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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Weichsel-kirsche bis Weide-geld (Bd. 6, Sp. 1161 bis 1169)
 
Weichsel-kirsche, f.
Weichsel-zopf, m.
weich-sieden, st.
Weich-teil, n.
Weicken-feld, n.
Weide1, f.
Weide2, f.
Weide-bube, m.
Weide-feld, n.
Weide-gang, m.
Weide-geld, n.
Weidel, n.
Weidel-bach, ON
Weidel-brunn, ON
Weidel-mühle, f.
weiden1, Adj.
weiden2, schw.
weiden3
Weiden-acker, m.
Weiden-band, n.
Weiden-bast, m.
Weiden-baum, m.
Weiden-busch, m.
Weiden-garten, m.
Weiden-gerte, f.
Weiden-gras, n.
Weiden-katze, f. n.
Weiden-kätzchen, f. n.
Weiden-klauer, m.
Weiden-korb, m.
Weiden-kraut, n.
Weiden-loch, ON
Weiden-mann, m.
Weiden-pfeife, f.
Weiden-putsch, m.
Weiden-rute, f.
Weiden-schabsel, n.
Weiden-schale, f.
Weiden-schwicke, f.
Weiden-stock, m.
Weiden-storzen, m.
Weiden-stumpen, m.
Weiden-thal, ON
Weiden-weger, m.
Weide-pferd, n.
Weiderich, m.
Weide+-strich, m.
Weide-stück, n.
Weide-vieh, n.
Weid-feld, n.
Weid-hof, m.
Weid-hund, m.
Weidig, n.
Weidling, m.
Weid-mann, m.
Weidmanns-dank, m.
Weidmanns-heil, n.
Weid+-schiff, n.
Weid-werk, n.
Weid-wurzel, f.
Weier, m.
Weier-hof, ON
Weierich
weiern
Wei-fuß, m.
Weih
Weih-busch, m.
Weihe1, f. m.  (n.)
Weih, f. m.  (n.)
Weihe2
Weihe-feuer, n.
weihen, schw.
Weihen-tal, n.
Weiher, m.
Weiher+-beil, n.
Weiher-damm, m.
Weiher-densche, f.
Weiherer-berg, m.
Weiher-garten, m.
Weiher-gasse, f.
Weiher-hof, m.
Weiher-kopf, m.
Weiher-mühle, f.
weihern1, schw.
weihern2
Weiher-schnake, f.
Weiher-wasem, m.
Weiher-wiese, f.
Weih
-nacht, f. Pl.
-nachten, f. Pl.
Weihnachts-abend, m.
Weihnachts-apfel, m.
Weihnachts-baum, m.
Weihnachts-bescherung, f.
Weihnachts-braten, m.
Weihnachts-brezel, f.
Weihnachts-deihe, f.
Weihnachts-essen, n.
Weihnachts-feier, f.
  Weichsel-kirsche f.: 'Sauerkirsche (Prunus mahaleb)', Weichselkersche Pl. [vereinzelt]. — -zopf m.:
1. 'verfilzte Haarklumpen an Pferdemähnen und Rinderschädeln', nach dem Volksgl. von Hexen und Mahren geflochten, wenn sie nachts die Tiere reiten und quälen, -zopp [ BZ-Dernb]; vgl. PfWB Mahrlocken 1. —
2. 'verfilztes Haar am Hinterkopf kranker Kinder', wenn sie viel liegen und der Kopf daher schlecht gereinigt werden kann, -zopp [ BZ-Dernb], Wichselzepp Pl. [ Gal-Dornf]; vgl. PfWB Mahrlocken 2. — Der erste Wortteil gehört zu poln. wieszczyca 'Nachtgespenst, Nachthexe' Kluge-Seebold22 782. — DWB DWb. XIV, I,1 536/37.

[Bd. 6, Sp. 1162]

 
   weich-sieden st.: 'weichkochen', wääschg'sottne (Part. Perf.) Eier [ LU-Friesh].
 
 
Weich-teil n.: 'Körperseite, Hüfte', Wäächdääl [Pirmas]; vgl. PfWB Weiche1.
 
  
Weicken-feld n.: FlN, amtl. Im großen Weickenfeld, mda. Weickefeld [ KL-Heilmosch]. a. 1601: daß weitfeldt genannt [Zweibr I, A. 937 Bl. 5 (KL-Heilmosch)]. a. 1755: auf Weigefell [Zweibr I A 941 (KL-Heilmosch)]. Christmann SN II 555 Weickenfelderhof.
 
  
Weide1 f.:
1. 'Silberweide (Salix alba), Korbweide (Salix viminalis)', beide Arten werden in der Benennung kaum unterschieden, beide können als Kopfweiden zum Schnitt von Weidenruten gezogen werden (im Unterschied zur Salweide Salix caprea), Weid (waid) [verbr. ges. Pf außer lothr. SWPf und mittl. Südpfalz, Krämer Gal 240], Weide m. f. [Lambert Penns 176], Wäid (węid) [ HB-Böckw IB-Seelb], Wääd (wd) [vereinzelt ges. Pf, »vielfach, vor allem VPf« (Wilde 255)], Waad (wād) [KB-Gauh Orb (um 1930 von älteren Leuten)], Widd (wid) [mancherorts lothr. SWPf, GH-Kand (um 1930 von älteren Leuten) Neubg Vogelgesang Bliesmg 176], Wied (wīd) [ PS-Schweix]; Pl. Weide (waidə) [vereinzelt], Weire (wairə) [verbr.], Waaire (wāirə) [ ZW-Schmitshs], Weiere (waiərə) [ ZW-Käshf L'wied Marthh], Widde [IB-Ormh KL-Fischb Kaislt (Wilde 255)], Weede [Umg. von KL-Landstl (Wilde 255)], Werre [Umg. von KL-Landstl (Wilde 255)], Wääre (wrə) [KL-Weilb »Landau Ost, Umg. von KL-Kindsb« (Wilde 255)], Waare (wārə) [ KL-Drehthhf Reuschb], Weile (wailə) [ KU-Bedb Erdb IB-Wolfh], Wille (wilə) [HB-Nd'gailb IB-Ensh (Glass 131) Vogelgesang Bliesmg 176], Wiere (wīrə) [ PS-Schweix]; s. K. 384; vgl. PfWB Entennest 2; Zs.: Band-, Trauer-, Gelb-, Korb-, Reißsal-, PfWB Salweide 1, PfWB Salweidenlaub; Syn.: PfWB Bandenbaum, PfWB Bandenstock, PfWB Bandstumpfen, PfWB Kätzelbaum, Rieslingstock, PfWB Strunk(en) 1 b, PfWB Weidenbaum, -busch, -putsch, PfWB Wilge; Zahme Weire [KL-O'arnb (Wilde Notizen)], diese Bezeichnung für angepflanzte Korbweiden steht im Unterschied zu Wilde Weide (Weide1 3 a und b). Bappele un Weire wachse om Wasser [ KU-Schmittw/O]. Ich such mer an de Bäch die Weire / un mach die scheenschde Körb devun [Burgey Keschte 58]. Dann han alle Weide ihr Kätzelcher bliehe [Kröher Lyoner 102]. RA.: Er kann sich oon de Weire hewe 'Er bekommt nichts mehr von seiner Geldforderung zurück' [ KU-Schmittw/O]. Eine Scherzfrage s. PfWB Bruchsal. a. 1482: Wiese by der langen widen [LandsbgZb. Bl. 45 r]. a. 1530: 6 dußet 8 hundert weyden holtz zu houwen [GgHospR]. —
2. Teile der Weide1 1 (Salix).
a. 'die geschnittenen Weidenruten', als Flechtmaterial für Körbe, als Bindematerial für Reisig oder Reben, besonders auch im alten Kammertbau (Scharff 187/88), meist im Pl. Weire [verbr., Kamm 68 Wilde 255], Weile [ IB-Wolfh],

[Bd. 6, Sp. 1163]

[Bd. 6, Sp. 1165]
Wiere [ PS-Schweix], Wille [Vogelgesang Bliesmg 176]; Dim. Pl. Weidcher (waidχər) [ KU-Schmittw/O]; vgl. PfWB Band 5 a, PfWB Bandwide, PfWB Biegband, PfWB Trudel1 3, PfWB Garbenseil, PfWB Gebund 3 b, PfWB Gerte 1, PfWB Klank, PfWB Klang 1, PfWB Leimrute, PfWB Ring, Rink(en) 1 c κ, PfWB Saum, PfWB Saumen1 2 b, PfWB Schleiße, PfWB Schleize 1 b, PfWB Schmicke 3, PfWB Schneller 1 c, PfWB Schnelzer 1 b, PfWB Stiefelband, PfWB Stockband, PfWB Stopfer 4 a, PfWB Weidenband, -gerte, -rute, PfWB Wiede1; Zs.: Bieg-, Bind-, Busch-, Heft-, Kammert-, Sillen-, Stock-, PfWB Wingertsweide(n); dinne Weide [LA-Leinsw (WKW 66, 70)]; Weire schneire [ KU-Patb]; Weire butze 'Bindeweiden vorbereiten: säubern, kürzen, sortieren' [ BZ-Nd'horb, mancherorts]. Die Weire werre geschless (schleißen, schleizen) 'der Länge nach gespalten oder entrindet' [ KU-Schmittw/O]. Ich geh Weire (Pl.) schneide [ LU-Opp]. Die Körb vun Weire, Plastik, Droht, / zu allem dun se dauche [Burgey Keschte 46]. RA.: Sie ist zäh wie e Weid [allg. (Wilde 260)], biegt sich wie e Weid [allg. (Wilde 260)]. Der werd noch sei Schuh mit Weire binne 'Es wird ihm noch schlecht gehen' [Krieger 43]. Sie spare an alle Ecke, awwer ehr Schuh brauche se sich net mit Weire ze binne! [Feierowend 5/1953 Nr. 24]. SprW.: Wer in de Weide sitzt, schneid't sich Peife 'Jeder ist auf seinen Vorteil bedacht' [ LU-Opp]. Wann mer en de Weide huckt, muß mer sich Peife schneide 'Man muß die Gelegenheit, Chance nutzen' [ LA-Herxh]. Volksgl.: »Für das Hauen, Stechen und Schneiten und Blutstillen: Mit einem Stickchen Weit, Gebraucht In den drey Hechsten Namen darüber gefahr, Bis schweiß daran hengt wieder Zusammengebunden Mit einem Vaten gebunen und in meinem Koth geschmiert und in Babier eingewickelt und in Beth Stroh gelegt oder in den Schanste (Schornstein) gehengt« [NPfGV 11/1926 104 (Montforterhof bei RO-Duchr/O'hs)]. Um Salzflechte loszuwerden, gehe man dreimal vor Aufgang und nach Untergang der Sonne zu einer Weide und lasse sich dort die kranke Hautstelle je dreimal von einer Person des anderen Geschlechtes mit einem jungen Weidenzweig kreuzweise bestreichen. Dazu werden allerlei formelhafte Worte gemurmelt [Feierowend 8/1956 vom 17. 3. 1956]. »Weidelein, ich knüpfe dich, ich knüpfe 77erlei Fieber in dich, das kalte und das heiße aus meinem Blut, aus meinem Fleisch, aus meinem Schweiß. Im Namen des +++« [Heeger Vhk. 36]. »Beim abnehmenden Mond darf man keine Weiden und Reben schneiden, kein Kalb abbinden; dies muß im Zeichen des Löwen geschehen« [PfH 1931 Nr. 16, Feierowend 4/1952 Nr. 5 1]. Vieh werd därr oder kriegt Geelwasser 'Wassersucht' wammers mit Weide hagt (haut) [Fogel Beliefs Penns Nr. 765]. Volksmed.: Tee aus abgekochter Weidenrinde lindert Darmkatarrh, Erkältung, Kopfschmerzen, Rheuma, schwärende Wunden [Feierowend 8/1956 vom 17. 3. 1956]; vgl. PfWB Weidenschabsel, -rinde. Vk.: Zur Bedeutung der

[Bd. 6, Sp. 1166]
Weide in der pfälzischen Volkskunde (insbesondere die Korbflechterei, das Herstellen der Weidenpfeifchen) s. Becker Vk. 133; Schandein Bav. IV,2 356/ 57; Feierowend 8/1956 vom 17. 3. 1956. KR.: Reene, reene, Troppe! / Die Buwe/Mäd muß mer kloppe. / Die Mäd/Buwe muß mer schneide / mit de lange Weide. / Die Buwe/Määd kummen ins Fedderbett, / die Määd/Buwe kummen ins Scheißeck [ Gal-Brig]; Var. s. PfWB Federbett, PfWB Mädchen 1 a, PfWB schneiden 1. VR.: Schneid Weire ab, schneid Weire ab unn loß die Stoppel steh'; wenn die Mädcher verheiert sein, sein se net mäi schee [Brandstätter in: PfMHk. 7/8 1925 169, GH-Berg Wilde 259]. Do unne im Dal, wo die Weide sich bie'n, verhaaen zwä Männer sich die Plottköpp, daß die Hoor ewegg flie'n [KL-Trippstdt (Wilde 259)]. Sunn, Sunn, scheine, / fahr mer iwwer de Rheine, / fahr mer iwwers Glockehaus, / gucken drei Buppe raus. / D'erscht spinnt Seire, / zwett spinnt Weire, / dritt spinnt e rorer Rock, / fer unser Vedder Jakob [ GH-Vollmw]. Die Eisebahn fahrt iwerzwerch / Vun Mannem bis uff Heidelberg, / Fahrt iwers Gloggehaus, / Gucken drei schöne Bobbe raus. / Die ä' spinnt Seide, / Die anner wiggelt Weide / Die anner spinnt en rode Rock. / Fer unsern liewe Herrgott [VPf (Wilde 259)]. Reire, reire Reßche, / dart owwe steht e Schleßche, / dart owwe steht e Herrehaus, / gucken drei Madamme raus. / Aan wickelt Weire, / die anner spinnt Seire, / die drett macht e rore Rock / far mein Brurer Jakob [KU-Hefw, Donnersberg-Jahrbuch 1981 165]. Weitere VR. u. Var. s. PfWB Madam 1 a, PfWB Roß, PfWB Schloß 2, PfWB Seide 1. Bastlösereime, Weidenklopflieder: Saft, Saft, Seide, / Hur in die Weide, / Hur in das Dindeglas, / Daß de Saft erauslaaft! / Mudder geb mer e' Nodelche! / Was dust de mit 'm Nodelche? / Säckelche flicke, Säckelche flicke, / Stäänche lese, Stäänche lese. / Was duste mit de Stääncher? / Vö'elcher werfe, Vö'elcher werfe! / Was dust de mit de Vö'elcher? / Brode, brode, / Daß de Saft ganz gut gerode [KU-Wolfst (Wilde 257), Donnersberg-Jahrbuch 1981 168]. Saft, Saft, Seire, / Holler in de Weire, / Holler in de Reggebach / Un do is mei Peif gemacht! [Carl Pfalz im Jahr 74]. Holler, holler Weire, / Saft in de Seire, / Saft in de Hollerbach / Is mei Peifche ausgemach [ KU-Körbn]. Weid, geb mer e Peifel! / For was dann e Peifel? / Musik mache, Musik mache. / For was dann Musik mache? / Zum Spiele, zum Spiele [Neustdt (Wilde 257)]. Wuppe, wuppe, Weide / Mein Messer will net schneide; / Do werf ich's in de Grawe, / Do freß es die Hinkel un die Rawe! ... [PS-Saalstdt (Wilde 258)]. Huppert, Huppert (Huppert), Weire, / Saft, Saft, Seire, / 's Messer leit im Grawe, / Do hole mer's die Rawe, / do hole mer's die Mückeschwänz / Wawapp, wawapp / Mein Peifche geht aus unn geht ab [ KU-Brück]. Männel uff 'm Dach! Peifl krach, krach, krach! [ PS-Claus]. Sachkunde und Var. s. Wilde 257 ff. und Huppe, Huppert 1 a, PfWB Saft 1 a, PfWB Weidenpfeife. Kinderspiel: Ich wasche meine Hände, / Trockene sie ab, steck se

[Bd. 6, Sp. 1167]
in de Sack, / Steck se in die Seite, / Mach wickle, wickle Weide [Umg. von Zweibr (Wilde 260)]. a. 1788: »Das Weidenschneiden vor Martini ist verboten bei 1 fl 30 kr Straf« [Eyselein 123]. —
b. 'die Blüte der Salweide (Salix caprea)', Pl. Wille [ IB-Ensh]; vgl. PfWB Weidenkätzchen. —
3.
a. 'Flohknöterich (Polygonum persicaria)', Wille Weide Pl. [LA-Altd Marzell III 942], Wille Weire Pl. [KL-Fischb Umg. von Kus (Wilde 250) Marzell III 942], die Pflanze sei gleich Weiden als Bast verwendbar (Wilde 250); Bezeichnung nach der Form der Blätter (Marzell II 942); vgl. PfWB Flohgras, -kraut, Weidenbast-, gras, -kraut, PfWB Weiderich 1. —
b. 'Blutweiderich (Lythrum salicaria)', Wilde Weire Pl. [KL-Fischb (Wilde 24) Marzell II 1514]; vgl. PfWB Blutkraut 1, PfWB Blutweiderich, PfWB Fuchsschwanz 2 a γ, PfWB Rattenschwanz 4 c, PfWB Rotschwanz, -schwänzchen 2 a, PfWB Spitzweiderich, PfWB Weiderich 2. —
c. ein nicht näher bezeichnetes (Garten-)Unkraut, wille Weire Pl. [RO-Sippf KB-Kriegsf]. —
4. FlN, amtl. Unter den Weiden [ KB-Ilbh]. Zu weiteren Weide-FlN s. Zink FlN 121. um 1300: an den widen [P. Weissenberger: Geschichte des Klosters Kirschgarten in Worms. Worms 1937 57 (FR-O'sülz)]. a. 1477: das felt hynder der wyden [Veld. I 86 (Burg Lichtenberg)]. a. 1587: Item anderthalben morgen an den dicken Weiden [Kurpf. Fasz. 1088 Bl. 14 (LA-Gleisw)]. a. 1599: hinder der weiden [SSp A 14/847e, 6v (KB-Ilbh)]. —
5. weitere Zs. in PfWB Trauerweide 2. — F.: Das Wort Weide für den Baum Salix ist zu trennen von Wiede1 'Rute aus Hasel, Eiche, Weide usw.'. — RhWB Rhein. IX 369 ff.; LothWB Lothr. 541 Wied; ElsWB Els. II 792/93 Wid(e); Marzell IV 8 ff.; WKW 66, 67, 70.
 
  
Weide2 f.:
1. 'Viehweide', Wääd, Weed (wd, wēd) [mancherorts mittl. und SPf, Bernhard 184 Glass II 75 Höh 84 Kamm 67 Müller Dietschw 70 Otterstetter 68 Lambert Penns 175 Krämer Gal 240], Wäid (węid) [ KU-Schmittw/O Theisbgstg LA-Knöring Mart], Waaid (wāid) [ KU-Bledb IB-Nd'würzb ZW-Bottb NW-Duttw], Waaed (wāəd) [ RO-Teschmosch], Waad (wād) [mancherorts NPf, Christmann Kaulb 24, 66 Krämer Gal 240], (wd) [ KB-Kriegsf], Waar (wār) [ KB-Gauh], Wäär (wr) [ KU-Albess Körbn], Weud (woid) [ NW-Freinsh]; Pl. Wääle [Vogelgesang Bliesmg 172]; Dim. Wäädche, Weedche [ KU-Wolfst], Waadche [ KU-Obw/T], Wäädlen [ GH-Scheibhdt]; Zs.: (auch FlN) Allmend-, Atz-, Ätz-, Aucht-, Augen-, Aus-, Pferds-, Pfingst-, Bien(en)-, Bocks-, Tag-, Tal-, Tier-, Driesch-, Esels-, Vieh-, Fohlen-, Frank-, Füllen-, Füller-, Gänse-, Geil-, Geiß(en)weide, PfWB Großweidestück, Hammel(s)-, Hasen-, Honig-, Hühner-, Hünkel(s)weide, PfWB Hutweidbrunnen, Hut-, Immen-, PfWB Kälberweide, PfWB Kälberweidstücker, Klee-, Klingen-, Koppel-, PfWB Kuhweide 1, PfWB Kühweidstücke, Lämmer- 2, Laus-, Lerchen-, Mittags-, Mol-

[Bd. 6, Sp. 1168]
ken-, Mühl-, Nacht-, Neu-, Ochsen-, Rauch-, Rauh-, Roh-, Sau-, Schaf(s)-, Schleif-, Schmalz-, Schorn-, Sommer-, Spätjahrs-, Steil-, Stoppel-, Wald-, PfWB Wildbretsweide. Das Vieh uf die W. treiwe [ RO-Als]. Die Bien uf die W. fiehre [ RO-Bistschd]. Die Kieh sin in die Wayt [Danner Penns 82]. Ochse off umzeinte Wäde / kaue, muhe, luhe zu [Kraus Arwed 40]. Sie blärrt e wennich wann er ruft, / Freßt weiter in de W. [Birmelin Penns Gezw. 127]. Grad wie e jung Gääßeböckelche, wanns zum erschtemol mitlaafe derf uff die W. [Kühn Kumödi 30]. RA.: sich uff da W. ernähre 'bei anderen schmarotzen' [Glass II 81]. Er esch Wasser un W. g'wehnt 'Er ist hier zu Hause' [LA-Impfl]. 'r hot a paar in der W. 'Er hat einige uneheliche Kinder (zu unterhalten)' [Fogel Prov. Penns Nr. 1822]. Volksgl.: Wammer die Kieh es erschtmol in die W. dut, saagt mer: »Freß net wie en Wolf!«, no werre sie net dick [Fogel Beliefs Penns Nr. 841]. Vk.: »Nach der Heuernte war die Weide wieder frei bis 25. Juli (Jakobstag); dann durfte nur das Grummetvieh ausgetrieben werden« [Ecker 154]. Zum Weidebetrieb in der Pfalz s. Bekker Vk. 42, 262 ff. KR.: Hoppe, hoppe, Reirer, / Gail gehn uf die Weire, / 's Fillche, des lääft weg, / de Peder licht im Dreck [ LA-Mörlh]. a. 1421: zu weiden zu gahn mit sonnenschein [ABlieskst 70]. a. 1480: Item wan ein arman rüsen (Reuse) fürdt vff die weyde da so er kein schatze zu machen [HagbWeist. (MHVPf. 4/1874 5)]. a. 1658: haben einen acker und waidt auf dem waidtsberg [GdArch. KL-Ottbg Gewannenbuch S. 5]. a. 1673: Drey Morgen ist ein Waid am MülPfad [GGA A. Nr. 526 b (KB-Morschh)]. —
2. 'Feldsalat (Valerianella olitoria)', Wääd [Wilde 57]; die Pflanzen sind ein beliebtes Frühjahrsfutter für die Schafe; Zs.: PfWB Lämmerweide 1; Syn. s. PfWB Feldsalat. —
3. ' Teile der Rebwurzeln', Wääd [ LA-Mörzh BZ-Dörrb]; vgl. PfWB Weidwurzel; s. WKW 2 Geweide, 3 Weidwurzel. —
4. FlN, mda. Die rot Weid [ KU-Haschb/R]; Zs. s. PfWB Weide2 1. a. 1490: Wiese ist genannt die weyde ligt vff der bach [SSp Lgb. KB-Rams]. a. 1532: in der alten gassen stosset uff die weid [SSp Lgb. NW-Seeb I Bl. 31]. a. 1563: fünffvndzwanzig morgen die Benn vnd weiden genant [SSp Lgb. FR-Dirmst Bl. 340]. — RhWB Rhein. IX 366 ff.; Lothr. 534/35 Weid, ALLG I 282; ElsWB Els. II 965.
 
 
Weide-bube m.: 'Hirtenjunge', Weedbu, Waadbu [Krämer Gal 240]. Hurra, alleweil hör ich se, des sin jo die Weedebuwe (Pl.) mit de Kerwekucheklappre! [Schuler Baurekerb 11]. Volksbr.: Die Weidebuben ziehen mit Peitschenknallen vor die Häuser und singen: Kerwekuche, Klapperkuche, for die NNN-er Weedbuwe!. Sie heischen Kuchenstücke, die sie in eine lange Weidenrute stecken, die unten ein Querholz hat. Die Rute mit den sich ansammelnden Kuchenstücken wird auf dem Rücken geschultert [Schuler Baurekerb 12]. a. 1772: »Meinen Weidbuben hab ich auch müssen allein legen« [PfH 1921 Nr. 24]. LothWB Lothr. 535 Weidbu. — -feld n.: 'Viehweide',

[Bd. 6, Sp. 1169]
Weedfeld [Lambert Penns 175]. — -gang m.: 'Aufenthalt des Viehs auf der Weide'. »Von Martini bis Maria Lichtmeß dauert der Weidegang der Schweine. Die Verpachtung des Eckerrichs ist oft an drollige Gebräuche geknüpft: Kann zum Beispiel der Pächter, auf dem Boden sitzend, seinen Stulphandschuh mit Eicheln füllen, wenn er um sich greift, so ist der Weidegang gut, und danach richtet sich der Pachtpreis« [Dimel 45]. a. 1421: daß der vorgenante wäidgang und hochgericht gehört dem, der ein herr zu Zweybrücken ist [PfWeist. 99 (Bergz)]. a. 1480: da haben wir von Hagenbuch des weydegancke von allen unszern altern [HagbWeist. (MHVPf. 4/1874 6)]. a. 1565: Alle viehdrib vnd weidgang inn Belheimer gemarcken hab ein gemein vnd sonst niemant zu geniessen [PfWeist. 95 (GH-Bellh)]. a. 1772: Gerechtigkeit des Weidgangs wegen [Eyselein 72]. RhWB Rhein. IX 368; ElsWB Els. I 223; DWB DWb. XIV, I,1 558/59. — -geld n.: 'Pacht für eine Viehweide'. a. 1563: dem domstifte zu Worms folgend weidgeld zu geben schuldig [PfWeist. 89 (FR-Beindh)]. a. 1724: das Schloß Falkenburg an die Gemeind Hawenstein 16 Malter Schirmhaber (Schirmhafer), jährlich Weidgeld und Hühner zu fordern sich anmaße [Kreuter Haust 43]. DWB DWb. XIV, I,1 559.