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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Fleischwurst-fresser bis flennen (Bd. 2, Sp. 1451 bis 1452)
 
  Fleischwurst-fresser Pl.: Uzname für die Bewohner von RO-Dörrmosch, rrmoschler Flääschworschtfresser.
 
  
Fleisch-zahn m.: in RA: sich die Flääschzähn rausroppe 'auf den Fleischgenuß verzichten müssen' [ LU-Friesh]. Kannsch der die F. ziehe losse, dass. [ KL-Fischb KB-Kriegsf]. Südhess. II 796; RhWB Rhein. II 596. — -zuber m.: = PfWB Fleischbütte, Fleischzuwwer [ Buch-St. Onufry], Fleesch- [Beam Penns 36]. Südhess. II 796; RhWB Rhein. II 596.
 
 
Fleiß m.:
1. 'Beflissenheit, Arbeitseifer', in der lebenden Alltagssprache kaum gebräuchlich; vgl. PfWB fleißig. SprW.: Fleiß schafft Brot, Faulheit bringt Not [ Don-Gottlob]. a. 1339: von worte zu worte mit flisze vberlesen [OttbgUrkb. 408]. a. 1352: dieselbe ailff ampellen allweg mit vleiß anzinnen [PfWeist. I 352 (LA-Edh)]. —
2. volkstümlich in der Wendung mit F. bzw. zu F. 'mit Absicht'. Mer Lauser henn gelacht un immer mit F. ihn so hitzig gemacht [Zahn Pläsier 95/ 96]. Er hot mer das zu F. oongedu (angetan) [Gal-Reichb, verbr. Don Gal Buch]. — Südhess. II 796/97; RhWB Rhein. II 596/97; ElsWB Els. I 172 Fliss; Bad. II 176.
 
  
fleißig Adj.:
1. wie schd., fleißich (flaisiχ, -i) [WPf NPf nördl. u. südl. VPf vereinzelt mittl. VPf], (-ḁi- bis -ǫi-) [fast allg. mittl. VPf (Bertram § 91, 92)], (-ḁi-) [vereinzelt mittl VPf. (Bertram a. a. O.)]; vgl. PfWB emsig. De ganze Dag schafft er brav und f. [Zahn Pläsier 126]. Sie is so f. wie e Bien [KL-Matzb, verbr.]. Sie sin f. wie die Ometze (Ameisen) [ Don-Gertianosch]. Er is f. wie die Pann uf der Faßnacht [ Gal-Sap]. Die Imme sin heit f. 'Die Bienen tragen viel ein' [ BZ-Klingmst]. Zuruf an Arbeitende: Fleißich? [LA-Altd, verbr. bes. VPf]; geht's f.? [NW-Hamb, verbr.]; oft mit Zusätzen wie: schutzt's 'geht es gut voran?' [LU-Neuhf, verbr.]; schafft net so viel! [ LU-Maud]. Die Arbeitenden antworten: wennich! [ NW-Geinsh]; jo, e bissel [ NW-Freinsh, KU-Schmittw/O]; 's hot mich noch kenner gelobt [ GH-Vollmw]. RA. vom müdemachenden Wetter: Bei dem Werrer schafft äin Faulenzer so veel wie 90 Fleißiche [ WD-Niedkch]. SprW.: En fleißicher Hahn werd selde fett [ NW-Deidh]. E fauler Esel traat sich eher dot wie e fleißicher [ KU-Trahw]. Die Faule werre am Owend f. [ebd.]. E fleißichi Mutter - e fauli Dochter [ KU-Diedk PS-Saalstdt]. Wann de Mann is noch so f. un die Fräi is

[Bd. 2, Sp. 1452]
liererlich, geht doch alles hinner sich [ KU-Schmittw/O]. KR.: Sechs mol sechs isch sechsedreißich, un der Mann isch noch so f., un die Fraa isch lidderlich, geht alles hinnerschich [ GH-Schwegh]; Var. s. PfWB Bett 1 a, PfWB Bube 1, PfWB faul 2 a; vgl. auch Katharine-Elisabeth. AR.: Zehn, zwanzich, dreißich; wer ist f.? wer ist faul? der kriegt e paar uf's Maul [ FR-Studh]. Kinderspiel s. PfWB faul 2 a. a. 1437: zu mehrer bestedigunge, sicherheydt vnd vestigkeit (hait er) mit fleisigem ernst gebeden, ... daß sie vndt iglich besunder syn yngesigelt an diß offen instrument wullen henken [PfWeist. I 31 (RO-Als)]. a. 1469: haben wir vffs vleissigst gebetten vnnd erbetten, das er vnß dasselbig (weißtumb) vffs pergamen schrifftlich vbergeben wollen [ebd. I 107 (KU-Berzw)]. —
2. im Blumennamen 's fleißich Liesel 'Balsamine' [KU-Brück PS-Gersb KB-Kriegsf NW-Kallstdt Land verbr. Gal]; 'Zimmerbalsamine' [ KU-Schmittw/O]; vgl. PfWB Glasblume. — Südhess. II 797; RhWB Rhein. II 597; LothWB Lothr. 167 flissich; ElsWB Els. I 172; Bad. II 176.
 
 
Flembeere s. PfWB Brombeere; Flemen s. PfWB Flämen.
 
  
Flemme f.:
1. 'Abneigung vor etwas', bes. 'Arbeitsunlust'; die Flemm han [IB-Ballw/ Weckling, verbr. SWPf mancherorts KL KB NW-Hardbg BZ-Gossw Dimb]. Do hab ich die F. devor [ZW-Stamb Gr'steinhs PS-H'einöd Schmalbg Leim LU-Ruchh]. Er kloppt die F. 'faulenzt' [Kus Spey]. —
2.
a. 'Angst vor etwas, bes. vor einer Unternehmung' [verbr.]. —
b. 'Angst vor jemand'. Ich han F. vor ihm [ HB-Einöd Pirmas]. —
3.
a. 'fiebrige Erkältung, Grippe' [ HB-Peppk KU-Wolfst RO-Als GH-Freisb]. —
b. 'Katzenjammer, starkes Unbehagen, Ermattung als Folge des Alkoholgenusses'. Er hat werrer die F. [ZW-A'hornb, verbr. wie 1, dazu NW-Bobh LA-O'hochstdt BZ-Schwanh]. —
c. 'Niedergeschlagenheit nach einem Fehlschlag' [ KL-Ramst]. —
d. 'Verrücktheit' [ KL-Morlt]. —
4.
a. sachl. 'Schaden, Nachteil, bes. in beruflicher Hinsicht' [ KU-Albess Quirnb]. —
b. persönl. 'wehleidiger Mensch'. Das is e aldi F. [ KL-Einsdhf]. — Frz. flème, flemme. Das Wort ist bei uns, der Verbreitung nach zu schließen, vom Lothringischen her in der SWPf aufgenommen worden und hat sich von hier in der ganzen Pfalz verbreitet. Zeit der Aufnahme kaum vor 1800, wie das Fehlen von Belegen bei den Auslandspfälzern vermuten läßt. — Südhess. II 797; RhWB Rhein. II 544/45 Flämm; Saarbr. 65; LothWB Lothr. 166; ElsWB Els. I 169.
 
  
flemmisch Adj.: 'ohne Appetit', flemmsch (flęm) [ ZW-Gr'bundb]. — Zu PfWB Flemme 1. — RhWB Rhein. II 549 flämsch.
 
 
Flendes s. PfWB Fläntes.
 
  
flennen schw.: 'weinen', flenne (flenə) [verbr., Kühn Hamet 106 Schandein Sprachsch. 21

[Bd. 2, Sp. 1453]
Lambert Penns 57 Klein Prov. 118], (flęnə) [ LU-Alsh BZ-Hofstätt Dierb]; 'stark und brüllend weinen' [Lu'haf Don-Hatzf Schowe Torscha verbr. Gal]. Syn. s. PfWB greinen. Das flennt de ganze Dag [ Gal-Dornf]. SprW.: Flenne nooch der Tat kummt se spat [ BZ-Dierb]. Südhess. II 798; RhWB Rhein. II 598; ElsWB Els. I 170; Bad. II 176/77.