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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Brosel bis prösteln (Bd. 1, Sp. 1252 bis 1253)
 
  Brosel2 m.: 'dicker, plumper Mensch', bes. 'dicker Knabe', Brossl (brǫsl) [verbr. südl. VPf]. Mein Frää die hot en Buuwe kriegt, en dicke Brossel, kuchelrund [Keiler 67]. — Herleitung aus Ambrosius bietet sich an, wird aber in Schweiz. V 813 verneint. Vgl. die Ausführungen bei brosamhaft(ig).
 
  
Brosel-kuchen m.: 'Streuselkuchen', Brosselkuche (brǫsəlkūxə) [ LA-Gommh]. — Bestimmungswort ist Brosel1.
 
 
broseln 'krümeln' s. PfWB verbroseln.
 
  
prosit Interj.: wie schd. glückwünschender Zuruf.
1.
a. beim Zutrinken: Prosit! [ HB-M'bexb], meist Prost! und Proscht! Der Angesprochene erwidert mit dem gleichen Wort oder mit 's gilt! Var.: Proscht, Gorchel, 's kummt en Wolkenbruch [Land, verbr.]. Der Trinkende beim Emporheben des Glases zu sich selbst: Proscht, Schnut, heit geht's der widder gut [ GH-Wind BZ-Schweighf]. —
b. beim Eintritt ins Wirtshaus: Prost, Brirer! (Brüder) [ NW-Gimmdg, PS-Windsbg RO-Winnw NW-Lindbg]. —
2. am Neujahrsmorgen: Prosit Neijohr! [ KU-Konk ZW-Lambsbn KL-Siegb KB-Mauchh SP-Heiligst]. Prost (Proscht) Neijohr!

[Bd. 1, Sp. 1253]
[verbr.], Proß N.! [verbr.]. Prost Neijohr, ich winsch der veel Glick im neie Johr [ KU-Cronbg]. Proß Neijohr for e Worscht! [ KL-Schneckhs]. Proscht Neijohr! E Schissel voll Hoor, e Schissel voll Schnitz, gun Morche, Fritz! [ LA-Kl'fischling]. Var. hierzu s. bei PfWB Blutwurst, PfWB Bock 1, PfWB Bratwurst, PfWB Brezel 1, PfWB Floh, PfWB Lebkuchen, PfWB Ofenplatte, PfWB Scheuertor. Scherzh. Glückwunsch bei einem Mißgeschick: Prost Neijohr, die Äschemänner! [Pfälzische Volkszeitung 18. 1. 1967]. —
3. beim Niesen: Prosit! [ WD-Niedkch], Prost! [ GH-Schwegh]. — Südhess. I 1140/41; RhWB Rhein. VI 1129/30; Bad. I 334.
 
 
Brossel s. PfWB Brosel; Brossem s. PfWB Brosam.
 
 
Prossewerbal n.: 'Strafprotokoll', Prossewerbel [BZ-Annw (1925)], Prossewerbal [PS-Nothw (1960 nur wenigen bekannt) LA-Siebdg]. Um 1900 wurde das Wort nach Keiper 70 auf dem Land noch vielfach gebraucht; vgl. auch PfId. 27 u. 109: einem e Prossewerwel machen 'einen verklagen oder anzeigen'. — Aus frz. procèsverbal, das sich unter französischer Herrschaft (1793-1814) einbürgerte, dann aber nach und nach durch Protokoll abgelöst wurde. Vgl. aber auch PfWB Prozeßverbal. — Südhess. I 1127; RhWB Rhein. VI 1129; LothWB Lothr. 66; ElsWB Els. II 199.
 
 
Prossion s. PfWB Prozession; prost1 s. PfWB prosit.
 
  
prost2 Adj.: 'grob, ungehobelt'. Das esch e proschter Kerl [ GH-Zeisk]. Des sin proste Leit [ Gal]. Weißi Haut is delikat, dunkli prost [ Gal-Dornf]. — Bad. I 334 kennt das Wort in den Formen mit -- und -s-. Für die galizische Form prost bietet sich die Übernahme von slawischem prosty 'gerade, einfach, ordinär' an.
 
 
prösteln schw.: 'zutrinken'. Als angstoße un gepröstelt isch worre in eenre Duur [Hartmann Unkel 78]. — Iterativ zu PfWB prosten.