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Pfälzisches Wörterbuch 
 
Oktober-gewitter bis Öl (Bd. 5, Sp. 252 bis 253)
 
   Oktober-gewitter n.: 'Gewitter im Monat Oktober', Okdowergewidder, -gewirrer, s. PfWB Gewitter [mancherorts], bes. in WR., SprW.: Okdowergewidder - Leichebidder [mancherorts Gal]. WR.: Okdowergewirrer saan (sagen) bestännich: Der kinfdiche Winder sei werrerwennisch [ KU-Brück]. — -markt m.: 'zur Zeit des Oktober stattfindender Markt', -mark [ GH-Kand]. — -sonne f.: wie schd., -sunn [mancherorts]. BR.: O. geht em Wein gewunn (geht dem Wein gewonnen = bedeutet für den Wein einen Qualitätsgewinn) [ FR-Bockh]. Südhess. IV 1087. — -tee m.: 'Wein', scherzh., -tee [ LA-Mörzh Venn]. Südhess. IV 1087. — -zwiebel f.: 'Herbstzeitlose (Colchicum autumnale)', nur Pl. -zwiewle [ SP-Harths]; Syn. s. PfWB Nackarsch 3 a.
 
  
Oktroa m.:
1. 'Steuer, Zoll auf Marktwaren, die zum Markt nach Landau oder Weißenburg gebracht wurden', um 1925 schon veraltet, Okdroa [LA-Dammh Land Siebdg BZ-Bergz

[Bd. 5, Sp. 253]
Kling Schweighf], Okdra [ LA-Mörzh]. —
2. 'Verbrauchs-, Umsatzsteuer', veraltet, Oktewa [Kus]. — Aus frz. octroi 'Stadtzoll' (Schulz-Basler II 243). — Südhess. IV 1087/88.
 
  
Oktroa-haus n.: 'Wachhäuschen am Stadtrand von Landau, an dem eine Marktsteuer entrichtet werden mußte', Ogdroahaisel [Land BZ-Kling], Ogdra- [ LA-Mörzh]; vgl. PfWB troa. Südhess. IV 1088.
 
  
Okuli ohne Art.: 'dritter Fastensonntag', nur in dem Jägerspruch: Okuli, do kumme sie, Judika sein a noch da (nämlich die Schnepfen), Palmarum tralarum [ KU-Schmittw/O].
 
  
okulieren schw.:
1. 'Obstbäume veredeln', neben den altmda. Ausdrücken blätteln, possen, zweigen vereinzelt nach dem Schd, sofern nicht die unter 2 genannte Veredelungstechnik gemeint ist, okuliere (ogu'līrə) [ HB-Lu'thal FR-Tiefth], okeleere (ogə'lērə) [ ZW-Ixh]. —
2. 'Rosen veredeln', eine Veredelungstechnik, bei der ein Auge unter die mit einem Kreuzschnitt gelöste Rinde eingepflanzt wird, okuliere, okeliere [mancherorts VPf SPf], okoliere [ PS-O'simt], okuleere, okeleere [mancherorts WPf], okliere [ LA-Herxhwey Wollmh GH-Kand Rh'zab GH-Zeisk], okuliare [ GH-Scheibhdt]. — Südhess. IV 1088; RhWB Rhein. VI 384/85.
 
 
Okulier-messer n.: 'Messer mit gekrümmter Klinge zum Veredeln', Okuliermesser, Okelier-, Okeleer-, Oklier-, s. PfWB okulieren [mancherorts]. Südhess. IV 1088.
 
  
Öl, Olen.: wie schd., Eel (ēl) [verbr. WPf mancherorts VPf, Bertram § 108 Christmann Kaulb 21 Höh 57 Mang 107, 143 Müller Dietschw 26 Schneckenburger 26], Eele (ēlə) [SP-W'see Harths LA-Gommh GH-Freisb Schwegh Weingt Heeger Südostpf. 11], Äil (ęil) [mancherorts SOPf (Umg. Landau), Bertram § 108], (il) [LU-Altr (Bertram § 108)], Ejle (eilə) [Heeger Südostpf. 11], Ole (ōlə) [mancherorts SOPf (Heeger Südostpf. 11)], Oule (ǫulə) [LA-Edk Nd'hochstdt Nußd O'hochstdt Venn Heeger Südostpf. 11 PfId. 103]; beim Nebeneinander von Öl und PfWB Olig, wird Olig stets als veraltend oder nur noch von Alten gebraucht bezeichnet. Gelegentlich wird das Nebeneinander zur Bedeutungsdifferenzierung genutzt, z. B. Öl 'Salatöl', Olig 'Rapsöl zur Bereitung von Pfannkuchen' [ LU-Limbghf], Öl 'Mineralöl', Olig 'aus Leinsamen, Raps, Früchten gewonnenes Öl' [IB-Bliesmg/Bolch ZW-Battw KB-Orb Wilde 36 Krämer Gal 158], vgl. hierzu auch Bertram § 110; Zs. nach Gewinnungsart, Herkunft: Anis-, Baumöl, Brennesselwurzel-, Erd-, Karbol-, Klettenwurzel-, Kohl-, Lein-, Lor-, Magel-, Magelsamen-, Mohn-, Oliven-, Rizinus-, Rosen-, Rüb-, Stein-, Stink-, Wacholderöl, nach Verwendung: Bremen-, Brenn-, Brummser-, Haar-, Lampen-, Licht-, Malefiz-, Maschi-

[Bd. 5, Sp. 254]
nen-, Salat-, PfWB Schmieröl; Eel ablesche (ablöschen) 'heißes Öl durch Zugabe eines festen Mittels, (z. B. rohe Kartoffelscheiben) läutern und im Geschmack verbessern' [ LU-Neuhf BZ-Dernb]; vgl. PfWB abkreischen2, PfWB kreischen2. 's Eel is gestee, von dickflüssigem Öl [ KU-Bedb]. 's Eel laaft [ LU-Alsh]. Die Aerwet esch Peffer am Hummer / Un 's Oule bescht du, Humor! [Rohr 171]. RA.: fett wie Oule [ LA-Nußd]; e Keppche wie Eel, nor net flissich [Kaislt]. Er macht e Gesicht wie wanner's heilig Öl verschütt't hätt [Hebel 14]. Volksmed.: Mittel gegen Ohrleiden: E bissi Eel uf Watt mache un ins Ohr stecke [ KU-Schmittw/O]. Bei Verbrennungen, Insektenstichen und Schmerzen wird die betreffende Stelle mit Öl eingerieben [RO-Sippf]. Bei Verbrennungen wird Mehl auf die Wunde getan und Öl darauf geschüttet [ KU-Herschw/Petth]. Öl von einem Totenlicht gilt als Heilmittel gegen Warzen [ BZ-Dernb]. a. 1330: zynß an korn wyn Gelte oley vnd kappen [Lam 1, 112r (NW-Deidh)]. 15. oder 14. Jh: davon er alle jahr giebt ein eimer oli gen Wilgertzwiesen in die kirch [Grimm Weist. V 558 (BZ-Wilgws)]. a. 1465-70: Item 15 lib. oleys ... von eim wingart [Lgb. 115 (NW-Hamb)]. a. 1492: Item fur ein pfund oley dreißig schilling [PfWeist. 11 (FR-Albsh)]. a. 1553: Item soll der meiger zü fastnacht bringen dem vogt ein schussel mit viesch, XII pfund oleis [PfWeist. 633 (IB-Gersh)]. a. 1541: Ausgab vmb oly [GgHospR]. a. 1568: auch giebt der schultheiz von seinem ampt ein halben aimer ole und der pastor auch ein halben aimer, damit das gotzhaus desto bas beleucht werde [Grimm Weist. V 568 (LA-Gleisw)]. a. 1568: vier cappen und ein halben aimer öle [ebd.]. a. 1621: Item 7 ½ batzen ... darfür Licht vndt Ohly erkaufft worden [WerschwSchR 170]. a. 1629: An olich felt obberurtten (dem oben erwähnten) closter jarlich virtzigein pfund öhl von zweien hoffstatten [PfWeist. 799 (FR-Gr'karlb)]. — Zusammen mit Olig sind die verschiedenen Formen (vgl. mhd. öle, öl, ole, oli, olei Lexer Lexer II 152/53) zu verschiedenen vulgärlat. Ausgangsformen zu stellen: olium lat. oleum und *oleium, *olegium < griech.-lat *oleion (Kluge-Mitzka20 522 Müller-Frings GermRom. 346-349). Südhess. IV 1088; RhWB Rhein. VI 385 ff.; LothWB Lothr. 120; ElsWB Els. I 30.