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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Puck-ei bis Buckel-kratzer (Bd. 1, Sp. 1322 bis 1325)
 
   Puck-ei n.: 'Osterei, mit dem nach einer Erdvertiefung hin gepuckt wird', s. PfWB pucken, Pockei (ˈpǫgai) [ KB-Harxh].
 
  
Buckel m.:
1.
a. 'Rücken des Menschen', ohne verächtliche Nebenbedeutung, Buck(e)l (bug(ə)l) [allg.]; in der Sprache der jüngeren Gener. daneben auch PfWB Rücken. Von einem breiten Rücken heißt es: e Buckel, daß mer'n mit de Ehl (Elle) ausmesse kann [KL-Fischb, verbr. (ältere Gener.)]. Er hot's im B. 'hat Schmerzen im Rücken' [RO-Sippf, allg.]. 's Wasser (der Schweiß) lääft mer de B. nunner [ PS-Erfw, allg.]. Es laft mer kalt iwwer de B. 'es überläuft mich vor Kälte' [KU-Heinzhs, verbr.]; e B. voll Schlää gewwe 'verhauen' [ KU-Hachb]. Er hot schun sei sechzich (60 Jahre) uf'm B. [ NW-Hardbg, allg.]. Zahlreich sind RA.: Der hot en braale (breiten) B. 'Er hat ein dickes Fell, reagiert nicht auf das, was man zu ihm sagt' [ LU-Altr]. Heit hätt kenne de B. aa noch Bauch sein, sagt man im Scherz nach einem vortrefflichen Schmaus [ LU-Opp]. Der hot viel uf'm B. 'auf dem Kerbholz' [ RO-Dielkch]. Der hot 'n B. voll Schulde [allg.]. Das hat sein ganze Reichtum uff'm B. hänge [KL-Reichb, verbr.]. Uf mei'm B. hängt's!, unwillige Antwort auf die Frage nach einem Gegenstand, die man nicht beantworten

[Bd. 1, Sp. 1323]
kann oder will [verbr., auch Gal]. Geh her un häng dich uf mein B.!, ärgerlicher Ausruf einer Mutter auf lästige Wünsche ihres Kindes [ LU-Friesh]. Krawwel mer de B. nuff! 'Laß mich endlich in Ruhe!' [KL-Fockbg/Limb, verbr.]. Du kannscht mer de B. enunnerrutsche 'Du kannst mir nichts anhaben', auch mildere Form des Götzgrußes [ KL-Hauptstl]. Die huppst de Mannsleit uf de B., von einem mannstollen Frauenzimmer [KL-Heimkch, verbr.]. Der loßt sich nitt uff de B. spauche 'Er geht als letzter aus dem Wirtshaus und hat keinen mehr hinter sich, der ihn von hinten anspucken könnte' [ GH-Nd'lustdt]. Dem sieht mer am liebschte uff de B. 'Den sieht man lieber gehen als kommen' [KU-Trahw, verbr.]. Jetzt hääßt's de B. steif halte 'arbeiten und sparen' [NW-Hardbg u. Umg.]. Do muß mer die Fieß uf de B. nemme 'sich beeilen' [ Don Gal Buch Rußl]. VR.: Schneider, mach die Hose weider, mach se net so eng, suscht (sonst) gebt's e B. voll Fäng (Schläge) [ KU-Kaulb]. Rumpel, pumpel, Dintefaß, geh in die Schul un lerne was! Lernschte nix, dann kannschte nix, kriescht de B. vollgewichst [ Gal-Bagbg]. —
b. 'Rücken des Tieres', [selten]. Einem neugierigen Kind, das den Hunsrück sehen möchte, sagt man: Steck 'm Hund die Nons in de Aarsch un guck iwwer sein B., do siehschtn [ KU-Schmittw/O]. —
c. 'Rückenteil von Bekleidungsstücken' [allg.]. Zs. PfWB Schilee-, Westenbuckel. —
2. 'der im Augenblick gekrümmte Rücken beim Tier, auch beim Menschen'. Die Katz macht e B. [allg.]. Zs. PfWB Katzenbuckel. RA.: Er macht e B. wie e Kehlraup (Kappesraup) [KL-Fischb, verbr.], wie e Katz, wann's dimmelt (donnert) 'hat Angst' [ NW-Kallstdt, allg.]. Mach e B.! 'Beeile dich!' [IB-Hass, verbr. WPf]. Er macht 'n B. 'drückt sich vor einer Arbeit u. dgl.' [NW-Kallstdt, verbr.], 'macht Bankerott' [ RO-Ebbg Bistschd KU-Odb]. —
3.
a. 'Rückenauswuchs, Höcker'. Er hot en B. [ LA-Gommh, allg.]; vgl. PfWB Tornister, PfWB Kriegskasse. Zs. PfWB Közenbuckel. Der traat sich e B., von einem, der sich eine zu schwere Last auflädt [ PS-Schmalbg]. RA.: Der lacht sich e B. [KU-Trahw, verbr.], e Bickelche [ KL-Reuschb]. Dere ehr B. werd gut vergold 'Ihr B. wird mit Reichtum (Gold) aufgewogen' [Krieger 29]. —
b. Spitz- und Schimpfname auf einen Buckeligen, de Buckel, 's Buckelche, du B.! [verbr.]; sehr beliebt ist das Wort in zusammengesetzten Necknamen und Schimpfwörtern: Blech-, Hunds-, Nissen-, Schikanen-, Schlau-, Schulden-, Schwamm-, Speck-, Sprüchebuckel.
4.
a. 'Hügel, Geländeerhebung' [verbr. östl. NPf VPf PS KU-Adb Bedb Einöll Brück W'mohr]; dafür meist PfWB Hübel. Zs. PfWB Schindbuckel. Dar is e hochder (hoher) B. [KL-Gimsb u. Umg.]. Möglich ist auch die Wendung: Der Weg macht e B. 'führt über eine Anhöhe'

[Bd. 1, Sp. 1324]
[BZ-Wind, verbr. VPf]. Volksgl.: Wann der Mund (Mond) uf'm B. leit, gebt's die nächschte drei Dag ken Rege [Fogel Beliefs Penns Nr. 1214]. Zur soziologischen Abgrenzung des Wortes gegenüber Hübel u. PfWB Hügel vgl. Otterstetter 187. —
b. 'auf einem Hügel gelegenes, minderwertiges Grundstück'. Das es der e B. [KU-Kaulb, verbr.]. Der hat nix wie Bickel [KB-Kerzh, verbr.]. Dem sei paar Bickel han ke Wert [PS-Geisbg, verbr.]. Zs. PfWB Moos-, PfWB Schieferbuckel. —
5. 'Wölbung im Mauerwerk' [ KU-A'glan Bosb ZW-Dietriching PS-Winz RO-Hallgt Dörnb KB-Albish BZ-Annw]. SprW. (scherzh.): Was ken B. hat, träät net, gebraucht zur Entschuldigung, daß eine Mauer nicht ganz gerade geraten ist, auch bei anderen Fehlern [ KU-Bedb]. —
6. 'Krümmung an Einzelgliedern des menschlichen Körpers' in den Zs. Nasen-, PfWB Zahnbuckel. — Südhess. I 1196 ff.; RhWB Rhein. I 1080 ff.; LothWB Lothr. 70; ElsWB Els. II 30; Bad. I 359/60.
 
  
Buckelbauch-fest n.: 'Schlachtfest', scherzh., Buckelbauchfescht [ BZ-Albw]; vgl. PfWB Metzelsuppe.
 
 
Buckel-brut f.: 'Drohnenbrut in Arbeiterzellen', entstanden aus nichtbefruchteten Eiern der Königin oder eierlegender Arbeitsbienen, bei weisellosen Völkern, Buckelbrut, Imkerspr. [verbr.]; vgl. PfWB Drohnenbrut.
 
 
buckel-brütig Adj.: Des Volk is buckelbrierich [KL-Matzb, verbr.]; vgl. PfWB drohnenbrütig.
 
 
buckel-hankeln schw.: '(ein Kind) huckepack tragen', buckelhankele (-haŋgələ) [ Gal-Dornf]; vgl. PfWB hankeln. Syn. s. PfWB kozeln. RhWB Rhein. I 1083; Bad. I 360 buckelhangen.
 
 
Buckel-huppschens, -huppsensn.: 'Bockspringen', Buckelhuppches mache [Pirmas, NPf (Kühn Hamet 101)], -huppses [PfRh., 37. Jg., Heft 1/2, S. 6]; vgl. Bockhuppen. — -huppser m.: 'mannstolles Frauenzimmer', -huppser [ BZ-Pleisw]; vgl. PfWB Bubenrolze 2.
 
  
buckelig Adj.:
1. 'höckerig'.
a. Der isch bucklich, von einem verwachsenen Menschen [ LU-Böhl, allg.]. Du werrsch b., ruft man einem arbeitenden Menschen als Gruß zu [ ZW-Lambsbn]. Der schafft sich krumm un b. [LA-Gommh, verbr.]. Ich schlach (schlage) dich krumm un b. [ GH-Max'au]. Er hot sich b. g'soffe [ SP-W'see]. Iwwer den Schode kammer sich krumm un b. lache [ KU-Schmittw/O Don-Schowe Torscha Gal-Dornf]. Volksgl.: In der Nacht zum 21. Dezember (St. Thomas) durfte man bis zum Hahnenschrei nicht schlafen gehen, da man sich sonst b. schlief; man kam daher in Spinnstuben zusammen und vertrieb sich gemeinsam den Schlaf [ BZ-Dernb]; vgl. PfWB Langnacht. Aus einem VR.: D' Katz kehrt d' Stub aus, d' Maus tracht de Dreck naus, d' Kuh liecht uf'm Dach, hot sich halwer b. gelacht [ LA-Hainf]. Das is e b. Kerlche [ KL-Reichb];

[Bd. 1, Sp. 1325]
e Bucklicher, auch als Schimpfw. [KB-Kerzh, verbr.]. Scherzfrage: Wann kumme Berg und Dal samme? Antwort: Wann e Bucklicher in de Grawe fallt. Krumm, schepp un b., wo gehschde hin? [ KU-Diedk]. Scherzh. spöttisch bezeichnet man seine Verwandtschaft als die ganz b. Freindschaft [LU-Friesh, verbr.]. VR.: Will mol in moin Gaarde geh, will moin Gaarde gieße, kummt des bucklich Männche roin, fangt mer an se schieße. Bucklich Männche, därfscht net schieße, loß mich nor moin Gaarde gieße [ NW-Freinsh, Gal-Hohb]. Tanzlied: Zwee schwarzbraune Ochse un e bucklichi Kuh, die gebt mer mei Vatter, wann ich heirate du [ Gal-Bagbg Dornf Obl]. —
b. e bucklichi Naas [ LU-Alsh, KU-Schmittw/O IB-Bliesmg/Bolch]; scherzh. auch von krummen Zähnen: die Zähn sinn b. gewachse [ LU-Alsh]; vom gewellten Haar; buckliche Hoor [ FR-Albsh]. Zu PfWB Buckel 3. —
2. 'gebückt, gekrümmt'. Er geht schun ganz b., von einem Altersschwachen [SP-Harths, verbr.]. Zu PfWB Buckel 2. —
3. 'uneben, hügelig, bergig'; e bucklicher Acker, e bucklichi Wiss [RO-Alsbr, verbr.]; e buckliches Nescht, von einem unebenen Dorf [ PS-Erfw]; e buckliche Stroß [ LU-Limbghf]. Bermesens (Pirmasens) is e buckliche Stadt [PS-Erfw, verbr.]. Der is aus de bucklich Welt' aus der bergigen WPf', scherzh. [allg.]; vgl. PfWB Buchfinkenland. RA.: Was mer net alles uf dere buckliche (merkwürdigen) Welt erlewe kann! [Kaislt, allg.]. SprW.: Alles for's Geld, hääßt's in der buckliche Welt [ BZ-Dernb]. Von einem nicht gleichmäßig geladenen Erntewagen heißt es: Unser Waage is bucklich gelare [ LU-Alsh]. Zu PfWB Buckel 4. — F.: Zumeist bugliχ, selten bugəliχ; WD-Niedkch hat daneben bǫgliχ. Südhess. I 1200; RhWB Rhein. I 1084/85; LothWB Lothr. 70 buckeldich; ElsWB Els. II 31; Bad. I 361.
 
  
Buckel-korb m.: 'mit Tragbändern über die Schulter gehängter Rückenkorb', Buckelkorb [ FR-Carlsbg]. Syn. s. PfWB Köze. — -kratzer m.: 'Hagebutte', -kratzer [ KU-Dunzw]; vgl. PfWB Arschkratzer. —