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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Oster-morgen bis Oster-samstag (Bd. 5, Sp. 282 bis 284)
 
   Oster-morgen m.: wie schd., Oschdermorje, -morche, -morge u. a., s. PfWB Morgen [verbr.]. Volksgl.: Wenn Mädchen sich am O., von anderen unbeobachtet, an einem fließenden Gewässer waschen, werden sie schön [ LU-Opp]. Südhess. IV 1116; Rhein. VI 432. — -musik f.: 'Tanzveranstaltung an Ostern', -mussik [ KU-Bedb ZW-Battw]. Südhess. IV 1116. — -mutzen m.: 'mit einem rautenförmigen Muster versehenes Ostergebäck', nur Dim., -motzel [GH-Scheibhdt (Bertram in: WestmAbhandl. 5/1941-42 281)]; zum Grundw. s. PfWB Mutzen.
 
  
Ostern1 Pl.: wie schd., Oschdere (ōdərə) [verbr. WPf NPf mancherorts VPf, Bertram § 178 Christmann Kaulb 78 Mang 123 Müller Dietschw 54 Schneckenburger 26 Krämer Gal 159], Oschdre (ōdrə) [mancherorts VPf, Kieffer 58 Lambert Penns 116], Ouschdre (ǫudrə) [mancherorts SOPf], Auschdere [ BZ-Nd'horb GH-Leimh], Uschdere [ RO-Duchr/O'hs]; an O. [ KU-Hefw, mancherorts]; an de O. [ LU-Friesh, mancherorts]; uf O. [ ZW-Battw, mancherorts]; an O. rum 'ungefähr zur Osterzeit' [ LU-Alsh]; noo O. (nach O.) [ KU-Hefw]; nooch de O. [ NW-Haßl]. Die O. kumm ich 'An O. komme ich' [RO-Sippf]. Iwer die O. is scheen Wedder [ LU-Friesh]. Iwer O. verrääs (verreise) ich [ NW-Esth]. Uf die O. kummt Besuch [ LU-Friesh]. Er kemmt an de O. in die Schul [ KU-Diedk]. Er werd an O. kunfermiert [ LU-Opp]. RA.: Bei dem kummt O. no

[Bd. 5, Sp. 283]
Pingschde 'Er ist nicht ganz richtig im Kopf' [ KU-Wolfst]. Ich schlan der hinner die Ohre (an de Kopp, uff de Backe usw.), daß de maanscht, O. un Pingschde wäre (falle) uf een Dag [KU-Kaulb, verbr.]. SprW.: Die hot soviel Arweit wie dr Paff an O. [vereinzelt Don]. Wann bei de Jurre wär kän O. un bei de Krischde wär kän Kerwe, mischde mer im Dreck verderwe, weil vor Ostern und Kirchweih gründlich sauber gemacht wird [ KU-Schmittw/O]. BR.: Wann an O. 's Korn so groß is, daß sich e Rab drin versteckele kann, dann gebt's e guri Ernt [ ZW-Bechhf]. WR.: Weihnachde im Klee - O. im Schnee oder auch: Weihnachde im Schnee - O. im Klee [KU-Hinzw, verbr.]. Lichtmeß im Klee - O. im Schnee [ LU-Alsh, mancherorts]. Grieni Weihnachde - weißi O. [ LU-Alsh, mancherorts]. Osterbrauchtum s. Becker Vk. 312 ff. und Judasfeuer, Karsamstag, kippen 2c, Klapperbuben, Osterbrand, -ei, -gärtchen, -hase, -lamm, -morgen, Ostergebäck, das meist von den Paten geschenkt wurde, s. PfWB Brezel, PfWB Bubenschenkel, PfWB Puppe 3a, PfWB Osterhase 2, -lamm 2, -mutzen, -weck, PfWB Zitronenbrötchen und Bertram in: WestmAbhandl. 5/1941-42 280 ff. Einen VR. s. PfWB Kloster 2b. Mitte 14. Jh.: sehs hvnre zv ostern [Lam 1 59v (PS-Heltbg)]. a. 1502: uf sontag nach ostern [HornbReg. n. 620]. a. 1566-87: zu ostern alß mir den dauff han gesegent [SSp, Kirchenrechnungen 63 (BZ-Wernbg)]. Südhess. IV 1116/17; RhWB Rhein. VI 428; LothWB Lothr. 396; ElsWB Els. I 81.
 
 
Ostern2 Gen.?: nur in der Formel hinter Ostern (setzen, gehen) 'in das Gefängnis (setzen, gehen)'. a. 1613: »Den Feldschützen wird bei ihrer Anstellung vorgehalten, daß sie und ihre Weiber sich ja nicht noch einmal auf den Kirsch- und Obstbäumen finden lassen sollen, sonst würden sie hinter Ostern gesetzt« [Küchler 88 (Kaislt)]. a. 1615: Weilen Hanß Rübel dem Geschworenen der Metzgerzunft über das Maul gefahren, denselben seines Gefallenen stumpfiert, ihn auf's Maul hauen und übel traktiren willte, soll er hinter Ostern gesetzt, damit sich andre daran stoßen können [ebd. 96]. a. 1651: »Einem Bürger Strohschnitter wurde in einer Klagesache angedroht, daß er hinter Ostern gehen müsse. Er sagte hierauf trotzig: Wenn ich hinter Ostern gehen soll, so kann ich auch hinter Pfingsten gehen. Man war darüber in der Ratsversammlung sehr entrüstet und setzte ihn sofort so lange hinter Ostern, bis er die Strafe von 5 Pfund Heller erlegt hatte« [ebd. 180]. — Nach Christmann-Friedel 548 entstanden aus der Bezeichnung Turm hinter Ostern, einem ehemaligen Stadtturm, dem Gefängnis für kleinere Vergehen.
 
 
ostern schw.: 'auf die Osterzeit zugehen'. Schatz, o Schatz, ich bleib' d'r trei, / Ouschtert's kumm' ich häme [Rohr 161].

[Bd. 5, Sp. 284]

 
  Oster-nest n.: = PfWB Osterhasennest, Oschder- nescht, Ouschder- [mancherorts]. Südhess. IV 1117. — -putz m.: wie schd., -butz [ KU-Hundh GH-Kuhdt]. Südhess. IV 1117.
 
  
Öster-reich n.: wie schd., Eschd(e)reich [ KL-Reichb, vereinzelt], Esdereich [Krämer Gal 159]. SprW.: E. - Kleschderreich (Klösterreich) [ KU-Schmittw/O]. Südhess. IV 1117; RhWB Rhein. VI 438.
 
  
Österreicher m. (f.):
1. 'Einwohner von Österreich', Eschd(e)reicher [Kaislt]. —
2. 'Silvaner', Name einer Rebsorte, mancherorts Gen. f., wohl elliptisch aus *Österreicher Traube, Eschtreicher (ēdraiχər) [verbr. (Weinbaugebiete) NPf VPf], Eschdereicher [ KU-Wolfst NW-Kallstdt Wachh], Est(e)reicher (ēsd-, ēsdə-) [mancherorts, Wilde 203], Echtreicher [ SP-Mechth], Eschtreischer [ KB-Gauh], Oschtreicher [ FR-Dirmst], Oschdereicher [ BZ-Albw]; vgl. PfWB Franken, PfWB Frankenriesling, PfWB Frankentraube, PfWB Silvaner; man unterscheidet weiße (grine) und rode Estreicher [ FR-Dirmst, mancherorts]. Im Wingert hen mer lauder E. [ LU-Alsh]. —
3. 'Birke (Betula verrucosa)' [GH-Weingt (Wilde 18)]. Zur Erklärung gibt Wilde an: »Nach den weißen Soldatenmänteln der Ende 1700 in der Pfalz vielfach kämpfenden österreichischen Truppen«. — Südhess. IV 1117/ 18; RhWB Rhein. VI 438.
 
 
Oster-samstag m.: 'der Samstag vor Ostern', Oschdersamschdag, -samschdaach u. a., s. PfWB Samstag [mancherorts]; Brauchtum s. PfWB Karsamstag. Südhess. IV 1117. —