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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Ur-sache bis ur-teilen (Bd. 6, Sp. 963 bis 965)
 
   Ur-sache f.: 'Grund, Anlaß', Ursach [verbr., Lambert Penns 159 Krämer Gal 223], Orsach [vereinzelt NWPf], Arsach [ KB-Bennhs]. Mach der U. un geh emol hin! 'Finde einen Anlaß, um einmal hinzugehen' [ KU-Kaulb KL-Hirschhn]. RA. (höfliche Ablehnung eines Dankes, einer Gefälligkeit): kään Ursach! [ BZ-Annw, mancherorts]. 's isch nit U.!, dass. [ GH-Kand]. 's is ke U!, dass. [ PS-Fehrb, GH-Leimh]. 's hat kenn U.!, dass. [ SP-Heiligst]. SprW.: Es hot alles sei U. [Fogel Prov. Penns Nr. 1779]. Nix ohne Orsach [NPfGV 8/1934]. De Dod will e U. hun [ KB-Bischh, mancherorts, auch Don Gal]. De Dod brauch (sucht sich) e U. [ Gal-Dornf, mancherorts]. a. 1507: welcher huber on genungksame vrsach außenpleiben wurde, der soll ein viertell weins zur straff geben [PfWeist. 549 (LA-Frankw)]. RhWB Rhein. IX 73; LothWB Lothr. 521; ElsWB Els. II 319. — -sächer m.: 'veranlasser', Ursächer [Bliesgau (PfId. 144)]; Zs.: PfWB Hauptursächer. ElsWB Els. II 320.
 
 
Urschel s. PfWB Ursula.
 
 
Ur+-schlächten Pl.: 'Pocken, Kinderblattern', Urschlächten [Klein Prov. 209]. — Mhd. urslaht, ursleht 'Krankheit, Pocken' ( Lexer Lexer II 2012). — ElsWB Els. I 69. — -sprung m.:
1. 'Anfang, Anbeginn', Ursprung [KU-Schmittw/O, Lambert Penns 159]. —
2. FlN, amtl. Ursprung [ PS-Dahn]. — RhWB Rhein. IX 73; LothWB Lothr. 521.
 
 
ur-sprünglich Adj.: 'anfänglich', urspringlich [KU-Schmittw/O, Lambert Penns 159].
 
 
Ürst 'hölzerne Schaufel' s. PfWB Nürst.
 
  
Ursula f.:
1. weiblicher VN, Urschel [Rockhs], Orschel [mancherorts, Kieffer 58 PfId. 103]; Zs.: PfWB Anna-Ursula, PfWB Maria-Ursula. Mein Orschel

[Bd. 6, Sp. 964]
macht mer's grad eso [Keiler 55]. RA.: 's werd schun werre, de Orschel ehr Bḁn 'Es wird schon wieder gut' [Kaislt]. Antwort auf die Frage »Wo ist denn das?«: In de O. ehre Kischt! [ LA-Edk]. —
2. abschätzige Bezeichnungen für weibliche Personen.
a. 'naive, einfältige, ungeschickte weibliche Person', Orschel [mancherorts, Krämer Gal 223], Arschel [KU-Bedb, Mang 110]; Zs.: PfWB Anna-, PfWB Backursula; e dummi O. [ LU-Limbghf, mancherorts]; dawi (taube) O.! [ NW-Hardbg]. Der hot e richdichi O. 'Der hat eine einfältige Ehefrau' [ LA-Gommh]. Du bisch doch en rechdi O.! [ PS-Erfw]. Si is e daab O. [ LU-Opp]. —
b. 'träge, nachlässige, schlampige weibliche Person', Orschel [ RO-Steinb KL-Fockbg/Limb PS-H'eischw Ruhbk FR-A'lein BZ-Albw]; Zs.: PfWB Dreckursel; Syn. s. PfWB Schlampes 2; e fauli O. [ FR-A'lein]. —
c. 'närrische, überspannte weibliche Person' [KB-Boland LA-Venn Don-Lenauheim Schowe Torscha Tscherwk]. —
d. 'eingebildete weibliche Person' [GH-Rh'zab, Kühn Hamet 126]. Was is die eingebildt, die Tulle / ... / Die Orschel traat zu hoch ehr Noos [Siebenlist 91]. —
e. 'mannstolle Frau' [ LU-Opp]. —
3. 'schalkhaftes, munteres Kind', kosend [ LA-Rhodt]. —
4. Katzenname, Urschel [ HB-Einöd]. — RhWB Rhein. IX 77; ElsWB Els. I 68.
 
 
Ürte f.: 'Zeche, Wirtsrechnung'; Zs.: Abend-, PfWB Vesperürte. a. 1450: Item soll die gemeinde ein art zu der weinmasz halten ... und aus den vorgenanten arten soll man ein würt, der da wein schenkt ... [Grimm Weist. V 627 (KB-Göllh)]. Var.: ... ein are ... vorgnanten aren [PfWeist. 682 (KB-Göllh)]. a. 1465-70: vor die selben soll die gemein die urten bezahlen [SpeyHochst. Bl. 23 (NW-Hamb)]. 15. Jh.: vnd wan man die vrten machet, so soll er ledig sein [PfWeist. 244 (LA-Diedf)]. 15. Jh.: so sol man machen eyn urten, daran sol der hoffman in dem hoff geben sin deyl vnd dy gemeyn ir deyl [PfWeist. 449 (NW-Erph)]. a. 1541: daz sie dem amtmann syne urtene bezahlen [Kuseler Chronik 35]. a. 1555: so soll der muller sein irtten auch selbst geltenn [PfWeist. 382 (NW-Ellstdt)]. a. 1568: so das gericht versamlet ist, mögen sie ziemlich umb ein irten oder masz wein spielen [Grimm Weist. V 571 (LA-Gleisw)]. a. 1590: mit der Irten oder Zechen [ZweibrUrkb. 146]. Ende 16. Jh.: Wann einer ... zu Wein gehet, solle er seine Irrten innerhalb 14 Tagen dem Würth bezahlen [Friedel 180]. — Mhd. urte, ürte 'Wirtsrechnung, Zeche' ( Lexer Lexer II 2014; Kluge-Seebold22 753). — ElsWB Els. I 70.
 
  
Ur-teil n.: 'Schiedsspruch, (richterliche) Entscheidung', Urdeel (urdēl) [ LA-Wollmh], Urdääl (urdl) [IB-Ensh (Glass 122) LA-Gommh], Ordääl (ordl) [KU-Brück, PfId. 103], Ordel (ordəl) [ RO-Lettw LA-Venn], Urdeil, nach dem Schd. [mancherorts, Lambert Penns 159 Krämer Gal 223], (uədāil) [Schmitt Billh. 33]; Zs.: Gottes-, PfWB Todesurteil. Das U. is gerecht [ KL-Reichb]. a. 1324: do wart vor mir gefeget vnd geheischen ein ortdeil zu sprechen [OttbgUrkb. 324]. a. 1423: Do sprechent vund wisent

[Bd. 6, Sp. 965]
der perrer, die kirchengesworn vund die gemeynde samenthafft mit orteil vnd mit recht mit eyme monde (Munde) [PfWeist. 161 (FR-Bockh)]. a. 1448: solent do horen und nemen recht orteil [Grimm Weist. V 601]. RhWB Rhein. IX 74; Lothr. 521/22; ElsWB Els. I 70, II 675.
 
  
ur-teilen schw.: 'ein Urteil fällen', urdääle [IB-Ensh (Glass 122)], urdeele [ HB-Breitft NW-Haßl Spey], urtele [ Don-Tscherwk], urteile [Lambert Penns 159]; Zs. und Syn. s.: PfWB verurteilen. a. 1298: daz die scholtheizen vnd die scheffen ortdeilent [OttbgUrkb. 217]. RhWB Rhein. IX 74; LothWB Lothr. 522; ElsWB Els. I 70.