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Pfälzisches Wörterbuch 
 
zwitschern bis zwockel-deutsch (Bd. 6, Sp. 1759 bis 1761)
 
   zwitschern schw.:
1. 'lustig singen, schmettern, vom Gesang der Vögel, bes. der Schwalbe', zwitschere (dswiderə) [vereinzelt, Karch Gimmdg/ Muttstdt 239 Lambert Penns 187 Krämer Gal 250], zwitschre [PS-Rodalb (Bernhard 195)]; vgl. PfWB Gezwitscher. Do zwitschre unn zischble die Schwalwe voll Luscht [Christmann Grummet 13]. Er sieht e Amschel off m'Dach, wo zwitschert [Kraus Arwed 50]. Drauß dun die Schwalwe zwitschre [Burgey Keschte 97]. —
2. 'funkeln, blinken', von Sternen in einer kalten Nacht; vgl. PfWB zwitzern. Die Sterne zwitschern [ PS-Hintwdth]. —
3. 'einen trinken' [mancherorts, Bernhard 195 Höh 123 Sunndag 14. 9. 1958 Thielen 126]; Syn. s. PfWB betrinken, PfWB trinken 1 a. So hott de Seppel eens um's annere gezwitschert [PfRSch. 21. 10. 1926]. Der zwitschert geere eener! [Krieger 7]. — RhWB Rhein. IX 920/21; ElsWB Els. II 928.
 
  
Zwitter m.: 'zweigeschlechtiges oder geschlechtlich unentwickeltes Lebewesen ohne Nachkommen', von Mensch und (Haus)tier. Es entspricht der Natur der Sache, daß im Belegmaterial nicht klar geschieden ist zwischen einerseits echter Zweigeschlechtigkeit und andererseits Unfruchtbarkeit, die durchaus auch andere Gründe haben kann. Zwidder

[Bd. 6, Sp. 1760]
(dswidər) [verbr. ges. Pf Lambert Penns 187 Krämer Gal 250], Zwirrer (dswirər) [ IB-Aßw FR-Beindh], Zwudder (dswudər) [ HB-Medh]; s. K. 420; Syn.: PfWB Bastard 3, PfWB Brummel 2, Brumelkopf 3, PfWB Brummer 2 b, PfWB Brummler 2 b, PfWB Brummlerin 1, PfWB Geltgängerin, -geiß, -kuh, PfWB Knällerin, PfWB Mannweib 2, PfWB Manskuh, PfWB Rolle 3 c, PfWB Roller 3, PfWB Rollerin 1, PfWB Schmalgeiß, PfWB Stierbock, PfWB Übergänger, PfWB Überläufer, PfWB Zwicke2, PfWB Zwickert, PfWB Zwitzer; Syn. zum Adj. 'unfruchtbar' s. PfWB gelt1 u. K. 153. Die Kuh isch e Z. 'ist unfruchtbar' [ IB-Nd'würzb]. Es das e »Sie«, es das e »Er«, / e Z., Schote orrer wer! [Christmann Grummet 36]. RhWB Rhein. IX 921.
 
 
Zwitter-ei n.: 'unbefruchtetes Hühnerei', Zwitterei [Frankth].
 
 
zwittern schw.: 'glitzern, funkeln'. Mein Aage hänn gezwittert Part. Perf. [Claus 67]. RhWB Rhein. IX 921.
 
 
Zwitter-wurze f.: nicht näher bezeichnete Pflanze, nur in der RA.: Die härtschde Niss (Nüsse) hän die sießeste Kern, un aus er re Zwidderwurz kann aach e Rösele werre, bildlich von einem trotzigen Mädchen [»SPf« (Wilde Notizen)].
 
 
Zwitzer m.: = PfWB Zwitter, Zwitzer (dswidsər) [HB-Brenschb ZW-Marthh Steinmetz]; Syn. s. PfWB Zwitter u. K. 420.
 
 
zwitzerig Adj.: 'glänzend, funkelnd', zwitzerich, zwitscherich [Lambert Penns 187]. ElsWB Els. II 929.
 
  
zwitzern schw.:
1. 'glänzen, funkeln', bes. vom Funkeln der Sterne in eisiger Nacht, zwitzere (dswidserə) [ZW-Gr'bundb NW-Ellstdt LA-Venn BZ-Dernb GH-Minf Schandein Sprachsch. 50 Lambert Penns 187]. Der Himmel is so klor, daß die Stern zwitzere [NW-Ellstdt, PS-Windsbg LU-Altr Friesh NW-Haßl Spey Danner Penns 157]. —
2.
a. 'vor Unruhe, Erwartung zittern', zwitzere [ KU-Wolfst]. —
b. 'vor Zorn, Aufregung zittern, aufbrausen' [IB-Nd'würzb (PfId. 157) PS-Th'eischw]. — RhWB Rhein. IX 921; ElsWB Els. II 929.
 
 
zwo 'zwei' s. PfWB zwei.
 
  
Zwockel m.: Neckname urspr. für in die Pfalz versetzte bayerische und fränkische Beamte (bis etwa nach dem 1. Weltkrieg), auch allg. für den Altbayern, Zwockel (dswogəl) [mancherorts, Bernhard 195 Braun Lääsebuuch II 178 Kamm 71 Karch Gimmdg/Muttstdt 235 Kühn Hamet 143 Runck Hand 30 Schmitt Billh. 115 Thielen 126 Wilms Alph. 57]. Das is e Z., denne versteht mer net [ KL-Reichb]. Die Zwockel (Pl.) driwe schelle als / Wie's Dunnerwetter uf die Palz: / Das is jo nix als lauter Neid, / Dann die sinn dumm un meer gescheit [Münch Werke I 58]. Ach Gott, ach Gott, es is erum, / Mer sein jo an die Zwockel kumm! [Münch Werke I 144]. — Der Ursprung dieses Necknamen wird unterschiedlich erklärt: Als eine Verballhornung aus dem Namen des Freiherrn Franz Xaver von Zwackh-Holzhausen (Becker Vk. 165/66; Ernst Johann: Deutschland deine Pfälzer. Reinbek bei Hamburg

[Bd. 6, Sp. 1761]

1980 S. 78; Feierowend Jg. 17 1965 S. 2 Heft 7; Die Pfalz 4/1996 S. 3; Der Wasgau-Bote 1934 Nr. 13); als ein Hinweis auf einen Zweig als Feldzeichen auf der Kopfbedeckung österr. Soldaten (»Zwogerl«) (Heinz Küpper: Illustriertes Lexikon der deutschen Umgangssprache. Stuttgart 1984 Bd. 8 S. 3208; Albert Becker in: Feierowend Jg. 6 1954 Nr. 31 S. 2; A. Bach Dt. Namenkunde I PN. Heidelberg 1978 § 513). — RhWB Rhein. IX 922 Zwuckel.
 
 
zwockel-deutsch Adj.: 'bayerische Mundart'. Nimmt Münchener Schwung an un Etiquett / Un ruht nit, bis er zwockldeitsch redd [Fried in: Wurstmarkt 1926].