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Pfälzisches Wörterbuch 
 
bähen bis Bahn-wärter (Bd. 1, Sp. 530 bis 531)
 
   bähen schw.:
1. 'durch Wärme weich machen'.
a. Holz (Stockgriffe, Rechengabeln) bähe 'langsam erhitzen, daß sie sich biegen lassen' [verbr.]. 's Haai es nore gebäht 'nur stark welk (also nicht ganz dürr)' [KU-Kaulb, verbr. WPf]. Volksmed.: Beh en Krautblatt, bis es weech is, reib's iwwern Warz un gebs noh me Gaul oder re Kuh zu fresse [Fogel Beliefs Penns Nr. 1705]. —
b. die Hand b. 'in heißem Wasser baden' [ NW-Kallstdt Elmst LU-Opp]. —
2. 'wärmen'. 's Esse isch nore gebäht 'gewärmt, nicht heiß gemacht' [ GH-Wörth]; en Himb b. 'ein Hemd durchwärmen' (ehe man es dem Kranken anzieht) [ BZ-Dernb GH-Kand]; sich bähe »lange beim Ofen sitzen« [Journ. 1787, 7.-12. St. 211], »sich durch Wärme gütlich tun« [Klein Prov. 35]. —
3. 'rösten'; Zwieback, Brot b., gewöhnlich auf der Herdplatte oder im Backofen des Herdes, bes. als Suppeneinlage [KU-Kaulb Rothsbg RO-Mannw LU-Friesh Opp SOPf]; Zwiwwle b., dass. [ NW-Frankeck LU-Böhl LA-Nd'hochstdt]; Hanf, Flachs b. [KU-Kaulb u. Umg.]. —
4. Die Kuh is gebäht 'hat Fleisch angesetzt' (ohne richtig fett zu sein) [ RO-Dielkch, WD-Niedkch KL-Weilb]. — F.: bēə bējə. Aus idg. *bhē- 'erwärmen', Kluge-Mitzka17. — RhWB Rhein. I 395; LothWB Lothr. 20; ElsWB Els. II 22; Bad. I 108.
 
  
Bäh-mull m.: 'ein Verwöhnter'; vermimpelte Bähmulle vun Mannsleit [Krieger 11]; Bänmulle (Pl.) [Feierowend 1954 Nr. 1, 7]. Auch in der Zs. Bähmullekälbche 'verwöhntes Kind' [ KB-Bischh]. — Zu PfWB bähen.
 
  
Bahn f.:
1. 'gebahnter oder vorgezeichneter Weg'.
a. 'vom Schnee gesäuberter Weg'; Bahn mache [VPf, allg.]; vgl. PfWB Fußbahn. —
b. 'Rodelbahn'. Bahn frei! Warnruf [ LA-Wollmh, allg.]. —
c. 'der durch den Wald gehauene Weg'; e Bahn haue [ WD-Ostbr, allg.]. — Zs.: Auto-, PfWB Fahr-, PfWB Renn-, PfWB Mondbahn. —
2. 'Eisenbahn'.
a. 'Bahnanlage'; an die B. gehe [allg.]. —
b. 'Eisenbahnzug'; mit de B. fahre [allg.]; dafür auch PfWB Zug. Dim. Bähnche (Bähnl) 'die Kleinbahn'. Zs.: Pfefferminzbähnchen, PfWB Pferde-, Bimbel-, PfWB Tram-, Heidelbeer-, Kukkucks-, PfWB Lokal-, PfWB Moschel-, PfWB Neben-, Rappel-, PfWB Ring-, PfWB Stadt-, PfWB Straßen-, PfWB Zwiebelbahn. —
c. 'Bahnverwaltung'. Er is an de Bahn aangestellt [Kaislt, allg.]. Scherzfrage: Bische noch bei de Bahn orrer schaffsche werrer? 'oder arbeitest du wieder?' [ KB-Bischh]. —
3. 'langer, gerader Streifen'.
a. 'niedergemähter Grasstreifen' [ LA-Wey]. —
b. 'Tuchstreifen', bes.

[Bd. 1, Sp. 531]
zum Frauenrock, der in älterer Zeit drei bis vier Bahnen hatte [KU-Kaulb KL-Gimsb Kaislt Klein Prov. 37]. a. 1761: 2 hänfene Tischtücher, jedes ad 2 bahnen ... [Kurpf. 940-942 (KU-Einöll)]. Auch PfWB Tapetenstreifen. —
4. 'Fläche am Werkzeug'.
a. 'Schleifbahn am Schleifstein u. Wetzstein', Bahn [ KL-Weilb FR-Bobh LU-Friesh]. —
b. 'durch Dengeln, Wetzen oder Schleifen hergestellte dünne Schneide an Sense, Sichel, Messer' [RO-Sippf FR-Bobh LU-Alsh/ Gron BZ-Steinf GH-Zeisk]. —
c. 'Schlagfläche des Maurerhammers' [allg.]. Unterschieden wird zwischen der schmal B., scharf bzw. schärf B. an der Schneide des Maurerhammers und stump, rauh, breet bzw. braat B., d. i. der Zuschlagbahn an seiner Hinterseite, vgl. Krebs 17. Zs. PfWB Hammerbahn. — F.: n bnn [östl. u. südl. der Linie (die genannten Orte mit einbegriffen) PS-Lu'wink Ruppw NW-Iggb Elmst Lambr Dürkh LU-Altr]; bān bn bōn [westl. u. nördl. der genannten Linie]. Die helle Qualität des a ist selten, am häufigsten im Raume Zweibrücken—Homburg, die dunkle herrschend in der gesamten übrigen Pfalz; o erscheint besonders in der Nordpfalz und der nördlichen VPf. Dim. bēnχə [WPf NPf u. nördl. VPf], bēnl [mittl. u. südl. VPf]. — RhWB Rhein. I 397 ff.; Saarbr. 15; LothWB Lothr. 20; ElsWB Els. II 49; Bad. I 108.
 
  
Bahn-hof m.:
1. wie schd., Bahnhof [allg.]; bei der älteren Gener. dafür auch PfWB Station. —
2. scherzh. für 'Gesicht'. RA.: Wer fahrt mer dann do im B. erum? [ KU-W'mohr]. Ich hau der an de B., daß die Giterzig 'Güterzüge' rauskomme [Pirmas KU-W'mohr]. — Bad. I 108.
 
  
Bahn-meister m.: 'Bahnvorsteher', Bahnmääschder [ KL-Reichb].
 
 
Bahn-perme f.: 'der für die Fußgänger bestimmte Seitenteil der Straße', Bahnperm [NW-Lambr, schon 1930 nur bei alten Leuten]; vgl. PfWB Perme.
 
  
Bahn-schlitten m.: 'Schneepflug', Bahnschliere [ HB-Einöd], -schleere [ PS-Erfw Hintwdth], Bahnschlirre [ FR-Tiefth NW-Freinsh], -schlerrer [ GH-Leimh], -schlidde [ GH-Kand], -schleere u. -schleede bzw. -schliede [verbr. südl. VPf]. RhWB Rhein. I 400; Bad. I 108/09.
 
  
Bahn-schütz m.: 'Streckenwärter', Bahnschitz [ LA-Gommh].
 
 
Bahn-station: f. wie schd., häufiger: Station.
 
 
Bahn-steig m.: nach dem Schd.; 1930 bei den Alten noch Perron. Bad. I 109.
 
 
Bahn-wärter m.:
1. wie schd. —
2. scherzh. Bezeichnung für eine schlechte Zigarre, da sie bei jedem Zug aus dem Mund genommen werden muß [Wilde 239].