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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Staden bis Stadt-bote (Bd. 6, Sp. 395 bis 397)
 
Staden, m.
Staden-huppser, m.
Stadt, f.
Stadt+-armer, m.
Stadt-arsch, m.
Stadt-bahn, f.
Stadt-bahnhof, m.
Stadt-base, f.
Stadt-besen, m.
Stadt-besuch, m.
Stadt-bote, m.
Stadt-brigand, m.
Stadt-brille, f.
Stadt-bube, m.
Stadt-chronik, f.
Stadt-dame, f.
Stadt-diener, m.
Städter, m.
Städter-bube, m.
Städter-furz, m.
Städterin, f.
Städter-kind, n.
Städter-kores, n.
Städter-kost, f.
Städter-pflanze, f.
Städter-puppe, f.
Städter-schisser, m.
Städter-spruch, m.
Städter-tracht, f.
Stadt-frack, m.
Stadt-fratz, m.
Stadt-frau, f.
Stadt-fraubase, f.
Stadt-geld, n.
Stadt-geschmeiß, n.
Stadt-gespräch, n.
Stadt-gesteck, n.
Stadt-graben, m.
Stadt-hähnchen, n.
Stadt-hand, f.
Stadt-haus, n.
Stadt-heimbürger, m.
Stadt-herr, m.
Stadt-huppser, m.
Stadt-hure, f.
städtisch, Adj.
Stadt-jugend, f.
Stadt-kasse, f.
Stadt-kind, n.
Stadt-kirche, f.
Stadt-klatsche, f.
Stadt-kniff, m.
Stadt-leute, Pl.
Stadtleute-futter, n.
Stadt+-leutnant, m.
Stadt-luft, f.
Stadt-lumpenkores, n.
Stadt-lumpenzeug, n.
Stadt-madam, f.
Stadt-mädchen, n.
Stadt-mamsell, f.
Stadt-mann, m.
Stadt-mauer, f.
Stadtmauer-gasse, f.
Stadtmauer-geld, n.
Stadt-maus, f.
Stadt-mensch, n.
Stadt-mode, f.
Stadt-mühle, f.
Stadt-musikant, m.
Stadt-panz, m.
Stadt-pfad, m.
Stadt-pfarrer, m.
Stadt-pflanze, f.
Stadt-plätsche, f.
Stadt-pritsche, f.
Stadt-puppe, f.
Stadt-rat, m.
Stadt-rätsche, f.
Stadtrats-lippen, Pl.
Stadt-sau, f.
Stadt-schickse, f.
Stadt-schisser, m.
Stadt-schnatze, f.
Stadt-schreiber, m.
Stadt-schule, f.
Stadt-soldat, m.
Stadt-sprinze, f.
Stadt-spruch, m.
Stadt-straße, f.
Stadt-tor, n.
Stadt-uhr, f.
Stadt-verweis, m.
Stadt-viertel, n.
Stadt-waage, f.
Stadt-wackes, m.
Stadt-wald, m.
Stadt-wappen, n.
Stadt-woog, m.
Stafette, f.
   Staden m.:
1. 'Ufer eines Flusses, Bachdamm', Stade (dādə) [ NW-Geinsh LA-Venn], Stare (dārə) [ PS-Fischb]; vgl. PfWB Ufer 1; Zs.: PfWB Bachstaden, PfWB Gestade. a. 1250: an deme stade [Corpus I, S. 24 Nr. 13 (Zweibr)]. a. 1250: viij morgen an deme staide [Corpus I, S. 24 f. (FR-Lambsh)]. 14. Jh.?: So sol man das wasser laßen gen bit vor das dorff herabe in sinen rechten staden [PfWeist. I 237 (NW-Deidh)]. a. 1421: denselben stadenn herab biß vff die gemeine anwende, biß heraber in Mutzgartten, da hat mein herr von Leiningen ein felt, vff dieselbe anwende; von der anwende ahn, als den staden ab, biß ghen Schmitz Mings gartten [PfWeist. I S. 134 (IB-Blieskst)]. a. 1483: vff oder ahn den borden vndt staden des Wassers [Molitor 89]. a. 1530: vnd die bach, als weit dieselb in irem rechtten staden gett [PfWeist. I 34 (RO-Als)]. a. 1553: sonst bleibt ein jeder fischer mit dem leygeschirr, reusen und andern an seinem staden [ABlieskst 61]. a. 1576: Verpachtet ist ein Stück Bach, das oben an der Forstwiese beginnt und mit beiden Staden hinabreicht bis an die Speck an Eschingen [HornbSchR Bl. 66]. a. 1600: alsdann strack die Lauter hinüber uf den andern staden [Vellmann Wolfst]. a. 1724: hie hat einen Staden die Mondat [SpeyHochst. 811]. a. 1741: den diesseitigen Staaden an der Bach zu Riedelberg [HanLicht. Nr. 23]. a. 1738: Als viel die West Lauther betrifft, so ist anforderist zu bemerken, daß diese Bach, so eben

[Bd. 6, Sp. 396]
nicht gar stark, die Grenzen der Gemeinschaft Falckenburg und Markgräflich Badischen Territorii scheidet, mithin diesseits der Staden Pfalz-Zweibrücken und Leiningen gemeinschaftlich und jenseits badisch ist [SSp Bestand Zweibr I Nr. 424 Bl. 4]. —
2. 'Graben im Kammertwingert, Vertiefung', Stode (dōdə) [BZ-Schweig (Scharff 168)]. —
3. 'grasiger Abhang, Rain, Grasland am Bach', Stade [BZ-Schweighf Bergz (PfId. 135)], Staare [Thielen 106]; vgl. PfWB Abhang, PfWB Ufer 2; Syn. s. PfWB Rech 1. —
4. 'kleine hölzerne Mulde, in der der Metzger Wurst und Fleisch zur Kundschaft trägt', Stade, Stare [ KU-Wolfst]; vgl. PfWB Narte 1. —
5. FlN. a. 1560: ein garten am Staden gelegen [KSchArch. Bl. 20]. a. 1791: auf dem Stadten [Zweibr I 1241 Bl. 5 (KU-Rammb)]. — Mhd. stade 'Gestade, Ufer' ( Lexer Lexer II 1127). — RhWB Rhein. VIII 490/91; LothWB Lothr. 491; ElsWB Els. II 574; Hess.-Nass. III 721; Kluge-Seebold22 693; DWB DWb. X, II,1 415/16 Stad, Stade, Staden; Ramge HFA K. 85.
 
  
Staden-huppser m.: 'das Insekt Wasserläufer (Gerris gibbifer)', Starehubbser (ˈdārə̩hubsər) [ PS-Bundth]; Syn. s. PfWB Wasserläufer.
 
  
Stadt f.: 'größere Siedlung im Gegensatz zum Dorf', Stadt (dad) [allg., Karch Gimmdg/Muttstdt 132, 168 Karch Jockgr/Nd'horb 98, 170 Schnekkenburger 16, 45 Lambert Penns 141 Krämer Gal 205]; Pl. Städt (dęd) [verbr.]; Dim. Sg. Städtche (dędχə, dędə) [KB-Kerzh, mancherorts WPf nördl. VPf Henn Mda.-Int. 106 Lambert Penns 142], Städtel (dędəl) [LU-Friesh, mancherorts südl. VPf, Lambert Penns 142 Buffington Penns Var. 240, 259 PennsDeitschEck 22. 3. 1941], Städtelche [Lambert Penns 142 PennsDeitschEck 22. 3. 1941]; Dim. Pl. Städtcher (dędχər) [ KU-Brück, vereinzelt], Städtelcher (dędəlχər) [BZ-Dernb Penns-DeitschEck 15. 3. 1941], Städtle (dędlə) [ GH-Kand], Schdedtlin [PennsDeitschEck 22. 3. 1941]; Zs.: PfWB Alt-, PfWB Arbeiter-, PfWB Bauern-, PfWB Pfefferneujahrs-, PfWB Tripp-, PfWB Eller-, Fabrik-, PfWB Vor-, PfWB Groß-, PfWB Haupt-, PfWB Hoch-, PfWB Huren-, PfWB Kall-, PfWB Klein-, PfWB Land-, PfWB Lumpen-, PfWB Mutter-, PfWB Neu-, PfWB Ober-, PfWB Otter-, PfWB Ribbel-, PfWB Saal-, PfWB Schiffer-, PfWB Schlappen-, PfWB Unterstadt; e schee Städtche [ ZW-Battw]; sisch in die St. mache 'nach Pirmasens fahren' [PS-Rodalb (Bernhard 153)], in die St. gehn (gihn, fahre) [ZW-Hornb PS-Schmalbg IB-Ensh (Glass 95)]; un wammer in e gresseri St. kum sin ... [ KL-H'spey]. Mer sin in de St. gewest, sagt die bäuerliche Bevölkerung von Unterkandel, wenn man in Mittelkandel war [ GH-Kand]. Mer sin mit 'r Bahn in die St. g'fahr [ Don-Gert]. Ich bin noch em Städtel gange [PennsDeitschEck 15. 3. 1941]. Kerchem (Kirchhbol) es e klan Städtche [RO-Sippf]. Lautere es e St., Winnweiler es e Städtche [RO-Sippf]. Der war schon deck 'oft' in der St. [ ZW-Battw]. Er is aus de St. 'Er ist Städter' [ KU-Bedb]. Das will e St. sinn, is awwer doch norre e Flegge [ KL-Reichb]. Also, alles, was mer heut in de St. kaaft, hot mer halt frieher uf em Ostermark krigt zu kaafe [ LU-Muttstdt]. 's

[Bd. 6, Sp. 397]
G'sinn (Gesinde) ufm Land muß schwerer schaffe wie in der St. [ ZW-Battw]. Die Bauremäd solle sich so trahe wie's uf's Land paßt und nit wie fer die St. [ ZW-Battw]. Ich wuhn alleweil bei meim Onkel in der Schdadt [Buffington-Barba Penns 28]. Sis epper fremm im Städtel 'Ein Fremder ist in der Stadt' [Danner Penns 136]. Hoschde d'r schunn eene ausgesieh in de Stadt? [Müller Lottche 9]. RA.: 'n anner Städtche, 'n anner Mädche [Fogel Prov. Penns Nr. 1926]. VR.: Wann die Soldate dorch die St. marschiere, effnen die Mädcher Fenschder un aach Tiere (Türen) [ FR-Tiefth]. Einen weiteren VR. s. PfWB Beeden. Ortsneckerei für PS-Burgalb (ehedem bekannt durch Besenbinderei): Boralwe is e schääni St., wo mer sich kann ernähre. Do werd vun dere War gemacht, wo mer mit kann kehre [Umg. von PS-Burgalb]. Berufsneckereien: Was hemmer dann fer'n Metzger / in unsre alde St. / de Metzger esch 'n Galchestrick / an jeder Worscht do fehlt e Stick [ LA-Hainf]; weitere Neckereien: s. PfWB davor 1, PfWB Kanzel 1, PfWB Lehrer, PfWB Näherin, PfWB Schneider 1, PfWB Schuster 1, PfWB Wagner. a. 1306: die sie von alter in vnser stat zu Lutern hant gehabet [OttbgUrkb. 270 (Kaislt)]. a. 1307: Sie sollent auch gen an alle die stat, do des probistes vnd des conuentes von Lutern swin hiene gent vffe den walde [HStArch. I Rheinpfalz-Urkunde 1407 (Kaislt)]. — Mhd. stat 'Ort, Stelle; Ortschaft, Stadt' ( Lexer Lexer II 1144). — RhWB Rhein. VIII 492 ff.; LothWB Lothr. 491.
 
 
Stadt+-armer m.: 'durch Mittel einer Stadt unterstützter Bewohner'. a. 1789: »Von der Landeshospital-Kommission war verfügt worden, die seither durch den Bettelvogt herumgetragene Armenbüchse sei nicht mehr zu Gunsten des Spitals, sondern der Stadtarmen zu entleeren und der Bettelvogt von der Stadt zu bezahlen« [Küchler 783 (Kaislt)]. DWB DWb. X, II,1 440. — -arsch m.: Schimpfw. für den Städter, Stadtarsch [ BZ-Albw]. — -bahn f.: 'im Stadtbereich fahrende Eisenbahn', -bahn [ FR-Tiefth LU-Oggh]. DWB DWb. X, II,1 440. — -bahnhof m.: wie schd., -bahnhof [ FR-Tiefth]. — -base f.: 'stadtbekannte Klatschbase', -bas (-bās) [mancherorts ges. Pf]; Syn. s. PfWB Quatschmaul. Hess.-Nass. III 721. — -besen m.:
1. 'stadtbekannte Klatschbase', -besen [Klein Prov. 166 Journ. 4/1787 216]; vgl. PfWB Dorfbesen; Syn. s. PfWB Quatschmaul. —
2. 'eine Frau, die den Männern nachläuft' [Pirmas]; Syn. s. PfWB Hure 1 a. — RhWB Rhein. VIII 494 Stadtbesem; ElsWB Els. II 98; DWB DWb. X, II,1 442. — -besuch m.: 'Gäste aus der Stadt', -besuch [Pirmas]. — -bote m.: 'wer Botendienste für eine Stadtverwaltung erledigt'. a. 1590: So soll ein Jeder Burgermeister vndt der stattbott macht habenn demselbigen Innsein Haus zughen [Molitor 157 (Zweibr)]; vgl. PfWB Büttel, PfWB Stadtdiener. LothWB Lothr. 492; DWB DWb. X, II,1 444. —