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Pfälzisches Wörterbuch 
 
stutzen bis Stützen-wald (Bd. 6, Sp. 793 bis 795)
 
   stutzen schw.:
1. 'etwas kürzen, kürzer schneiden', stutze (dudsə) [verbr., Albrecht 123 Krämer Gal 211]; Zs.: PfWB ab-, PfWB zustutzen; e englisch gestutzte Bart [ LU-Neuhf]; de Bart (die Hoor) st. losse [ ZW-Gr'bundb]; de Schnorres gestutzt [Kraus Naube 56]; dem Gaul de Schwanz (die Mähn) st. [mancherorts]; die Bääm ('s Holz) st. 'Bäume, Sträucher zurückschneiden' [verbr.]; Laab st. 'im Weinberg Laub schneiden, Geiztriebe entfernen' [ LA-Rhodt BZ-Heuchh Pleisw/O'hf]; vgl. WKW 72; Syn. s. PfWB geizen. De Rattefänger (Hund) krieht die Ohre gestutzt [ KU-Schmittw/O LU-Altr]. Weil er zu keem Balwierer geht, / Wo em de Vollbart stutze dät [Münch Werke I 72]. RA.: die Hoor (de Bart, Schwanz un Ohre) st. 'zurechtweisen, tadeln' [ PS-Rodalb Pirmas FR-Bockh LU-Altr NW-Weish/S]; die Ohre st. 'verhauen' [ FR-Heßh]. Dem gehere die Fliechel gestutzt 'Man sollte ihn zurechtweisen' [vereinzelt, Bernhard 158 Kamm 80]. Die hot e Zung, die gehert gestutzt 'Sie redet zuviel' [ LU-Neuhf]. Der esch vumme Schneirer gestutzt 'ist verrückt' [ GH-Zeisk]. Volksgl.: Den Mädchen soll

[Bd. 6, Sp. 794]
man bei abnehmendem Monde die Haare st. [ NW-Frankeck]. —
2.
a. 'an-, zusammenstoßen', bes. vom Bock, der mit den Hörnern stößt [mancherorts VPf vereinzelt übrige Pf Mang 108 Wilde Tiere I 20 Krämer Gal 211]; Zs.: PfWB anstutzen; met de Stern 'Stirne' st. [ KU-Schmittw/O]. De Bock stutzt 'stößt mit den Hörnern' [NW-Dürkh, Schandein Sprachsch. 70]. RA.: Ich gläb, du bischt gestutzt 'verrückt' [ BZ-Dernb]. Volksbr.: zu Ostern werden hartgekochte Eier mit der Spitze aneinandergestoßen [Stoll 56, 221]. Kinderspiel: Stutze - stutze - Hammele!, dabei stößt man mit der Stirn aneinander [ KU-Bedb, Schmittw/O]. Beim Klickerspiel: das Zusammenstoßen der Kugeln [ LU-Neuhf]; unerlaubt mit der Hand nach dem Ziel stoßen [ FR-Grünstdt]; vgl. PfWB Klickerchens. —
b. 'an den Stutzstein gestoßen werden', als Zeichen der Aufnahme in die Bürgerschaft von Weisenheim am Berg, stutze [NW-Weish/B Schandein Bav. IV,2 398/99 Stoll 76]; vgl. PfWB Martini, PfWB Stutzmänner; s. O. Gödel: Mit dem Stutzen das Bürgerrecht erwerben. In: PfRh. 4/1990 20. —
3. 'mit der Zunge beim Sprechen anstoßen, lispeln' [ LA-Nd'hochstdt GH-Schwegh]. —
4. 'geschlechtlich verkehren' [ BZ-Dernb]. Er hot sie gestutzt 'begattet' [ BZ-Dernb]. —
5. 'staunen, zögern, verblüfft sein' [NW-Hardbg Haßl Spey Lambert Penns 146]. —
6. weitere Zs.: PfWB herstutzen. — RhWB Rhein. VIII 965/66; LothWB Lothr. 511; ElsWB Els. II 621.
 
  
stützen schw.: 'einen Halt geben', stitze (didsə) [verbr., Castleman Zwbr. 28 Christmann Kaulb 22 Mang 112 Müller Dietschw 62 Lambert Penns 144 Krämer Gal 211 Albrecht 121]; Zs.: PfWB ab-, PfWB auf-, PfWB unterstützen; Syn. s. PfWB abstreben; sich st. 'anlehnen, abstützen mit Armen, Stock usw.' [ BZ-Dernb]. Die Ärm st. [ BZ-Stein]. Sie hot de Orem in die Seit gestitzt [ KU-Schmittw/O]. Sie schtützt sich uf de Barebleh 'Schirm' [Sommer Humor 39]. Doch vorerscht stitz ich mich e bissel [Münch Werke I 157]. Jetzt schtitzt sich uff sei Hack de Diether [Räder Bitzler 36]. RA.: Mir stitze unser Staat 'unterstützen' [Kraus Arwed 9]. RhWB Rhein. VIII 968; ElsWB Els. II 621.
 
  
Stützen-bein n.:
1. 'künstliches Bein, Prothese', Stitzebään [ LU-Alsh]; vgl. PfWB Schnärrbein, PfWB Stützelbein. —
2. 'Sehnenverzerrung beim Pferd' [ LU-Alsh].
 
  
Stutzen-bock m., -böckelns n.: 'Stirn an Stirn stoßen', ein Kinderspiel, Stutzebock (dudsəbog) [KU-Kaulb Lohnw Schmittw/O Kaislt Frankth NW-Geinsh Haßl Lambr Spey LA-Venn BZ-Dernb Glückstein 76 Kühn Hamet 112, 137 Mang 108 Schmitt Billh. 122 Thielen 109], -beckels [LA-Venn Land], -beckeles [ LA-Böching], -böckelchers [Kühn Hamet 137]; vgl. PfWB Hammel 1 a; St. mache [KU-Lohnw Land]. Hammle, Hammle, Stutzeböckche! [Kiefer 18, Frankth NW-Geinsh]. Lamm, lamm, lamm - St. [ BZ-Dernb]. Kumm, mer machen emol St. [Kaislt]. Der wu als Stutzebockels

[Bd. 6, Sp. 795]
macht [Hartmann Kinnerspr. 27]. Jetz schbiel ich mit'm St. [Glückstein 76]. ElsWB Els. II 29 Stuzbock.
 
 
Stützen-hut m.: 'röhrenförmiger Männerhut', Schtitzehut [Lambert Penns 144]; vgl. PfWB Stütze 3.
 
  
Stutzen-kopf m.: 'aufgeblasenes Leimkraut (Silene inflata)', Stutzekopp [ KU-Schmittw/O]; Syn. s. PfWB Knallblume. — -korb m.: 'großer Korb für Spreu, Häcksel usw.', -korb [ FR-N'lein NW-Ellstdt]; vgl. Spreu-, PfWB Sturzkorb; Syn. s. PfWB Korb 1.
 
  
Stutzens n.: ein einfaches Klickerspiel, Stutzes [ GH-Schaidt]; Spielverlauf: Jeder der beiden Spieler wirft seine Klicker auf den Boden, dann wird gegeneinander gekickt. Wer den Gegner trifft, ihn stutzt, gewinnt die Klicker [ GH-Schaidt]; vgl. PfWB Klikkerchens.
 
  
Stutzen-schaffer m.: 'ein Arbeiter, der nur kurze Zeit wirklich arbeitet und dann lange Zeit ausruht und faulenzt, Gelegenheitsarbeiter', Stutzeschaffer [ KU-Bedb Schmittw/O RO-Als KL-Reichb LU-Limbghf Muttstdt]; vgl. PfWB Stundenreißer, PfWB -schaffer.
 
 
Stützen+-scheuer f.: eine Art Scheune (?); a. 1624: »Die Gebäulichkeiten Iggelheims befanden sich in schlechtem Zustande; es werden mehrere Stützenhäuschen und Stützenscheuern erwähnt« [J. Baumann in: Heimatbl. für Ludwigshafen 15/1933]. a. 1675: »Das Haus wird ruiniert, die Stützenscheuer und ringsumher der Zaun vom Kriegsvolk eingerissen« [Eyselein 102]. — -wald m.: FlN; amtl. Stutzenwald [ KL-Ramst].