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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Tute bis Tuterei (Bd. 2, Sp. 698 bis 701)
 
   Tute1, Tüte f.:
1. 'Papiertüte', früher trichterförmig gerollt, jetzt meist rechteckig geklebt, Tutt (tud), Tut (tūd), Tout (toud), Dutt (dud), Ditt (did), Dott (dod), Dut (dūd) [zur Verbr. s. K. 110]; Auslandspfälzer: Tutt [ Don-Schowe Torscha Gal-Josbg Dornf], Tutt u. Dutt [Penns, Lambert Penns 46 PSA K. 35]. Zs. PfWB Feder-, Gutsel-, Mehl-, PfWB Zuckertute. Bring mer e Tutt voll Zuckerbohne 'Bonbons' [verbr. Gal]. RA.: Er muß Tutte mache 'im Gefängnis Tüten kleben' [KL-Wörsb, verbr.]. Mach d'r Tutte an die Ohre, damit du besser hörst [ KU-Diedk]. Er war so voll wie e Dutt 'besoffen' [LA-Nd'hochstdt,

[Bd. 2, Sp. 699]
verbr.]; vgl. PfWB betrinken. Er macht Mailer (Mäuler) for Tutte, vom Müßiggänger [Hebel 25]. Die hän angebb wie e Tutt voll Micke [Sunndag Nr. 34/1965, Bassler 30]. Er is so hell uf der Platt 'im Kopf' wie e Tutt voll Ruß, von einem Dummen [ RO-Winnw]. SprW.: For Geld un gute Worte kriecht mer Zucker un aach e Dutt 'Mit Geld und guten Worten erreicht man viel' [LA-Gommh, verbr.]. In der letschte Dutt findt sich alles, Trost beim Suchen [FR-Bobh, verbr., auch

Don-Alexanderhs Gal-Josbg Kaisersd Königsbg Buch-St-Onufry]; auch: 'Einmal kommt alles ans Tageslicht' [PfMHk. 1925 S. 173], 'Ende gut, alles gut' [Krieger 43], 'Beim Erben zerstreiten sich die Verwandten' [Pirmas]. VR.: Proscht Neijohr! E Bretzel wie e Scheierdor, un e Dutt voll Fläich (Flöhe), do huppse mer all in d'Häich (Höhe) [ LA-Edk]; Var. s. bei PfWB Brezel, PfWB prosit. Das Kinderfangspiel Tutt is leer hat folgenden Verlauf: Von zwei Parteien (Bayern und Preußen) versteckt sich die eine, die andere sucht. Von der Suchpartei bleibt einer bei der Kaute, um die Gefundenen laut anzusagen. Sobald sich alle versteckt haben, ruft einer »Tutt is leer!« Gelingt es denen, die sich versteckt haben, einen von den Suchenden zu fangen, dann gewinnen sie einen Punkt. Mit drei Punkten entscheiden sie das Spiel für sich, d. h. sie dürfen sich wieder verstecken. Andernfalls müssen sie das nächste Mal suchen. [ KU-Hachb]. —
2. 'Tütenförmiges'.
a. bei Mensch und Tier.
α. 'Nase', scherzh. [ RO-Duchr GH-Büchbg]. Zs. PfWB Kupfertute. Syn. s. PfWB Nase. —
β. 'Kopf', scherzh. RA.: Er hot's in de Dutt 'ist betrunken' [Neustdt NW-Haardt]. —
γ.

[Bd. 2, Sp. 700]
'Geschlechtsteil der Kuh' [KU-Obw/Tiefb IB-Eschring]; 'Geschlechtsteil der Stute' [ ZW-L'wied], vgl. PfWB Butte2, Futt; 'Gebärmutter', vulgär [ KB-Kriegsf]. —
δ. 'Haarknoten' [Zweibr]. —
b. bei Pflanzen.
α. 'Blüte der Winde' [ KU-Schmittw/O]; vgl. PfWB Tutenblume 2. —
β. 'Herbstzeitlose', Pl. Dutte [BZ-Pleisw (Wilde 103)]. —
γ. andere Pflanzennamen in Pfaffen-, Kaffeetute. —
c. an Geräten.
α. 'Brause an der Gießkanne', Tud [ IB-Rohrb Aßw], Tittche [ Gal-Brig]. Syn. s. PfWB Zotte. —
β. 'tütenförmiger Verschluß der Wagenachse' [KL-Fischb Klein Wag 109]. —
γ. 'Blechhütchen (mit Spalt), das über die Lichtflamme der Petroleumlampe gedeckt wird', Duttche [ Gal-Josbg Dornf]. Zs. Lampentutchen. —
δ. 'mit dem Schäleisen abgeschältes Stück Eichenrinde' [Feierowend Nr. 19/1955]. —
3. Berufs- und andere Bezeichnungen für Menschen.
a. 'Kaufmann', Tutt [ PS-Winz]; vgl. PfWB Pfeffertütchen. —
b. scherzh. für 'Spengler', s. PfWB Rußtute. —
c. e langi Tutt 'großes Frauenzimmer' [ ZW-Ixh]; e alti T., verächtlich für 'ältere Person' [Zweibr]; e dummi Dutt 'ungeschicktes Frauenzimmer' [ BZ-Dernb]; vgl. auch Lumpentute. — Südhess. I 1920/21; RhWB Rhein. VIII 1495 ff.; LothWB Lothr. 115; ElsWB Els. II 727; Bad. I 618/19.
 
 
Tute2 f.: 'Kindertrompete, Fabriksirene, Autohupe', Tutt, Tut, Dut [verbr.]; vgl. PfWB Dinglertute. — Substantivbildung zu PfWB tuten 1 a, b. — Südhess. I 1920; RhWB Rhein. VIII 1495 Tute 1 a; LothWB Lothr. 115 Tut 2; Bad. I 618 Tute 1 a.
 
  
tuten schw.:
1.
a. 'auf einem Horn, einer Trompete blasen', tude (tūdə) [verbr. WPf NPf], dude (dūdə) [verbr. VPf]; vgl. PfWB blasen 2. Unser Sauhert tut, wann er ausfahrt [ KL-Reichb]. Die Sai kenne 's Ture 'das Tuten des Sauhirten' [ KU-Schmittw/O]. —
b. 'mit der Autohupe ein Zeichen geben'. 's Auto hat getut [PS-Erfw, verbr. (1930)]. —
c. von tönenden Darmwinden. Jedi Bohn hat ihren Ton; un die, wu net dut, die is net gut [ LU-Friesh]. —
2. übertr. 'tüchtig trinken' [ KU-Kaulb ZW-Hornb]; vgl. PfWB blasen 3. Syn. s. PfWB trinken. — Südhess. I 1921/22; RhWB Rhein. VIII 1499/1500; Saarbr. 214; LothWB Lothr. 115; Bad. I 619.
 
  
tüten schw.: 'tüt rufen'. Die Keenichin tüt, Anzeichen für das bevorstehende Schwärmen der Bienen [KL-Matzb, verbr.]. Auch: Der Bien 'das Bienenvolk' tüt [ KU-Krottb, KU-Langb HB-Bexb ZW-L'wied LA-Mörzh]. Südhess. I 1922; RhWB Rhein. VIII 1499 tüten 1 c.
 
 
Tuten-blaser m.: Neckname für die Bewohner von Neustadt/W., Neistadter Dutteblooser [verbr.]. — -blume f.:
1. 'aufgeblasenes Leimkraut (Silene infl.)', Dutteblum [ RO-Finkb]; vgl. PfWB Taubenkropf 2 a. —
2. 'Ackerwinde (Convolvulus arv.)' [Pirmas]. —
3. 'Akelei (Aquilegia vulg.)', Tuttblum [ ZW-Käshf]. Syn. s. PfWB Glockenblume. —
4. 'Kapuzinerkresse (Trapaeolum

[Bd. 2, Sp. 701]
majus)', Tutteblumm [ LA-O'hochstdt]; vgl. PfWB Kuttenblume. Syn. s. PfWB Pfaffentutte. — RhWB Rhein. VIII 1497. — -dreher m.: 'Kolonialwarenhändler', weil er früher zum Verpacken der Ware Tüten drehte, -dreher [verbr. VPf]; vgl. Tute 3 a, PfWB Tutenmacher, PfWB -papper. Südhess. I 1922; RhWB Rhein. VIII 1497 and. Bed. — -macher m.: dass., -macher [ NW-Dürkh]. Südhess. I 1922. — -papper m.: dass., -bapper [Lu'haf]. Das Grundw. zu PfWB pappen 'kleben'. Bad. I 619. — -sack m.: 'Tüte in rechteckiger Form', -sack [ KU-Schmittw/O]. Südhess. I 1922.
 
 
Tuterei f.: 'anhaltendes Tuten', s. PfWB tuten 1. Die machen immer e Tuderei (̩tūdəˈrai) [LA-Gommh, verbr.]. Rhein. VIII 1500 Z. 8.