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Pfälzisches Wörterbuch 
 
er-kennen bis er-kundigen (Bd. 2, Sp. 938 bis 940)
 
   er-kennen schw.:
1. 'merken, wer oder was es ist', erkenne [allg.]. Erkennschde mich net? [ NW-Kallstdt]. Ich han 'ne net gleich erkennt [Kaislt]. Er is ums Erkenne greeßer wie du [ Gal-Dornf]. —
2. 'richtig beurteilen'. Die Fraa hot des zuerscht erkannt(!), daß mer de Woin spritze muß [ NW-Gimmdg]. —
3. 'urteilen, entscheiden', oft in den Wend. wissen und erkennen, erkennen und bekennen. a. 1357: Dies ist erkannt worden von den scheffen zu Altheim [PfWeist. I 55 (HB-Alth)]. a. 1437: Darof sie sich entsonnen vnd darnach mit orteyl erkannt vnd geweiset han [ebd. I 31 (RO-Als)]. 15. Jh.: Item wir wissen vnnd erkennen auch obgemelter vnnser gnedig herschafft von Falckenstein [ebd. II 497 (RO-Falkst)]. a. 1400 (1560): so erkennen vnnd bekennen wir schultheisen vnnd gantze gemeindt [ebd. II 563

[Bd. 2, Sp. 939]
(NW-Freinsh)]. — Südhess. II 249; RhWB Rhein. IV 414; Bad. I 703.
 
  
er-kenntlich Adj.: erkenntlich sein 'durch ein Geschenk sich dankbar zeigen' [ LU-Böhl]. Südhess. II 249; Rhein. IV 416.
 
 
Er-kenntnis f.: 'Urteil, Urteilsspruch'. a. 1437: Solche obgeschrieben wysonge, erkentniße vnd geschichte [PfWeist. I 31 (RO-Als)]. a. 1628: und soll der becker das (nicht ordentlich gebackene) brot bezahlen nach ehrbarer leut erkenntnus [PfWeist. II 600 (LU-Fußgh)]. DWB DWb. III 869ff.
 
  
Erker m.:
1. 'kleiner Balkon', Erker (ärkər) [ KL-Fischb]. —
2. scherzh. 'Nase' [ PS-W'fischb]. Zs. PfWB Gesichtserker. Syn. s. PfWB Nase. — Südhess. II 249/50; RhWB Rhein. II 167; Bad. I 704.
 
 
er-klagen schw.: 'durch Klage vor Gericht erreichen'. a. 1492: dasz man die blume (s. PfWB Blume 3 'Ackerertrag') ... alle jahr musz erclagen [Grimm Weist. V 1492 (NW-Haßl)]. Südhess. II 250.
 
  
er-klären schw.:
1. 'durch Worte verständlich machen', erkleere [allg.]; vgl. PfWB auslegen 2, PfWB auseinandersetzen, PfWB klarmachen. Des muschde mer e. [ LA-Gommh]. Erkleer mer emol, wie de's määnscht [ LU-Böhl]. —
2. sich etwas e. 'verstehen, begreifen'. Ich kann mer das net e. [KU-Kaulb, verbr.]. —
3. 'nachdrücklich mitteilen'; de Kriech e. [allg.]. Er hot sein Austritt aus'm Verein erkleert [ KU-Schmittw/O]. Südhess. II 250; Bad. I 704.
 
  
Er-klärung f.: nach dem Schd., Erkleerung [verbr.]. Zs. PfWB Kriegserklärung. Dein E. versteh ich net [ LU-Böhl]. Südhess. II 249.
 
  
er-kobern schw.:
1. sich e. 'sich erholen, wieder emporkommen', vorn. 'wirtschaftlich in die Höhe kommen', bes. 'aus einer mißlichen Lage, nach Fehlschlägen sich wieder emporarbeiten', 'nach einer Krankheit wieder zu Kräften kommen', letzteres vom Menschen, aber auch von kranken und im Wachstum zurückgebliebenen Tieren und Pflanzen, erkowwere (ərkǫwərə) [fast allg., auch Don-Gertianosch Tschest Gottlob Gal-Brig Josbg Slawitz Obersd], rkōwərə) [Kus IB-Bliesmg], rkḁwərə) [ KU-Dietschw GH-Kand]; vgl. PfWB erkollern, PfWB kobern, PfWB koberig. Syn.: PfWB aufkommen 1, -raffen 2, PfWB emporkommen, PfWB -schwingen, PfWB erholen, PfWB erobern, PfWB herausmachen, -quäckeln, PfWB -schaffen, PfWB hinaufschaffen, PfWB hochkommen, (zu sich, zu etwas, in die Höhe) kommen, (sich) machen, (sich in die Höhe) schaffen, vorwärtskommen, (sich) zusammenlesen. Sie hän sich erkowwert un sin zu eppes kumme [ NW-Weish/S]. Er war schwer krank, jetzt hot er sich awwer schun e bißche erkowwert [ RO-Falkst]. Unser Kläänes erkowwert sich wirrer [ KU-Trahw Bechb]. Des Hinkelche werd sich unner de Gluck wirrer erkowwere [ BZ-Nd'ottb]. 's Plänzl hot sich doch

[Bd. 2, Sp. 940]
noch erkowwert [ GH-Freisb]. Die Rewe erkowwern sich wirrer (nach einem Frosteinbruch) [ NW-Kallstdt]. —
2. trans.
a. 'wieder zu Kräften bringen'. Der Rege hot die Plänzle erkowwert [ BZ-Dernb]. —
b. 'gewinnen, erwerben'. a. 1387: Item daz gut zu Agerßheim, daz herre Johan von Wertenberg inne hait, waz wir dar anne erkobern mugen, daz sol ouch unser alleyne sin [MHVPf. 33. Bd., S. 6]. Zs. PfWB auserkobern. — Der historische Beleg ermöglicht die Anknüpfung an mhd. erkoberen, -koveren 'erholen, gewinnen', refl. 'sich erholen' ( Lexer Lexer I 643), ahd. irkoborōn 'erlangen' (Graff IV 357), das von lat. recuperare hergeleitet wird ( DWB DWb. III 879, I 1544 ff.). Das Wort scheint in der Pfalz im 18. Jh. noch wenig volksläufig gewesen zu sein, denn Journ. (1786 ff.) und Klein Prov. (1792) verzeichnen es nicht; auch ist es bei den Auslandspfälzern nur selten (in Penns überhaupt nicht) belegt. Erst in der Zeit der Zugehörigkeit der Pfalz zu Frankreich (1793-1814) dürfte es bei uns unter dem Einfluß von frz. recouvrer 'wiedererlangen' stärker durchgedrungen sein. — Südhess. II 251; RhWB Rhein. IV 1094; Saarbr. 58, 165; LothWB Lothr. 126; ElsWB Els. I 418; Bad. I 704; ZfdW. IX 319.
 
  
er-kollern schw.: Er hot sich wieder erkollert 'erholt' [ KB-Kerzh]. — Verderbtes erkobern?
 
  
er-kriegen schw.: sich e. 'nach einer Aufregung ruhig werden', sich erkriee (ərgrīə) [ WD-Niedkch]. Dafür zumeist (sich) beruhigen. RhWB Rhein. IV 1505/06; Saarbr. 58.
 
 
er-kundigen schw.:
1. sich e., wie schd., sich erkunniche [verbr.]. —
2. 'ermitteln, feststellen'. a. 1400 (1560): so dan derselbich (Holzdieb) sobald ergriffen oder in jaer vnd tag befunden vnd erkundigt wirdt, der soll die ainung zwifaltig ... bezalen [PfWeist. II 560/61 (NW-Freinsh)]. — Südhess. II 252; RhWB Rhein. IV 1729; ElsWB Els. I 449.