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Pfälzisches Wörterbuch 
 
werfen bis Werg(en)-schurz (Bd. 6, Sp. 1260 bis 1263)
 
   werfen st.:
1.
a. 'etwas mit Schwung an eine andere Stelle befördern', werfe (węrfə) [verbr., Christmann Kaulb 13, 65 Henn Mda.-Int. 101, 200 Mang 96 Müller Dietschw 71 Otterstetter 51 Krämer Gal 241], warfe (warfə) [ BZ-Dernb], worfe (wǫrfə, wḁrfə) [ KU-Kreimb Kus]; Part. Perf. geworf (gəworf) [WPf, Schneckenburger 25, 41], gewarf (gəwarf, gəwḁrf) [KU-Bedb Christmann Kaulb 18 Mang 104, 195], g'worfe (gwǫrfə) [VPf]; mda. geläufiger ist schmeißen; vgl. PfWB schicken1 1 b; Zs.: PfWB ab-, PfWB ane-, PfWB an-, PfWB auf-, PfWB aus-, PfWB be-, PfWB tot-, PfWB Tüpfen-, PfWB durch-, PfWB Eier-, PfWB ein-, PfWB ent-, PfWB ver-, PfWB vor-, PfWB Geißen-, PfWB heraus-, PfWB herum-, PfWB herunter-, PfWB her-, PfWB hinab-, PfWB hinauf-, PfWB hinaus-, PfWB hinein-, PfWB hinüber-, PfWB hinunter-, PfWB hin-, PfWB nach-, PfWB Schneeballen-, PfWB über-, PfWB um-, PfWB wegwerfen; eem ebbes ins Kreiz w. [ KU-Bedb]. Des werft e (hocher) Schnee! 'Es schneit viel' [ KU-Bedb

[Bd. 6, Sp. 1261]
FR-Bockh]. RA.: die Flint ins Korn w. 'resignieren, Selbstmord begehen' [vereinzelt]; aus'm Sarrel w. 'aus dem Sattel w., besiegen' [ KU-Schmittw/O]; sich in Buschduur (Postur) w. 'sich aufrichten' [Kaislt]; in Staat w. 'elegant kleiden' [ KU-Herschw/Petth]; sich in die Bruscht w. 'stolz auf sich und die eigenen Taten' [ KU-A'glan LU-Opp]; ebbes in die Woochschal w. 'Argumente liefern' [ LU-Opp]; sich jemand an de Hals w. [vereinzelt]; eem ebbes in die Ribbe (Seit) w. 'jemanden bestechen' [vereinzelt]; mit de Worscht (Brot, Brotworscht) noom Schinke w. 'Gutes für Besseres hergeben' [vereinzelt]; Sprenkel (Sprenkel1) w. 'Hindernisse bereiten' [ KU-Kaulb LU-Limbghf NW-Lach/Speyd]; vun de Kanzel w. 'Aufgebot durch den Pfarrer' [ KU-Bedb Don-Schowe]. Er hat e Aa uf's geworf un wann es das hinnerscht es [ KB-Kriegsf]. Ich werf der aa emol widder 'n Stään in deine Garde 'Ich werde mich für diese Gefälligkeit revanchieren' [mancherorts]. Sie rafft die Steen un er werft se [ Don-Gottlob, KU-Schmittw/O]. 's werft 'n 'Er ist betrunken (und stürzt)' [ KU-Bedb]. Er hot sunscht nix in die Woogschal ze w. g'hat 'keine Argumente' [ BZ-Dernb]. Mer werft rechter em beese Hund e Brocke hie wie em gude [vereinzelt]. De Petrus kechelt, er werft alle nein (neune), sagt man, wenn es donnert [ KB-Kriegsf]. Er ißt die Kersche un werft der d'Steen ins G'sicht [ BZ-Dierb]. Werf'm e Stäin on de Kopp, do gehrer aach net lohm [ KU-Schmittw/O]. Der is wie e Katz, denne kannschte w., wie de willt, er fallt immer uf die Fieß [vereinzelt, auch Don Gal]. Eine weitere RA. s. PfWB Bettelbube. Einen AR. s. PfWB Bohnenblatt 1. KR.: Nikolaus, fang die Maus / Und werf die Maus zum Fenschder naus [Der Trifels 24. 12. 1933]. Heit Owend kummt de Belznickel / Was will dann der bei mer? / Ich nemmen an de Zippelkapp / Un werfen vor die Deer! [Donnersberg Jahrbuch 1981 167]. —
b. in verschiedenen Spielen: 'einen Gegenstand wegschnellen' [vereinzelt]; Eier w. 'im Spiel Eier auf der Wiese kugeln' [ KU-Bedb]. Beim Klickerspiel w. [ RO-Ruppeck KB-Bennhs]; vgl. Hinaus-, PfWB Nachwerfchens; Syn. s. PfWB schnellern 2 und K. 243 knäupeln. Beim Kegelspiel: in die Volle w. 'der erste Wurf, bei dem noch alle Kegel stehen' [ RO-Dielkch]; e Loch w. 'nur einige der Kegel treffen' [ LA-Wollmh]; Sand w. 'die Kugel neben das vorgesehene Brett auf den Boden werfen' [ LA-Wollmh GH-Kand]. —
2. 'Junge zur Welt bringen' [mancherorts, Lambert Penns 172]; vgl. PfWB Gewerf, PfWB Werfe. Die Kuh (Katz, Loos) werft [ NW-Frankeck]. Die Sau hot zehn Junge geworf [ PS-Geisbg]. —
3. 'sich (auf)wölben', sich w. [vereinzelt]. Das Kleid werft sich [ KL-Neukch]. 's Breed (Brett) (Holz) hot sich geworf [ KU-Schmittw/O]. —
4. 'mit losen Stichen anheften, reihen' [ KU-A'glan]. De Schneirer worft die Ärmel mit Reihfärem in de Rock [ KU-A'glan]. — RhWB Rhein. IX 435 ff.; LothWB Lothr. 538; ElsWB Els. II 848.
 
  
Werfer m.:
1. 'besonders dicker Klicker', Werfer

[Bd. 6, Sp. 1262]
(węrr) [ KU-Patb]; Syn. s. PfWB Schießklicker. —
2. vgl. PfWB Minen-, Stern(en)werfer.
 
  
Werf-klicker m.: 'besonders dicker Klicker', Werfklicker [ KU-Ehw Krottb Sand Theisbgstg HB-Seyw]; Syn. s. PfWB Schießklicker.
 
  
Werg n.:
1. 'grobe Flachs- oder Hanffasern', aus dem 1. Arbeitsgang mit der groben Hechel, auch Hanfabfall zusammen mit verwirrten Fasern, für grobe Tuche, oft blaugefärbt für Arbeitskleidung, Werg (węrg, wrg) [KU-Albess Etschbg Glmünchw Kaulb Kollw Schmittw/O Theisbgstg W'mohr ZW-Dietriching Wiesb RO-Bistschd Finkb/Gersw O'hs Rehbn Sippf KL-Hirschhn PS-Bobth KB-Boland Kriegsf Mörsf Stett NW-Haßl Lach/ Speyd Spey GH-O'lustdt Heeger Südostpf. 27 Mang 95 Wilde 88 Krämer Gal 241], Werch (węrχ) [vereinzelt, Christmann Kaulb 13, 66], Werrick [Lambert Penns 172]; vgl. PfWB Mäsch; Zs.: Ä-, Ab-, Grobwerg, Regenwergentuch. Die Hoor sinn wie W. 'verfilzt' [ RO-Alsbr]. Aus W. hot mer Sackleine un Strick gemach [Krämer Gal 241]. Ebbel orrer Beere for W.! riefen die Hausierer in Dörfern der VPf [Wilde Notizen]. RA.: Sitzt do wie e Maus im e Wickel W. [NPfGV 1926 S. 18]. Der hat selwer W. am Rock (Rocken, Stecken) 'Er ist selbst nicht frei von Schuld' [Hebel 23, KU-Schmittw/O KL-Katzw BZ-Rohrb Schandein Sprachsch. Thielen So rerre mer 123 Wilde 90]. Rätsel von der Katze: Vore e Klingel Gaare, in der Mitt e Wickel W. un hinneno e Spazierstecke [ Don-Gottlob]. Volksbr.: »Solange ein Mädchen W. plicken mußte, durfte es keine fremden Spinnstuben besuchen« [Feierowend 1949 Nr. 25 S. 6]. 14. Jh.: Item wer ein werg wirfet, der sol nid minre werfen dane zwene strenge unde ses gebont [StArch. Kaislt Zunftordnung 3]. a. 1758: 7 lb Werk [Kurpf. 1580/90 (KU-Rothsbg)]. —
2. 'feinere Flachs- oder Hanffasern', aus dem 2. Arbeitsgang mit der feinen Hechel, für Hemden, Tisch- und Handtücher [KL-Kottw/Schwand Weilb LA-Impfl]; Zs.: PfWB Leichtwerg. Se spinnt reen W. 'feines W.' [LA-Impfl]. —
3. Weitere Zs.: PfWB Sichelwerg. — Es ist möglich, Werg wie PfWB Werk zu ahd. wërah, mhd. wërc, wërch 'Werk, Tat, Handlung, Arbeit, zubereiteter Rohstoff' ( Lexer Lexer III 770 ff.) zu stellen (Kluge-Seebold22 788). — RhWB Rhein. IX 440/41; LothWB Lothr. 538 Werk II; ElsWB Els. II 850; Hess.-Nass. IV 628/29 u. K. 38; DWB DWb. XIV, I,2 312 ff.
 
   Wergel Gen.?:
1. 'Bündel von Flachs, das auf dem Spinnrocken steckt', Wergel (węrgəl) [ KU-Föckbg], Wärjel [Lambert Penns 172 Penns-DeitschEck 10. 8. 1946]. —
2. 'Spinnrocken, Spule am Spinnrad', Wirkel [NW-Lach/Speyd Klein Wag. 108]; vgl. PfWB Wirtel 1; Syn. s. PfWB Kunkel1 u. K. 268; s. Abb. 90 a und b.
 
 
Wergel-beer, -holz s. Wärgelbirne, PfWB -holz; wergeln 'sich wälzen' s. PfWB wärgeln.
 
  
wergen Adj.: 'aus Werg gesponnen und gewebt', von grobem Gewebe für Säcke, Arbeitskleidung, altmda., werge (węrgə) [verbr., Schmitt Billh. 87

[Bd. 6, Sp. 1263]
Krämer Gal 241], wirke (wirgə) [IB-Eschring BZ-Dörrb Eußth Nd'horb GH-Bellh Knitth Nd'lustdt], werricke [Lambert Penns 172]; vgl. PfWB wergleinen; Zs.: PfWB grob-, PfWB rauh-, PfWB reinwergen; werge Duuch (Zeich) [mancherorts]; e bloo werkene Schorz (Hosse) 'aus blauem Leinen' [vereinzelt]; wergenes Duch (Zeich) for Säck [PS-Busbg Krämer Gal 241]; zwei Arten von wergenem Gewebe: raan w. 'reines, feines' und grob w. 'grobes, rauhes' [ NW-Haßl]. a. 1425: wircken breits duchs, von halp wircken linen duche [LeinArch. Löhne]. a. 1747: Item Ein hänffen und ein würken leytuch [Kurpf. 978-976]. a. 1790: An Leinwand und Getüch: 27 Pfd. wergen Garn [SSp F29/11 (KU-Dittw)]. a. 1788: ein werken Leintuch [Kurpf. A. 1631/8/37 (KL-Steinwd)]. RhWB Rhein. IX 441; ElsWB Els. II 850 wirken, werken; DWB DWb. XIV, I,2 322/23 wergen; XIV, II 551 wirken.
 
 
Werg(en)-gabel f.: 'Spinnrocken, Kunkel, worauf zu spinnendes Werg gesteckt wird', Werrickgawwel [Lambert Penns 172]; Syn. s. PfWB Kunkel1 1 a und K. 268. DWB DWb. XIV, I,2 324. — -garn n.: 'aus Werg gesponnenes grobes Garn'; a. 1790: 5 Pfd. grob werg Garn [SSp F29/11 (KU-Dittw)]. — -schurz m.: 'Arbeitsschürze des Bauern', Wergschorz [ NW-Forst]; bloe Wergeschorz [ KB-Kriegsf SP-Ottstdt].