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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Steh-licht bis steif-beinig (Bd. 6, Sp. 488 bis 491)
 
Steh-licht, n.
Steh-machen, n.
Steh-ohr, n.
Steh-platz, m.
Steh-salat, m.
Steh-schoppen, m.
Steh-umlegkragen, m.
Steh-waage, f.
Steier, m.
steif, Adj.
steif-beinig, Adv.
Steif-bettler, m.
steifen, schw.
Steif-fresser, m.
Steif-gefressener, m.
steif-gestärkt, Adj.
steif-halten, st.
steif-holzig, Adj.
Steif-joch, n.
Steif-lande, f.
Steif-pflug, m.
Steif-schächter, m.
Steif-schere, f.
Steif-stiefel, m.
steif-voll, Adj.
steifvoll-gesoffen, Adj.
Steif-waage, f.
Steig
Steig+-baum, m.
Steig-bügel, m.
Steigbügel-salat, m.
Steige, f.
Steig-eisen, n.
Steige-kosten, Pl.
Steigen, ON
steigen1, st.
steigen2, schw.
Steiger, m.
Steiger-hof, m.
Steigerhof-mann, m.
Steig-erlös, m.
Steiger-mannschaft, f.
steigern, schw.
Steigerter-hof, m.
Steig-gasse, f.
Steig-geld, n.
Steiging
Steig-kröpfer, m.
Steig-leder, n.
Steig-leiter, f.
Steig-liebhaber, m.
Steig-mühlberg, m.
Steig-rede, f.
Steig-riemen, m.
Steig-schilling, m.
Steigung1, f.
Steigung2, f.
Steigungs-weck, m.
Steigungs-zettel, m.
Steil, m.
steil, Adj.
Steil-berg, m.
Steiler-fransel, f.
Steil-weg, m.
Steil-weide, f.
Stein, m.
Stein-acker, m.
Stein-albe, f.
Stein-alben, ON
stein-alt, Adj.
Stein-apfel, m.
Stein-assel, f.,  m.
Stein-esel, f.,  m.
Stein-essel, f.,  m.
Stein-aue, f.
Stein-auge, n.
Stein-axt, f.
Stein-bach, f.
Steinbacher-hohl, f.
Stein-bahre, f.
Stein-beischleifer, m.
Stein-beiß, n.
Stein-beißer, m.
Stein-berg, m.
Stein-birne, f.
Stein-bisser
Stein-blater, f.
Stein-blattern, Pl.
Stein-block, m.
Stein-blume, f.
Stein-bock, m.
Stein-böckelns, n.
Stein-boden, m.
Stein-born, m.
Stein-brech, m.
Stein-brecher, m.
Steinbrecher-schurz, m.
Stein-brocken, m.
Stein-bruch, m.
Stein-brüchler, m.
   Steh-licht n.: 'Öllampe mit hohem Fuß', Stehlicht [ IB-Ensh KB-Eisbg FR-Battbg]; vgl. PfWB Luzerne1 1. — -machen n.: ein alter Brauch, ein Bann, Stehmachen [ PS-Erfw]. Volksbr.: Ein Spitzbub, der einen Wanderer überfallen hat, wird gebannt: Du selsch dich nitt vom Platz rühre, bis ich am Brunnen in Erfweiler drei mal Wasser getrunken habe [ PS-Erfw]. — -ohr n.: 'vom Kopf abstehendes Ohr', Stehohre Pl. [Kus]. En Hund mit Stehohre [ ZW-Gr'bundb LU-Alsh]. — -platz m.: wie schd., -platz [vereinzelt]; Pl. -plätz [Kaislt]. Beim letschte Spiel hätt's uf em Betze bloß noch Stehplätz geb [Kaislt]. — -salat m.: = PfWB Selleriesalat, scherzh. wegen nachgesagter Stärkung der Manneskraft, -salaat [KL-Fischb »vielfach VPf« (Wilde 227)]; vgl. PfWB Steigbügelsalat. Marzell I 357. — -schoppen m.: 'das Getränk, das man an der Theke einer Wirtschaft im Stehen trinkt, bevor man heimgeht', -schoppe [ KU-Schmittw/O PS-Erfw BZ-Albw]. Hopp, mer trinke noch en St. [ LA-Gommh, KU-Bedb RO-Obd LA-Wollmh BZ-Albw]. Er hot noch en St. bezahlt [ BZ-Dernb]. Der Trollschoppe heißt auch St. [ PS-Erfw]; vgl. PfWB Trollschoppen.
 
  
Steh-umlegkragen m.: 'der Stehkragen, dessen obere Hälfte nach unten umgelegt wird', scherzh.,

[Bd. 6, Sp. 489]
Stehumlehkraa (ˈdē̩umlē̩grā) [ KU-Adb Kaulb KL-Alsbn Mehlb Frankth LU-Alsh]; vgl. PfWB Hinaufundherunterkragen, PfWB Stehfallum, PfWB Umlegkragen; scherzh. auch genannt: Steier un Umlage 'Steuer und Abgabe' [ KL-Alsbn]. — -waage f.: 'Zugscheit des Wagens, Sielscheit', Stehwoog [ Gal-Kranzberg]; s. K. 350 und Abb. 85.
 
  
Steier m. (?): 'eine weißbauchige Schwalbe', Steierlein Dim. [ SP-Heiligst]; Zs.: PfWB Drecksteier. — Mhd. stîr 'ein Vogel' ( Lexer Lexer II 1200). — DWB DWb. X, II,2 1778; Suolahti 25/26; Heeger Tiere II, 10.
 
  
steif Adj.:
1. von Körperteilen bei Mensch und Tier.
a. 'beim Bewegen schmerzend und daher steif gehalten, in der Bewegung beeinträchtigt', durch Krankheit, Alter, Kälte, Arbeit usw., steif [allg. Mang 121 Lambert Penns 143], stiff [lothr. SWPf Glass 97]; Zs.: bock-, PfWB bockracke-, PfWB racken-, PfWB stecken-, PfWB storrensteif; rack un st. [ ZW-L'wied GH-Kand]; bloe un steife Hänn (Finger) [ KU-Bedb]; e steifes G'nick 'Nacken' han [ NW-Kallstdt LA-Ilbh]; steife Glirrer [ BZ-Stein]; en steife Hals 'Nacken' [ NW-Kallstdt, mancherorts]; steife Zih (Zehen) [ FR-Bockh]; st. vor Kält [ BZ-Dernb]; st. werre [Glass 97]; werscht rack un steif [Ranssweiler 45]; st. geschafft, von alten Menschen [ WD-Niedkch KB-Kriegsf]; de Kopp (Hals) st. halle, bei Schmerzen, einem Geschwür [ ZW-Battw, NW-Frankeck LA-Maik BZ-Dierb]; de Kopp st. hewe (heben), dass. [ PS-Gersb]; der steif Bauer 'der vom Arbeiten steife Bauer' [ LU-Opp]. Sinn mer ach die Poode 'Hände' st., / Schmackt mer als noch Wei unn Peif! [Räder Bitzler 18]. Un er hot dicke, korze Datze / Un is schun zimmlich alt un steif [Ranssweiler 9]. Des lange Hocke hot mich ganz st. gemacht [ NW-Freinsh]. Er is st. worre vum Leie (Liegen) [ LU-Opp]. Mir sinn die Bän st. vum Sitze (Hucke) [ LA-Gommh, mancherorts]. Moi Händ sin so st. (gefror), daß ich kän Pöötche mache kann [ LU-Limbghf NW-Freinsh]. Wammer alt werd, werd mer st. [ LU-Böhl, mancherorts]. Wie der de Hals so st. hält, des macht der hoch Kraa'e (Kragen) [ ZW-Battw]. RA.: st. uf de Knoche 'abgearbeitet' [ KU-Schmittw/O]. Er hat e steif Kreiz, von einem, der sich nicht gern bückt [ KU-Bedb]. Ich bin so st. wie en Bock [verbr.], ... wie e Holzbock [ LU-Böhl Opp GH-Kand], ... wie e Holzklotz (Stock) [ KU-Bedb], ... wie e Sä(g)bock [ KB-Mauchh], ... wie e Stecke [ ZW-L'wied KB-Kerzh Don-Schowe], ... wie e Stick Holz [ RO-Dielkch]. Der is st. wie e Storch im Salat, gravitätisch [Krieger 20]. Do steht er st. als wie e Opperstock [Schandein Sprachsch.]. Denne det ich des steif Kreiz raustreiwe, ich detse lerne schaffe! [ NW-Gimmdg]. Ein Spottlied s. PfWB Schleifer1 2. —
b. 'unbeweglich, vollkommen steif (geworden)', bes. durch Gelenkversteifung; e steifer Arem [ KU-Kaulb, mancherorts], e steif Bän [ LU-Friesh, mancherorts], e steifer Fuß [mancherorts], e steifi Hand [ LA-Gommh, mancherorts], e steifes Knie [ BZ-Albw, mancherorts]. Sein Hand (De link Arem) is st. 'lahm'

[Bd. 6, Sp. 490]
[ LU-Alsh, vereinzelt]. Das steif Ben hat er sich beim Falle zugezoh [ KL-Reichb]. De Arem is schlecht gehält worr, er is st. [ KL-Reichb]. Er muß die Boi (des Bee) st. halle, er derf sich net rihre [ ZW-Battw LA-Gommh Maik BZ-Dierb]. Eine Schweinekrankheit: st. werre 'rheumatisch werden' [ NW-Kallstdt BZ-Dernb]. Volksgl.: Wann eens sterbt un werd net grad kalt un st., sterbt glei wieder eens [Fogel Beliefs Penns Nr. 582]. —
c. 'schwerfällig, ungelenk und langsam in den Bewegungen, beim Gehen, Arbeiten' [Höh 154]; steife Bän [ LU-Alsh], steife Glirrer [ LU-Alsh], steife Knoche [ LU-Friesh]; en steife Gang [ LU-Friesh]. So en steifer Hund (Kerl)!, Schimpfw. für einen ungelenken Menschen [ KU-Schmittw/O HB-Kirrbg LU-Opp LA-Birkw Gal-Dornf]; steifer Bock! Schimpfw. für ein altes Pferd [LU-Altr, Krämer Gal 206]; e steifi Zung hunn 'schwerfällig reden, nicht mit der Sprache herausrücken' [ KU-Körbn RO-Lohnsf]. Er hot e steif Hand 'Er ist schwerfällig beim Schreiben, Klavierspielen' [ KU-Schmittw/O]. —
2.
a. 'fest, hart, starr', von Sachen; steifer Hut [ ZW-Bottb]; en steife Zilinder, kann nicht zusammengeklappt werden [ LU-Alsh]; e steifes Kleid [ ZW-Battw]; steife Berschte [ KU-Diedk]; e steifer Kra [ KL-Hütschhs, LU-Alsh]; e steif Joch 'starres Doppeljoch für Ochsen und Fahrkühe' [ KU-Adb KL-Mehlb]; vgl. PfWB Steifjoch; e steifer Acker 'Acker mit schwarzem Boden' [ KL-Weilb]. Wie der Karch voll war, hott r sein zwää Küh ins steif Joch gespannt [Kühn Kumödi 85]. SprW.: Alde Bick honn schdiffe Heere! 'Alte Böcke haben harte Hörner, alte Leute sind stur' [Glass II 81, Land]. —
b. 'erstarrt, fest geworden'. Das Esse werd st., wenn es erkaltet [ LU-Friesh]. »Bis zum anbrechenden Tag ist die Latwerge meistens st., so st., daß der Rührer drin stecken bleibt und oft abbricht« [PfPr. 7. 10. 1934]. —
c. 'spröde'; steife Hoor [ LU-Alsh]. —
3. übertr.
a. 'förmlich, ungalant, stur, umständlich, träge', e Steifer [ KL-Fischb PS-Leim LU-Altr]. Der is en steifer Kerl [ LU-Opp NW-Haßl]. Du schdiffa Buck! Jetz helf ma mohl die Grumbiere se hiffele! [Glass Klutzkopp 105, Glass 97]. —
b. 'sehr, intensiv'. 's es st. drekkich, von einem Kleidungsstück [ KU-Kaulb]. —
c. 'sicher, beteuernd, überzeugend, hartnäckig', in RA.: Er hot st. un fescht behaupt [ KU-Kaulb HB-O'bexb Spey LA-Gleisw Ilbh BZ-Dierb]. Er hot's fescht un st. behaupt [mancherorts]; vgl. PfWB halsstarrig. a. 1661: »Auch wird beschlossen fest und steiff daran zu halten, daß, wer nach 9 Uhr Abends noch im Wirtshaus getroffen wird, sowohl Wirt wie Gast »umb 1 Orths-fl. soll gestrafft werden« [Küchler 269]. a. 1672: Michael Stoffel, Gerichtsman begeret, daß seine obige Verordnung solle ... fest undt Steiff gehalten werden [BrPr. 397a, Nr. 23 Bl. 13 (PS-Rodalb)]. a. 1770: und sollen also dieser Verkauf und Kauf völlig geschlossen, steif und fest gehalten sein [Heimatblätter für Ludwigshafen/Rh. und Umg. 17/1929 (LU-Assh)]. —
4. die Blumen Zinnien, Steifi Männer [Steinmetz]. — RhWB Rhein. VIII 583 ff.;

[Bd. 6, Sp. 491]
LothWB Lothr. 499 stif; ElsWB Els. II 576, ALA I K. 272.
 
  
steif-beinig Adv.: 'langsam, ungeschickt, schwerfällig', von der Gehweise, steifbäänich [ LU-Alsh].