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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Walze bis Walzen-lande (Bd. 6, Sp. 1036 bis 1038)
 
   Walze f.:
1.
a. 'Ackerwalze', zum Zerkleinern der Erdschollen und Andrücken, Einebnen der lokkeren Erde, Walz (walds, wals) [verbr., Kleeberger 122 Mang 80 Müller Dietschw 70], Pl. -e [verbr.]; Zs.: PfWB Acker-, PfWB Eisen-, PfWB Glatt-, PfWB Hand-, PfWB Holz-, PfWB Ringel-, PfWB Rund-, PfWB Schollen-, PfWB Stachel-, PfWB Sternwalze; in älterer Zeit bestand der Walzenkörper aus einem zylindrischen Baumstamm oder Stein, moderner sind Walzen aus Gußeisen, man unterscheidet daher die holze, eise W. [ KB-Bennhs]; die gussene W. [ KB-Gauh FR-Bobh]. Die W. muß die Schwolle verdricke [ KU-Schmittw/O]. —
b. 'Straßenwalze' [verbr., Krämer Gal 238]; Zs.: PfWB Dampf-, PfWB Schossee-, PfWB Schrotten-, PfWB Straßenwalze. Un dann die Stroße in de Palz! / Die brauchen allegar die W. [Münch Werke II 202]. —
c. 'walzenförmiger Teil, Welle an Geräten'. α. 'Windachse am Erntewagen', s. Abb. 24 [äußerste SWPf]; Verbr. s. K. 49; Zs.: PfWB Bindwalze; Syn. s. PfWB Bindachse. —
β. 'mit Zähnen bestückte Welle der alten Rübenmühle' [ NW-Frankeck PS-Geisbg]. —
γ. 'Flügelwelle in der Windmühle zum Reinigen des Getreides' [ KU-Herschw/Petth PS-Schmalbg]. —
δ. ' Teil der Dreschmaschine' [ KL-Reichb]. —
2.
a. 'zusammengerolltes Heu, Heuwalze, die beim Laden des Wagens vorn und hinten als Abschluß dient' [ GH-Knitth]. —
b. 'großer Schneehaufen' [ KL-Reichb]; Zs.: PfWB Schneewalze. —
c. 'dicker Spielklicker' [ HB-Erb ZW-Rieschw RO-Finkb PS-Rodalb LU-Opp GH-Kand]; Zs.: PfWB Blei-, PfWB Dampf- 2 b, PfWB Haferwalze; Syn. s. PfWB Schießklicker. —
d. 'rollende, wellende Bewegung; Welle' [ GH-Jockgr Neubg]. Die Wärm (Würmer) hawe Walze g'schlache, vom Wimmeln der Würmer an einem faulen Käse [ GH-Jockgr]. —
e. vgl. PfWB Brunnenwalze. —
3.
a. 'dicke, unförmige Person' [ ZW-Battw KB-Kriegsf]; Zs.: PfWB Dampf- 2 a, Stra-

[Bd. 6, Sp. 1037]
ßenwalze 2; Syn. s. PfWB Dicksack. —
b. 'langsame, schwerfällige Person' [ZW-L'wied Höh 154]. —
4.
a. 'Wanderschaft, Reise', von zunftmäßigen Handwerksburschen, aber auch herumziehenden Landstreichern, meist in den Wend.: uf de Walz sein; uf die Walz gehe 'auf Wanderschaft sein (gehen)' [KB-Albish, verbr.]. Er geht uf die W. [ ZW-Bechhf]. Er war finnef Johr uf de W. [ KU-Schmittw/O]. Wann iss Er vun dehääm fort uff die W. gedibbelt? [Kühn Kumödi 41]. Ich häng an de Häämet, an unsere Palz / un geh halt als Pälzer aach gern uff die W. [Wilms Land und Lewe 33]. —
b. 'das (abendliche) Ausschwärmen, im Dorf Herumstreichen', bes. von jungen Leuten anläßlich der Spinnstube [vereinzelt]; vgl. PfWB Schnurre 1. — RhWB Rhein. IX 228/29; LothWB Lothr. 529; ElsWB Els. II 825.
 
  
walzen schw.:
1. 'mit einer Walze bearbeiten, glätten, auswalzen', walze [verbr., Lambert Penns 173]; Zs.: PfWB an-, PfWB aus-, PfWB durch-, PfWB ein-, PfWB ver-, PfWB herüber-, PfWB hinein-, PfWB hinüber-, PfWB hinunter-, PfWB rein-, PfWB über-, PfWB um-, PfWB unter-, PfWB zusammenwalzen; die Stroß w. [Krämer Gal 238]. Die Wiß werd gewalzt [ KB-Kriegsf]. 's Korn leit, wie wann's gewalzt wär [ KU-Schmittw/O]. —
2.
a. 'drehen, rollen, wälzen' [ LU-Altr]; Zs.: PfWB daraufwalzen; e Faß walze [ LU-Altr]. —
b. 'Heu zum Laden zusammenballen' [ NW-Hamb]; vgl. PfWB Walze 2 a. —
3. 'sich langsam, schwerfällig fortbewegen' [ZW-L'wied LU-Alsh BZ-Dernb, Höh 130]; Zs.: PfWB an- 2, PfWB ane-, PfWB daher-, PfWB dahinwalzen. Er walzt langsam iwer die Gaß hin [ BZ-Dernb]. —
4.
a. 'auf Wanderschaft gehen, im Lande (bettelnd) herumziehen', bes. von zunftmäßigen Handwerksburschen, aber auch vom fahrenden Volk' [verbr., Otterstetter 209]; Zs.: PfWB herum-, PfWB umher-, PfWB zurückwalzen; Syn. s. PfWB bitten. Er is dorch ganz Deitschland gewalzt [ FR-Bockh]. —
b. 'reisen, herumgehen' [ KU-Hundh ZW-Bottb GH-Leimh]. Ich sein halt wieder ham uff Mackebach gedibbelt un vun dort hieher uff Landa gewalzt [Kühn Kumödi 105]. —
5. 'Walzer tanzen' [ FR-Bockh LU-Alsh LA-Venn SP-Heiligst]; Zs.: PfWB mitwalzen. Mer danzt un walzt, is froh un lacht [Münch Werke II 394]. — RhWB Rhein. IX 229; ElsWB Els. II 825.
 
  
wälzen schw.:
1. 'sich (auf dem Boden) rollen, kugeln', wälze [vereinzelt, Lambert Penns 177], altmda. eher PfWB wälgern, PfWB wärgeln; Zs.: PfWB herumher-, PfWB herumwälzen. Die Sau wälzt sich im Dreck [ BZ-Dernb]. Die Wasserflute awer wälze / Sich weiter iwer Steen un Felse [Münch Werke I 38]. —
2. 'etwas vor sich her rollen'; Fässer wälze [ KB-Albish]; Zs.: PfWB ab-, PfWB um-, PfWB wegwälzen. — RhWB Rhein. IX 229/30.
 
  
Walzen-achse f.: 'durch die Walzenkörper gehende Achse der Ackerwalze', Walzeachs [ LU-Alsh NW-Geinsh]. — -arm m.: 'paarweise vorkommendes seitliches Teil des Walzenrahmens', nur Pl. -ärem [ FR-Tiefth LU-Friesh]. — -baum m.: 'Gabeldeichsel für die Ackerwalze', nur Pl. -bääm [ KB-Gauh]. — -deichsel f.: 'Deichsel der Acker-

[Bd. 6, Sp. 1038]
walze', -deichsel [ KL-Reichb], -deichel [ WD-Niedkch], -deisel [ KU-Schmittw/O KB-Kriegsf], -teisel [ KU-Bedb]. — -gestell n.: 'Rahmen um den Walzenkörper', -gestell [mancherorts]. RhWB Rhein. IX 229. — -joch n.: = PfWB Walzengestell, -joch [ KB-Kriegsf FR-Tiefth Don-Schowe]. — -klotz m., n.: 'der zylindrische Walzenkörper', -klotz [mancherorts NPf MPf]; Gen. m. vorherrschend, Gen. n.: WD-Niedkch RO-Dielkch KB-Kriegsf. RA.: Er is gleichlinge dick wie e W., von einem, der gleichmäßig dick ist [ KU-Bedb]. RhWB Rhein. IX 229. — -lande f.: 'Deichsel der Ackerwalze', -lann [ LU-Alsh NW-Geinsh]. —