.
gaukelieren, schw.
Gaukler, m.
gauksen
Gaul, m.
Gaul-ampfer, m.
Gauler-, m.
Gäulchens, n.
Gäulens, n.
gäulen
Gaulen-peitsche, f.
Gauler-, f.
Gaulen-wutsch, m.
Gauler, m.
Gauler-ampfer
Gäuler-gasse, f.
Gäu-leute, Pl.
Gäule-verrecken, n.
Gaul-hutsch, m.
gaulig, Adj.
Gaul-katze, f.
Gaul-ramber
Gauls-ämpferich, m.
Gäuls-ämpferich, m.
Gauls-apfel, m.
Gauls-barn, m.
Gauls-bauer, m.
Gauls-biß, m.
Gauls-blume, f.
Gauls-bremer, (f.
Gauls-bube, m.
Gauls-bürste, f.
Gauls-decke, f.
Gauls-dieb, m.
Gauls-dreck, m.
Gauls-drecker, m.
Gauls-eimer, m.
Gauls-fahnen, Pl.
Gauls-fleisch, n.
Gauls-fuhre, f.
Gauls-fuhrmann, m.
Gauls-fuhrwerk, n.
Gauls-fuß, m.
Gauls-futter, n.
Gauls-gässel, n.
Gauls-geißel, f.
Gauls-gelbrübe, f.
Gauls-geschirr, n.
Gäulsgeschirr-stange, f.
Gauls-, n.
Gäuls-gesicht, n.
Gauls-gespann, n.
Gauls-getrappe, n.
   Gatter m., n.:
1. 'Gitter als Tor oder Zaun', 's Gatter [ BZ-Billh]; vgl. Gegitter 1 b. —
2. 'Grenze des Hofbesitzes', s. DWB DWb. IV/1, 1, Sp. 1505. a. 1437: die faugtlude sien schuldig, den faüden ir gulte ein myl weges zü fyeren vnd das faugtrecht über den gadern zu reichen [PfWeist. I 391 (IB-Ensh)]. a. 1508: seiner gnaden ein vogthune vnnd ein zainn voll hauws vber denn gadernn [ebd. II 630/31 (IB-Gersh)]. — Südhess. II 1111/12; RhWB Rhein. II 970 ff.; ElsWB Els. I 242; Bad. II 300/01.
 
  
gatting(en), gattingsAdj.: 'passend, gut geeignet', gatting (gadiŋ), gattinge, gattings [zur Verbr. s. K. 147], gattig [SOPf (Nachlaß Heeger) IB-Blieskst (PfId. 50)], gattingche [ ZW-Bechhf], gadinkl [Lu'haf]. Zs. mittel-, ungatting. —
1. meist attributiv. Das is e gatting Kuh [KU-Trahw, verbr.], e gattingsi K. [BZ-

[Bd. 3, Sp. 59]
Gossw, verbr.], e gattings Kihche [FR-Carlsbg, verbr.]. Er hot gattingene Gail [BZ-Böllbn, verbr.], gattingse G. [KB-Albish, verbr.]; e gatting Kliftche 'Anzug' [ ZW-Bechhf]; e gattingser Owe (Ofen) [ FR-Kindh]. Das is e gattinge Hais'che for mich [KU-Kaulb, verbr.]. Er is e gattings Berschelche 'gewandtes Bürschlein' [RO-Rehbn, verbr.], e gattingser Mann [ RO-O'mosch]. Ich wääß e gatting Fraa for dich [ KL-H'spey]. Baanwollbiewerne, leine Hosse sin im Wald die gattingscht Tracht [Kühn Schnitze II 61]. —
2. seltener präd. und adv. Der Anzug is gattings [RO-Börrstdt Sippf KB-Weihf], esch gatting [ BZ-Gossw]. Die Kuh is gatting [ KU-Blaub]. Das is grad so gatting [ SP-W'see], is mer gatting [ IB-Wolfh PS-Geisbg Kaislt]. Mein Gesicht soll sich zum Pottegrafeere net ganz gatting gemacht hun [Kühn Schnitze II 133]. Das kummt mer grad gatting 'gelegen' [ KL-Gimsb], gattings [ FR-Tiefth]. Es geht gatting 'gut' [ SP-Harths]. — Zu mhd. gaten 'vereinigen, an die Seite stellen'; vgl. auch DWB DWb. IV/1, 1, Sp. 1492 gätlich 2h, 3. — Südhess. II 1112/13; RhWB Rhein. II 975; Saarbr. 70; LothWB Lothr. 184; ElsWB Els. I 242; Bad. II 301.
 
  
Gattings-anzug m.: 'gut sitzender Anzug', Gattingsaanzuch [ NW-Frankeck]; vgl. gatting(en) 1. — -grundbirnen Pl.: 'Kartoffeln, die einem zusagen', -grumbeere [ IB-Blieskst]. — -kuh f.: 'passende Kuh', -kuh [ KU-Albess ZW-Dellf].
 
 
Gattung, Gattingf.: 'Qualität', z. B. von Früchten, Gatting [Gal-Brig Landtreu]. a. 1596: 161 Brechsamen (?) ganz geringer gattung [WerschwSchR, Bl. 188]. Südhess. II 1113 and. Bed.; ElsWB Els. I 242; Bad. II 302.
 
  
gätzen schw.: 'bellen', gätze [ GH-Neubg]; vgl. PfWB gauzen 1 a. Südhess. II 1113 und Bad. II 302 and. Bed.
 
 
gatzig1 Adj.: in der Wendung in der gatzigen Weile 'soeben' [SOPf (Nachlaß Heeger)]. — Wohl eine landschaftliche Form zu PfWB jetzig.
 
  
gatzig2 Adj.: 'zu Späßen aufgelegt'. Der war als Kind schun so gatzich un g'spässich [ NW-Gimmdg]; vgl. PfWB Gatzvogel 1.
 
  
Gatz-vogel m.:
1. 'Spaßmacher, der andere gern neckt und zum besten hält', Gatzvool, -vochel, s. PfWB Vogel [verbr., Schandein Sprachsch. 73 Don-Schowe]; vgl. PfWB gatzig2, Spaß-, PfWB Uzvogel. Bei dem do muscht ufbasse, des isch 'n großer Gatzvochel [ NW-Gimmdg]. a. 1667: In Kaislt hat der Bürger Nötling einige Leute der Gesellschaft Gatzvögel geheißen [Küchler 330]. —
2. 'Geck, Sonderling', Gatzvool [ Gal-Reichb]. — Der erste Wortteil zu Gatz 'Geschwätz, Spott', s. DWB DWb. IV/1, 1, Sp. 1515. — Südhess. II 1113/ 14; RhWB Rhein. IX 1241.
 
  
Gau m., Gäu n., selten f., m.:
1.
a. 'der zwischen Lustadter und Haßlocher Wald gelegene Teil der pfälzischen Rheinebene', Gää (g)

[Bd. 3, Sp. 60]
[Spey LA-Gommh Venn Wollmh GH-Kand PfId. 48 Schandein Sprachsch. 236 Keiler 13, 107]. Un Pälzer Duwak wachst im Gai, doch bloß for starke Männer [Räder 49]. —
b. 'Bliesgau'; ins Gai fahre [ ZW-Hornb]. —
c. 'Verwaltungsbezirk'. a. 1596: reisen Nahr dem Wurmbser Vnnd Mentzer gaw [WerschwSchR, Bl. 300]. a. 1596: ein Gauer Fueder 'im Wormsgau geltendes Fudermaß' hat 6 Ohm [ebd., Bl. 3]. a. 1596: ein Gaur fueder thut 9 ohm Queicheich [ebd.]; vgl. PfWB Gaufuder. —
2. 'ebenes, offenes und waldloses Land', Gai [PfId. 49]; vgl. PfWB Gaugrehweiler. a. 1604: Ein Acker am heiligen Creutzwege gelegen, geforcht 'begrenzt' naher Waltt vnd gaw [Lgb. 120, Bl. 24/25 (KB-Göllh)]. =
3. Dim. 'kleines Grundstück', vgl. DWB DWb. IV/1, 1, Sp. 1522 Gau 2d. a. 1518: ein gouill (auch: geuill) genant die nassauwiße zu wydenthal [Kurpf. 1659/15, Temporalbestandsbrief Weidenthal]. —
4. 'zäher, lehmiger Kalkboden', Gau [lothr. SWPf (Nachlaß Keiper)]. —
5.
a. 'Geschäfts-, Interessenbereich'.
α. gegenst.; ins (auch: ufs) Gai gehe 'auf's Land gehen, um Vieh zu kaufen', bes. von Metzgern gebraucht [Kus RO-Obd KL-Gimsb NW-Kallstdt BZ-Dörrb], Gäi [ KU-Blaub]. Volksgl.: Der Mäher muß beim Getreideschnitt in seinem G. bleiben, damit die Roßbacher kein Kreuzweh bekommen [KU-Roßb Wolfst (Vogelsgesang 24)]. —
β. einem ins G. gehen (als Konkurrent); ins Gaai gehe (kumme) [ KU-Kaulb Kreimb Dietschw KL-Siegb Pirmas Gal-Hartf], Gai [verbr. WPf RO-Messbhf FR-Grünstdt NW-Hardbg Kallstdt Kühn Hamet 108 Schandein Sprachsch. 73 Klein Prov. 133], Gäi [ KU-Schmittw/O], Gäu [RO-Obd Land BZ-Dernb]; vgl. PfWB Gebiet 1 a, PfWB Gehege 1 b. Sie gehe enanner ins Gai 'bemühen sich um das gleiche Mädchen' [Kühn Schnitze]. Bleib mer aus mei'm Gai! [ KL-Gimsb]. —
b. 'Gesichtsfeld'. Geh mer aus'm Gai! [ RO-Ruppeck], Gäi [ KU-Schmittw/O]. Er kummt mer in die Gää 'entgegen' [ KL-H'spey]. —
6. RA.: Er hot eppes im Gaai 'hat etwas vor' [(1930) Pirmas KU-Kaulb Kreimb]. — F.: Genus der F. mit Umlaut fast allg. n.; f. ist belegt für ZW-Bottb und Spey (PfId. 48), m. für LU-Böhl und bei Schandein Ged. 236. — Südhess. II 1114; RhWB Rhein. II 1052; Saarbr. 71; LothWB Lothr. 184; ElsWB Els. I 191; Bad. II 302.