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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Würz-stein bis Würzwisch-pflanze (Bd. 6, Sp. 1500 bis 1502)
 
Würz-stein, m.
Würz-strauß, m.
Würz-stüpfe, f.
Würz-waage, f.
wurz-weg, Adv.
Würz-weihe, f.
Würzweih-tag, m.
Würz-weiler, ON
Würz-wisch, m.
Würzwisch-kunkel, f.
Würzwisch-pflanze, f.
Würzwisch-staude, f.
Würzwisch-tag, m.
wus
Wusch, m.
Wuschen, m.
Wuschel1, m.
Wuschel2, n.
Wuschel-haar, n.
Wuschel-kopf, m.
wuscheln, schw.
wuschi, Interj.
Wusel, m.,  f.
wusel-beinig, Adj.
Wuseler, m. f.
Wuselerin, m. f.
wuselig, Adj.
Wusel-kopf, m.
wuseln, schw.
Wuspel, f.
wuspeln, schw.
wusperlich, Adj.
wuß, Interj.
Wusse-gans, f.
wusselig
Wussi, f.
wussi, Interj.
Wuß-sau, f.
Wust, f.,  m.
wust, Adj.
wüst, Adj.
Wust-darm, m.
Wüste, f.
Wustel, m.
Wüstel, m.
wusteln, schw.
wusten, schw.
Wusten-berg, m.
Wustenei, f.
Wüstenei, f.
Wuster, m.
Wüster, m.
wusterig, Adj.
wusterlich, Adj.
wüsterlich, Adj.
Wüsterlichkeit, f.
wustern, schw.
Wust-feld, n.
wüst-garstig, Adj.
Wüst-gesicht, n.
wüst-gesichtig, Adj.
wüst-guckig, Adj.
Wustheit, f.
Wust-land, n.
Wustlerin, f.
Wüstling, m.
Wüst-reich, n.
Wut, f.  (m.)
wüten, schw.
Wut-hahn, m.
wutig, Adj.
wütig, Adj.
Wütigkeit, f.
Wutsch, m.,  n.
wutsch, Interj.
Wutsche-gaul, m.
wutschen, schw.
Wutt-hammel, m.
Wuttich
Wutt-wutt, m.
Wuttwutt-säckel, m.
Wutz1, f.
Wutz2, m.
wutz, Interj.
wutze, Interj.
wutzi, Interj.
wutzeln, schw.
Wutzel-schnute, f.
wutzen, schw.
Wutzen-auge, n.
Wutzen-backen, m.
Wutzen-bär, m.
Wutzen-bube, m.
Wutzen-fuß, m.
Wutzen-gickel, Gen.?
Wutzen-gickes, m.
Wutzen-haken, m.
Wutzen-kind, n.
Wutzen-mann, m.
Wutzen-mist, m.
   Würz-stein m.: 'Mörser (zum Zerstoßen von Trockengewürzen)', trotz des Grundwortes häufig aus Metall, Werzstään [ KU-Bedb Roth RO-Lettw], -stäin [ KU-Schmittw/O], -staan [ KU-Adb]; vgl. PfWB Gewürzstein. Volksgl.: Zaubermittel, Daß eine deinen Willen muß tun: Nimm 6 Ametzen Ayer und 6 Pfefferkörner, stoße sie in einem Wirtzstein, gib's ihr zu essen und zu trinken [NPfGV 5/1929 39 (KU-Nußb)]. a. 1444: 1 yrzen (erzen = aus Erz) wurtzstein und ein isen stoßel [ZweibrLuRb. 89r]. a. 1762: Eyßerne Wörtz stein [SSp F29/11 (KU-Dittw)]. RhWB Rhein. IX 669. — -strauß m.: = PfWB Würzwisch, Werzstrauß [ KU-Einöll]. — -stüpfe f.: 'womit oder in was Gewürze zerstoßen werden'. a. 1571: Item 1 Alth wirtz stib ... In der Understen Speiß Camer [ZweibrKellR]; zu PfWB stupfen 'stoßen'. — -waage f.: 'Waage zum Wiegen von Gewürzen'. a. 1571: Item 2 wirtz wagen mit Eyßen wagbalken [ZweibrKellR].
 
  
wurz-weg Adv.: 'vollständig weg, radikal', wurzweg [ PS-Hintwdth], worzweg [ Gal-Dornf], worzeweg [Kühn Hamet 143].
 
  
Würz-weihe f.: 'am Fest Mariä Himmelfahrt (15. Aug.) stattfindende kirchliche Weihe von Kräutern', bes. in historischen Belegen auch der Festtag selbst, Werzweih [mancherorts (in kath. Gegenden), Sunndag 6/1966 Stoll 65]; vgl. PfWB Kräuterweihe; PfWB Würzweihtag. Maria Wirzweih 'das Fest Mariä Himmelfahrt' [ RO-Würzw], Maria Werzweihung, dass. [ WD-Marth]. a. 1295: unser frauwen dage, als sie zum hymel fure, den man nennet wrtzwihe [ZweibrReg. 120]. a. 1549: vor unser lieben frawen

[Bd. 6, Sp. 1501]
tagk wrtzweyhe [MHVPf. 83/1985 (LA-Maik)]. a. 1451: Wurczwihe [Knapp 15]; weitere hist. Bel. s. Stoll 65, Anm. 675. RhWB Rhein. IX 669/70.
 
 
Würzweih-tag m.: 'das Fest Mariä Himmelfahrt (15. Aug.)', Werzweihdag [PS-Hilst, Stoll 65]; vgl. PfWB Würzweihe, PfWB Würzwischtag. Rhein. IX 670.
 
 
Würz-weiler ON: Dorf im Kr. RO, Werzwiller [Christmann SN 643]. — -wisch m.: 'Kräuterbüschel, das am Fest Mariä Himmelfahrt vor oder in der kath. Kirche geweiht wird', Werzwisch [verbr. (bes. kath. Orte), Schandein Bav. IV,2 328 Rußl-Speyer], Wirz- [verbr. lothr. SWPf mancherorts SOPf Kamm 69], Wirzwich [Glass 131], Wirzwesch [ BZ-Albw], Werzwesch [ GH-Leimh], Werzewisch [ BZ-Völkw]; vgl. PfWB Gewürzwisch, PfWB Kräuterbüschel, PfWB Weihbusch, -büschel, PfWB Weihwisch, PfWB Wisch, PfWB Würzstrauß. Vk.: Die Zusammensetzung und Anzahl der zum W. gehörigen Kräuter ist örtlich unterschiedlich; Gewährsleute und Darstellungen für die Pf. geben an, das er aus neun [Schandein Bav. IV,2 394, 405], dreiunddreißig [ FR-Hettldh LA-Siebdg], zweiundsiebzig [ FR-Mörsch N'lein] oder gar neunundneunzig [Carl Pfalz im Jahr 300] Pflanzen bestehen müsse. Folgende Pflanzen werden als Bestandteil häufiger genannt: Königskerze (Verbascum thapsiforme), mda. Kunkel, Liebfraukunkel, Muttergotteskunkel, Osterkerze (Syn. s. PfWB Kunkel 2) meist in der Mitte des Kräuterbüschels; Rainfarn (Tanacetum vulgare), mda. Rääfarn(t), Hemderknopf u. a.; Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis), mda. Blutskopf, -knopf, Stinkknopf u. a. (Syn. s. PfWB Würzwischstaude); Leinkraut (Linaria vulgaris), mda. Abnehmkraut, Frauenflachs, Herrgottsschuh, Jungfrau-, Maria-, Muttergottesbettstroh u. a. (Syn. s. PfWB Wolfsmilch 2); Karden-, Kohl-, Mariendistel (Dipsacus fullonum, Silybum marianum), mda. Donnerdistel, Mädchenssträhl, Strähl; Wermut (Arthemisia absinthium); Fuchsschwanz (Amarantus cruentus); Dost (Origanum vulgare); Ampfer (Rumex crispus), mda. Halwer Gaul; Labkraut (Galium verum und mollugo); Eisenkraut (Verbena officinalis); Odermennig (Agrimonia eupatoria), mda. Odermännche, -männel; Raute (Ruta graveolens); Liebstöckel (Levisticum officinale); Quendel (Thymus serpyllum, vulgaris); Fenchel (Foeniculum vulgare); Salbei (Salvia officinalis); Pfefferminze (Mentha piperita); Tausendgüldenkraut (Centaureum minus); Schafgarbe (Achillea millefolium), Syn. s. Schafgarbe; Osterluzei (Aristolochia clematitis); Malve (Malva neglecta, Althaea rosea), mda. Halsrose, Syn. s. PfWB Käseblume 1 a, PfWB Halsrose 1 b, PfWB Stockrose; Hartheu (Hypericum perforatum), Syn. s. PfWB Stierkraut 1; Herzgespann (Leonurus cardiaca), mda. Herzgesperr; Bohnenkräutchen (Saturea hortensis); Sonnenblume (Helianthus annuus); dazu Klee, Laub von Walnußbäumen, Edelkastanien, Getreidesorten (bes. Hafer). Örtliche Zusammensetzungen werden beschrieben bei Grünenwald 130/31, Manfred Claus: De

[Bd. 6, Sp. 1502]
Walsemer Werzwisch. Waldsee (Selbstverlag) 1991, Karl Blum in: Feierowend 6/1954 Nr. 33 S. 6 und Sprissler in: Landauer Anzeiger 15. 8. 1933. Der geweihte W. wird im Haus (unter dem Dach) oder im Stall angebracht; er soll gegen Blitzschlag [mancherorts], Hexen oder Krankheiten von Vieh und Mensch wirken [mancherorts, Becker Vk. 330 Stoll 65]. Von seinen Kräutern wird dem krankem Vieh etwas in das Saufen beigemengt [ FR-Mörsch GH-Knitth]. Wenn eine Kuh kalbt, dann gibt man ihr vom W. zu fressen [ KL-Lind]. Bei drohendem Gewitter wird zum Schutz vor Blitzschlag etwas von dem W. in das Feuer geworfen [ HB-Kirrbg]. »Gegen Hexen wird ein geweihter W. an den Stallpfosten gehängt« [Schandein Bav. IV,2 337]. Der katholische Brauch wurde als Aberglauben bekämpft: a. 1566: Vom Kräuter weihen: Bei 10 fl. Strafe ist verordnet, daß niemand hinfortan zu den gottlosen, aberglaubigen Meßpfaffen oder Mönchen laufen, Wachs, Palmen, Kerzen oder Kräuter weihen lasse, mit welchem man nachmals Zauberei, Segerei und Hexenwerk braucht [PfMus. 39/1922 148 (Leininger Polizeiordnung)]. a. 1443: Weihen der Palmen. Würtzwisch und Lichter [UrkKG Nr. 634 (KU-Roßb)]. a. 1496: Der Pfarrer soll an Mariä Himmelfahrt die Würtzwische in Niederbexbach weihen [UrkKG]. a. 1577: Ist der gewächs eines (nämlich die Stabwurz), das man inn die Wurtzwüsch tht damit die alten Weiber vil narrenwerck treiben [Bock Kreutterbuch 123]. — RhWB Rhein. IX 670; LothWB Lothr. 545 Wirzwisch; ElsWB Els. II 875; DWB DWb. XIV, II 2400.
 
 
Würzwisch-kunkel f.: 'Königskerze (Verbascum thapsiforme)', Werzwischkunkel [BZ-Rohrb (Wilde 150)]; Syn. s. PfWB Kunkel1 2. — -pflanze f.: 'Pflanze, die in den Würzwisch kommt', -planz [LA-Mart (Wilde Notizen)]. —