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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Unschlitt-kerze bis unser (Bd. 6, Sp. 927 bis 928)
 
Unschlitt-kerze, f.
Unschlitt-kuchen, m.
Unschlitt-licht, n.
Unschlitt-stumpen, m.
Unschor, m.
Un-schuld, f.
un-schuldig, Adj.
Unschulds-kränzel, n.
un-schützig, Adj.
un-selig, Adj.
unser
unser-einer
unser-eins
Unser-vater, n.
Unservater-glocke, f.
Unservater-läuten, n.
Unser-weiber, Pl.
un-sicher, Adj.
un-sichtbar, Adj.
Un-sinn, m.
un-sinnig, Adj.
un-sterblich, Adj.
Un-summe, f.
un-sympathisch, Adj.
Un-tätchen, n.
un+-tätig, Adj.
un-tauglich, Adj.
unten, Adv.
unten-abe, Adv.
unten-ane, Adv.
unten-daran, Adv.
unten-darauf, Adv.
unten-darin, Adv.
unten-darunter, Adv.
unten-her, Adv.
unten-herauf, Adv.
unten-heraus, Adv.
unten-herein, Adv.
unten-herum, Adv.
unten-hinaus, Adv.
unten-hinauszus, Adv.
unten-hinein, Adv.
unten-wendig, Präp.
unt-, Präp.
unten-wider, Adv.
Unter1, f. m.,  f.
Untern, f. m.,  f.
Unter2, m.
unter, Präp.,  Adv.,  Adj.
unter-ächsen, schw.
Unter-arm, m.
Unter-armen, m.
Unter-ärmel, m.
Unter-band, n.
Unter-bart, m.
Unter-baum, m.
Unter-bein, n.
Unter-bett, n.
unter-brechen, st.
unter-bringen, st.,  schw.
Unter-buckse, f.
Unter-bückse, f.
unter-dämmern, schw.
unter-dem, Adv.
unter-der-hand
unter-deß, Adv.
unter-dessen, Adv.
Unter-diel, m. f. m.
Unter-diele, m. f. m.
Unter-dielen, m. f. m.
Unter-doktor, m.
Unter-dorf, n.
Unter-dörfer, m.,  Pl.
Unter-dörfler, m.,  Pl.
unter-ducken, schw.
unter-eggen, schw.
unter-einander, Adv.
Unter-einander, n.
untereinander-machen, schw.
untereinander-wursteln, schw.
Unter-eis, n.
unter-erdig
unter-fangen, st.
unter-fassen, schw.
Unter-feld, n.
Unter-führung, f.
Unter-furche, f.
unter-fürcheln, schw.
Unter-gang, m.
Unter-gasse, f.
Unter-gässer, m.,  Pl.
unter-gehen, st.
Unter-gestell, n.
Unter-gewicht, n.
unter-graben, st.
Unter-griff, m.
unter-grubben, schw.
unter-grubbern, schw.
Unter-grund, m.
Unter-haardt, f.
   Unschlitt-kerze f.: = PfWB Unschlittlicht, Inschel(t)kerz, Inschlich-, Unschlich-, Unschlitt- [vereinzelt], Inschlichtkarz [ PS-Bruchw]. Rhein. IX 54. — -kuchen m.: 'Kuchen, geformtes Stück aus Unschlitt'?, nur in der RA.: e G'sicht wie Unschlichkuche [ LA-Herxh], Inschel- [Kus]; vgl. PfWB Unschlittgesicht. — -licht n.: 'Talgkerze, Talglicht' (um 1935 oft nur noch von Alten gebr.), Inschel(t)licht, Inschlich(t)-, Unschlich(t)-, Unschel(t), Unschlitt-, Inschlitt-, Enschlitt-, s. PfWB Unschlitt [verbr., Wilms Alph. 54 Lambert Penns 86 Krämer Gal 118], -liecht [vereinzelt SOPf], Ingellicht [ KU-Rothsbg FR-Grünstdt]. Volksgl.: Mittel gegen Krähenaugen (Hühneraugen): Noch besser nemmt mer'n Imschlichlicht / Un streicht me Dode iwwer's G'sicht / Un mit dem Licht des Krähaag reibt [Penns-DeitschEck 13. 8. 1938]. Wammern Butze 'verkohlter Dochtrest' vume Inschlichlicht mit em Finger abroppt un er brennt eem net, gleicht 'mag' sell Mädel em, wu mer selli Zeit drandenkt [Fogel Beliefs Penns Nr. 382]. RhWB Rhein. IX 54; LothWB Lothr. 520; ElsWB Els. I 555. — -stumpen m.: 'Rest einer Talgkerze', Inschlichstumpe [ LA-Venn].
 
  
Unschor m.: 'Fresser', Unschoor [ NW-Weish/S]; vgl. PfWB Anschor, PfWB Fresser; Syn. s. PfWB Dicksack.
 
  
Un-schuld f.:
1. 'Schuldlosigkeit', Unschuld, Un- [mancherorts, Lambert Penns 158 Krämer Gal 223]. Sei U. werd sich schun rausstelle [Krämer Gal 223]; RA.: sei Hänn in U. wäsche 'die Schuld von sich weisen', nach Matth. 27, 24 [PS-Rodalb (Bernhard 217)]. SprW.: Unschuld muß leide [Fogel Prov. Penns Nr. 1777]. —
2.
a. 'Arglosigkeit, Naivität' [vereinzelt]. Die guckt wie wann se die U. mimm Leffel g'fresse hätt 'schaut (bewußt, sich verstellend) arglos drein' [ BZ-Annw]. RA.: die U. vum Land 'ein unerfahrenes, naives Mädchen' [Pirmas LU-Oggh]. —
b. 'sexuelle Unberührtheit, Jungfräulichkeit' [vereinzelt]. Sie hot ihr U. noch [ LU-Opp]. Sie hat die U. verlor [ KU-Kaulb]. — RhWB Rhein. VII 1874; Lothr. 520/21; ElsWB Els. II 411.
 
  
un-schuldig Adj.:
1. 'ohne Schuld, ohne Vergehen', unschullich, un- [verbr.], -schuldich [vereinzelt, Lambert Penns 158], -schillich [lothr. SWPf (Keiper Nachl.)]. Er sitzt u. im Kittche [Kaislt]. a. 1327: daz sie des vnschuldig weren [OttbgUrkb. 359]. —
2.
a. 'keiner bösen Tat fähig, harmlos, noch unverdorben' [mancherorts]. Der macht e unschullich Gesicht 'schaut (gewollt) harmlos drein' [ NW-Elmst, mancherorts]. Er ... lacht so u'schuldig un so treiherzig [Sommer Humor 57]. Er hot e por unschulliche Dinger käift 'junge, unerfahrene Pferde' [ KU-Schmittw/O]. RA.: so u. wie's Kind im Mudderleib [ NW-Weish/S]; so u. wie e Lamm (Lämmche) [ KU-Schmittw/O, mancherorts]; so u. du (tun), wie e sechsjähricher Spatzerich [Thielen So rerre mer 111]. —
b. 'sexuell unerfahren, unbe-

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rührt, jungfräulich' [ KU-Kaulb GH-Kand]. Die isch noch u. [ NW-Haßl]. RA.: Der isch u. wie de Bock am Michelsdag, iron. [ BZ-Apphf]. —
3.
a. im Fest der Unschuldigen Kinder, 28. Dez. (Kindermord von Bethlehem, nach Matth. 2, 16-18), die Unschuldiche Kinner [ NW-Elmst]; de Unschuldich Kindelsdag [Lambert Penns 158]. Volksgl.: En Kind, gebore uf em Unschuldich Kind, hot viel darrichzumache in seim Lewe [Beam Penns 104]. Wann's windstill is uf der Unschuldich Kindelsdaag sterwe viel Kinner es nägscht Jahr [Fogel Beliefs Penns Nr. 140]. —
b. der Unschuldigen Kirchhof 'Ort, an dem ungetaufte Kinder begraben werden'. »Stirbt vor der Taufe das Kind, so begräbt es die Hebamme auf der Unschuldigen Kirchhof, früher unter der Dachtraufe der Kirche« [Schandein Bav. IV,2 347]. — RhWB Rhein. VII 1875/ 76; LothWB Lothr. 521; ElsWB Els. II 411.
 
  
Unschulds-kränzel n.: 'Frisur mit kranzartig um den Kopf gewundenen Zöpfen, Gretchenfrisur', Unschuldskränzel [ NW-Lambr Neidfs].
 
  
un-schützig Adj.:
1. 'unvorteilhaft, unhandlich', Ggs. zu PfWB schützig, unschitzich [KU-Schmittw/O KL-Katzw, Thielen 116]; e unschitzicher Appel 'ein Apfel, der zu groß ist, um ihn auf einmal zu essen' [ KL-Hirschhn]. 's Scheppblech is u. 'Das Blechgefäß ist zum Schöpfen kleiner Mengen ungeeignet' [ KU-Schmittw/O]. —
2.
a. 'sich schnell verbrauchend, nicht lange ausreichend', bes. von Speisen, Futter, unschitzich [ KU-Kaulb KL-Katzw LA-Siebdg], unschetzich [ KU-Rutsw/L RO-Messbhf]; e unschetzich Esse [ KU-Rutsw/L]. Frisch gebacke Brot esch u. [ LA-Siebdg]. —
b. 'unmäßig, verschwenderisch', bes. beim Essen, unschitzich [ KU-Schmittw/O Don-Tscherwk], unschetzich [ KL-Hütschhs]. Wenn Kinder sich zu viel Belag auf das Brot schmieren, dann sind sie unschitzich [ KU-Schmittw/O]. — RhWB Rhein. VII 1971 and. Bed.; ElsWB Els. II 448; Schwäb. V 1219; Bayer. II 496; DWB DWb. XI, III 1357. — -selig Adj. :
1. 'unglücklich, niederträchtig, schlecht', unselich, un- (ūnsēliχ, un-) [vereinzelt]; unselicher Kerl! 'verdammter Kerl!' [ LU-Oggh]; unselich Zeig treiwe 'Unsinn treiben' [ KL-N'hemsb]. Volksgl.: Dem Seliche rechend's ins Grab, dem Unseliche uf sein Hochzetsdaach [ BZ-Dernb]. —
2. 'armselig, kümmerlich, elend', bes. von Pflanzen [ LA-Venn BZ-Apphf]. Die Planz es unselich [ BZ-Apphf]. — RhWB Rhein. VIII 72; LothWB Lothr. 521 und ElsWB Els. I 56 and. Bed.
 
  
unser Possessivpron. 1. Pers. Pl. (Sg. s. PfWB mein):
1. attr.: Sg. Nom. auf alle drei Genera bezogen: unser (unsər, unsÄ) [verbr. (außer NWPf), Lambert Penns 158 Krämer Gal 223], onser (onsər) [ KU-Frohnf Ingb], ounser (ounsər) [ WD-Niedkch IB-Rohrb], oser (ōsər) [ KU-Lauteck], uns (uns) [mancherorts NWPf], us (ūs) [ KU-Blaub O'alb Rutsw/G], os (ōs) [ KU-Bedb Dennw/Frohnb Erdb O'alb RO-Lettw]; Dat. auf m. und n. bezogen: unserm [verbr. (außer NWPf)], unserem [vereinzelt], unsrem [vereinzelt], ounserm [ IB-O'würzb], onserm [ KU-Frohnf

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Krottb], onsrem [ KU-Altkch], unsem [vereinzelt NWPf], onsem [ WD-Bub], orem [ KU-Bedb Erdb Eschau Gumbsw O'eisb Patb Ulm], orm [ KU-Welchw], ourem [ KU-Dennw/Frohnb], olem [ KU-O'alb], uum [ KU-Rothsbg Rutsw/L], oom [ KU-Bosb Eßw Horschb Jettb Jul Nerzw Obw/T], uus [ KU-Etschbg], oos [ KU-A'glan Elzw], auf f. bezogen: unsre(r) [verbr.], unserer [vereinzelt], onsrer, osrer u. a., analog zu vorherigen Formen [NWPf]; Akk. wie Nom., zusätzlich jedoch: unsern [mancherorts]; Pl. Nom. und Akk. auf alle drei Genera bezogen: unser, onser, uns, oos, Verbr. wie Sg.; Dat. auf alle drei Genera bezogen: unsre [verbr.], unsere [vereinzelt]; unser Großer (Klääner) 'unser ältester (jüngster) Sohn' [Pirmas]; unser Schweschder [Pirmas], unser Frollein 'unsere Lehrerin' [ KL-Ottb]; oos Leit 'unsere Eltern, Familienangehörige' [ RO-Lettw]; uns Nochber [ RO-Duchr]; uus jung Fraa 'die jung eingeheiratete Schwiegertochter' [ KU-Blaub]; unser Herrgott 'Gott', meist in dieser Verbindung gesagt [Bergz]; unserm Vadder soi Froind [Kröher Lyoner 20]; die Achs vun unserm Weltsyschtem [Münch Werke I 23]; in unserm Läsebuch [Kröher Lyoner 10]; hinner unserm Haus [ KL-Fischb]; am Disch vun unsrer Mudder [ KL-Lind]; aus unsrer Stadt [Kaislt]; in unsre Da' (Tagen) [Münch Werke I 54]; iwwer unsern Rhoin [Karch Gimmdg/Muttstdt 204]; änner vun unsere Klänschde (Kleinsten) [Kröher Lyoner 70]; fer unser Kinner [Pirmas]. Wart e bissi, uns Hans zieht sich grad oon [ KU-Schmittw/O]. Unser Ottill hat gischda e Bubche kritt [IB-Ensh (Glass II 9)]. Unser Mädelsche werd jetzt drei Johr alt [ LA-Gommh]. Er macht unser Land kabutt [Kröher Lyoner 41]. Sell is antik un baßt in unser Zeit [Ranssweiler 22]. Mer wolle nix als unser Recht [Münch Werke I 102]. Vum Nochber seim Baam sin viele Äppel in unsern Garde riwwerg'falle [ LU-Alsh]. Do hat mer in de ganze Welt / Vun unsre scheene Palz verzählt [Münch Werke I 61]. Dann unser Palz, die is viel schenner / Als wie die annre Herre Länner [Münch Werke I 61]. Do han unser Aue geglitzert vor Glick [Kröher Lyoner 59]. Des hat's bei unsre Eltre net gäbb 'nicht gegeben' [Kröher Lyoner 79]. RA.: Unser Weiwer brauchen net se dresche, RA., die den Bewohnern von GH-Freisb in den Mund gelegt wird [ GH-Freisb], daher auch der Neckname Unser-weiber. Unser Herrgott hat en großer Diergarte, im Sinn von 'Es gibt schon sonderbare Leute' [Bergz (Kamm 97)], weitere RA. s. PfWB Herrgott. a. 1305: darnach sprachen wir of vsen eit alle bit einem munde [OttbgUrkb. 265]. a. 1309: frydage nach unssir Frauwen Kertzeldage [WerschwReg. 507]. a. 1341: so han wir unser ingesigel gehencket an diesen brieff [VeldKopb.]. a. 1364: an unser frauwen abent, den man spricht zu latin purificatio [HornbReg. 287]. a. 1540: unser lieben frauen tag, genannt Herdermesz [Grimm Weist. VI (GH-Leimh)]. a. 1563: unserm genädigsten herenn [PfWeist. 711 (BZ-Gräfhs)]. —
2. präd., unser [man-

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cherorts]. Das is unser 'Das gehört uns' [Kaislt]. Die Borg (De Sieg) geheert unser [Münch Werke I 104, 109]. Ausruf der Kirchweihburschen: Wem is die Kerb? - Unser! [Zweibr, mancherorts], mit Erweiterungen: bis an de Brunser un der is aach noch unser! [ PS-Schmalbg]. RA.: Der saat aach liewer mein wie unser, von einem Egoisten [ Gal-Dornf, mancherorts]. —
3. subst. (im Sinn von der, die, das Unsrige gebr., meist elliptisch oder an einen vorherigen Satz anknüpfend), unser, unsri, unsres [vereinzelt], Pl. unsre [vereinzelt]. Wem sei Kuh is das? - Das is unsri [ KL-Fischb]. Do warn jo unsre do vun Bärmesens bei de Bayrisch Armee [Kröher Lyoner 26]. —
4. vgl. PfWB Vaterunser. — RhWB Rhein. IX 57/58; LothWB Lothr. 521; ElsWB Els. I 55; DSA 39, 40.