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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Streich-bärren bis Streicherei (Bd. 6, Sp. 685 bis 688)
 
Streich-bärren, m.
Streich-baß, m.
Streich-baum, m.
Streich-blech, n.
Streich-blume, f.
Streich-brett, n.
Streiche, f.
streicheln, schw.
streichen, st.
Streicher, m.
Streicherei, f.
Streich-fetzen, m.
Streich-feuer, n.
Streich-feuerzeug, n.
Streich-garn, n.
Streich-holz, n.
Streichholz-macher, Pl.
Streich-instrument, n.
Streich-kapelle, f.
Streich-konzert, n.
Streich-kraut, n.
Streich-musik, f.
Streich-orchester, n.
Streich-riemen, m.
Streich-tuch, n.
Streif-apfel, m.
Streif-ärmel, m.
Streife, f.
Streifel, m.,  n.
Streifels-berg, m.
Streifen, m.
streifen, schw.
streifen-wolkig, Adj.
Streifer, m.
Streif-garn, n.
streifig, Adj.
Streifling, m.
Streif-mehl, n.
Streif-schuß, m.
Streif-strumpf, m.
Streif-wolken, m.
Streifzen, m.
Streik, m.
streiken, schw.
Streim-apfel, m.
Streimen, m.
streimen, schw.
Streimen-apfel, m.
streimen-weise, Adv.
streimig, Adj.
Streimling, m.
Streit, m.
Streit-acker, m.
Streit-axt, f.
Streit-berg, m.
Streit-birnbaum, m.
Streit-birne, f.
streiten, st.
Streiterei, f.
Streit-gockel, m.
Streit-hahn, m.
Streit-hammel, m.
Streit-hang, m.
Streit-hans, m.
Streit-hart, Gen.?
Streit-holz, n.
Streit-horst, m.
streitig, Adj.
Streitigkeit, f.
Streit-kopf, m.
Streit-macher, m.
Streit-mächer, m.
Streit-sack, m.
Streit-sonntag, m.
Streit-stifter, m.
streit-süchtig, Adj.
Streit-wald, m.
Streit-wiese, f.
stremmen
Stremmes
Strempfel, m.
streng, Adj.
Strengel
strengen, schw.
streng-gläubig, Adj.
Strenze, f.
strenzen, schw.
Strenzer, m.
Streß, m.
stressen, schw.
Streu, f.
Streu-büchse, f.
streuen, schw.
Streuen-korb, m.
Streuens, n.  (f.)
Streuets, n.  (f.)
Streu-gabel, f.
streunen, schw.
Streuner, m.
Streu-pulver, n.
   Streich-bärren m.: 'beutelförmiges Fischnetz mit Stiel', Strichbärre (driχbęrə) [ IB-Reinh]; vgl. PfWB Streichgarn; Syn. s. PfWB Leggarn. — Zum Grundw. vgl. LothWB Lothr. 25 Bärre m. 'sackartiges Fischnetz'; ElsWB Els. II 74 Barren 3 'sackartiges Fischnetz'. — -baß m.: 'Baßgeige', Streichbaß [ LU-Alsh]. — -baum m.: 'starker Baumstamm am Mühlwehr oder Mühlteich zum Markieren des zulässigen Wasserstandes' Streichbaum [Weber Mühlen 24, nach einem hist. Beleg a. 1757 (RO-Nd'hs)]. RhWB Rhein. VIII 815 and. Bed. — -blech n.: 'Blech am Pflug, das die Schollen zur Seite streicht und umwendet', Streichblech [Klein Wag. 118, Beam Penns 90]. — -blume f.: 'Kamille (Chrysanthemum chamonilla)'. a. 1577: Streichblmen hab ich im Wormßer Gaw ... funden [Bock

[Bd. 6, Sp. 686]
Kreutterbuch 55v]; vgl. PfWB Streichkraut; Syn. s. PfWB Kamille 1. — -brett n.:
1. 'Gerät des Maurers zum Verstreichen des Mörtels, des Lehmputzes', Streichbrett [vereinzelt WPf], -breet [ KU-Adb]; Syn.: PfWB Auftragbrett, PfWB Dalasch, PfWB Tragbrett 2, PfWB Verputzscheibe, PfWB Kleb-, PfWB Kleibscheibe, PfWB Kleb-, PfWB Kleibscheit, Maurers-, PfWB Reibbrett, PfWB Reiber 1 b, PfWB Reibscheibe, -scheit, PfWB Sasem, PfWB Scheibe 1 b, PfWB Speisbrett, PfWB -holz, -scheibe, PfWB Sperber, PfWB Streiche 2, Streichscheibe.
2. 'Brett, bzw. Blech am Pflug, das die Schollen zur Seite streicht und umwendet', vgl. Abb. 20 Pflug, Streichbrett [ KL-Reichb NW-Geinsh GH-Schwegh], -breet [ KL-Morb]; vgl. PfWB Mahlbrett, PfWB Riester 1 a, PfWB Riesterbrett, PfWB Streichblech, PfWB Streiche 2. — RhWB Rhein. VIII 815.
 
  
Streiche f.:
1.
a. 'flaches Holz zum Abstreichen des Bierschaums', Streich (draiχ) [ LU-Altr]. —
b. 'Holz, das beim Getreidemessen über den Simmer geführt wird, damit dieser gestrichen voll ist' (um 1930 schon veraltet) [ KL-Schneckhs]; Zs.: PfWB Faßstreiche. —
c. 'Holz zum Abstreichen überschüssigen Rohmaterials von der Backsteinhandform' [ LU-Altr]. —
2. = PfWB Streichbrett 1 [vereinzelt NPf]. —
3. = PfWB Streichbrett 2 [ NW-Ungst]. —
4. 'Bremse am Bauernwagen', Streich [LU-Neuhf LA-Gleisw Siebdg BZ-Eußth Queichhmb Klein Wag. 109], Straaich [ LA-Edk]; Syn. s. PfWB Mechanik. —
5. 'das in einer Gabel am Ende großer Nachen eingelegte Ruder zum Lenken', Straaich [ LU-Altr]. —
6. 'waagerechte, parallel zur Mauer verlaufende Stange des Baugerüstes', Streich [ KB-Kriegsf NW-Frankeck], Straaich [ RO-Bistschd], Strääch [NW-Kallstdt BZ-O'ottb (Krebs 33)], Straach [RO-Würzw (Krebs 33)], Straik [ZW-Bottb (Krebs 33)]. —
7. vgl. PfWB Bestreiche. — RhWB Rhein. VIII 818.
 
  
streicheln schw.: 'zärtlich über etwas streichen, liebkosen', sträächele (drχələ) [verbr. WPf (außer lothr. SWPf NWPf) mancherorts VPf, Müller Dietschw 63 PfId. 138], sträächle (drχlə) [mancherorts VPf], strääschele (drələ) [KU-Hundh NW-Hardbg, Hussong Kirkel 147], streech(e)le (drēχəle, drēχlə) [mancherorts VPf vereinzelt übrige Pf], straa(i)chele (drāiχələ, drāχələ) [mancherorts NWPf NPf, Christmann Kaulb 73 Krämer Gal 258], straaischle (drāischle) [ LU-Altr], straaschele (drāələ) [ KU-Einöll], streichele (draiχələ) [mancherorts SWPf, vereinzelt übrige Pf], sträichele (dręiχələ) [ KU-Schmittw/O WD-Niedkch], streichle [Lambert Penns 145], strichele [ IB-Ensh ZW-Bechhf]; Syn. s. PfWB schmeicheln 1; de Backe ('s Kinn, de Bart) st. [KU-Nerzw, verbr.]. Die Mutter straaichelt 's Kind [Krämer Gal 258]. Du em e bissel st. 'Streichle ihn ein bißchen' [ LA-Herxh]. Mäd sträächelt Bu, / un de Bu schmäächelt's Mäd [Kraus Pädcher 18]. ... hot 's ... uf de Arm genumme un hot 's g'schträächelt [Sommer Hausapothek 110]. RA.: de Bart st. 'schöne Worte geben, schöntun (um etwas zu erreichen)' [NW-Haßl, verbr.]. Du em e bissel de

[Bd. 6, Sp. 687]
Bart st. [ PS-Nd'simt]. Der dut's erscht, wammam (wenn man ihm) de Bart st. [ RO-Lohnsf]. Demm muß mer de Bart st., noot 'dann' macht ers schunn [ PS-Burgalb]. RhWB Rhein. VIII 819.
 
  
streichen st.:
1. 'eine streifende Bewegung machen, mit der Hand leicht über etwas fahren', streiche (draiχə) [verbr. (außer lothr. SWPf), Bertram § 144 Christmann Kaulb 73, 78 Lambert Penns 145 Krämer Gal 209], streische (draiə) [mancherorts, Henn Mda.-Int. 100], stroiche, stroische (drǫiχə, drǫiə) [mancherorts mittl. VPf, Bertram § 144, 216], (drÄ(i)χə) [LA-Mart (Bertram § 145)], striche (driχə) [lothr. SWPf]; Part. Perf. gestrech [mittl. u. westl. WPf NWPf NPf, Mang 98], gestresch [HB-Breitft, Henn Mda.-Int. 100], gestrich [mancherorts MPf östl. NPf, Krämer Gal 209], gestrisch [Schneckenburger 23, 53], g(e)striche [mancherorts nördl. und mittl. VPf vereinzelt SOPf], g(e)streche [mancherorts SOPf, Heeger Südostpf. 9]; Zs.: PfWB ab-, PfWB an- 5, PfWB ein-, PfWB ver- 1 c, PfWB heraus- zusammenstreichen. Sie streicht sich iwwer die Hoor [ BZ-Dernb]. Do streicht er sein Bärtche, als Geste der Zufriedenheit [ LA-Herxh]. RA.: de (um de) Bart st. 'schmeicheln, schöntun (um etwas zu erreichen)' [KU-Wolfst, verbr.]; geweit (s. PfWB quitt 2) st. 'einen Handel abschließen' [ RO-Mannw]. Der liet (lügt), so oft er sei Bart streicht [Feierowend 16/1953 2]. Ich bin gestriche un geberscht 'Ich bin fertig gerüstet, in Ordnung' [Krieger 34]. Volksgl. (Brauchformel): Was ich seh, soll abnemme, un was ich streich, soll zunemme [ LU-Friesh]. Me Gaul en Kummetbloder zu verdreiwe, waerm die Hand an deim Gemech un schtreich die Bloder no mit sellre Hand [Fogel Beliefs Penns Nr. 791]. Wammern Gewex hot saagt mer dreimol in der Karich wann der Parre der Sege schprecht: »Was ich aaguck, is e Sind, was ich schtreich, verschwind« [Fogel Beliefs Penns Nr. 1609]. —
2.
a. 'etwas (in dünner Schicht) auftragen, aufstreichen', z. B. Farbe, Butter auf das Brot usw. [verbr.]; Zs.: PfWB ab- 1 d, PfWB an-, PfWB auf-, PfWB be-, PfWB darauf-, PfWB ver-, PfWB vor-, PfWB nach-, PfWB überstreichen; die Deer st. [Krämer Gal 209]; 's Brot st. 'Brot beim Backen mit Wasser bestreichen' [NW-Deidh, mancherorts VPf]. Monn, musch die Lale (Läden) nou st., de gonze Lack dudd schunn abblellere (abblättern) [Glass II 1]. RA.: Er hot mers ufs Brot gestrech 'Er hat es mir vorgehalten' [ KU-Schmittw/O]. —
b. 'den überstehenden Teil abstreifen', beim Messen in Hohlmaßen, nur Part. Perf. gestrische (gestreche usw.) voll [Kaislt, mancherorts]; vgl. PfWB Streiche 1 b. a. 1479: der gibt 5 fürnsel, deren werden 2 gehaufft u. 3 gestrichen [Verzeichnis der kurpfälzischen Satzungen zum Schlosse Wolfstein fallend, beschrieben durch Ph. Münch]. a. 1587: im oberdorff funff ferntzel haber, nit gestrichen, auch nit gor gehaufft [PfWeist. 187 (KU-Bosb)]. —
c. 'zusammenstreifen, zusammenrechen'; 's Hai streiche [ GH-Hatzbühl]; Zs.: PfWB nachstreichen 1 b. —
d. 'ein Streichinstru-

[Bd. 6, Sp. 688]
ment spielen' [mancherorts]. Er streicht die Gei (Geige) [Kaislt]. —
e. 'tanzen'. Un wammer eene streiche, / Dann juchze Flöt' un Geige, un alles guckt uns zu [Müller Luscht un Lewe 74]. —
3.
a. 'Streiche verabreichen, ohrfeigen, schlagen' [mancherorts]; Zs.: PfWB ab- 2, PfWB an- 6, PfWB ausstreichen 3; Syn. s. PfWB verhauen, PfWB ohrfeigen; eem eeni (e paar) st. [ PS-Glashtt]. Er kriet e paar gestrech [ KU-A'glan]. 16. Jh.: der soll von der Oberkeit gestraft werden und wenn es seine Kinder waren, die sollen die Eltern im Beisein zweier Gerichtsmänner selbst streichen [SSp (Weistum von KL-Hoheck)]. —
b. 'betrügen' [ PS-Winz]; Syn. s. PfWB betrügen. —
4.
a. 'streifend herumziehen' [verbr.]; Zs.: PfWB aus- 2, PfWB durch- 2, PfWB herum-, PfWB land-, PfWB nachstreichen 2; ins Wertshaus st. [ KU-Schmittw/O]. Die junge Leit streiche owends dorchs Dorf [ KL-Ottb]. Er streicht 'r noo 'Er stellt ihr nach' [ LU-Opp]. De Fuchs streicht um de Hihnerstall [ BZ-Dernb]. —
b. 'sich bewegen, ziehen', von der Luft, von Wolken usw. [mancherorts]. Die Luft streicht dorchs Finschder [ FR-Bockh]. Die Wolke streichen [ PS-Heltbg]. —
5. 'einen Strich machen, Geschriebenes durchstreichen, einen Eintrag in einer Liste tilgen' [mancherorts]; Zs.: PfWB an- 4, PfWB aus-, PfWB durch-, PfWB unter-, PfWB wegstreichen. Ich hun mich st. geloß, nämlich aus einer Mitgliederliste, d. h. 'Ich bin ausgetreten' [ RO-Dielkch]. — RhWB Rhein. VIII 811 ff.; LothWB Lothr. 506; ElsWB Els. II 625/26.
 
  
Streicher m.:
1. 'wer Farbe streicht, Tüncher', Streicher [ FR-Bockh BZ-Dernb]; Zs.: PfWB Anstreicher 1. —
2. 'Spieler eines Streichinstruments' [ NW-Elmst BZ-Klingmst]. —
3.
a. 'wer untätig im Dorf herumstreicht' [ BZ-Dernb]; vgl. PfWB Streichfetzen, PfWB Stricher. —
b. 'umherziehender Handwerksbursche' [ KL-Reuschb]; vgl. PfWB Landstreicher 2. —
c. 'Landstreicher' [ ZW-L'wied]; vgl. PfWB Stricher; Syn. s. PfWB Landstreicher 1. —
4. vgl. PfWB Anstreicher 2. — RhWB Rhein. VIII 819.
 
  
Streicherei f.: 'das müßige Herumstreichen', Streicherei [ KU-Schmittw/O]. Die St. muß ufheere! [ KU-Schmittw/O]. Rhein. VIII 814.