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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Wickel bis wickeln (Bd. 6, Sp. 1302 bis 1304)
 
Wickel, m.  (f.)
Wickel-band, n.
Wickel-binde, f.
Wick(e)ler, m.
Wickel-gamaschen, Pl.
Wickel-haspel, f.
Wickel-hose, f.
Wickel-kind, n.
Wickel-kranz, m.
Wickel-macherin, f.
wickeln, schw.
Wickel-puppe, f.
Wickel-schnur, f.
Wickel-schurz, n.
Wickel-stock, m.
Wickel-stroh, n.
Wickel-wark, m.
Wicken-blume, f.
Wicken-gewanne, f.
Wicken-schrot, n.
Wicken-wacken, Pl.
Wicken-wacker, -wackes-wacker, -wackes, Pl.
Wick-hafer, m.
Wickler
Widder, m.
Widder-gasse, f.
Widders-wiese, f.
Widder-tod, m.
Wide
Widekadelmel, f.
wider, Präp.
Wider-ballen, m.
wider-bellen, schw.
Wider-borste, f.
wider-borstig, Adj.
wider-boxen, schw.
wider-bumpen, schw.
Wider-bumper, m.
Wider-bürste, f.
wider-bürstig, Adj.
Wider-den-Hunger, Pl.
wider-drücken, schw.
wider-einander, Adv.
wider-fahren, st.
wider-fliegen, st.
wider-gehen, st.
wider-haarig, Adj.
wider-halten, st.
wider-hauen, st.
wider-knassen, schw.
Wider-knuppchens, n.
wider-kommen, st.
wider-laufen, st.
wider-leben, schw.
wider-legen, schw.
wider-lehnen, schw.
widerlich, Adj.
Wider-machelns, n.
wider-pappen, schw.
Wider-part, m.
wider-placken, schw.
Wider-rede, f.
wider-reden, schw.
wider-rennen, schw.
Wider-rist, m.
Wider-ruf, m.
wider-rufen, st.
Wider-schein, m.
wider-schlagen, st.
wider-schmeißen, st.
wider-schnärren, schw.
Wider-schockens, n.
wider-spenstig, Adj.
wider-sprechen, st.
Wider-spruch, m.
Wider-stand, m.
wider-stehen, st.
wider-stellen, schw.
Wider-storren, m.
Wider-stoß, m.
Wider-stößelns, n.
wider-stoßen, st.
wider-stumpen, schw.
wider-tappen, schw.
Wider-teil, m.
wider-treten, st.
wider-tun, st.
Wider-werfen(s), n.
Wider-wille, m.
wider-wuppen, schw.
widig, Präp.
Widu
Widum
Widuz, (m.?)
wie1, Adv.
wie2, Konj.
Wiebel, m.
wiebel-äßig, Adj.
wiebeln, schw.
wiebel-stichig, Adj.
   Wickel m. (f.):
1.
a. 'feuchtwarmes oder -kaltes Tuch als Umschlag bei Krankheit um Körperteile' [mancherorts, Lambert Penns 178]; vgl. PfWB Umschlag 2; Volksmed.: kalte (nasse) Wickel mache, als Mittel gegen Fieber, Kopfweh, Schüttelfrost [ GH-Zeisk, mancherorts], hääße (warme) Wikkel, gegen Erkältung [mancherorts]. Un de Dezember im Auguscht - / mit warme Wickel uff de Bruscht [Damm Nachtdischlamp 88]. En W. macht un gibt e Säftel [Kunnrädel 59]. —
b. 'Windel des Säuglings'. Das Bächelche, knapps aus der Wickel (Gen. f.) gestieh, / Das laft d'r so hortig, m'r kann es net krieh' [Schandein Ged. 101]. —
2. 'größeres Bündel von

[Bd. 6, Sp. 1303]
wirrem Stroh u. ä.', bes. Haferstroh, auch von geschnittenem Getreide, Hanf, Heu, Wickel (wigəl) [ KU-Körbn ZW-Maßw Riedbg KL-Fischb Rodb KB-Kriegsf Don-Schowe Torscha Gal-Engelsberg]; vgl. PfWB Wirrstroh; Zs.: PfWB Haferwickel; Syn. s. PfWB Boßen1 1; e W. Hawwerstroh [ KU-Kaulb]. RA.: Er stickt im Joppe (sitzt do) wie e Maus im e W. Werg [KU-Diedk, NPfGV 3/1926 18]. SprW.: Jeder muß siwwe Pund Dreck un en W. Wärick (Werg) imme Jahr fresse [Fogel Prov. Penns Nr. 351]. a. 1793: 36 wickel Haberstroh [SSp Landstl. Ausfautei A. Nr. 12 Bl. 4v (KL-Mittbn)]. —
3. 'Ranke einer Schlingpflanze' [ LA-Wey]. —
4. 'Polster, um das langes Frauenhaar im Nacken gewickelt wird' [ LU-Opp]; Zs.: PfWB Haar-, PfWB Hodenwickel. RA.: am W. krie'e (nemme) 'am Haar, am Kragen fassen, erwischen' [vereinzelt, Bernhard 188 Heeger Nachl. Lambert Penns 178 Krämer Gal 242]; vgl. PfWB Schlawikkel. Die Kränk hat ne am W. [Kraus Naube 47]. —
5. 'mit Strohlehm umhülltes Spaltholz im Fach des Fachwerks oder einer Zimmerdecke', Maurerspr.; vgl. PfWB wickeln 1; Zs.: PfWB Patsch-, PfWB Leimen-, PfWB Rohwickel. »Die aus Strohlehm hergesteckten Wickel unterscheiden sich in Patsch- und Rohwickel. Lehmwickel werden nebst Stückhülzern nur mehr selten zur Herstellung von Decken verwendet« [Ph. Gimmel: Die Maurerspr. in BZ-Nd'ottb. In: Der Wasgau-Bote 9/1934]. Vgl. PfWB Stickholz und Rhein. IX 1022 K. N 8.
6. 'Gebäck, Weck aus aufgewickeltem Teig', Wickel [ LU-Friesh], meist. Dim. Wickelche (wigəlχə) [verbr. WPf vereinzelt übrige Pf]. —
7. 'Mahlzeit, Essen', Gen. f.: die Wickel [SOPf (Heeger Nachl.)]; Ableitung von wickeln 3 'tüchtig essen'; vgl. Wolf Nr. 6226: warmer Wickel 'warmes Essen'. —
8. weitere Zs.: PfWB Krautwickel. — RhWB Rhein. IX 479/ 80; LothWB Lothr. 540; ElsWB Els. II 809.
 
 
Wickel-band n.: 'starke Weidengerte zum Binden der Reben', Wickelband [BZ-Dörrb Schweig (Scharff 189)]. — -binde f.: 'breitere Binde um den Leib eines Kindes', zum Stärken des Rückens, -binn (-bin) [ LA-Gommh].
 
  
Wick(e)ler m.:
1. 'wer gut und viel essen kann', Wickler (wiglər) [KU-Schmittw/O SOPf (Heeger Nachl.)], Wickeler (wigələr) [ KU-Schmittw/O]; vgl. PfWB Wickel 7, PfWB wickeln 3. —
2. 'ein schneller Polkatanz', Wickler [ Don-Schowe Torscha]. —
3. in Zs.: Trauben-, PfWB Lockenwickler.
 
  
Wickel-gamaschen Pl.:
1. 'um den Unterschenkel gebundene Gamaschen', verbr. in der Zeit nach dem 1. Weltkrieg, Wickelgamasche [ZW-Bechhf KL-Gimsb Reichb PS-Fehrb BZ-Albw Bernhard 188 Krämer Gal 242], -ka- [ LU-Alsh BZ-Hermbghf]. —
2. 'breit geschnittene Nudeln', Soldatenspr. um 1920 [ ZW-Bechhf]. — -haspel f.: 'Spule, Rolle', Wickehaspel (sic!) [Beam Penns 109]. — -hose f.: 'Hose, die zusammen mit den Strümpfen unter den Knien wulstartig aufgebunden wird', Wikkelhose [BZ-Billh (Gundelwein in PfW 1910)]. »Hose aus gelbem Hirschleder, eng anliegend, mit

[Bd. 6, Sp. 1304]
sehr breiter Latze versehen und ohne Stege (Träger), wird mit den Strümpfen unter den Knieen zu einem Wulst aufgewickelt« [Schandein Bav. IV,2 271]. — -kind n.:
1. 'Neugeborenes, Säugling', -kind [BZ-Dernb, mancherorts Bernhard 188]. Wie die klane Wickelkinner / Leien do die Brotwerscht drinn! [Kühn Hamet 52 Kühn Schnitze I 206]. RA.: Scheene Wickelkinn gewwe wieschte Gassekinn [ KU-Schmittw/O]. a. 1693: Kinder von reformierten Eltern sind hier 91, worunter auch die Wickelkinder gezählt [Niedhammer 175]. —
2. 'Gebildbrot in Form eines gewickelten Säuglings' [O. Bertram: Pfälzische Gebildbrote. In: WestmAbhandl. 5/1941/ 42 S. 260]. — RhWB Rhein. IX 480; LothWB Lothr. 540. — -kranz m.: 'runder Kuchen aus aufgerolltem Hefeteig', -kranz [ ZW-Battw]. — -macherin f.: 'Arbeiterin in der Tabakindustrie, die Tabak rollt', -macherin [Heimat-Blätter für Ludwigshafen u. Umg. 6/1936].
 
  
wickeln schw.:
1. 'umhüllen, umbinden, aufrollen', z. B. von Säuglingen mit Windeln, von Stickholz mit Strohlehm (Wickel 5), wickele (wigələ) [verbr. WPf Müller Dietschw 72 Schneckenburger 54 Beam Penns 109 Krämer Gal 242], wickle (wiglə) [verbr. VPf Bernhard 188 Ehrhardt 131 Lambert Penns 178]; Zs.: PfWB ab- 1, PfWB auf- 1, PfWB aus-, PfWB darum-, PfWB ein-, PfWB ent-, PfWB ver-, PfWB herauf-, PfWB heraus-, PfWB herum-, PfWB hinauf-, PfWB schief-, PfWB um-, PfWB ver-, PfWB zuwickeln; PfWB gewickelt 1; die Hoor w. 'Locken drehen' [ LU-Opp]; Hai lare un w. 'Heu laden' [ NW-Dürkh]; e Duch um de Hals w. [mancherorts]. RA.: schief (falsch) gewickelt sein 'sich irren' [vereinzelt, Kamm 97 Sommer Humor 79]. Den kammer um de (kleene) Finger w. 'Er ist ein gutmütiger, nachgiebiger, gefügiger Mensch' [verbr., Kamm 90 Krieger 39 mancherorts Gal]. Er hot 'n ins Schnuppdiechel gewickelt 'Er hat ihn (seinen Penis) in sein Taschentuch gewickelt, weil er Tripper hat' [SOPf (Heeger Nachl.)]. Volksgl.: en Strump vum linke Fuß (de linkse Strump) um de Hals w., bei Halsweh [ PS-Erfw NW-Kallstdt]. Stehl en Spiellumbe (Spüllumpen) un wickel en me lahme Gaul ums Been [Fogel Beliefs Penns Nr. 774]. Wann en Baam net trage will, wickelt mer'n Lumpe der Obet fer (Abend vor) Krischdag noch Sunnunnergang un mer sagt: In dere Nacht is Krischtus gebore. Du bischt noch ni verfrore. Ich wickel dich mit Lumpe. Nau hängscht du dich mit Klumpe [Fogel Beliefs Penns Nr. 1064]. Die Neijohr wickelt mer en Strohseel um die Obschtbeem, damit sie besser tragen sollen [Fogel Beliefs Penns Nr. 1046]. Volksbr.: E Mädel derf heirate, wann's de Zopp dreimol um die Nos wickle kann [ Don-Gottlob]. KR.: Ich wasche meine Hände, / trockne sie ab, / steck sie in den Sack, / steck sie in die Seite, / mach wickle, wickle Weide [Bergz (Kamm 105)]. Saft, Saft, Seire, / Wickl, wickl Weire! / Main Messer will net schneire [PS-Rodalb (Wilde 257)]; Forts. u. weitere KR. s. PfWB Roß, PfWB Weide1 2 a. —
2. 'verhauen, prügeln, schlagen' [verbr., Kühn Hamet 143]; Zs.: PfWB ab- 2,

[Bd. 6, Sp. 1305]
PfWB durch-, PfWB ein- 2 b, PfWB ver- 2 a, PfWB herwickeln; Syn. s. PfWB durchhauen 2, PfWB verhauen 1; eene w. [ KL-Wörsb]. Du wirst gewickelt!, Drohung [ GH-Freckf]. —
3. 'tüchtig essen' [KU-Schmittw/O NW-Deidh SOPf (Heeger Nachl.) Bayer Hackm. 80 Bernhard 188 Kühn Hamet 142 PfId. 151 Otterstetter 210 Vogelgesang Bliesmg 176], »fast nur bei Geburtsjg. 1914-1930 üblich« [Höh 122]; vgl. PfWB spulen 2 a, PfWB Wickel 7, PfWB Wickeler 1; Zs.: PfWB auf- 2, PfWB einwickeln 2 c; Syn. s. PfWB essen, PfWB vollfressen, PfWB wamschen 1 a. Um 6 Uhr se Nacht wickele [Kühn Kumödi 20]. Lobt der Preuß sein Pumbernikkel, / Un der Schwob sein Hutzelbrod: / Wann ich als mein Bretzel wickel, / Hotts uff dere Welt kän Not [Kühn Palz 74]. Och, e Werschtche ganft'r 'stiehlt er' sich! ... Wickelt 's Werschtche aus dr Fauscht [Kühn Hamet 51]. — In dieser Bed. auch belegt in der Sprache (dem Jenisch) der Eifler Hausierer [Kluge Rotw. 491, Wolf Nr. 6226]. — RhWB Rhein. IX 480/81; LothWB Lothr. 540 wiklen; ElsWB Els. II 809/10 wicklen.